The drug in me is you

Das Erste, was ich höre, ist das hektische Piepen der Maschinen. Vorsichtig öffne ich meine Augen. Ich liege definitiv in einem Krankenzimmer.
Weiß gestrichene Wände, weiße Vorhänge, weiße Bettwäsche und eine blassblauer Boden. Alles in allem recht trostlos. Ich sehe an meinen Armen hinab. Dort, wo ich mir die Wunde zugefügt habe, prangt ein dicker Verband. Meine Haut darunter fühlt sich merkwürdig taub an.

Ich wende meinen Kopf leicht nach rechts und blicke auf die Maschinen, an die ich angeschlossen bin. Anscheinend habe ich auch eine Bluttransfusion bekommen. Ich versuche mich aufzurichten, doch ich zittere so sehr, dass ich es nicht schaffe.
Also lasse ich mich zurück in die Kissen fallen und schließe die Augen. Was ist passiert?

Und plötzlich stürzen die Erinnerungen wieder auf mich ein, wie ein zusammenbrechendes Haus. Erst verschwommen, dann immer klarer, bis sie ein einziges Bild ergeben, das ich nicht mehr aus meinem Gedächtnis zu verdrängen mag.

Dort oben, auf dem Dach. Er hat mich gefunden. Er weinte. Und jetzt, jetzt ist er wieder fort.
Hat mich wieder verlassen. Nicht für immer, nicht völlig.
Aber tief in mir drinnen, ist die Wunde weiter aufgeklafft.

Tränen des inneren Schmerzes lodern erneut in mir auf. Ich presse mir die Hände vors Gesicht. Dabei beginnt mein Arm wieder zu schmerzen und lässt mich daran denken, dass ich ohne ihn nicht hier wäre. Ohne Ash.

Ich höre, wie die Türe geöffnet wird und jemand an mein Bett tritt.
„Mr. Biersack? Können Sie mich hören?“
Ich nehme die Hände vom Gesicht und sehe den besorgt aussehenden Arzt aus verweinten Augen an.
„Ja, ich kann Sie hören.“, flüstere ich, weil ich Angst habe, dass meine Stimme versagt.
„Wissen Sie, warum Sie hier sind?“, fragt er weiter.
„Ja.“, sage ich, meinen Blick starr gegen die Wand gerichtet.
„Ich weiß, warum ich hier bin. Ich habe mich zu dumm angestellt um mich umzubringen.“
Meine Stimme ist jetzt wieder fest und ruhig. Ich sehe dem Mann in die Augen, als die Worte meine Lippen verlassen. Geschockt sieht mich der Arzt an.
Vielleicht hat er gehofft, ich hätte mir diese Schnittwunde aus Versehen zugefügt.
Vielleicht, aber was weiß ich schon.
„Mr. Biersack. Sie… Sie geben also zu,… ähm… suizidgefährdet zu sein?“, stottert er.
Ich blicke an ihm vorbei aus dem Fenster.
Die Strahlen der aufgehenden Sonne tauchen den Raum in goldenes Licht.
„Sollte ich lügen? Warum? Warum, frage ich Sie, soll ich mir und allen anderen immer etwas vormachen?“
Dem Mann mir gegenüber bleibt der Mund offen stehen.
„Ich… ich,… ähm… ich glaube ich muss Sie melden. Also, ich meine, dass Sie suizidgefährdet sind. Daher… also ich meine… Sie schweben in höchster Lebensgefahr.“
Ich lache nur bitter.
„Glauben Sie denn, irgendjemand könnte mich von meinem Vorhaben abhalten? Wieso will das denn niemand verstehen. Ich bin überflüssig geworden auf dieser Welt. Ich liebe einen Menschen, den ich nicht lieben dürfte, weil es verboten ist, verstehen Sie? Ich kann einfach nicht mehr. Wieso will mich denn niemand gehen lassen?“
„Mr. Biersack. Sie… Sie reden wirren Zeugs. Ich fürchte ich muss diese Angelegenheit melden, denn das liegt nicht mehr in meinem Zuständigkeitsbereich.“

Damit lässt er mich alleine. Ich schließe die Augen wieder und wünsche mich ganz weit weg.
Warum versuchen sie mich wieder aufzubauen? Wieso akzeptieren sie meine Entscheidung nicht einfach?
Ich weiß was jetzt folgen wird. Sie werden versuchen mich mit Medikamenten voll zu dröhnen und wegzusperren, bis ich ihrer Meinung nach geheilt bin. Aber für mein Herz gibt es keine Medizin. Für mein Herz gibt es nur Ash. Ich brauche ihn. Ich will ihn, mehr als je zuvor, und doch werde ich ihn nie bekommen.
An diesem einen Abend in der Bar ist er zu meiner persönlichen Droge geworden.
Ich habe nur einmal von ihm probiert und schon bin ich süchtig.

Oh Gott, Ash, ich liebe dich! Mein Herz schreit nach dir.
Ich brauche dich, lass mich nicht allein!

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Fairy Dust

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