Ich der Autist.
Ich arbeite an meiner Aufgabe. Wort für Wort, Gedanke für Gedanke arbeite ich daran, alles nieder zu schreiben, genau so, wie man es sehen will.
Der Lehrer fragt mich etwas. Ich reagiere nicht. Ich arbeite weiter, dass ist das, was meine Aufmerksamkeit gerade auffängt.
Der Lehrer wird wütend. Meckert mich an. Doch ich verstehe nicht, was habe ich falsch gemacht?
Hasst er mich jetzt? Er mag mich nicht mehr! Und das nur, weil ich seinen Anweisungen gefolgt bin.
Was soll ich tun? Ich der Autist, der nichts kann und nichts versteht. Dabei liebe ich das Fach! Und doch hasst er mich. Oder hasst er mich nicht? Das verstehe ich nicht.

Einmal sagte der Lehrer mir, dass nicht alles was glänzt Gold ist. Ich sagte: "Das weiß ich! Silber glänzt ja zum Beispiel auch. Genauso Kupfer, Edelsteine und mehr."
Ich wusste das, vieles glänzt. Doch der Lehrer schüttelte nur den Kopf und sagte mir, dass das nicht das ist, was er meinte, auch wenn ich recht habe. Was meinte er denn sonst?
Ich der Autist, der nichts kann und nichts versteht.

Ein Mädchen sagte mir mal, Sie sei glücklich und doch, schaute Sie ganz traurig drein. Doch ich verstand nicht warum, Sie sagte doch, Sie sei glücklich!
Sie mag mich nicht mehr, weil ich nicht verstehe, warum Sie nicht glücklich ist. 
Ich der Autist, der nichts kann und nichts versteht. 

Ich hab mich immer gefragt, was ich kann. Was ich nicht kann, zeigt man mir immer wieder, doch bin ich auch in irgendwas gut? 
Ja! Meine Betreuerin hilft mir und zeigt mir, was ich kann. 
Ich kann zum Beispiel gut lesen und rechnen. Genauso kann ich gut riechen, sehen und schmecken. Und das sind nur ein paar Dinge, die ich kann! Bei vielem brauch ich Hilfe, aber manches, dass kann ich schon alleine! 
So hilft mir meine Betreuerin zu verstehen, warum der Lehrer sauer war und das er mich deswegen nicht hasst. Auch hilft Sie mir zu verstehen, warum das Mädchen sagte sie sei Glücklich, obwohl sie traurig schaut und was genau glänzt aber dennoch kein Gold ist. 

Ich bin gerne Betreuerin. Denn ich helfe gerne dabei, zu merken, was man kann! 

Comments

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    Eine wundervolle, wertvolle Arbeit, die du da leistest. Es ist schön etwas mehr darüber zu erfahren. Auch ich würde mich auf ein weiteres Kapitel freuen. :-)

  • Author Portrait

    Du beschreibst die Wahrnehmungen und Gedanken eines Menschen mit Autismus sehr anschaulich. Erlaubst du mir, etwas dazu anzumerken? Gerne würde ich noch mehr bzw genauer erfahren, wie sich dein Alltag als Betreuerin gestaltet. Dein inneres Engagement ist spürbar, ebenso die Gabe, dich in deine zu Betreuenden einzufühlen. Aber deine Rolle kommt meiner Ansicht nach leider etwas zu kurz. Dabei ist sie emminent wichtig und du darfst dich zeigen!

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