Silvies Brief

"Hallo Schatz, wie war deine Vorlesung?" - "Hallo Silvia!" (Bertl sprach den Namen so aus, als wäre das v ein f, also Silfja). I bin leider net da Michl, i bin sei bester Freund, der Bertl..." - "Bertie, der Anwalt?" - "Ja genau, Silfia, weil der Michl der... dem is was passiert!" - "Oh Gott! Was ist passiert, Bertie? Bitte sag nicht, das die vom Konsortium..." - "Die vom Konsortium hätten den Killer zurückgepfiffen, aber der hat den Michl trotzdem schwerst verletzt. Der Michl braucht dich jetzt Silfia! Der liegt jetzt im Klinikum im Tiefschlaf und wird beatmet, aber wenn er aufwacht, braucht er allen Lebenswillen, den er kriag'n kann! Sein Leben hängt an einem seidenen Faden!" - " Bertie, das kann ich nicht! Ich hab einen Sohn, der ist vier Jahre alt! Ich hab eine Verantwortung! Ich kann ihn doch nicht der Gefahr aussetzen, von der Mafia umgebracht zu werden!" Schluchzte Silvia. Was ist denn nun mit meinem Michael? Kommt er durch?" - "Silfia, Ihr zwei, seid keine Minute in Gefahr gewesen und ihr seid auch jetzt nicht in Gefahr! Bitte reiß dich zusammen und gib dem Michl einen Grund, Leben zu wollen! Er hat sein Lebenswerk aufgegeben, Um euch nicht zu gefährden, um deinem Sohn ein Vater sein zu können! Der liebt euch über alles! Er hat sein ganzes Leben an dieser Entwicklung gearbeitet und hat sie jetzt aufgegeben um euch in Sicherheit zu wissen! Bitte sei jetzt da für ihn! Er braucht euch beide so dringend, wie die Luft zum atmen! Bitte lass mein Freind net sterbm! Soll ma uns treffen, damit i da alles erklär?" - "Bertie, ich hab noch nie jemanden so geliebt, wie Michael, aber ich kann Tommy nicht einer solchen Gefahr aussetzen!" - "Sag amal, was bist denn du für a Tussn? Hörst di du überhaupt reden? Der Michi braucht dich jetzt, verstehst des net? Der liebt den Buam und di über alles! Wenn du jetzt gehst... der wird ma hin, der stirbt zum Schluss! Bitte denk no amoi nach! Ihr beide seids nicht bedroht, des hat der vom Konsortium bestätigt!" - "Der hat auch gesagt, dass Michael nicht mehr bedroht ist..." - "Wennst du jetzad wirklich die falsche Entscheidung triffst, dann hast du drei Leut für den Rest ihres Lebens ins Unglück g'schickt! Bei dir is mir des wurscht, aber dei Bua und der Michel ham des nicht verdient..." Bertie legte auf! Er war so enttäuscht, wie schon lange nicht mehr! Er drehte sich noch einmal zu Michael. Am liebsten hätte er geweint, aber ihm war klar, dass damit weder ihm, noch Michael geholfen gewesen wäre. "I bin boid wieder bei dir, mein Freund! I muas mi jetzt um Einiges kümmern, aber i kumm boid wieder zu dir, Michi! Halt durch! Bitte!" Mit gemischten Gefühlen verließ er den Raum. Er würde mit Mira reden müssen und er musste zu Horst ins Heim fahren. Bertie rief seine Sekretärin in der Kanzlei an. "Angelika, auf Michael Montar ist ein Mordanschlag verübt worden! - Ja, er hat überlebt, wenigstens bis jetzt! Sagen sie alle nicht unbedingt notwendigen Termine ab und vertrösten sie die Wichtigen! Ich bin bis auf Weiteres im Dienste meines Freundes unterwegs!" - "Aber..." - "Klick."

Silvia war am Rande des Zusammenbruchs. Der Anruf hatte sie erreicht, als sie gerade die Firma verließ. Sie rief daraufhin ihre Mutter an und erzählte ihr was vorgefallen war, sie wolle nun in die Klinik fahren, Tommy würde sie später holen. "Mama, kein Wort davon zu Tommy! Bitte!" Silvia fuhr direkt zum Klinikum und wurde , nachdem sie erklärt hatte, seine Lebensgefährtin zu sein, zu Michael vorgelassen. Als sie ihn dort liegen sah in seinem Elend, künstlich beatmet und am ganzen Körper zerschunden, wurde sie von einem Weinkrampf geschüttelt und brauchte einige Zeit, um sich soweit zu beruhigen, ihn berühren zu können. Sie gab ihm einen Kuss auf die Stirn und sagte: "Michael, du weißt nicht, wie sehr ich dich liebe! Aber ich liebe auch Tommy! Ich bin seine Mutter..." Sie verließ das Zimmer und ging hinunter zum Krankenhauskiosk. Dort kaufte sie Briefpapier und setzte sich in der nächstgelegenen Ambulanz-Wartezone an einen Tisch. Sie schrieb einen Brief.

