Sonntag

Als mich Selina morgens weckte, hatte ich geschlafen wie ein Stein. Sie hatte ihre Drohung wahr gemacht und es war eine sehr schöne Nacht gewesen. Eine von den Nächten, die nie zu Ende gehen sollten. "Na, Immer noch erschöpft?" - "Täusch dich nicht, Kleines! Vielleicht verstell ich mich nur!" - "Haha! Du würdest es nie zugeben, Liebling! Aber es ist immer wieder schön, dich zu spüren, mein Hengst! Komm jetzt! Ein neuer Tag wartet auf uns!" 

Ja ein neuer Tag! Wir hatten beide übersehen, dass Sonntag war. "Finger weg, du Nimmersatt!" - "Ich tu dir ja gar nichts. Ich streichle dich nur! Ist es nicht schön?" - "Natürlich ist es schön! Das ist ja das Problem! Komm jetzt Liebling, lass uns aufstehen!" - "Na gut." Ich schleppte mich in die Dusche und ließ es am Ende wieder kälter werden. Das erfrischt immer wieder. "Du hast mich ausgetrickst!" maulte Sel, weil ich sofort unter die Dusche ging, während sie ins WC gegangen war. "Spielt doch keine Rolle, wer zuerst fertig ist! Es ist Sonntag, Hase!"

Offenbar waren wir beide wirklich die Ersten im Palais, die auf waren. Normal war Maria immer die Erste, um ja nicht zu versäumen, wenn wir frühstücken wollten. Wir gingen leise zu Mel, brachten es aber nicht fertig sie zu wecken.

"Ich mach uns Kaffee." meinte Sel. "Nein, Schatz! Tu das nicht. Maria glaubt dann wieder, sie hätte ihre Pflicht verletzt. Vielleicht hat sie verschlafen!" - "Michael, Maria hat noch nie verschlafen. In vierundzwanzig Jahren nicht!"

Wir hörten Geräusche aus ihrer Dienstwohnung. Die Tür ging auf und Georg humpelte heraus. "Entschuldigen sie bitte! Bin ich zu spät? Ich bringe ihnen gleich das Frühstück. Meiner Frau gehts nicht gut!" - "Aber Georg, was hat sie denn?" -  "Ach sowas Dummes! Sie hat mir gestern im Bad geholfen, weil ich mit meinem Knie... und dann hat sie aufgeschrien und sich ans Kreuz gefasst. Aber sie hat mir verboten, sie zu stören! Sie hat gemeint, bis heute Morgen wird das schon wieder besser. Gerade mal vor einer Stunde ist sie eingeschlafen. Da hab ich mir gedacht, dann mach ich eben Frühstück... damit sie weiterschlafen kann. Dann werden bestimmt die Schmerzen auch besser. "Ach Georg! Sie hätten sofort zu mir kommen sollen! Die arme Maria!" - "Ich wäre ja zu ihnen, Aber ich lag nackt und nass im Bad am Boden und Maria kämpfte sich auf allen Vieren ins Wohnzimmer. Als ich mich notdürftig angekleidet hatte, hat sie mir verboten, sie zu stören. Maria kann sehr energisch sein! Das wissen sie ja, Selina!" - "Georg, sie gehen jetzt zu Maria und bleiben bei ihr, solange sie schläft, denn wenn sie schläft, liegt sie wohl so, dass sie nur wenig Schmerzen hat. Selina und ich machen heute Frühstück und bringen es dann zu Ihnen. Wenn Maria in der Zwischenzeit aufwacht kommen sie sofort, damit Selina sie untersuchen kann." - "Ja Georg, das würde ich auch vorschlagen. Ich gebe ihr dann was gegen die Schmerzen. Hoffentlich hat sie keinen Bandscheibenvorfall!" - "Mal den Teufel nicht an die Wand, Sel. Es kann ja auch sein, dass es "nur" ein Hexenschuss ist. Geh'n sie wieder zu ihrer Frau, Georg. Wir kommen dann zu ihnen."

"Georg! Georg!" Warum weckst du mich denn nicht! Ich muss doch Frühstück machen! Ahh!" - "Kommen sie Georg, ich beschütze sie!" Witzelte Selina, die in die Dienstwohnung ging. Georg humpelte ihr nach. Ich ging in die Küche und suchte die Frühstückssachen zusammen. Im Gefrierschrank fand ich Brötchen, die ich zum Aufbacken ins Rohr schob und Das mit dem Kaffee erledigte eine von diesen Espressomaschinen für mich. Ich ließ sie einfach mehrmals die große Kanne füllen und stellte ein Tablett für unsere Versehrten zusammen. Milch, Zucker, Brötchen, Konfitüre, Butter, Kaffee, je ein Glas Wasser... Es sah zwar nicht so professionell aus wie bei Maria, aber sie würden sicher keinen Hunger leiden. Selina kam und wunderte sich, wie weit ich schon war. "Ich hab ihr erst mal eine Spritze gegeben. Ischias-Nerv, aber ich muss in der Klinik Zeug für eine Infusion holen." - "Kannst du's dir nicht bringen lassen?" - "Ja, mal sehen."

Ich ging mit dem Tablett ins Wohnzimmer der Dienstwohnung, wo Maria kreidebleich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Couch kauerte. Georg saß bei ihr und hielt ihre Hand. "Entschuldigen sie, bitte, Michael, Ich kann mich kaum bewegen, aber Georg könnte..." - "Aber Maria, sie brauchen sich doch nicht zu entschuldigen. Versuchen sie mal, eine Kleinigkeit zu essen, damit sie die Schmerzmittel besser vertragen." - "Gott, ist das peinlich! Wie kommen sie dazu, uns zu bedienen?" - "Aber Maria, beruhigen sie sich doch! Sowas passiert nun mal. Selina kümmert sich schon um die geeignete Medikation! Wenn sowas nochmal passieren sollte, lassen sie uns das sofort wissen! Das ist eine Anweisung, Maria! Wir wollen nicht, dass sie eine ganze Nacht Schmerzen leiden, wo es Sel doch möglich wäre, ihnen Erleichterung zu verschaffen!

"Jetzt vertue ich ihnen auch noch den Sonntag!" - "Beruhigen sie sich doch!" Selina kam zurück. "Dr. Gehring hat Dienst. Er stellt die notwendigen Sachen zusammen und ein Security bringt uns den Schmerzkocktail samt Infusionsständer. Dann werden die Schmerzen bald erträglicher, Maria!" Selina maß nun auch ihren Blutdruck. "Um Gottes Willen, jetzt regen sie sich doch nicht so auf, Maria. Jetzt brauchen sie für den Bluthochdruck auch noch was." - "Natürlich rege ich mich auf! Das ist doch nicht normal, dass jemand Bedienstete hat, um sie zu bedienen..."

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