Venus Sicht

Freya war gerade aus der Hütter verschwunden, da beschloss ich mir meinen Kleiderschrank ein wenig anzuschauen. Hatte Ruby nicht gesagt, dass wir, auf unsere Persönlichkeit abgestimmte, Kleidung in unseren Schränken hatten.

Prüfend öffnete ich diesen und begutachtete den Inhalt. Ruby hatte nicht gelogen. Bis auf Zwei weiße Kleider würde ich alles tragen, was sich im Schrank befand.
Unten im Schrank standen auch ein paar schwarze kniehohe Stiefel. Auch wenn ich es nicht leiden konnte Schuhe zu tragen, waren sie doch sehr hübsch. Ich nahm sie aus dem Schrank und zog sie probehalber ein Mal an.
Ich hatte recht, sie waren wirklich richtig toll und passten noch dazu wie angegossen.
In dem Moment stieg mir der Geruch von Rauch in die Nase. Als Wolf hatte ich einen extrem verstärkten Geruchsinn, was manchmal auch ein Nachteil sein konnte. Sobald ich Gefahr witterte, wurde mein Wolfsinstinkt geweckt.
Ich spürte das Leichte brennen in meinen Augen, wenn sie ihre Farbe von Hellblau zu Gold wechselten. Das geschah entweder, wenn ich zum Wolf wurde oder wenn meine tierische Seite beim Menschen durchschlug.

Ich schaute also ein Mal prüfend durch das Fenster über meinem Bett, dass sich praktischerweise auf der Seite, die zur Mitte des Hüttenkreises zeigte, befand. Vor der Feuerstelle stand Freya mit einem Jungen den ich nicht kannte. Gerade ging er davon.

Der Geruch musste von dem Steinkreis gekommen sein, in der man das Feuer anzünden konnte. Jetzt stiegen nur noch kleine schwache Nebelwölkchen auf und verpesteten die Luft.

Im selben Moment knackte etwas merkwürdig. Auch Freya draußen zuckte ihrerseits zusammen und dann ertönte einer Merkwürdige Lautsprecherstimme: "Alle Neuen haben sich bitte in Hütte 12 zu versammeln! Dort wird euch jetzt alles weitere bekannt gegeben!"

Ob das Ruby war? Vermutlich! Auch wenn ich es verabscheute Befehlen zu folgen, wollte ich doch nicht den Unmut der Campleiterin heraufbeschwören, also machte ich mich kurzerhand auf den Weg nach draußen. Freya stand mit verschränkten Armen da und beobachtete, wie ich aus der Hütte kam und auf sie zu ging.

"Komisch, dass sie das jetzt schon machen will, aber okay. Auch wenn ich diese ganzen öden Regeln schon kenne, komme ich mit!"

Ich nickte und sie ging voran. Vor besagter Hütte standen nun etwa 15 Leute. Offenbar war die Tür noch nicht offen und so mussten wir noch ein paar Herzschläge warten.

Als wir endlich nach drinnen konnten, stellte ich fest, dass diese Hütte deutlich größer war, als die mir bekannte. Tische, die vermutlich normalerweise zum Essen gedacht waren, waren nun an die Seite geschoben worden und nur die Stühle standen allesamt im Raum verteilt. Ruby stand auf einer Art Podest und wies uns an uns zu setzen.

Ich pflanzte mich in der letzen Stuhlreihe auf den, der am nächsten bei der Tür gelegen war, sodass ich am schnellsten verschwinden konnte, wenn das Theater hier vorbei war. Freya hatte ich aus den Augen verloren, vermutlich gesellte sie sich zu denen, die sie schon vom vorherigen Jahr kannte.

Gerade als ich der Annahme war, ich würde hier hinten alleine bleiben setzte sich jemand neben mich. Es war ein Junge, aber es sah aus, als hätte er mit einem Papagei geduscht. Seine Haare waren grell Pink und auch der Rest seiner Kleidung, was im Übrigen aus einem Anzug bestand, war nicht gerade dezent. Er lächelte mich an und seine violetten Augen glitzerten vor Schalk.