                Geliebter Michael!

Du wirst es nie verstehen und nie verzeihen können. Und auch ich werde es mir nie verzeihen, denn ich ich liebe dich wirklich sehr und ich hätte gerne eine Familie mit dir gegründet. Das Einzige auf der Welt, das mir noch mehr bedeutet, als du, ist mein Sohn! Ich weiß, du liebst ihn, als wäre es deiner und vielleicht hilft dir das, meine Entscheidung zu verstehen...    

Du bist der liebevollste, zärtlichste und großzügigste Mann, den man sich wünschen kann. Du bist Klug, gütig, du schaust gut aus und es bricht mir das Herz, aber du hast dich mit Leuten eingelassen, die dich beinahe umgebracht haben. Und das nächste, was sie angreifen würden, um dich zu erpressen, sind die, die du liebst. Ich kann nicht bei dir bleiben, auch wenn ich weiß, wie sehr du mich jetzt brauchtest! Ich kann nicht zulassen, dass mein Sohn in einem Umfeld aufwächst, in dem er von der Mafia bedroht ist! Ich weiß es ist schäbig, zu gehen, solange du im Tiefschlaf bist, aber ich kann dir nicht mehr in die Augen sehn und ich weiß, dass ich es nicht fertig bringen würde, dich zu verlassen, wenn du auch nur ein Wort zu mir sagtest. Ich liebe dich so sehr und ich muss dich doch verlassen! Und ich werde meinen Sohn belügen müssen, um ihm den Trennungsschmerz zu erleichtern, denn ich kann ihm die Wahrheit nicht sagen. Ich werde ihn glauben lassen, du wärst ins Ausland gegangen und kämst nie mehr zurück. Ich kann ihm nicht sagen wie dich diese Schweine zugerichtet und gequält haben. Ich weiß, das ist nicht fair mein Liebling, doch das Leben ist nicht fair! Nicht zu dir und nicht zu mir! Bitte akzeptiere meine Entscheidung! Sie fiel mir unsagbar schwer, doch ich kann nicht anders! Ich liebe dich und ich werde dich immer lieben, bis ich sterbe, aber es hat einfach nicht sein dürfen... Bitte such nicht nach mir und Tommy! Er würde es nicht verstehen!

 In nie enden wollender Liebe,

 deine Silvie  


Silvia hatte viermal anfangen müssen zu schreiben und auch auf der letzen Version des Briefes lagen ihre Tränen, aber sie hatte ihre Entscheidung getroffen! Sie ging nochmal in Michaels Zimmer, wo sie sofort wieder zu weinen begann. Sie blieb fast zwei Stunden sitzen bei ihm und hielt seine Hand. "Die glücklichste Zeit meines Lebens habe ich mit dir verbracht, Michael. Sie hat gerade mal eineinhalb Wochen gedauert, aber sie wird, solange ich lebe, mein größtes Glück gewesen sein!" Noch einmal legte sie ihre Wange an seine... Sie küsste ihn auf die Stirn und legte den Brief auf den Nachttisch. Sie ging zur Tür und wahrscheinlich wusste sie dort schon, dass diese Entscheidung die Falsche gewesen war. Dass sie nie mehr glücklich werden würde. Sie drehte sich noch einmal zu Michael um, schluchzte kurz auf und verschwand aus seinem Leben so unvorhergesehen, wie sie hinein geraten war...

Comments

  • Author Portrait

    Finde ich jetzt auch nicht in Ordnung von ihr. Also so schnell verschwinden... das ist enttäuschend. Das wäre doch sicher auch anders gegangen. Sie hätte Michael schon mehr beistehen sollen.

  • Author Portrait

    Ich muss zugeben, ich bin sehr enttäuscht von Silvia. Sicher, sie ist eine Mutter und sie hat was zu beschützen, aber ich hätte mehr Kämpferin von ihr erwartet. Das Wesen, das sie zu Beginn zeigte und nicht eine Frau, die wegrennt, wenn Not am Mann ist und sie gebraucht wird.

  • Author Portrait

    Der arme Michael :'( Irgendwie hätte ich von Silvia eine andere Reaktion erwartet...

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