Schwarzbunte Tage3

„Und wie fandst du die Party?“, fragte Livia Miguel mehrere Tage später.

„Toll. Und du?“

„Ich auch.“

Ein Ruck ging durch den Zug. Miguel und Livia kamen gerade von einer Karnevalsparty aus Köln zurück und es war schon dunkel geworden.

„Hast du das auch gespürt?“, fragte Livia.

„Ja, habe ich. Setz dich mal neben mich.“, meinte Miguel.

„Aber dann wird mir schlecht.“

„Das mag sein, aber wenn du rückwärtsfährst ist es sicherer, da du im Unfalls fall in den Sitz gepresst wirst.“, meinte er ruhig.

Sie setzte sich um und kaum saß sie, ging ein weiterer Ruck durch das Abteil. Diesmal war es begleitet von einem metallischen krachen. Miguel sah wie sein Abteil in die Luft gehoben wurde. Ein Mann flog den Gang entlang und knallte gegen eine der Scheiben an den Ausgängen. Das Metallische kreischt wurde unglaublich laut. Alles vibrierte. Glassplitter und Metallteile flogen durch die Gegend.

„Runter!“, schrie Miguel und machte sich klein und schützte seinen Kopf mit den Händen. Dann kippte der Zug leicht nach rechts. Miguel wurde in den Gang geschleudert. Livia hatte sich an dem Mülleimer festgekrallt und konnte so noch in dem Viererplatz bleiben. Schreie Gellten durch den Zug, doch sie wurden von dem Metallischen Kreischen geschluckt. Ein großes Metallteil schlug durch den Gang und traf Miguel. Inzwischen hatte sich der Zug aufgefächert und Miguel wurde durch eine der Scheibe geschleudert, welche er vorher angeschlagen hatte. in einem Scherbenregen flog er auf die Schienen. Und sah, wie sich die zwei Züge ineinander verkeilten. Immer noch flogen Splitter und Metallteile durch die Gegend. Als endlich Stille eingekehrt war, rannte Miguel zum Zug und kletterte durch das Fenster in das umgekippte Abteil. In einer Ecke sah er Livia. Sie war unter mehreren Stuhlgruppen und Metallteilen begraben. Er kletterte zu ihr hin und befreite sie aus den Trümmern. Zum Glück war sie Äußerlich fast unversehrt und ihr ging es auch den Umständen entsprechend gut. Gemeinsam gingen sie durch das Abteil und befreiten noch weitere fünf Personen. Diese trugen sie nach draußen und bauten einen Sammelplatz auf. Livia versorgte sie als Sanitäterin während Miguel einen Feuerlöscher suchte um das Ausgebrochene Feuer zu löschen. Er fand einen und rannte außen entlang zu einem Fenster in der Nähe des Brandes. Mit vereinten Kräften warf er den Feuerlöscher gegen die Scheibe, doch er prallte ab. Erneut warf er den Feuerlöscher mit dem Boden voran gegen die Scheibe. Doch auch diesmal prallte sie ab. Zumindest bekam sie nun Risse. Er warf ein drittes Mal den Feuerlöscher dagegen. Sie prallte wieder ab und es bildeten sich noch mehr Risse. Nun stemmte er den drei Kilo Löscher nach oben, nahm Anlauf und warf ihn im Rennen gegen die Scheibe. Er sah dass sie nun bersten würde und warf sich auf den Boden. Hart viel er auf die Schienen. Mit einem lauten Rums prallte der Feuerlöscher gegen die Scheibe und prallte ab, während die Scheibe brach. Eine Stichflamme schoss heraus und Miguel spürte die Hitze. Er war durchgeschwitzt und wollte am liebsten seinen Pulli ausziehen, welcher an ihm klebte, doch dann würde er keinen Schutz mehr haben. Er rief, ob da jemand in dem Abteil sei, und kletterte dann auf das kaputte Fenster. Ihm bot sich ein Bild der Verwüstung. Überall lagen Trümmer, Glassplitter und Sitze herum. Er schaute notdürftig, ob jemand in der Nähe der Feuerquelle war und zog dann den schweren Feuerlöscher herauf. Er schien nun um das Zehnfache an Gewicht zugenommen zu haben. Er löschte den Brand ab und machte sich dann auf den Weg im Inneren des Abteils auf der Suche nach anderen Personen. Er fand einen Jugendlichen, welcher scheinbar bewusstlos war. Als er ihn ausgegraben hatte, schliff er ihn zu einer Tür, öffnete sie von Innen per Hand und Stieg aus. Dann schulterte er den Jugendlichen und trug ihn nach draußen zwei Gleise weiter. Dort legte er ihn ab und machte einen Routine Check. Er funktionierte nur noch. Er dachte an gar nichts. Sein Kopf war leer und er machte den Body check. Er fand eine Schnittwunde in dem Arm des Jungen und verband sie notdürftig mit einem Tempotaschentuch. Noch einmal ging ein Ruck durch die verkeilten Züge. Das spürte er. Schnell schulterte er den Jugendlichen und rannte mit ihm über die Gleise, in der Hoffnung, dass sie gesperrt worden sind. Und dass die Zuständigen im nahen Bahnhof das mitbekommen hatten. Dann explodierten im Zug mehrere Druckluftbehälter. Miguel wurde mit dem geschulterten Jungen durch die Luft geschleudert. Eine Rauch und Staub schoss in alle Richtungen. Dann knallten die beiden hart auf die Schienen. Miguel blieb die Luft weg. So eine Bahnschiene konnte doch verdammt hart sein.

Comments

  • Author Portrait

    Hey! Vom Plot her finde ich dieses Kapitel wirklich interessant. Es lässt sich kein direkter Zusammenhang zu den Geschehnissen aus dem ersten und zweiten Kapitel herstellen, aber trotzdem geht man als Leser davon aus, dass die Ereignisse auf irgendeine Art und Weise zusammenhängen müssen. Wieso sollte das Ganze sonst so in den Vordergrund gestellt werden? Das stiftet zumindest mich zum Nachdenken und Entwickeln eigener Theorien an. Aber auch hier bin ich mit den Charakteren nicht so ganz glücklich. Meiner Ansicht nach wirkt vor allem Miguel zu perfekt und überlegen, wie er als einziger alle anderen befreit. Vielleicht könnte man einfach noch andere Passagiere einbinden, die den Unfall ebenfalls noch recht unversehrt überstanden haben und so nach weiteren Verletzten suchen und diese so gut es eben geht versorgen. So wirkt Miguel wie der einzige Held und Retter. Was mir allerdings wieder positiv aufgefallen ist, ist, dass du auf Miguels Schockzustand eingegangen bist („Er funktionierte nur noch. Er dachte an gar nichts. Sein Kopf war leer […]”). – Abschließend habe ich also zu sagen, dass Miguel in diesem Kapitel in meinen Augen etwas zu perfekt wirkt, mir dieses dritte Kapitel sonst aber gut gefallen hat.

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