Stained soul

Ich lasse mich auf den freien Platz neben CC plumpsen.
Er stupst mir leicht gegen den Arm.
„Wo hast du denn Ash gelassen?“
„Hochhaus.“, murmle ich knapp und nicke kurz zum gemeinten Gebäude.
Jeremy schüttelt den Kopf.
„Ist irgendetwas zwischen euch vorgefallen?“
„Nein.“
„Andy, ich will dir bloß helfen. Wenn es irgendetwas gibt über das du reden möchtest, dann bin ich für dich da.“
Da reißt mir der Geduldsfaden.
„Es gibt da aber nichts zu reden!“, blaffe ich ihn an.
Ich öffne die Wagentüre und steige aus.
Ich weiß, dass Jeremy jedes Wort so meint, wie er es gesagt hat und das finde ich total lieb von ihm, aber ich halte das einfach nicht aus.
Nicht jetzt.
Ich habe Ash verletzt.
Ich kann jetzt nicht einfach im Auto rumsitzen und warten, bis Jake ihn gefunden hat, um ihm anschließend nicht einmal in die Augen sehen zu können.

„Ich geh´ zu Fuß.“
Damit knalle die Türe des Wagens zu und will mich gerade zum Gehen wenden, als ich ihn sehe.
Er und Jake verlassen das Hochhaus.
Er hat geweint, das sehe ich.
Ich kann das Kribbeln nicht verhindern, das in meiner Magengegend aufsteigt.
Gleichzeitig zieht sich mein Herz so schmerzhaft zusammen, dass ich einen Augenblick lang nach Luft ringe.
Ash hat geweint.
Wegen mir.
Er weint sonst nie in der Öffentlichkeit.
Ich habe Ash noch nie verheult gesehen.
Als ich ihn einmal darauf ansprach, meinte er, er wolle sich nicht die Blöße geben schwach zu sein.

Jake sieht wohl meine Blicke, sagt aber nichts.
Unser Manager ist ausgestiegen.
Er ist wütend, das sehe ich ihm an.
„Andy, du fährst mit uns! Du weißt ja nicht mal, wo du dich hier befindest, also sag mir, wie willst du bitteschön zurück zum Hotel finden?“

Er schleift mich zum Wagen, wie ein kleines Kind.
Und ich lasse es willenlos über mich ergehen.

Die Fahrt verläuft schweigend.
Ash sitzt neben mir und starrt die ganze Zeit über angestrengt aus dem Fenster nach draußen.
Sein Bein liegt an meinem und das bringt mich beinahe um.
Also blicke ich auf meine Hände und versuche das Verlangen zu verdrängen, das schon wieder in mir hochkocht.
CC, Jeremy und Jake tauschen Blicke, sagen aber nichts und dafür bin ich ihnen dankbar.
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Eine Stunde später sitze ich alleine in der hoteleigenen Disco auf einem Ledersofa und betrinke mich.
Um Ash zu vergessen.
Um nicht mehr an den morgigen Auftritt zu denken.
Und überhaupt.

Die Anderen sitzen auf ihren Zimmern und proben, gehen verschiedene Soloparts durch und grübeln vermutlich über meine seltsame Verhaltensweise nach.
Sollen sie ruhig machen.
Kommt ohnehin nichts raus bei.

Das Licht hier drinnen ist schummrig, also nehme ich die Person, die sich gerade neben mich gesetzt hat zuerst nur schemenhaft wahr.
Es ist ein Mann.
Vorsichtig blickte ich in seine Richtung.
Seine warmen braunen Augen haben sich zielstrebig auf mich gerichtet und sein schokoladenbraunes Haar funkelt im Licht der schummrigen Beleuchtung.
Ich erkenne ihn sofort wieder.
Bill Parker, der Journalist.

„Na, ganz alleine hier?“
Ich nicke knapp.
Dann beginne ich Bill zu mustern, was an meinem nicht mehr ganz nüchternen Zustand liegen muss.
Er sieht gut aus, ohne Zweifel.
Ich schätze ihn auf ungefähr fünfundzwanzig.

„Möchtest du etwas trinken?“, fragt er mich.
„Ich kann mich nicht daran erinnern, Ihnen gestattet zu haben, mich zu duzen.“, gebe ich schnippisch zurück.
Ein Grinsen breitet sich auf dem Gesicht meins Gegenübers aus, das mir gar nicht gefallen will.
Also nicht das Gesicht, sondern das Grinsen.

Er steht auf und kehrt kurz darauf mit zwei Getränken wieder und drückt mir eines davon in die Hand.
Ich will ablehnen, aber dann denke ich daran, warum ich überhaupt hier bin.
Und schließlich macht es keinen Unterschied, ob ich mich alleine, oder in Gesellschaft betrinke.

Der Abend vergeht wie im Flug und ich merke, dass man sich mit Bill, obwohl er ein großer Fan von BVB ist, auch über ganz alltägliche Themen unterhalten kann.

