Tiger-Terror

"Bist du verrückt?!", fuhr Alpha Sassy an, dann ließ er sich an der Wand auf den Boden sinken. Er sah ziemlich mitgenommen aus, schien sich aber schnell zu erholen.
"Danke wäre wohl das angebrachtere Wort!", knurrte Sassy und holte ihren Dolch zurück. "Danke, dass ich nicht nur auf mich, sondern auch auf dich aufpassen musste?", fragte Alpha und zog eine Braue hoch. Sassy ließ sich vor ihm in die Hocke sinken: "Dein Ernst? Du lässt mich bei deiner nervigen Trulla zurück und denkst du kannst mir befehlen, wo ich bleibe? Lass dir eines gesagt sein, du hast mir nichts anzuschaffen. Ich wollte dir helfen. Aber verdammte Scheiße, du hast nicht erwähnt, dass dein Psychobruder hier rumläuft und Superkräfte á la der Dunkle persönlich hat! Und ich habe ein Recht hier zu sein, genau wie du!" Alpha musste schmunzeln, sie hatte Recht. Wie konnte er nur so dumm sein zu denken, dass sie auf ihn hören würde. Er war nicht gut darin Hilfe anzunehmen, genau wie sie. Zwei Einzelgänger mit Geschwistern. "Du hast meine Schwester gesehen?", fragte sie überrascht, der Zorn schien verflogen zu sein. "Ja", Alpha lächelte, "Du hast mich tief in deine Erinnerungen sehen lassen!"
Sassy schien einen Moment lang total verdutzt zu sein, dann wieder gewohnt zickig: "Bilde dir ja nichts darauf ein! Alles Mittel zum Zweck!" Alpha lächelte wieder: "Natürlich, von meiner Seite doch auch! Es gibt nichts außer Finn, das uns verbindet!" Sassy stand auf und streckte ihm die Hand hin: "Lass uns einen sicheren Ort suchen!" Alpha stand auf, natürlich ohne die ihm angebotene Hand auch nur anzusehen. Sassy lachte verächtlich, dann schlich sie, ohne weiter auf ihren Begleiter zu achten, in Richtung der Zerstörung. Der Wirbelsturm hatte einen Krater hinterlassen, alles war mit der Magie durchzogen, die dem Sturm seine Kraft verliehen hatte. Der Wind pfiff durch die neu entstandene Ebene und heulte durch die vereinzelten Wände. Er wirbelte eine Menge des weißen Betonstaubs auf, leises Knurren kam daraus hervor. Der Himmel begann schon sich zu verdunkeln. Das Knurren schien sie durch den dichten Nebel aus Staub zu verfolgen. "Wenn das Verstoßene sind, will ich nicht wissen wie sie aussehen", flüsterte Sassy und deutete Alpha sich zu beeilen.
"Das sind keine Verstoßenen!", Alpha sah sich verunsichert um, "Das ist etwas ganz anderes!" Eine weiße Tatze schoss aus dem Nebel und streckte beide nieder. Erschrocken versuchte Sassy aufzustehen, aber ein weiterer Hieb ließ sie sich auf dem Boden zusammenkauern. Das Knurren verwandelte sich in ein lautes Brüllen und der Nebel verzog sich. Sie knieten vor einem riesigen weißen Tiger. Sassy wusste, wo sie ihn schon einmal gesehen hatte, aber es schien nur ein Abbild der wahren Gestalt zu sein, eine spektrale Projektion. "Was ist das?", zischte Alpha ihr zu, er wagte es nicht mehr aufzustehen. "Das ist der weiße Tiger von Amergyn, Finn hat seine Kräfte absorbiert...", begann Sassy zu erklären.
"Mein Name ist Ramon Skkylar, Geist von Amergyn", die mystische Stimme des Tigers hallte durch ihre Köpfe, "und ich bin hier, um euch auf eine Mission zu schicken! Der Illutia, Tempel des Lichts, ist der Verderbnis dieses Ortes zum Opfer gefallen. Die Verstoßenen, früher Wächterkatzen von Illutia, können nur zurück zu ihrer wahren Macht, wenn dieser Ort vom dämonischen Befall der dunklen Krone gesäubert wird. Geht zum Tempel und stoppt den Wahnsinn, den diese Krone des Dunklen anrichtet. Rettet die Menschen, die einst dort Zuflucht gesucht haben und befreit die Seelen, die an diesen Ort gebunden sind!"
