Streit und Vorurteile

Nachdem Tauril Silas einen Blick auf den Schlüssel gegönnt hatte, den Sassy ihr in die Hand gedrückt hatte bevor sie von dieser in Richtung Türe befördert worden war, erfüllte er sein Versprechen.
"Durch die Leere zwischen den Welten zu reisen ist etwas anderes als eine kleine Stadtreise innerhalb einer Welt!", warnte er sie noch, packte sie am Arm und verschwand.
Tauril hatte das Gefühl durch einen reißenden Strudel gezogen zu werden, tausende Farben explodierten vor ihren Augen und hinterließen, als sich alles aufhörte zu drehen, Schwindel und Übelkeit.
Aber dafür stand sie mitten in dem Aufenthaltsraum in Katzus, in den sie mit Marbas gekommen war. Er schien verlassen zu sein, nur ein einzelner Teekessel pfiff auf der kleinen Küchenzeile.
"Was zum Teufel!", kurz war Tauril nicht sicher ob sie sich übergeben musste.
"Dimensionen, es gibt so viele, an den Schnittstellen kann ich zwischen ihnen reisen und das ist eines meiner kleinen Geheimnisse.", erklärte Silas, "Oh, ist das eine Freundin von dir?"
Tauril fuhr herum, der Lift, welcher neben dem Treppenhaus eine schnelle Möglichkeit bat die 40 Stockwerke zu bereisen, hatte seine verchromten Tore geöffnet und zwei eisblaue Augen starrten sie wütend an.
"Eher das Gegenteil...", zischte Tauril und raufte sich die Haare, "Verdammt, warum genau die?" 
Saphira kam aus dem Lift und funkelte sie zuerst weiter wütend an, dann fiel ihr Blick auf ihren maskierten Begleiter.
"Was... Hast du uns nach nur zwei Tagen verraten? Wie konnten wir nur auf das Urteil eines Dämons vertrauen?", fuhr Saphira Tauril wütend an."Nein, es ist nicht so wie du... Warte... Auch Church ist ein Dämon! Wie kannst du nur so abwertend über Dämonen sprechen?", brüllte Tauril sie an.
"Wie kannst du kleine Kröte es wagen den Maskenmann, der meine Schwester durchbohrt hat hier rein zu lassen?", schrie sie zurück, Tauril konnte spüren, wie die Temperatur abfiel. Tauril seufzte, sie hatte gehofft auf Marbas oder Church zu treffen.
"Saphira bitte, wir haben keine Zeit...", wollte sie anfangen, aber Silas unterbrach sie.
"Deine Schwester? Oh, die Blondine, die war selber schuld, so dumm und lüstern!", seine spöttische Stimme lenkte Saphiras volle Aufmerksamkeit auf ihn.
"Wie kannst du es wagen hier aufzutauchen, das ist dein Ende!", Saphira streckte die Hand aus, ein spitzes Stück Eis bildete sich aus der Luftfeuchtigkeit und schoss dann blitzschnell auf Loki zu. Und direkt durch diesen hindurch, gegen die dahinter liegende Küchenzeile.
Klirrend zersprang das darauf stehende Geschirr, Saphira kniff die Augen zusammen: "Ich erwische dich!"
Belustigt betrachtete Tauril wie Saphira feststellte, das Silas einfach verschwunden war. Schnell drehte sie sich einmal im Kreis und umgab sich mit vielen kleinen Nadeln aus Eis.
"Kaum zu glauben das ihr die Kinder des Dunklen seid!", Loki tauchte auf, die Eisnadeln glitten durch ihn hindurch, trotzdem konnte er sie am Hals packen und hoch heben.
"Was...", Saphira klammerte sich an seinen Arm, um Luft zu bekommen.
"Bereit deine eigene Medizin zu kosten?", fragte er belustigt lachend unter seiner Maske und wollte sie in ihren Wirbel aus Eisnadeln drücken.
"Nein!", rief Tauril ihm von hinten zu, "Hör auf!"
"Na gut, dann verschonen wir sie, ich dachte ich verpasse ihr auch das ein oder andere Loch!", Silas verschwand wieder und tauchte neben Tauril auf. "Was zum Donnerwetter geht hier vor?", brüllte Finn, der gerade aus dem Treppenhaus eingetreten war.