Irgendwann merke ich, dass mir Bill ziemlich nahe gekommen ist.
Er klebt förmlich an mir.
Dann legt er plötzlich einen Arm um meine Taille und zieht mich mit einem Ruck auf seinen Schoß.
Ich wehre mich nicht dagegen.
Bin vom Alkohol zu eingenebelt um klar zu denken und zu begreifen, was da geschieht.
Ich kann nur noch fühlen.
Ich spüre Bills Hände, die einen leichten Druck auf meine Hüften ausüben.
Fühle seinen heißen Atem an meinem Hals.
Ein leichter Schauer läuft meinen Rücken hinab.

„Weißt du, wie sehr ich mir gewünscht habe, dich einmal so berühren zu dürfen?“, höre ich Bills Stimme ganz nahe an meinem Ohr flüstern, während seine rechte Hand unter mein T-Shirt gleitet.
Erschrocken zucke ich zusammen.
Ein Teil von mir will, dass Bill weitermacht.
Dass er mich berührt.
Mich nimmt, so wie ich bin.
Aber der andere Teil plagt mich mit Schuldgefühlen.
Lässt mich an Ash denken.
An unseren Kuss.

Bills Lippen verteilen kleine, sanfte Küsse auf meinem Hals, meinem Gesicht, jedem Stück freier Haut.
Und ich bin von dieser ungewohnten Art der Zuneigung so angetan, dass ich mich nicht wehre, während Bill seine Lippen mit meinen zu einem ersten, zaghaften Kuss verschließt.

Ich schließe die Augen.
Ich weiß, dass es Bill ist, auf dessen Schoß ich sitze und mich auf eine Art verwöhnen lasse, nach der ich mich so lange verzehrt habe.
Aber ich versuche nicht daran zu denken.
Stelle mir vor, dass es Ash ist, der seine Hände über meine Brust gleiten lässt.
Ich wünsche mir so sehr, dass er es ist.

Also räume ich alle Bedenken beiseite und der Alkohol gibt mir den Rest.
Er macht mich willig.
Lässt mich vergessen.

Als Bill mich meines T-Shirts entledigt, öffne ich meine Augen.
Über seine Schulter erkenne ich, dass nur noch wenige Gäste hier sind.
Es ist schon weit nach Mitternacht.
Die paar Leute, die noch hier sind, interessiert es nicht wirklich, was Bill und ich treiben.

Bill fängt meine Lippen zu einem erneuten Kuss.
Fordernder.
Gieriger.
Seine Zunge bittet um Einlass, den ich ihr gewähre.
Bills Finger streichen meinen Hosenbund entlang.

Als seine Hand dann langsam in meine Hose gleitet, keuche ich überrascht in den Kuss.
Es ist eine neue Art der Berührung für mich, von jemand anderem als mir selbst an solch einer intimen Stelle angefasst zu werden, aber nicht unangenehm.
Vorsichtig beginnt Bill mein bestes Stück zu streicheln und entlockt mir somit ein leises Stöhnen.

Ich spüre das Grinsen, das sich auf Bills Lippen ausgebreitet hat.
Ich höre seinen Atem an meinem Ohr.
Und dann höre ich noch etwas anderes.

Ein Klirren, wie berstendes Glas.
Erschrocken fahre ich herum.
Wenige Meter von uns entfernt steht Ash.
Mein Ash.
Er hält ein Glas in der Hand.
Es ist zerbrochen.
Seine Hand wirkt verkrampft.
Blut läuft seinen Arm hinab, doch er beachtet es nicht.
Sieht mich nur weiter an.

„Andy, warum?“
Ashs Stimme klingt brüchig.
Ich stehe auf, will auf ihn zugehen, doch er dreht sich weg.
Ich höre, wie er geräuschvoll ausatmet.
Dann wendet er sich wieder mir zu.
„Ich verstehe es nicht. Vielleicht bin ich zu dumm. Ich versuche zu dir durchzudringen- du blockst ab. Ich will mit dir reden- du antwortest nicht. Ich versuche dir zu helfen- du willst meine Hilfe nicht. Ich rette dich- du versuchst dich erneut umzubringen. Warum? Warum?! Bitte, Andy. Ich will die Wahrheit wissen. Ich komme hierher um mit dir zu reden und sehe dich mit dem da rummachen. Sag mir bitte, was ich denken soll. Das bist doch nicht du. Das ist nicht der Andy, den ich kenne. Und es tut weh, dich so zu sehen. Warum kannst du das denn nicht begreifen?“
Ashs Stimme klingt flehentlich.
Eine Träne bahnt sich ihren Weg über seine Wange nach unten und tropft auf seinen Arm, auf dem sie sich mit Ashs Lebenssaft mischt.
„Bitte, Andy, bitte. Ich will, dass es wieder so ist, wie früher. Ich vermisse dich so.“
Ash so verletzlich zu sehen tut weh.
„Es könnte nie wieder so wie früher werden.“
Leise kommen die Worte über meine Lippen, sodass ich glaube, dass Ash sie nicht gehört haben kann.
Doch ich habe mich geirrt.
Er nickt.
„Ich weiß.“

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