Soldat

…A soldier on my own, i don´t know the way
I´m riding up the heights of shame
I´m waiting for the call, the hand on the chest
I´m ready for the fight, and fate…
(Woodkid- Iron)

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„Ist er das?“ Der Alte sieht zu dem Mann, der mich mit eisernem Griff festhält und somit zwingt geradezustehen. Der Mann nickt. „Ja, Herr. Er ist es.“

-Tu etwas, Ash! Lass nicht alles einfach so über dich ergehen, als ginge es dich nichts an! Das machst du schon viel zu lange!-

Die Stimme in mir schreit mich an, doch ich halte den Kopf gesenkt, das dunkle Haar wirft Schatten auf der blassen Haut. Wozu kämpfen? Es gibt doch schon lange keinen Grund mehr, wofür es sich lohnen sollte zu kämpfen. Und ich will mich nicht gegen mein Schicksal auflehnen.

Ein Wink des Alten und der Mann, der seine Spinnenfinger so grob in meinen Oberarm krallt, lässt mich los und weicht zurück.
Ich sinke auf die Knie. Bin zu schwach, um von allein aufrecht zu stehen. Kämpfe einen Kampf gegen die Ohnmacht, der ich zweifellos zum Opfer fallen werde. Meine Lider sind so schwer, dass ich sie kaum offen halten kann. Doch das Schlimmste ist, dass ich mich nicht daran erinnern kann, wie ich hierhergekommen bin.
Der Alte erhebt sich. Sein silbriger Umhang glitzert im Licht des roten Sterns in wohl tausend Farben.

„Die Hallen satt von Abendrot, stirbt die Sonne in eigner Glut. Ein Wechselspiel von Vergänglichkeit und Unendlichkeit.“
Seine Hand streift leicht meine Wange. Zwingt mich so, ihn anzusehen.

-Wieso tust du das?! Wieso machst du nichts?! Verräter! Verräter! Du verratest dich selbst, Ash!-

Das tätowierte Gesicht liegt in tiefen Falten. Das Gesicht eines alten Mannes, wohl schon hunderte Jahre alt. Voller Zeichen- Himmelsrunen- Zeichen einer anderen Welt. Das dunkle Haar fällt ihm über die Schultern, umspielt die spitzen Ohren und Ich bin mir sicher, dass sie meinem Herzschlag lauschen. Schnell…unregelmäßig… Die nachtschwarzen Augen mustern mich.

„Ein ewiger Wechsel…weshalb, Ashley, Sohn des Mannes, der solch wunderbarer Worte mächtig ist und sie zu einem Strom zu binden vermag, der immer weiterfließt, bis hin zu den unendlichen Landen…weshalb hast du aufgegeben?“ Ich antworte nicht. Senke den Blick. Kann dem Alten nicht länger in die Augen sehen, denn bleierne Müdigkeit legt sich auf meine vor Erschöpfung flatternden Lider. Es gibt keinen Grund zu antworten.

-Noch ist es nicht zu spät, Ash! Du musst hier nicht bleiben- das weißt du! Es gibt einen Ausweg! Es gibt einen Ausweg, Ash! Hör mir zu!!!-

Der Alte weiß, dass er keine Antwort erhalten wird.
Er kehrt mir den Rücken zu und blickt aus dem Fenster auf die Silberberge hin, bevor er erneut zu sprechen ansetzt.

„Mein Land befindet sich im Krieg, mein Sohn. Sie kommen, sie töten grausam, sie brandschatzen, mein Volk leidet…“
Es entsteht eine kurze Pause, bevor er weiterspricht.
„Versteh mich nicht falsch, mein Sohn…ich verabscheue nichts so sehr, wie unschuldige Wesen in den Tod zu schicken…“

-Er schickt dich auch dorthin! Du wirst sterben! Du wirst sterben! Hör auf, mich zu ignorieren!-

Er wendet sich um. „Doch du hattest deine Chance…du hast sie nicht genutzt. Deshalb bist du nun hier und…du bist nicht der Einzige…wie grässlich muss deine Welt sein, dass so viele von euch Menschen sich einfach fallen lassen…“
Er streicht mir beinahe liebevoll das dunkle Haar aus der Stirn. Betrachtet mich lange. Es scheint, als präge er sich die Feinheiten meines Gesichts ein. „So jung…dein Leben gleicht einem Wimpernschlag im Leben eines Elder und selbst diese Zeitspanne wäre noch zu lange bemessen.“ Die Hand des Alten fühlt sich kühl an und trotz der vielen Furchen ist sie samtweich. Und sie lenkt mich davon ab, ihm zuzuhören. Zu verstehen, was er sagt.

-Weil er ein Elder ist! Ein Elder! Das ist nicht deine Welt, Ash! Das ist ein Paralleluniversum! Du gehörst hier nicht her!-

„Du hast ein Spiel gespielt, mein Sohn. Ein Spiel mit deinem Leben und du hast es verloren. Es liegt nun nicht mehr in deiner Hand zu bestimmen, was du zu tun und lassen hast. Du wirst dich fügen müssen...und ich nenne dich Sohn, denn alle, die dem meinigen Volke angehören werden so genannt und wenn du nun für mein Volk in den Krieg ziehen wirst, so wird auch dir dieses Privileg zu Teil. Schätze es. Es wird die einzige Anerkennung sein, durch die es dir gestattet ist den Freitod zu wählen, solltest du versagen…Reich mir deinen rechten Arm.“

Und ich strecke ihn ihm gehorsam entgegen, obwohl die Stimme in meinem Kopf- meine Vernunft und Hoffnung in einem- tobt.
Ein heiserer Aufschrei, Schmerz, es brennt, mein gesamter Unterarm steht in Flammen- ich bin gebunden. Für immer. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Und es ist mir egal…

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