Totales (Gefühls-)Chaos (A)

Thomas' Sicht:


Ich konnte nicht glauben, was ich da vor Augen hatte. Grace auf 'Bitch' Art! Es sah einerseits lächerlich aus, andererseits war sie verdammt hübsch. Doch ihr Verhalten dämpfte den Anblick. Sie sah auf ihr Handy und tat so, als würde sie uns ignorieren. Doch ein paar Mal blickte sie in unsere Richtung. Alice hingegen hasste sie, dass zeigte sie auch. "Alice! Lass sie in Ruhe!", beruhigte ich sie, naja, versuchte es eher. "Diese kleine Hure kann mich mal!" So aufgebracht hatte ich sie noch nie gesehen! Als würde Grace in ihr ein Monster wecken, das sonst in den tiefen Höhlen ihrer Seele schlief. Ihre Augen leuchteten, als würde hinter ihnen Feuer lodern. Sie wollte wieder anfangen, über Grace zu schimpfen, weshalb ich sie zu mir zog und mit einem Kuss zum Schweigen brachte. Doch Alice schob mich weg. "Tom! Lass das!" Ich starrte sie entgeistert an. "Als erstes willst du pausenlos rumknutschen, anscheinend, um Grace eifersüchtig zu machen, und dann schiebst du mich einfach weg? Ich lasse mich nicht mehr ausnutzen, das weißt du!" Ich hatte meine Stimme nicht mehr unter Kontrolle, sie wurde immer lauter. "Tut mir leid!", meinte Alice kleinlaut. "Egal. Trinken wir aus und gehen wir..." Sie nickte stumm. Ich trank einen großen Schluck von meinem Bier und holte mein Handy hervor. Nur ein paar SMS' von Dylan und meiner Schwester Ava.
Ich beobachtete Grace unauffällig, auch wenn ich mir sicher war, dass Alice es bemerkte. Grace war den Tränen nahe. Man würde es nicht bemerken, aber ich kannte sie schon ihr Leben lang. Ich wusste, wann sie fast am weinen war. Schuldgefühle machten sich in mir breit. Doch meine Wut gegenüber ihr, verdrängten sie wieder. Sie nahm einen Schluck ihres Drinks, als plötzlich ein Mann zu ihr kam. Mein erster Gedanke war, dass es vermutlich einer von Jeremy's Leuten war, doch er sah nicht so aus. Er war älter, vermutlich 28 oder 29. Er hatte ein hautenges T-Shirt an, man konnte seine Muskeln erkennen. Seine Haare hatten zu viel Gel erwischt, sie sahen fettig aus. Das, was er zu Grace sagte, konnte man bis hier her hören. "Na Süße? Wie viel kostet eine Nacht?" Alice hatte es auch gehört und hatte einen gemeinen Grinser auf dem Gesicht. "Was willst du?", fuhr Grace ihn an, die Situation war ihr nicht geheuer. Etwas in mir schlug Alarm. "Nur eine Nacht!" Ich wandte den Blick ab. Auf einmal schrie Grace hinter mir: "Lass mich in Ruhe!" Ich blickte zu Alice, die mich geschockt ansah. "Was?", fragte ich vollkommen verwirrt. Sie nickte in Richtung Grace. Ich drehte mich um und sah den Mann, der versuchte, Grace am T- Shirt zu packen und Grace, die sich mit aller Kraft wehrte. Ich sprang auf und packte den Mann an der Schulter.
"Hey, was soll das?", rief er wütend. "Lass sie in Ruhe!" Er stellte sich breit vor mich und mir wurde bewusst, dass das ein Fehler gewesen war. Der Mann war doppelt so groß und stark wie ich. Er könnte mich k.o. schlagen und ich würde mich nicht mal wehren können. Grace Gesicht war kreidebleich . Sie blickte unsicher und ängstlich zu mir. "Ach komm, ernsthaft? So ein kleiner Zwerg will es mit mir aufnehmen?" Er lachte höhnisch und er erinnerte mich an Jeremy. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er war die ältere Ausgabe von Jeremy! Er musste sein Bruder sein. Er hob drohend seine Hand. Das Adrenalin schoss durch mein Blut, wie damals in Grace' Haus, und mein Gehirn arbeitete an einem Plan, aus der Situation hinauszukommen, ohne Alice, Grace oder mich dabei in Gefahr zu bringen. Naja, ich würde es nicht vermeiden können, mich zu verletzen. Auch wenn meine Rippen nicht mehr so schmerzten, spürte ich die Prügelei immer noch.
Er holte aus und ich ging in Deckung. Ich machte mich bereit, seine Faust auf meinem Kopf zu spüren, doch es kam nichts. Alice war neben ihm. "Hey Süßer! Lass den Angsthasen in Ruhe. Ich bin doch viel besser!" Sie schmiss sich an ihn. Überzeugte ihn, zu ihr gehen. Alice ging mit ihm. Als er nicht hersah, zwinkerte sie mir kaum merklich zu. Ich starrte ihr fassungslos hinter her, doch zwei Minuten später kam sie wieder zurück. "Ich hab ihn abblitzen lassen. Ich meinte, ohne Cash gibts nichts." Sie lachte nervös und bickte zurück. "Alles okay bei euch?" Ich war immer noch total neben mir.  Grace hatte sich einige Tränen weggewischt. Ihre Wimperntusche war etwas verschmiert, aber das störte nicht. Sie nickte langsam. Ich nicht. Es war alles andere als OKAY. In mir herrschte komplettes Gefühlschaos. "Wir setzen uns zu dir, dann lassen sie dich in Ruhe!", sagte Alice. Ja, Alice! Ausgerechnet von ihr kam der Vorschlag. Grace wollte etwas darauf erwidern, doch ich sah sie streng an. Zu meiner Überraschung sagte sie nichts mehr. Ich holte unsere Getränke und setzte mich zwischen Alice und Grace. Nicht, dass Alice ihre Meinung ändert und die beiden sich zerfetzen. Doch plötzlich entschuldigte sich Alice. "Es tut mir leid wegen vorher." Grace schien es genauso zu überraschen. "Macht nichts. Immerhin habe ich angefangen." Vielleicht konnten sie Freunde werden.

