Sein Schicksal formen

Um Yuu herum tauchte der Thronsaal wieder auf. Omnix hatte sie zurückgebracht, als er bemerkte, dass der lange Aufenthalt in Asuramarus Zwischenwelt zu sehr an ihren Kräften zehrte. Immer noch ziemlich fassungslos blickte der Junge auf seine Klinge, die in seiner Hand ruhte. "Warum?", ertönte da plötzlich Kruls Stimme hinter ihm und er drehte sich um. "Warum hast du ihm versprochen, ihm zu helfen?", fragte sie. "Weil er Hilfe brauchte", antwortete Yuu ihr. "Und als du vorher sagtest, dass du und er verwandt seid, da wusste ich sofort, das ich dir helfen würde." Krul sah ihn mit einem Blick an, en der Junge nicht identifizieren konnte. Plötzlich stürzte sie auf ihn zu und fiel ihm um den Hals. "Ich danke dir. Ohne dich wäre das niemals möglich gewesen", flüsterte sie. "Ist schon okay", murmelte Yuu, dem die Umarmung etwas unangenehm war. Krul löste sich von ihm und grinste. "Sind es die Zähne? Sind sie zu nah an deinem Hals?", fragte sie schelmisch. "Keine Sorge, ich werde dich nicht beißen." Mika legte ihr seine Hand auf die Schulter. "Ich freue mich so für dich Krul", meinte er und sie lächelte. Blitzartig drehte sie sich um und gab ihm einen Kuss. Als sie sich wieder voneinander lösten sank der Vampir beinahe in sich zusammen. Yuu legte sein Schwert auf den Boden. "Okay, ich gehe dann mal wieder. Ach ja, die Klinge lasse ich hier, falls ihr sie brauchen solltet", meinte er. "Oh und get a room." Mit diesen Worten verließ er unter Omnix‘ Führung den Thronsaal. Bevor sich die Türen schlossen blickte er nochmal zurück und erkannte, dass Krul seinem Bruder bereits den nächsten Kuss gab.
"Omnix?", fragte er das leuchtende Wesen, welches vor ihm herschwebte. "Hm?" "Glaubst du, dass es so etwas wie Schicksal gibt? Dass es Schicksal war, dass Mika ein Vampir wurde, so dass ich hierher zurückkehren würde und Krul wieder mit ihrem Bruder vereint sein kann?" Omnix überlegte eine Weile, dann antwortete er: "An etwas wie Schicksal zu glauben ist schwierig. Einerseits, wenn ich mich selbst betrachte, würde ich sagen, dass es schon so etwas wie ein Schicksal geben könnte. So wie es mein Schicksal ist, ruhelos zwischen den Welten zu pendeln. Andererseits dachte ich schon oft, dass etwas besiegelt sei und dann änderte es sich doch. Wenn du mich nun also fragst, ob es Schicksal gibt, dann würde ich sagen: Ja, doch genauso wie der Wind die Wolken verformt, so haben wir auch die Macht unser eigenes Schicksal zu formen." Yuu sah seinen Freund an und bemerkte, dass er plötzlich sehr viel älter aussah, als sonst. Der Junge vergaß oft, wie alt Omnix bereits war und so war es für ihn immer wieder überraschend, wenn zum Vorschein kam, was der Reinkarnitor schon alles erlebt hatte. Ein Schicksal, das man selbst formen konnte. Yuu musste zugeben, dass ihm diese Idee ziemlich gut gefiel.
"Yuu, ich werde diese Welt bald verlassen", riss ihn da Omnix‘ Stimme aus seinen Gedanken. Der Junge schüttelte verwirrt den Kopf, da er glaubte sich verhört zu haben. "Was? Warum?", fragte er aufgeregt. "Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte." Der schwarzhaarige Junge sah ihn fassungslos an. "War das alles Teil deines Planes, um die Vampire zu retten?", fragte er ihn. "Ja und nein. Du scheinst nicht zu verstehen, dass ich weder auf der Seite der Vampire bin, noch auf der der Menschen. Obwohl Krul denkt, dass ich vor Jahren bereits aufgegeben habe Frieden zu stiften, habe ich dennoch immer damit weitergemacht", antwortete der Reinkarnitor ihm. "All die Jahre hast du sie angelogen", flüsterte Yuu. "Es war notwendig, dass sie glaubte, dass ich aufgab. Nur so konnte ich meinen Plan weiterhin verfolgen", erklärte Omnix. "Und jetzt sind wir hier angekommen. An einem Punkt, von welchem aus wieder Hoffnung besteht." "Die Menschen werden die Vampire jetzt nicht mehr angreifen, weil sie mich und meinen Seraph fürchten", begann Yuu und Omnix nickte. "Auf der anderen Seite werden die Vampire die Menschen nicht mehr angreifen, weil Krul jetzt alles hat, was sie wollte", fuhr er fort. "Und so wird Frieden herrschen", beendete Yuu die Aufzählung. Omnix‘ Auge leuchtete belustigt auf. "Du bist ein schlauer Bursche", meinte er. Er wollte gerade gehen, doch Yuu stoppte ihn, bevor er davonfliegen konnte. "Heißt das, dass du Krul auch nur benutzt hast?", fragte er und das sternenübersäte Wesen blieb stehen. Er drehte sich zu dem Jungen um und sah ihn traurig an. "Nein", flüsterte er. "Ich…ich habe sie geliebt. Ich liebe sie immer noch. Deshalb hätte ich alles getan, um sie glücklich zu machen. Ich erkannte lediglich, dass ihr Glück der ganzen Welt zugutekommen könnte." "Willst du damit etwa sagen, dass du das alles hier doch nicht geplant hattest?", fragte der Junge ihn leise. Omnix musste leicht kichern. "Meine Ziele setzte ich vor Jahrhunderten. Aber du hast recht, ich habe keinen roten Faden verfolgt. Ich musste improvisieren und ich musste oft Pläne aufgeben, da sich die Umstände geändert hatten. Ich kann schließlich nicht in die Zukunft sehen Yuu." Der Junge war etwas überrascht. Er dachte immer, dass Omnix dieses eine Wesen wäre, welches alles wusste und immer so handelte, dass das Beste rauskommen würde. Doch nun erzählte ihm der Reinkarnitor, dass er sich geistig gar nicht so sehr von einem Menschen unterschied. Er war nicht allwissend und er war nicht allmächtig. "Ich werde mich bald von Krul und Mika verabschieden", erklärte der lebende Nachthimmel. "Meine Pflicht ist getan, meine Ziele sind erfüllt." "Und das waren wirklich deine einzigen Ziele? Krul glücklich zu machen und die Welt wieder einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen?", hakte er nach. Omnix bestätigte Yuus Vermutung mit einem Kopfnicken. "Interessant nicht wahr? Zwei Ziele, die verschiedener nicht sein könnten, aber sich dennoch gut ergänzten. Das ist das Schicksal, das ich mir in dieser Dimension geformt habe."

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