Unser Leben ist voller Erinnerungen, manche sind traurig, manche schön, manche will man erhalten, bei manchen ist man glücklich, wenn sie vergehn.
Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, als ich einst spazieren ging, an einem besonders winterlichen Morgen, als der erste Schnee sich legte auf Wies und auch auf Tal und ich vorbeiging an einem Traueraltar, wie schon so manches Mal.

Dort wird einem Jungen gedacht, ich hab darüber auch schon ein Gedicht gemacht. Vor fast vier Jahren ist dieser Junge nun gestorben und immer weniger scheinen sich um den Zustand des Altars zu sorgen.
So viele Bilder des Jungen schon alt und bald gänzlich verblasst, niemand wechselt sie mehr aus, niemand hat mehr neue Geschenke gebracht.
So verborgen unter feuchtem Schnee an jenem Tag, regte sich in mir eine Art Wehmut, Mitleid und Trauer, dass doch nicht mal die Erinnerung an diesen Jungen, bleibt auf Dauer.

Das Leben geht weiter ohne ihn, Erinnerungen sind daran, still davon zu schweben, oder verbergen sich hinter andern Gedanken, die munter und fröhlich weitertanzen. Verwehen wie Wolken im Wind und nichts bleibt, keine Schwaden durchziehen den Himmel mehr, nur noch weites, leeres Blau, das endlose Sternenmeer.

Der Kummer wird durch Vergessen gelindert, mit gutem Grund, denn so wird viel an Leid verhindert.
Doch nicht immer ist es leicht Erinnerungen loszulassen, man will, dass sie keinesfalls verblassen.
Weil man glaubt, wenn man vergisst, dies Sünde ist, weil man dann glaubt zu wenig zu würdigen was einst war, doch weiterschreiten muss man immerdar.
Wir an ihnen oft hängen, sie als Schätze sehen, von denen wir keinesfalls wollen Abschied nehmen.

Und doch verblasst alles mit der Zeit, nicht hat stets Bestand, nur die Unbeständigkeit.
Immer wieder heisst es Abschied nehmen, von allem was ist und war, oftmals ist das sonderbar, doch irgendwie auch wunderbar.

Es kann beruhigend sein, zu wissen, dass sich immer wieder neue Wege öffnen, die einem zeigen, wohin man sich auch sonst noch kann wenden, zu neuen, glücklichen, guten Enden.

So wollen wir immer mehr lernen loszulassen und uns Neuem öffnen täglich mehr, dass kann uns bereichern gar sehr.
Manchmal kann es schmerzhaft sein, uns beinah unmögliche scheinen, doch manchmal muss man vergessen, um sich selbst wieder mehr zu finden und so manches zu überwinden.

Herausfinden, wo man vergessen sollte, wo nicht, wo man festhalten sollte, wo eher nicht, auf den Grund zu gehen, dem was von Bedeutung ist.

Das ist eine Aufgabe die das ganze Leben lang uns beschäftigt. Welche Werte will ich bewahren, wo bestimme ich eigenmächtig, mein Ziel und meine Wege, bestimmt ist es wichtig, dass ich manches vergebe.
Was einst schieflief auf meinem Lebensweg, oder wenigstens so erscheint, diese Gedanken dieses Gefühl ist es, das uns alle irgendwie vereint.

Stets sind wir daran alles neu zu ordnen, manche Dinge müssen gehen, manche bleiben wie Schätze in uns verborgen.
Diese Schätze führen uns zu unserem Ziel, doch oft weiss man zu Beginn nicht viel.
Vielleicht findet man es irgendwann heraus, und alles wird plötzlich ganz klar, wie der Himmel in seinem Blau, erleuchtet von der Sonne, warm und wunderbar!
Die Schuppen der täuschenden Welt, fallen uns von unseren Augen und wir können, wenn wir Glück haben, immer mehr erschauen.

Darauf hoffe ich jeden Tag, dass dieser Moment einst kommen mag, wo ich erkenne alles was es gilt zu wissen, dass ich begreife, was es mit dem Erinnerungen auf sich hat, welche es braucht um weiterzukommen und welche ich schlussendlich nicht mehr werde vermissen.

Darum des ewigen Lichtes und der Klarheit Schein, führ uns alle auf dem Weg in unser neues Heim!





 

 

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