Stille. Undurchdringliche Dunkelheit. Abgestandene Luft. Kälte.

Shane Wilson versuchte sich zu erinnern. Was war geschehen? Wo befand er sich? Nur langsam bahnte sich die Erinnerung ihren Weg. Da war diese Frau gewesen. Ihr Wagen war liegen geblieben, und Shane hatte ihr helfen wollen. Tief hatte er sich über den Motor gebeugt. Und was war dann passiert? Die Erinnerungen zogen sich wieder zurück.

Vorsichtig versuchte Shane, sich aufzusetzen. Sein Kopf brüllte vor Schmerzen. Aufstöhnend lies er sich wieder zurück sinken. Sie musste ihn bewusstlos geschlagen haben. Er tastete nach der schmerzenden Stelle und fühlte klebrige Nässe. Blut! 
Undeutlich erinnerte Shane sich  an Motorengeräusche und Gerüttel. Und an Stimmen.

Richtig, da waren Stimmen gewesen. Die der Frau und... 
Wieder fiel ein Schleier über Shanes Erinnerungen. Er drehte den Kopf ganz vorsichtig hin und her und starrte in die Dunkelheit, in der Hoffnung, irgend etwas erkennen zu können. Vergebens. Er tastete um sich herum. Er lag auf einem kalten Steinboden. Er tastete weiter, aber da war nichts. gar nichts. Wo, zum Teufel, war er?

Als wäre dieser letzte Gedanke der Auslöser gewesen, fiel plötzlich ein schwacher Lichtstrahl auf Shanes Gesicht. Einen Augenblick lang schloss er die Augen, bevor er angsterfüllt in die Helligkeit blinzelte. Das Licht kam von oben.
Als er sich an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt und sich noch einmal umgesehen hatte, bemerkte Shane, dass er in einem Kellerverlies lag. Über ihm befand befand sich eine kleine Falltür, gerade groß genug, dass ein Mensch hindurch passte...

Hinter dem Lichtstrahl, der zweifellos von einer Taschenlampe stammte, erkannte Shane eine Gestalt. Die Frau mit der Wagenpanne. Sie schaute auf in herunter, sagte kein Wort. Aber Shane wusste plötzlich, dass er diese Frau schon einmal gesehen hatte. Nur war sie damals noch ein Kind gewesen. Ein kleines Mädchen, das früher in seiner Nachbarschaft gewohnt hatte. Er erinnerte sich, dass er die Kleine oft geärgert hatte. Mit einer Gummispinne...

Als hätte sie seine Gedanken erraten, begann die Frau zu sprechen.
"Tja, Shane, so sieht man sich wieder. Damit hast du nicht gerechnet, was?! Ist ja auch schon ne ganze Weile her. Aber weißt du was, ich ich habe trotzdem nicht vergessen, wie sehr du mich damals immer mit dieser Gummispinne erschreckt hast. Ich habe mich fast zu Tode gefürchtet vor diesem Ding. Eine regelrechte Spinnenphobie habe ich dadurch entwickelt. Aber dir hat es Spaß gemacht, nicht wahr?!
"Laura, bitte...", begann Shane, doch Laura schnitt ihm das Wort ab.
"Aber es ist schon komisch, wie die Zeit die Menschen verändern kann. Heute habe ich keine Angst mehr vor Spinnen. Ja, man kann sogar sagen, dass wir sogar Freunde geworden sind. Sogar sehr gute Freunde. Sie würden alles für mich tun...
Und jetzt ist endlich der tag meiner Rache gekommen. Endlich wirst du für das bezahlen, was du mir damals angetan hast. Und das Beste ist, dass man mir niemals etwas nachweisen können wird. Dafür werden meine Freunde schon sorgen."

Sie kicherte boshaft und lies den Strahl der Taschenlampe durch den Raum gleiten. Shane folgte ihm mit den Augen. Kalter Angstschweiß trat ihm auf die Stirn, als er sah, was er bislang nicht bemerkt hatte: hier unten wimmelte es von Spinnen. Kleine, große, harmlose und giftige. 
Als hätte Laura ihnen ein Signal gegeben, setzten die Spinnen sich langsam in Bewegung. Abertausende Spinnen krabbelten auf Shane zu.
Als die erste seine Hand berührte, fing Shane an zu schreien. Doch nicht für lange...
Die Spinnen überzogen ihn mit ihren klebrigen Fäden, spannen ihn regelrecht ein. Er bekam immer schlechter Luft und versuchte, die Spinnenfäden zu zerreißen. Vergebens. Kurz bevor er das Bewusstsein verlor, hörte er Laures Lachen, kalt und grausam, und doch voller Freude. Mit seinem letzten Blick sah Shane ihre langen spinnenartigen Arme...

Dann war wieder alles dunkel und still...

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