Alpha starrte das Abbild des mystischen Wesens gebannt an: "Was für ein prachtvolles Wesen!" Sassy verdrehte die Augen: "Schleimen kannst du später. Wir sind bloß Kanonenfutter für dieses Ding! Ramon, was weißt du über Finn? Wo ist er?" Der weiße Tiger schien ein trauriges Glitzern in den eisig blauen Augen zu bekommen: "Mein Meister ist auf dem Weg zum Tempel und doch hat er einen Teil seiner Macht hiergelassen, damit ihr den Weg zu ihm findet. Aber ihr müsst euch beeilen, wenn er gekrönt wird, kann nichts den Plan des Dunklen aufhalten!"
Sassy überlegte, eine Spur aus Brotkrumen, wie in dem Märchen "Rotkäppchen". Sie folgten den magischen Spuren zu Finn. "Ich muss gehen", das Abbild des Tigers begann zu verschwinden, "Rettet diese Welt oder Amergyn, Argenshire und auch Elensar werden fallen!"
Sassy starrte noch eine Zeit lang auf den Punkt, an dem der Tiger gestanden hatte, dann drehte sie sich zu Alpha um. "Was sollen wir tun?", fragte sie ihn und legte den Kopf schief. Seine gelben Augen schienen auch noch an dem Fleck zu hängen, an dem der weiße Tiger erschienen war. "Wir machen, was er sagt, wir gehen nach Illutia und reinigen den Tempel... Vielleicht finden wir Finn dort, vielleicht auch nicht. Fakt ist, dass dieser Krater uns keine Antworten liefert!" Sassy stimmte ihm zu: "Du hast recht aber wie..." "...kommt ihr nach Ilutia?", eine vertraut spöttische Stimme erklang hinter ihnen. Sassy schmunzelte, drehte sich um und fiel ihrem Partner um den Hals. Dieser hatte wohl nicht mit so einer Begrüßung gerechnet und starrte verdutzt in die Runde.
"Church", stellte Alpha fest, "auch hier, was für eine Freude. Und du bist?" Seine Enttäuschung, dass er nun wieder mit dem abartigen Dämon kämpfen musste, war ihm anzusehen. Seine Frage richtete sich an die Frau, welche hinter Church stand. "Newra, eine alte Freundin von Finn!", erklärte Sassy und drückte Church noch einen fiesen Schmatzer auf die Wange, ehe sie ihn wieder losließ. Dieser wischte genervt darauf herum und streckte ihr die Zunge hinaus. "Newra ist gestorben, wiedergekehrt, Finn hat sie gefunden und aufgenommen. Sie wird uns nach Illutia bringen!", erklärte er und schenkte Alpha ein verächtliches Lächeln, "Und du Mistköter, klau mir ja nie wieder meine Partnerin, sonst werde ich echt stinkig!"
Alpha ignorierte die Bemerkung und wandte sich nun interessiert Newra zu: "Du kannst das auch? Das, was die anderen beiden Frauen taten? Über etwas streichen und uns an einen anderen Ort bringen?" Newra hob beschwichtigend die Hände: "Ich kann nur an Orte reisen, die ich gesehen habe oder die ich mir vorstellen kann!" Sassy starrte sie verdutzt an: "Wie konntest du dann zu Finn reisen?" Newra begann zu erklären: "Es gibt ein Foto, in der Firma aufgenommen! Von Finn und seinen Brüdern, wir haben es in Elensar, sagen wir, gefunden!" Church grinste und stemmte die Hände in die Hüften: "Gestohlen meinst du wohl!"
"Ich kann dir Illutia zeigen!", Alpha streckte die Hand nach ihr aus, Newra schaute zuerst zögernd in die Runde. Sassy nickte ihr zu, also nahm sie seine Hand.