Saphira hatte sich wieder gefasst und deutete auf Tauril: "Sie ist mit dem Feind hier aufgetaucht! Und dann hat er versucht mich umzubringen!"
Silas hob die Hände: "Auszeit, nein! Sie hat mich mit ihrem fiesen Eis beschossen, ich wollte ihr bloß zeigen, wie unangenehm das ist! Eine Erziehungsmaßnahme, wenn man so will."
Tauril seufzte, ihr einziger wirklicher Verbündeter schien völlig wahnsinnig zu sein.
"Wo ist Church, es ist wichtig!", fragte sie Finn.
Finn zuckte mit den Schultern und starrte an die Decke: "Chruch? Bist du da? Hör mal Kumpel, deine Ex, dein Fan und ein gestörter mit Maske... Warte..."
Finn starrte auf die weiße Maske mit dem aufgemalten Fuchs: "Du widerlicher Penner warst bei meiner kleinen Schwester im Schlafzimmer!"
Tauril hoffte, das Silas einfach nichts sagen würde, aber natürlich musste er sich äußern: "Ja, ich habe mehr recht als du sie zu besuchen!"
Eine Ader an Finns Hals begann zu zucken und er wollte gerade mit geballten Fäusten auf Silas losstürmen, prallte aber gegen eine Gestalt die sich manifestierte.
"Wow, ich habe mir Engel immer viel goldener und heller vorgestellt!", war Silas Kommentar zu Church, Tauril deutete ihm nun endgültig die Klappe zu halten.
"Finn, du solltest dich nicht mit ihm anlegen!", Church hielt ihn genervt fest.
"Dann tötest du ihn, er hat Shanora belästigt!", murrte Finn und hörte auf sich zu wehren.
"Chruch, dieser Typ hat Sassy mit einem Pfahl durchbohrt! Ich soll dir das von ihr geben!", Tauril zog den Schlüssel hervor, "Und dir folgendes sagen: Vincent, so heißt er, hat sich zurückgeholt, was du ihm gestohlen hast. Und er hat dazu noch, was du suchst!" 
Der ganze Raum war auf einmal still, Finn, der einzige mit menschlichen Leiden, wurde kreidebleich: "Was sagst du da? Chruch? Wer ist Vincent?"
Church wendete sich an Tauril: "Es freut mich erst mal, dass du alles gut überstanden hast. Bist du sicher, dass es sich um Vincent handelt? Er ist tot! Und was soll das für ein Schlüssel sein?"
Silas lachte übertrieben hinter ihr: "Totgeglaubte leben länger!"
Church ignorierte ihn und starrte Tauril weiter fragend an, diese wurde sichtlich nervös: "Starr nicht so! Sassy war auch schockiert ihn zu sehen, und sie hat ihn gefürchtet! Er scheint einen totalen Knall zu haben. Und ich dachte du kennst den Schlüssel, sie konnte mir nicht mehr sagen für, was er ist!"
Finn schien es nicht mehr zu ertragen, niemand antwortete ihm auf seine Fragen: "Nur weil ich nicht mehr mit den besten Fähigkeiten ausgestattet bin heißt das noch lange nicht, dass ich nutzlos bin!"
Church drehte sich zu ihm um: "Du bist nicht überflüssig, aber ich kann dir nicht erklären wer Vincent ist! Ich brauche dein Vertrauen und ein Team um die Sache zu regeln!" 
Finn nickte und rief lauthals nach Marbas. Der Pestlöwe erschien einige Momente später durch die Türe des Stiegenhauses.
"Sie haben Gebrüllt, Meister Finn?", spottete er, stellte das Grinsen, aber sofort ein als er die besorgten Gesichter sah. "Kyra soll sofort Allister hier herschaffen!", Finn wedelte mit der Hand, um Marbas Beine zu machen, "Es ist sehr wichtig, er soll mit niemandem sprechen, schon gar nicht mit..."
"Was ist hier los? Mit wem soll er nicht sprechen?", der Lift hatte sich geöffnet und Alpha blickte verwundert in die Runde. Er hatte Shanora dabei, die sofort die Maske von Silas fixierte.
"Ich bin dann mal weg, keine Sorge, ich komme wieder und finde euch!", erklärte dieser Tauril. 
