V.

»Garrett ... Garrett!«

Mühsam öffnete der Angesprochene die Augen und stöhnte, denn sein Kopf schmerzte so sehr, dass er glaubte, er müsse zerspringen.

»Au ... was ...?«

»Gott sei Dank. Jag mir doch nicht so einen Schrecken ein!«

»Was ist denn?« Garrett richtete sich mühsam auf und blickte sich um. Er lag auf der Wiese, die Sonne schien, es war warm. Henry war da.

»Henry!«, juchzte der junge Mann plötzlich und fiel diesem um den Hals. Garrett stöhnte, weil die abrupte Bewegung ihm wehtat, doch es kümmerte ihn nicht.

»Was ist denn nun?«, der Vampir hielt ihn verdutzt fest.

»Ich habe ... oh Mann ... ich habe nur geträumt. Verrückt. Ich war ...«, Er musste lachen, was seinen Kopf noch mehr schmerzen ließ, »du hast gesagt, ich hätte zu viele Horrorfilme gesehen. Aber es war wohl zu viel ‚Alice im Wunderland’.«

Henry zog seinen Liebsten etwas an sich und hob ihn hoch. Ein feines Blutrinnsal hatte Garretts blondes Haar verfärbt und er wollte sich das ansehen. Er trug ihn zu ihrem Picknicklager, setzte ihn sanft ab und reichte ihm eine Wasserflasche. In zügigen Schritten war er zum Wagen zurück gerannt, um den Sani-Kasten zu holen.

»Ist dir schlecht? Schwindelig?«

»Nein. Jetzt nicht mehr. Nur Kopfschmerzen«, murmelte Garrett und trank etwas von dem Wasser, bevor er die Flasche an Henry weitergab, der ein Stück Tuch damit benetzte und die winzige Platzwunde abtupfte.

»So so, während ich mir Sorgen mache, dass mein Lebensgefährte bewusstlos im Gras liegt, hast du also geträumt?« Der Vampir lachte leise, reinigte die Wunde und legte ein kleines Pflaster darauf, als die Blutung endlich gestillt war.

Garrett erzählte es ihm und Henry, der ein wunderbarer Zuhörer war, reagierte an den richtigen Stellen.

»Ein Hirschkäfer? Meine Güte ... und diese Maus, das war ich?«

Der junge Mann lehnte sich an ihn und nickte. »Es kann nur so gewesen sein. Er war mir so vertraut und er hatte denselben Charakter wie du. Herrje, sein Name war Henrik. Sagt das nicht alles?«

Beide lachten. Die Frühlingssonne war bereits gewandert, der Nachmittag war angebrochen. Garrett war erschöpft.

»Komm, lass uns zusammenpacken. Ich würde dich gern von einem richtigen Arzt untersuchen lassen. Mit einer Gehirnerschütterung ist nicht zu spaßen.«

Henry verstaute die Picknicksachen wieder im Korb und brachte alles zum Auto, während der junge Mann noch etwas sitzen blieb.

»Kommst du? Ich will die Decke zusammenräumen.«

»Es war so real«, murmelte Garrett und ließ sich von dem Vampir auf die Beine ziehen.

»Du solltest doch nun langsam wissen, dass ich, egal in welcher Gestalt, da sein werde, um dich zu beschützen, meinst du nicht?«

»Wie der Held in meinem ganz eigenen Märchen.«

»Genau wie dieser. Solange ich lebe.«

Mit einem Lachen überließen sie die wilde Wiese mit den leuchtenden Frühlingsblumen wieder ihren eigentlichen Bewohnern und kehrten in die Welt zurück, die ihnen gehörte.



~ ENDE ~





Comments

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    Das ist so eine schöne Geschichte! So wie du alles beschrieben hast, konnte man sich die Welt gut vorstellen. Ich liebe es deine Geschichten zu lesen. LG, Wolfslady

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    Auch ich habe die Geschichte in einem Rutsch gelesen und mich richtig amüsiert! Ich mochte die Beschreibungen der Welt da unten, die Gedanken über die plötzlich andere Sichtweise als Zwerg... Von mir ein großes Kompliment!

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    Hey Henri. Ich habe die Geschichte gestern in einem Rutsch durchgelesen und mich prächtig amüsiert. Von Anfang bis Ende ist sie unterhaltsam, zum Schmunzeln und wie der bunte Streusel in Garretts Tasche: zuckersüß. :) Dein Stil ist wunderbar flüssig und etwas weitschweifender, detaillierter und kommalastiger als sonst, was aber gut passt. Und ich hatte auch nie das Gefühl, einen Abklatsch zu lesen. Insgesamt eine sehr runde Sache! Einziger "Kritikpunkt": Garrett wirkt für mich hier wie um die 16-18, obwohl ich weiß, dass er wesentlich älter ist. Aber vll ist das auch mein ganz persönlicher Tick und er bleibt bei mir eben immer "der ewige Junge". ;) Liebe Grüße!

beta
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