Nach einer Stunde sinnlosem Gerede kam auf einmal der Junge von vorhin. Er setzte sich dazu und küsste Grace stürmisch, die ihn aber dann wegschob. "Nicht jetzt!", flüsterte sie, doch ich hörte es. Er nickte bloß und stellte sich dann vor. "Frederico!", sagte er. Grace stellte uns vor, zuerst sah zu mir, sein Blick gleitete zu Alice und blieb für meinen Geschmack etwas ZU lange an ihr hängen. Sie starrte ihn ebenfalls an. Ich räusperte mich und sofort sah sie weg. Doch während des Gesprächs fiel ihr Blick öfters zu Frederico. Er jedenfalls machte kein Geheimnis daraus, dass er sie hübsch fand. Anscheinend gefiel es Grace genauso wenig, wie mir. Sie stieß ihm ein paar mal den Ellbogen in die Seite, doch er hörte nicht auf.
Was mich und Grace betraf, wir schwiegen. Ich versuchte ein paar Mal, sie etwas zu fragen, doch ich wurde jedesmal entweder von Alice oder von Frederico unterbrochen. Irgendwann gingen uns die Getränke aus. "Ich hole schnell Nachschub!", sagte ich und stand auf. Grace folgte mir und meinte: "Ich helfe dir." Als wir auf die Getränke warteten, kamen wir endlich ins Gespräch. "Mir tut das ganze schrecklich leid!", sagte sie. "Mir auch." "Wie lange seid ihr schon zusammen, Alice und du?" "Noch nicht lange. Und ihr?" "Ebenfalls nicht lange. Habt ihr schon miteinander...?" Ich wusste was sie fragen wollte. Ich schüttelte den Kopf. "Wir wollen es langsam angehen! Ihr etwa?" Sie schwieg eine Weile, nickte dann aber. Irgendetwas regte sich in mir. Ich konnte nicht sagen, was. Eifersucht war es nicht... Oder doch? War ich wirklich eifersüchtig? Ich hatte Alice, dass konnte keine Eifersucht sein! Niemals. Oder? Wie schon gesagt, in mir herrschte totales Gefühlschaos. Als wäre ich ein pubertierender Teenie. Ein peinliches Schweigen entstand.
Irgendwann kamen die Getränke.  Ich wand mich um und wollte zu unseren Tisch gehen. Bis ich Alice und Frederico sah.

Grace ließ die Getränke fallen. Wir beide starrten die zwei an. Sie saßen eng umschlungen nebeneinander. Grace rannte weg und instinktiv rannte ich ihr nach.Als ich ihr folgte, wurde mir bewusst, was gerade passiert war. Alice hat mich betrogen und Frederico Grace. Vor unseren Augen. Und wir waren so dumm und ließen sie weiter knutschen.

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