"Hey, ich bin Sam! Du bist Neu hier oder?"

Ich nickte und versuchte ihn nicht allzu offensichtlich anzustarren. Sein Äußeres konnte einen ja fast blenden.

"Venus."

"Und ein Werwolf!"

Ich schaute ihn verdattert an. Wieder grinste er.

"Kann Gedanken lesen." sagte er mit einem Zwinkern, aber ehe ich fragen konnte, wie zum Teufel er das machte, erklang wieder das Knacken von einem Mikrofon. Ruby stand auf der Bühne und bat nun um Ruhe. Sam wandte sich ab und sah gebannt nach vorne, obwohl er immer noch ein schelmisches Lächeln auf den Lippen hatte. Gezwungenermaßen tat ich also das selbe und blickte nach vorne.  

"Willkommen im Mystic Camp. Eine der wenigen Orte, an denen magische Wesen, während der Ferien, Zuflucht finden können. Ich weiß ihr hattet alle eure eigene beschwerliche Reise, da das Camp 200 Meilen vom nächsten Ort entfernt ist, aber ich hoffe, ihr konntet es euch in euren Häusern schon gemütlich machen!"

"Ja sicher..." Vor mir brummte ein Junge leicht angesäuert vor sich hin. Ich erkannte ihn. Es war der, mit dem Freya vor der Feuerstelle gesprochen hatte.

"Ich weiß, dass ihr vor allem hier seit, um euch zu erholen. Dennoch gibt es einige Regeln, die ich euch ans Herz legen muss!"

Sie schaute auf die Liste, die sie in der Hand hielt und verlass die Punkte.

"1. Das betreten der Hütten anderer, ist ohne Erlaubnis des derzeitigen Besitzers untersagt!

2. Frühstück gibt es um 9 und Abendessen um 17 Uhr. Anwesenheit ist Pflicht!

3. Das Verlassen des Geländes ist verboten. Unser Gebiet umfasst einen großen Teil des Waldes, in denen jede Menge Abenteuer lauern könnten. Es ist also nicht nötig durch das Eingangstor nach Draußen zu gehen!

4. Ich weiß, dass zwischen manchen von euch uralte Rivalitäten herrschen, bitte euch jedoch sie für die Zeit hier ruhen zu lassen!

Als letztes:

5. Die Feuerstelle wird nicht vor Sonnenuntergang entfacht!"

Sie nickte und die Leute um mich herum erhoben sich wieder. Ich folgte ihrem Beispiel und schon nach wenigen Sekunden standen wieder alle vor der Hütte.

Neben mir nahm ich immer noch Sam war, der nicht von meiner Seite gewichen war.

"Also, woher wusstest du..." weiter kam ich nicht.

"Dass du ein Wolf bist? Tschuldige Werwolf?" er vollendete meine Frage und ich nickte knapp.

"Tja als Dschinn kann man nun mal Gedanken lesen, aber ich versuche es auf ein Minimum zu minimieren."

Minimum und minimieren in einem Satz. Was für ein schräger Vogel. Sagte man nicht, dass ein Dschinn einem 3 Wünsche erfüllen konnte?

"Stimmt, aber dafür müsste ich in deiner Schuld stehen und zwar einer Lebensschuld!"

Böse funkelte ich ihn an.

"Oh ja... Sorry, Macht der Gewohnheit!"

Inzwischen hatten sich die Meisten um uns herum in alle Winde verstreute. Nur Freya stand da und wartet mit genervten Blick auf mich.

"Ich schätze du wirst erwartet!" meinte Sam mit einem Blick zu meiner Zimmergenossin. "Bestimmt sieht man sich mal wieder!"

Ich verabschiedete mich von meiner flüchtigen Bekanntschaft und ging zu Freya die erleichtert und unüberhörbar seufzte.


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