"Es ist wunderschön!", stellte Newra fest, als sie Alphas Hand los lies, "So ein prächtiger Tempel!" Alpha seufzte: "Schätze du wirst ihn kaum wieder erkennen. Nachdem die Firma uns überrannt hat, haben viele der Menschen dort Zuflucht gesucht. Danach wurde er immer wieder von Dämonen der schrecklichsten Art, selbst schlimmer als Church, angegriffen!" Church steckte den Seitenhieb weg und deutete Newra sich zu konzentrieren. Diese ging zu einer der verbliebenen Wände und strich mit der Hand darüber. Alpha betrachtete fasziniert wie sich die Oberfläche zu kräuseln begann. "Du musst mir das lernen!", stellte er fest. Newra lachte: "Das Geheimnis der drei Meisterjäger lüften? Frag doch bei Julopatra an, falls du das nächste Treffen mit ihr überlebst!" Sassy war froh, dass Church wieder bei ihr war und Newra den Weg nach Illutia ebenen konnte. Und doch fühlte sie sich nutzlos. Newra und Church verschwanden durch das Portal, Alpha deutete Sassy vorzugehen. Sassy setzte sich grübelnd in Bewegung, Alpha tat es ihr gleich. Auch er schien angestrengt über etwas nach zu denken. "Du bist nicht nutzlos, das, was ich gesagt habe war dumm", kam auf einmal von ihm. Sassy zog eine Braue hoch, aber er starrte nur auf das Portal, vermied es sie anzusehen. Schließlich tat er es doch und lächelte: "Schätze, ich war wütend, weil ich mir Sorgen um dich machte. Ich hatte Angst du könntest... Also dir könnte..." Sassy deutete ihm mit einer Handbewegung zu Schweigen: "Schon gut, nicht gleich übertreiben!" Alpha schien froh zu sein, nicht weiter sprechen zu müssen und wandte sich wieder ab. Sassy ging auf das Portal zu und tauchte hindurch.
Auf der anderen Seite erwartete sie wieder eine Ohrfeige der Pranke des weißen Tigers. Entnervt kniete sie sich vor das mystische Wesen, welches sie im Garten vor dem überwucherten Tempel erwartet hatte. Die Grünanlage hatte ihren Glanz schon lange verloren, die Natur hatte sich Stück für Stück alles zurückgeholt. Die alten Brunnen und Bänke aus wunderschönem Marmor waren überwachsen und ließen auf die Zeit schließen, die die Anlage schon nicht mehr betreut wurde. Der Tempel selbst schien aus drei Elementen zu bestehen, wobei das Mittlere sehr an eine Kathedrale erinnerte. Sie waren aus demselben Marmor errichtet worden und genauso bewachsen wie die Elemente im Garten. "Danke, vielen Dank für diese Begrüßung", Church rappelte sich auf die Knie, Newra und Alpha taten es ihm gleich. "Man kann einem Dämon nur trauen, wenn er kniet", grölte die Stimme des Tigers, "Wenn ihr in die Tempel geht, bleibt euch nicht viel Zeit. Ihr müsst die Menschen im Inneren retten! Grausame Ritter sind hier eingefallen, ein Fremder beschützt die Menschen in der Mitte der Katakomben. Findet sie und macht diesem Treiben ein Ende. Viele haben sich versteckt, aber sie sind nicht sicher, bringt sie in die Mitte... Ich kann euch nicht unterstützen, all meine Kraft wird die Barriere aufrecht erhalten, die die Menschen vor den Eindringlingen schützt! Passt auf, es sind so viele..."
Der Schemen des Tigers verschwand und ließ sie völlig verwirrt zurück. "Ich rette die Menschen, die meisten wissen, wer ich bin!", Alpha erhob sich als erstes und blickte erwartungsvoll in die Runde. "Ich werde hierbleiben", Newra sah sich nach einer passenden Deckung um, "Ich werde ein Portal erstellen und Jäger hierherbringen, die uns im Kampf unterstützen!" Church grübelte, er hatte ein mieses Gefühl, eine schreckliche Befürchtung. "Sag es", Sassy glaubte dasselbe zu denken, "Die schwarzen Ritter aus Argenshire... Die Leibgarde des irren Dämonenkönigs..." Church nickte: "Ja, die Ginn... alte Wesen aus der Hölle hinter den Unterlanden, Böse und stark. Der Dunkle hat sie einst verflucht, sie müssen ihm auf ewig dienen!" Alpha wirkte verstört: "Was genau ist ein Ginn?"
"Sie sind Wesen aus reiner Dunkelheit, Schattenwesen, man kann sie nicht töten, sie nehmen oft die Gestalt von Menschen an, um zu täuschen und zu betrügen... Sie töten deine Seele", erklärte Church, "um einen zu töten braucht es die magischen Kräfte vieler... Keiner von uns hat diese Kräfte... Wir sind unterlegen!"
Sassy stampfte auf: "Was sind das den für Töne? Sollen wir die Menschen einfach sterben lassen? Ich suche im westlichen Gebäude nach Überlebenden. Ginn sind Dämonen, du kannst dich also unter ihnen fortbewegen, Church. Finde die Barriere in der Mitte, vielleicht kannst du da helfen! Newra, wir können jede Hilfe gebrauchen! Vielleicht fällt euch etwas ein!" Alpha nickte ihr zu und steuerte das östliche Gebäude an, Newra verschwand hinter den Sträuchern und Church schlich genervt auf das zentrale Gebäude zu.

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