Und wo ist nun das Problem?

Ich kann mit Worten Bilder malen, ich kann Momente in Sprache fassen, ich kann innere Vorgänge lesbar machen. Ich kann schreiben:

Eine leere Hülle bläht sich an der einsamen Straßenecke, die Ränder flattern, gekräuselt von einem zufällig vorbeiwehenden Luftzug. Niemand ist da. Nur eine Maus huscht durch den Rinnstein. Vielleicht.

oder

Ein breites Strömen, sanft, stetig, stark. Es ist wie ein gezeichneter Strom, der sich in Bewegung setzt unter den Strichen auf dem Papier. Noch ist nichts zu sehen, nur das Rauschen ist wahrnehmbar. Ich schaue genau, sehe ein kurzes blaues Glitzern zwischen den schwarzen Bleistiftstrichen, ein Aufspritzen, ganz kurz flitzt ein schuppiger Schatten durchs Bild.

Ich möchte so gern eine Geschichte schreiben, wie viele von Euch das hier tun. Hell und heiter soll sie sein, leichtfüßig, liebevoll, klug und weise, voller Liebe und Mitgefühl. Meine Figuren begleiten möchte ich, an ihrer Seite durch ihr Leben gehen, mit ihnen lachen und hoffen und weinen, trauern und glücklich sein.

Nach diesem Ziel strecke ich sehnsüchtig die Arme aus, gehe los, gezogen wie an einem Band. Und dann stolpere ich, stoße mir die Knie an einem Hindernis; ich beginne zu denken und das Band reißt.

Dies zu schreiben hat mir deutlich gemacht, wie ich mich selbst blockiere. Ich kann authentische Momente beschreiben, viele davon, aber wie kann ich sie verbinden, so daß eine zusammenhängende Geschichte daraus wird? Ich stelle mir vor, wie ich meine Momente mit zartem Silberdraht verbinde, so daß Energie fließen kann vom einen zum anderen, sie zu einer Einheit werden läßt.


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