traurige Wahrheit

Sollte er es wirklich sein? Mia hatte den Kronprinzen noch nie gesehen, aber einige andere schienen sich an ihn zu erinnern.

Akito hatte nur ihn hohen Tönen von ihm gesprochen, sie war sich sicher, dass sie ihm vertrauen konnten. Sie versuchte die anderen davon zu überzeugen. Sicher würde Akito sich freuen zu hören, dass sein Bruder hier gewesen war.

Zu ihrer Überraschung dauerte es nicht lange, bis sich die ersten daran machten das Tor zu öffnen.

Viele waren entsetzt gewesen, zuerst zu erfahren, dass sich ihr Prinz bereits auf den Weg gemacht hatte und dann auch noch Pamil mitgenommen hatte.

Viele waren verunsichert, aber niemand ließ sich etwas anmerken. Willy, Meiko, Friko und Johey machten sich bereits daran, in der Halle Platz zu nehmen. Der Rest versammelte sich wie gewohnt. Auch Mia fand sich unter ihnen wieder.

Es dauerte nicht lange, bis vier Personen die Halle betraten. Nur einem wurde ein Stuhl angeboten.

Noromis. Mia hatte ihn sich irgendwie anders vorgestellt. Nicht so blass und auch etwas korpulenter. Vielleicht lag es daran, dass er kränklich wirkte, aber er schien verzweifelt und hatte tiefe Ränder unter den Augen.

Aber trotz allem konnte sie eine gewisse Ähnlichkeit zu Akito erkennen.

Meiko fing als erstes an zu sprechen.

„Ihr such also nach Prinz Akito? Was wollt ihr denn von ihm?“

Noromis lächelte schräg und sah sich neugierig im Raum um. Ob er wohl nach Akito suchte?

„Nun ehrlich gesagt, würde ich ihn nur liebend gerne sehen. Es geht ihm doch gut oder?“

Meiko und die anderen sahen sich unsicher an. Johey warf Mia einen flüchtigen Blick zu. Warum auch immer schienen diese alten Männer auf sie zu hören.

Sie nickte so eindeutig wie sie konnte.

Johey war nicht der beste Redner, aber er verstand sie. Er stieß Friko in die Seite und dieser Blicke schnell zu Mia. Wieder nickte sie.

„Nun, eure Hoheit, ihr könnt beruhigt sein. Euer Bruder, unser Prinz ist wohl auf.“

Noromis kamen die Tränen und er konnte nicht anders als zu lächeln.

„Er lebt ja? Ihr glaubt gar nicht, wie sehr mich das erleichtert. Doch wo ist er? Bitte! Ich muss ihn sehen!“

Die Männer sahen betreten zu Boden und schwiegen. Mia hatte die Schnauze voll. Kein Wunder, dass Pamil alles übernommen hatte, diese Männer besaßen kein Rückgrat. Wenn sie es ihm nicht sagten, würde sie es tun müssen. Früher oder später würde er die Wahrheit erfahren und sicherlich würde er dann mit ihr reden wollen.

Entschlossen trat sie nach vorne.

„Ich denke es wäre besser unter weniger Augen fortzufahren.“

Die Männer nickten kurz und Willy fragte kurzangebunden:

„Irgendwelche Einwände? Nein? Gut Mia, dann überlassen wir das dir.“

So schnell sie konnten schienen sie die Halle zu verlassen. Auch alle anderen schienen nicht dabei sein zu wollen. Einzig Sarah nahm Mia bei der Hand und flüsterte „Danke“.

Mia hatte so einiges während der letzten Wochen gelernt, aber zwei Sachen würde sie nie vergessen.

Diese Leute liebten Akito wie einen ihrer Familie und konnten es sich nicht verzeihen, dass sie ihn nicht beschützt hatten. Sie alle litten unter seinen Verletzungen.

Jeder hier trug eine Narbe, wenn auch keine sichtbare.

Entschlossen setzte sie sich Noromis gegenüber.

Dieser lächelte verlegen.

„Die Dame von vorhin nehme ich an?“

Sie nickte. Vorsichtig deutete sie auf die Herren hinter Noromis.

„Ich denke es wäre euch lieber, wenn auch sie nach draußen gehen.“

Noromis verschränkte die Arme. Er schien ihr nicht zu vertrauen.

„Tut mir leid, aber ich denke nicht, dass das eine gute Idee wäre. Sie bleiben.“

Mia nickte traurig, das hatte sie befürchtet. Akito würde das sicherlich nicht gefallen.

Langsam fing sie an. „Euer Bruder befindet sich zurzeit auf dem Weg zu einem Treffen mit dem Kazulanischem König.“ Ein Sprung ins kalte Wasser. Mia wusste nicht, was er davon halten würde, aber seine Reaktion erschien ihr ein wenig merkwürdig.

Es erschien ihr so, als hätte er damit gerechnet. Nein, da war noch etwas anderes, Trauer? Sorge? Vielleicht auch etwas Wut? Aber er stellte keine Fragen. Er wartete darauf, dass sie fortfuhr.

„Ich bin mir sicher er wird uns bald eine Nachricht zukommen lassen und er ist auch nicht alleine los! Pamil ist bei ihm! Falls euch dieser Name etwas sagt.“

Ja, der Name schien ihm etwas zu sagen.

„Pamil mhm, dann ist er in guten Händen.“ Es überraschte sie, wie sehr ihn diese Tatsache beruhigte.

Jetzt würde der wirklich unangenehme Teil kommen. Sie konnte sich nicht einmal annähernd vorstellen, wie er reagieren wird.

„Wissen Sie, ich war bei ihm, die letzten Jahre.“

Das schien Noromis wach zu rütteln. Entsetzt sprang er auf, grob packte er sie an der Schulter und riss sie von ihrem Stuhl hoch.

„Wie bitte!? Gehörst du etwa zu meinem Vater!? Arbeitest du für ihn!“

Mia hob abwehrend die Hände, aber bevor er sie schlagen konnte, hielt ihn einer seiner Männer fest.

„Bitte eure Hoheit, ihr wisst doch nicht, wie es war! Vielleicht war es ganz anders. Hört sie doch zuerst aus.“

Noromis atmete tief durch. Mia kannte diesen Gesichtsausdruck. Dieser Mann befand sich am Rande der Verzweiflung.

Langsam stand Mia auf und nickte der Wache dankend zu.

„Er hat recht. Mein Vater gehörte zu der Gruppe, die euren Bruder gefangen hielten. Er war sein Arzt. Bis sie ihn umbrachten und mich zu seiner Nachfolgerin erklärten. Es tut mir wirklich leid, aber ich bin nicht die, die ihr Sucht. Allerdings werdet ihr sehen, dass euer Bruder mehr davongetragen hat, als nur schlichte Narben.“

Noromis hob abwehrend die Hände.

„Bitte, ich möchte nicht mehr hören. Wenn es dir recht ist bleibe ich noch ein wenig hier sitzen ja? Und ihr folgt der Dame bitte. Lasst euch alles zeigen, es scheint mir so, als würden wir eine Weile hierbleiben.“

Mia beeilte sich den Raum zu verlassen. Als sie allerdings einen Blick zurückwarf, bekam sie einen Schock. Der Kronprinz saß zusammengesunken da, wie ein geprügelter Hund und weinte.

Er weinte aus tiefsten Herzen.

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