Sie warf ihm einen fragenden Blick zu: "Du hilfst uns?"
Silas lachte dumpf unter seiner Maske: "Aber klar, mir ist sowieso langweilig in Zombiehausen! Alle starren nur und... Ich muss gehen!"
Er löste sich gerade noch rechzeitig auf, um Shanoras Schlag auszuweichen.
Sie glitt durch ihn hindurch und prallte gegen Church, der sie davor bewahrte eines der Fenster zu zerstören und hinunter in die Tiefe zu stürzen.
"Danke!", murmelte die Erbin des weißen Throns verstört, "Wie kommt der den hier rein?"
Church klopfte ihr auf die Schulter: "Mach dir keine Gedanken, er wirkt auf mich nicht bedrohlich!"
"Wenn der wüsste!", dachte sich Tauril und beobachtete, wie Finn und Alpha anfingen zu streiten. Church seufzte: "Freunde, bitte, wir verfolgen doch alle dieselben Ziele, oder?"
Finn drehte sich völlig entnervt zu ihm um: "Kannst du bitte weniger Uriel und mehr mein pessimistischer, schimpfender und asozialer Freund sein?"
Tauril deutete Church ihr zu folgen: "Lass uns gehen, wir können unten auf diesen Allister warten!"
Church zog eine Braue hoch und musterte die junge Frau eingehend: "Du hilfst mir?"
Tauril wich seinem Blick aus: "Ich helfe Sassy, ich glaube sie hat mir einiges erspart, dort. Es war unheimlich!"
Church schaute in die streitende Runde: "Wahrscheinlich hast du recht! Ich kann uns..." 
Tauril sprang förmlich aus seiner Reichweite, als er sie an der Schulter berühren wollte, um sie zu teleportieren.
"Ich kann das nicht noch einmal heute!", erklärte sie nervös und begann hektisch an ihren Haaren herumzufummeln.
"Gut, dann warte ich unten!", Church verschwand, Tauril löste sich in Nebel auf, um in dieser Spektralen Gestalt schneller durchs Treppenhaus zu kommen. Als sie unten ankam hatte sie Gelegenheit Katzus genauer unter die Lupe zu nehmen.
Es war die grüne Oase von Argenshire, wo doch der Rest dieses Landes eher trocken und Wüsten ähnlich erschien, bis auf den Etan, den großen Fluss.
"Was ist los? Marbas sagt du willst mit mir sprechen!", Tauril warf einen Blick um die Ecke, wo Church mit einem hoch gewachsenen Elf stand. Auch wenn Tauril die Gestalt einer Dunkelelfe hatte, so kam sie nicht drum herum den Hochelf zu bewundern. Seine Züge waren perfekt, seine Lippen, sein seidiges schwarzes Haar. Und diese wunderschönen goldbraunen Augen, die Church verwundert musterten.
"Hat Sassy jemals einen Vincent erwähnt als sie bei dir war?", fragte Church. Der Elf lachte: "Sassy war noch nie jemand, der viel über sein Leben geplaudert hat, sie hat bloß geschrieben... Aber warum ist das von Bedeutung? Wo ist sie?"
Church seufzte: "Dieser Vincent hat sie wohl gefangen genommen. Er hat mir eine Botschaft übermittelt. Und Sassy gab Tauril, einer Dunkelelfe, die mit Sassy an Diluculum dran war, das hier!" 
Church zog den Schlüssel aus seiner Hosentasche und reichte ihn dem Elf. Dieser riss die Augen auf und starrte fassungslos mit offenem Mund auf den kleinen Gegenstand.
"Allister?", Chruch sah ihn fragend an, "Was ist? Was ist das für ein Schlüssel?"
Allisters Stimme klang plötzlich verunsichert und gestresst: "Der Schlüssel steht für das Versprechen immer zu dem anderen kommen zu können, es ist ein Portschlüssel der direkt zu mir führt... Sie muss in ernsten Schwierigkeiten stecken." 
Chruch schien auch immer beunruhigter zu werden: "Wenn das was Tauril sagt wahr ist, dann haben wir ein Problem, und Sassy wird es diesmal vielleicht nicht überleben! Vincent, der Hexenmeister von Buldarak, sollte tot sein. Wir töteten ihn gemeinsam, wir sahen, wie das Leben aus seinem Körper gewichen ist!"
