Sie läuft auf der Straße. Auf dem Weg zur S-Bahn. Sie hat ihre Kopfhörer auf und hört laut Musik. Sie träumt und spürt jeden Schritt den sie tut. Spürt ihre Füße auf dem Asphalt. Sie schaut auf und lächelt. Da an der Ecke steht ein Paar. Mitten auf der Treppe. Eng umschlungen. Sich liebevoll haltend. Ineinander verschlungen. Es sind Teenager. Eine junge unverbrauchte Liebe denkt sie. Sie liegt in der Luft und wird zu ihr herübergetragen.
Sie träumt und lächelt. Lächelt vor Freude. Lächelt vor Wehmut. Sie spürt das Gefühl in ihr aufkommen. Wie gerne würde sie nochmal von vorne anfangen. So wie die zwei dort auf der Treppe. Jung und unbeschwert durchs Leben tanzen. Mit einem jungen unbeschwertem Herzen. Mit einer Neugier, Sehnsucht und Unbedarftheit die Liebe für sich entdecken. Sie begrüßen und wieder lieben wie zum ersten Mal.
Sie träumt. Das Paar schaut auf, als sie vorbeiläuft und fängt ihr Lächeln auf. Fängt die Freude auf. Nimmt sich wieder in den Arm. Vergraben liegen die Köpfe in den Schultern. Sie lieben. So unschuldig und frei.
Sie träumt. Wie gerne würde auch sie wieder so lieben. Zu lieben wie beim ersten Mal. Ohne die Erfahrungen, die sie schon kennt. Ohne den Schmerz, der sie schon durchzogen hat. Ohne die Narben, die auf ihrem Herzen liegen. Ohne die Angst, vor der Enttäuschung. Ohne die Sehnsucht, nach dem Schmerz. Ohne die Erwartung, auf das Ende. Ohne die Hoffnung, auf eine ewige Zukunft. Ohne die Scherben, vor denen sie so oft stand. So unbedarf und neu, wie die zwei auf der Treppe, wird sie nie wieder lieben. Das wird ihr bewusst und sie muss lächeln. Lächeln vor Wehmut. Lächeln, um die Traurigkeit und die Sehnsucht zu vertreiben. Um das zu vergessen, was sie nie wieder erleben wird. Vergangene Momente. Eine geschriebene Geschichte.
Sie träumt. Träumt von der Zukunft. Verlassen liegt die Vergangenheit auf dem Boden. Getrieben von einem letzten Hauch der Erfahrungen und Erinnerungen ihres Herzens, steigt sie in die Bahn. Steigt über ihre Vergangenheit. Sie wirft einen letzten Blick aus dem Fenster. Auf das junge Glück. Dort unten auf der Treppe. Verschlungen ineinander. Getrieben auf der Woge ihrer unberührten Liebe. Dann fährt sie davon und sie träumt. Träumt von dem Glück, welches irgendwo da draußen auf sie wartet.

Comments

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    Danke :)

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    Auch dieser Text ist dir super gelungen. Ich mag das Ende :)

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