Teuflisches Trio

"Komm mit Junge", Sethos fasste Phil unter und zog ihn auf die Beine, darauf achtend, dass der verletzte Arm nicht noch mehr Schaden nahm.
"Wohin gehen wir?", Phil beeilte sich mit Sethos' Tempo Schritt zu halten. Er führte ihn hinaus aus dem Zimmer und den langen Gang ein gutes Stück hinunter in einen Teil, den das Feuer noch nicht erreicht hatte.
"Auf die Insel, wie mein Vater es möchte. Ich möchte nur meine Kleine darüber informieren und mitnehmen, bevor ihr hier etwas passiert", er lächelte warm und holte einen Schlüssel aus seiner Hosentasche hervor, um eine Tür aufzusperren, auf der eine Unsumme "BETRETEN VERBOTEN" Sticker klebten.
Phil folgte ihm hinein und fand sich in einer Ruinenlandschaft wieder. Er konnte umgestürzte Säulen und alte Stufen erkennen. Es erinnerte ihn an das Forum in Rom, nur dass es keine Touristen gab. Stattdessen hockten drei Personen auf den Säulentrommeln und waren in ein Kartenspiel vertieft.
"Hi Schwesterherz, hi Monster und hi mein Schatz", grüßte Sethos die drei anwesenden, die daraufhin die Köpfe hoben.
Eine Frau mit dem Aussehen einer Mitte zwanzigjährigen und stechend blauen Augen, wie die von Zephyr, hob die Hand und ließ ihre Fingerspitzen winken. Sie trug ein Outfit mit enger schwarzer Hose, Stiefeln, die knapp unter den Knien endeten, einer ledernen Korsage und einer roten langärmeligen Bluse. Um ihren Hals baumelte ein Medaillon. "Was führt dich hierher Bruderherz?", grüßte sie zurück und warf ihre Karten in die Mitte des Bodens, "Gewonnen!" Sie lachte triumphierend auf.
Die anderen beiden wirkten jünger. Die eine war eine Blondine in Jeans und T-Shirt mit wilden Locken und ebenfalls stechend blauen Augen. Sie lächelte erfreut und sprang auf, um Sethos in die ausgebreiteten Arme zu laufen. Die zweite hatte, wie Phil erkennen konnte, Perlen in ihr schwarzes Haar eingeflochten und ihre Miene wirkte kühl. Die Augen so grün wie die Nadeln eines Tannenbaumes. Ihr Gewand erinnerte in der Gestaltung an ein chinesisches Kleid. Sie trug auch entsprechende schwarze, flache Schuhe.
"Hi Papa", strahlte die Blondine zu Sethos auf und offenbarte beim Grinsen ihre spitzeren Eckzähne.
"Papa?", Phil blickte abwechselnd zwischen den beiden hin und her. Wirklich ähnlich sahen sie sich nicht, zu mal die Blondine einen porzellanartigen Teint hatte und Sethos eher dunklere Haut besaß.
"Phil, darf ich vorstellen? Das teuflische Trio. Meine Tochter Cecilia, ihre Freundin Badria" - er wies auf die Schwarzhaarige, die leicht nickte - "und eine meiner beiden Schwestern, Sessy", erklärte er.
"Fail! Ich bin Sassy!", konterte die Frau mit den zweifärbigen Haaren. Die eine Hälfte schwarz, die andere rotbraun.
"Verarsch mich nicht, ich kann euch auseinanderhalten seid ihr geboren seid!", fauchte Sethos.
"Nein, kannst du nicht. Ich bin nicht Sessy. Ich bin Sassy", sie verschränkte mit gespielt beleidigter Miene die Arme vor der Brust, "Mein eigener Bruder kennt mich nicht." Schmollend schob sie die Unterlippe vor.
Badrias Lippen verzogen sich zu einem amüsierten Schmunzeln, das die Augen jedoch nicht erreichte. Sie hatte das Gefühlsleben ihrer beider Eltern geerbt und der eine Teil hatte das Einfühlungsvermögen eines Kühlschranks.