Allister hob verwundert eine Braue: "Ich dachte Buldarak gehörte den Schatten?" 
Church schüttelte den Kopf: "Die Hexen von Harmun haben einst diesen Ort bewohnt, so waren sie in Meernähe. Erst nachdem... Können wir privat sprechen? Am besten bei dir? Ich will auf keinen Fall das eines der Dunkler-Kinder hier lauscht! Und Tauril, hör auf dich hinter der Ecke zu verstecken und komm raus! Du bist die einzige die Vincent gesehen hat, also wirst du mit uns kommen!"
Tauril kam aus ihrer Deckung hervor: "Kein Grund für den Befehlston, ich sagte doch ich werde Sassy helfen!"
Allister betrachtete sie kurz: "Eine seltsame Augenfarbe für eine Dunkelelfe! Und ich dachte schon Yalhan wäre etwas Besonderes gewesen!"
Tauril schluckte, leicht nervös hoffte sie, das der Elf keine weiteren Fragen stellen würde. Er musterte sie noch einmal, dann ging er zur nächstbesten Türe eines kleinen Einfamilienhauses und steckte den Schlüssel ins Schloss. Er drehte ihn und die Tür schimmerte für einen Moment eigenartig.Dann öffnete er sie und deutete Church und Tauril hindurch zu gehen: "Los, beeilt euch!" 
Tauril sah auf der anderen Seite eine große Bibliothek mit unzähligen Wandregalen, überhaupt nicht passend für das Haus.
"Tauril, geh bitte einfach hindurch!", Church wollte sie leicht an der Schulter berühren, aber Tauril sprang daraufhin förmlich vor ihm weg, direkt in die Türe. Sie verlor den Halt und ruderte mit den Armen, Church, der ihr gefolgt war, wollte ihr helfen, aber sie zog unerwartet zurück, sodass beide das Gleichgewicht verloren und fielen.
Tauril prallte auf dem Rücken und Chruch konnte sich gerade noch mit den Armen abstützen und landete über ihr. Ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt und Tauril wurde heiß und kalt gleichzeitig.
Diese peinliche Lage wurde sofort von Church behoben, er sprang auf und streckte ihr die Hand hin, um ihr zu helfen.
Tauril raffte sich, die Hand stetig ignorierend, hoch: "Es tut mir Leid, das war knapp!" 
Chruch blickte sie fragend an: "Knapp?"
Tauril schluckte, sie redete sich um Kopf und Kragen: "Peinlich, ich meine Peinlich!"
Allister warf beiden einen Blick zu, der ihnen so viel sagte wie: "Ihr widert mich beide an und nervt" und widmete sich dann dem großen Schreibtisch, auf dem sich einige Bücher stapelten.
Nachdenklich sah der Elf sich um: "Vincent war also der letzte Herr von Buldarak, kurz bevor die Schatten das Geschlecht Guren ausgerottet haben!"
Church ließ sich auf einen der gepolsterten Lesesessel fallen: "Und um ehrlich zu sein, Buldarak wurde von den Schatten besiedelt. Ausgerottet haben es Sassy und ich!" 
Allister blickte auf: "Warum habt ihr das getan? Und warum weiß niemand davon?"
Chruch seufzte: "Weil ich, genau wie Sassy, bis zu dem Augenblick an dem Tauril mir berichtete, was sie gesehen hat, sicher war, dass er Tod ist, und Buldarak sein Grab bleibt!"
Allister warf Tauril einen misstrauischen Blick zu: "Und du glaubst ihr, einfach so?"
Tauril verschränkte beleidigt die Arme und schmollte.
"Ja!", Churchs Blick duldete keinen Widerspruch, "Erkläre mich für verrückt, Allister, aber irgendetwas tief in mir vertraut ihr!"
Tauril war sichtlich überrascht, sie fragte sich, ob er vielleicht spüren konnte wer sie war.
Allister schien nicht überzeugt zu sein: "Deine schönere Erscheinung hat also deinen Geisteszustand verbessert?"
Chruch lachte: "Bist du immer noch nachtragend, weil ich versucht habe dich zu töten? Das ist doch ewig her, und eigentlich wollte ich Celles umbringen!"

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