Silvies Brief

                 Geliebter Michael!

Du wirst es nie verstehen und nie verzeihen können. Und auch ich werde es mir nie verzeihen, denn ich ich liebe dich wirklich sehr und ich hätte gerne eine Familie mit dir gegründet. Das Einzige auf der Welt, das mir noch mehr bedeutet, als du, ist mein Sohn! Ich weiß, du liebst ihn, als wäre es deiner und vielleicht hilft dir das, meine Entscheidung zu verstehen...    

Du bist der liebevollste, zärtlichste und großzügigste Mann, den man sich wünschen kann. Du bist Klug, gütig, du schaust gut aus und es bricht mir das Herz, aber du hast dich mit Leuten eingelassen, die dich beinahe umgebracht haben. Und das nächste, was sie angreifen würden, um dich zu erpressen, sind die, die du liebst. Ich kann nicht bei dir bleiben, auch wenn ich weiß, wie sehr du mich jetzt brauchtest! Ich kann nicht zulassen, dass mein Sohn in einem Umfeld aufwächst, in dem er von der Mafia bedroht ist! Ich weiß es ist schäbig, zu gehen, solange du im Tiefschlaf bist, aber ich kann dir nicht mehr in die Augen sehn und ich weiß, dass ich es nicht fertigbringen würde, dich zu verlassen, wenn du auch nur ein Wort zu mir sagtest. Ich liebe dich so sehr und ich muss dich doch verlassen! Und ich werde meinen Sohn belügen müssen, um ihm den Trennungsschmerz zu erleichtern, denn ich kann ihm die Wahrheit nicht sagen. Ich werde ihn glauben lassen, du wärst ins Ausland gegangen und kämst nie mehr zurück. Ich kann ihm nicht sagen wie dich diese Schweine zugerichtet und gequält haben. Ich weiß, das ist nicht fair mein Liebling, doch das Leben ist nicht fair! Nicht zu dir und nicht zu mir! Bitte akzeptiere meine Entscheidung! Sie fiel mir unsagbar schwer, doch ich kann nicht anders! Ich liebe dich und ich werde dich immer lieben, bis ich sterbe, aber es hat einfach nicht sein dürfen... Bitte such nicht nach mir und Tommy! Er würde es nicht verstehen!

 In nie enden wollender Liebe,

 deine Silvie   


Selina sniefte. Wir waren in mein Labor gefahren, um Pläne aus meinem Tresor zu holen. Dabei war mir Silvies Brief auf den Boden gefallen, den ich all die Jahre als letztes Andenken in meinem Safe aufgehoben hatte. Selina hatte ihn aufgehoben und mir gereicht, doch ich gab ihn ihr zurück und bat sie, diesen Teil meiner Verangenheit zu lesen, um zu verstehen, dass ich ein seelenloser Roboter war, bis sie, Selina mir die Fähigkeit wiedergeschenkt hatte, Liebe zu empfinden. "Oh Michael!" Sie umarmte mich. Stumm, weil sie keine Worte fand. Dann plötzlich: "Michael, wenn Tommy diesen Brief liest, dann..." - "Liebling, ich weiß, du meinst es gut! Aber Tommy soll wenigstens von seiner Mutter immer das Beste denken.  Und schließlich hat sie mich ja verlassen, um inn zu schützen. Tommy hat lange Zeit gebraucht um den Mann, den er wie einen Vater geliebt hat, nicht mehr zu vermissen, indem er ihn für den vermeintlichen Verrat hasste. Sechs Jahre hat er geglaubt, ich hätte ihn im Stich gelassen. Das wird auch nicht mehr wirklich gut, wenn er erfährt, dass seine Mutter ihn belogen hat. Aber er kann dann auch an seine Mutter nicht mehr glauben, die er nur als liebe treusorgende Frau kennt! Es ist so wichtig, an seine Mutter glauben zu können! Soll ich das wirklich wollen? Nur um auf ein Vater-Sohn-Verhältnis zu hoffen, das sich nie mehr einstellen wird? Da bleibe ich doch lieber das Feindbild, das seit Jahren in Tommys Kopf lebt..."


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