Sethos stöhnte gequält und schüttelte den Kopf: "Ich gebs auf. Ich bin hier, weil Dad will, dass wir auf die Insel gehen. Celles hat ein kleines Feuer gestartet, dass außer Kontrolle geriet."
"Hat der Junge deshalb Brandverletzungen?", Cecilia hing noch immer wie eine Klette an ihrem Vater und musterte Phils Arm besorgt, "Er riecht lecker."
"Ich habe ihn nicht als Snack mitgebracht, meine Kleine", Sethos tätschelte ihr den Kopf. Phil war bleich geworden.
"Die Insel ist noch stabil?", Sessy, denn natürlich hatte ihr Bruder recht gehabt, sammelte die Karten ein und steckte sie zurück in die Schachtel, "Wird mein kleines Rom dann auch brennen?"
"Laut Dad ja und das andere... Ich weiß es nicht. Du kümmerst dich doch sonst auch nicht drum."
"Ich hab ein paar Haustierchen hier", Sessy zuckte die Schultern und Phil war, als husche ein Schatten hinter den Steinen vorbei. Er konnte ein Schnarren vernehmen. Seine Nackenhaare sträubten sich unwillkürlich.
"Dann nimm sie mit", Sethos streichelte Cecilia sanft übers Haar, "Mit was hast du sie bitte gekreuzt?"
"Sie sind keine Kreuzungen", erhob Badria und streckte die Hand aus, als ein eigenartiges Wesen mit viel zu großen Augen, Stupsnase, Vorderpfoten mit Schwimmhäuten, Pelz, Insektenflügeln, die zuckten und einem langen Schwanz, an dem Dornen herausragten, zu ihr kam. Sie kraulte es liebevoll auf seinem kahlen Kopf. "Sie sind Unterdämonen aus dem Limbussystem."
"Hübsch...", Sethos verzog das Gesicht gequält, "Lass mich raten, sie fressen Seelen?"
"Unter anderem", Sessy pflückte ein anderes Wesen auf, das Hasenohren aufwies und zwei lange Klauen an den kurzen Vorderbeinen. Die Hinterbeine waren ausgebildet wie die einer übergroßen Wüstenratte und auch das Tier hatte einen langen Stachelbesetzten Schwanz.
"Dann füttert sie bitte mit allem was geht außer Blut und Seelen. Wir haben Gäste hier!", Sethos verwies mit der freien Hand auf Phil.
"Ist denn der berühmte Felix auch hier?"
"Der ist auf der Insel und dorthin soll ich euch und Phil bringen und ich glaube, wir sollten sie am Leben lassen."
"Oh ja bitte!", warf Phil verzweifelt ein. Er wollte nicht im Kopf von jemandem sterben.
"Er ist schon niedlich", meinte Sessy und beäugte ihn nun mit einem Lächlen, als sie näher kam und sich zu ihm beugte, "Sethos scheint Gefallen an dir zu haben. Sonst ist er nicht so nett."
"SES!", Sethos war die Röte ins Gesicht geschossen, "Er ist ein Gast."
"Klar, red dich nur raus. Ich kann deine Schwingungen spüren, so stark sind sie", zog sie ihn auf, "Komm, tu nicht so. Wir alle wissen, dass Cecilia ein kleiner Unfall ist, als du einmal in deinem Leben besoffen mit einer Frau im Bett gelandet bist, weil alle meinten, du musst es mal probieren."
Phil blickte zwischen den Geschwistern hin und her. Sethos wirkte plötzlich nicht mehr wie ein erfahrener Mann, sondern mehr wie ein ertappter Teenager, der verlegen herumdruckste und sich dann schnell von Phils Blick abwandte, um Cecilia über die Wange zu streicheln und zu murmeln: "Daddy bringt dich jetzt auf die Insel, mein Schatz. Da ist Oma Sherine und Tante Ladira. Freust du dich?"
"Dad, ich bin erwachsen...", Cecilia verdrehte die Augen und trotzdem klebte sie an seinem Arm, als sei sie dort festgewachsen.

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