Tagebuch eines Traumwandlers (1)

Er schleicht durch das Zimmer, streicht über die Sachen deren Teil er einmal gewesen war und beobachtet die Bilder an der Wand, die ihm plötzlich so seltsam fremd vorkommen. Noch immer ist da dieses eine Bild von dem er nie gewusst hatte, ob es ein Meer im roten Horizont darstellen sollte, oder ob es schlicht und einfach verkehrt aufgehängt worden war. Aber was ist es dann? Ein Blutbad unter blauem Himmel? Nein... Er kannte sie. Sie war nicht der Typ für Blutbäder.
Und doch hatte er sich immer wieder den Kopf daran zerbrochen, was es war, dass das Bild so ungewöhnlich machte, dass er es nicht einfach so akzeptieren konnte und sie es aus diesem Grund, wenn er auf Besuch war, ihm zuliebe im Kasten versteckte. Aber diesmal hatte sie es nicht versteckt.

Sein Blick fällt auf die CD-Sammlung, die genau an dieser Stelle Jahr für Jahr gewachsen war. Sein Blick wird strenger als er sie zählt. Waren es wirklich ganze 8 Jahre gewesen? Warum hatte er ihr nie einen Antrag gemacht?

Mondschein bedeckt den Schreibtisch und verpasst ihm einen noch nie da gewesenen magischen Glanz. Da erblickt er das Glas, welches wie ein Denkmal auf der dunklen Tischplatte steht und er erkennt durch das Licht die Spuren, die ihre perfekt geschwungenen Lippen am Rand des Glases hinterlassen haben. Sanft hebt er das Glas an, streicht mit seinem Zeigefinger über den Fleck und stellt sich vor, wie es wäre, genau diese Lippen noch einmal berühren zu dürfen.

Da sieht er wie sich plötzlich die Klinke der Schlafzimmertür senkt.
Ein eiskalter Schauer fährt über seinen Rücken.
Das Glas fällt zu Boden...
...und zerbirst in tausende geheimnisvoll funkelnde Tränen.

Comments

  • Author Portrait

    Schön und poetisch geschrieben, bin sehr gespannt wie es weiter geht.

  • Author Portrait

    Geht es dabei um Trennungsschmerz? Es ist zwar kurz aber ich find's schon jetzt sehr romantisch und würd gerne noch weiterlesen :)

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media