Verletzt

Verletzt

Aber jetzt hatte ich erst einmal ein anderes, viel dringlicheres Problem, mich heil und ganz aus dem Schlamassel zu bekommen. Da nun die unmittelbare Gefahr gebannt war, fühlte ich leichten Schwindel, der mich plötzlich ergriff. Ich wankte leicht und stützte mich erschöpft mit einer Hand an der Wand ab. Aha, jetzt, da die erste Aufregung abflaute, spürte ich den pochenden Schmerz. Ich meine, es steckte ein Messer komplett in mir. Womit hatte ich das verdient? Hatte ich irgendwem was getan?

Ups, ja jetzt schon, aber darüber dachte ich jetzt nicht nach, ich wollte nach Hause und dies würde noch ein weiter Weg sein, erkannte ich, als meine Hände zu zittern begannen und ich bebend den angehaltenen Atem ausstieß. Reiß dich zusammen Hermione, du hast das hier nun nicht durchgestanden, um gerade jetzt zusammenzubrechen. Das konnte ich später immer noch, beruhigte ich mich relativ gefühllos. Dann rief ich noch meine Tasche zu mir und konzentrierte mich nur noch auf den Grimmauld Place. Heim, Sirius, Harry, Hilfe! Konzentration… und Sprung.

Ich stolperte ein paar Schritte unsicher vorwärts, griff blind tastend nach dem schlangenähnlichen Türklopfer des Blackhauses und atmete immer schwerer. Schweiß hatte sich auf meiner Oberlippe gebildet, durch all die Konzentration, die ich aufbrauchte nicht zusammenzubrechen. Ich konnte von Glück sprechen diesen Sprung geschafft zu haben, der mich direkt vor die Tür des Stadthauses gebracht hatte und nicht in eine Gasse, aber in der Not war mir dies egal, da ich einfach nur froh war, nicht in meine Einzelteile zersplintert zu sein. Ich spürte eine unglaubliche, bleierne Müdigkeit in den Knochen. Nicht jetzt Hermione, reiß dich zusammen. Gleich hast du es geschafft.

Mit unglaublicher Anstrengung hielt ich mich auf den wackeligen Beinen, dabei zitterte ich unkontrolliert. Ich blickte mal wieder auf den schmucklosen, schlichten, schwarzen Holzgriff, der aus meiner Seite herausragte. Es hatte etwas unglaublich Faszinierendes für mich, bei dem Anblick konnte ich mich fast verlieren.

Wow, dieses Gefühl den Fremdkörper sofort aus mir entfernen zu wollen war wirklich riesig. Ich musste wirklich jedes Fitzelchen Disziplin und Selbstkontrolle aufbieten, um nicht etwas sehr Unvernünftiges zu tun. Ich war, wie gesagt, direkt vor die Eingangstür appariert, denn ich hatte nicht die Kraft, um nicht den direkten Weg zu wählen und nun öffnete ich vorsichtig die Tür. Es war kurz nach 20 Uhr, fast halb neun, höchstwahrscheinlich waren alle in der Küche, gut, das war gut für mich, dachte ich erschöpft und blinzelte mit den müden Augen. In nicht einmal einer halben Stunde hatte sich mein Leben um 180 Grad gedreht. Tränen traten in meine Augen, dass ich vor der Entscheidung stehen würde, wirklich über Leben oder eben nicht Leben zu entscheiden, hatte ich nicht so erwartet bzw. nicht so bald, nicht so früh, nichts aber gar nichts würde mehr so sein wie früher!

Zitternd stieß ich den Atem aus und verbannte ein Schluchzen zurück in meine Kehle, wo sich ein dicker Kloß bildete und ich versucht war, einfach nur laut weinend um Hilfe zu schreien! Gut, im Krieg gab es Tote, das konnte man nicht vermeiden, aber wir hatten doch noch gar keinen wirklichen Krieg. Oh, die Realität konnte einem wirklich jede Illusion rauben, erkannte ich ernüchtert. Wo ich mich vorher immer als eine graue Erscheinung gesehen hatte, hatte ich jetzt die ersten schwarzen, rabenschwarzen Löcher in diesem Grau und wenn das hier mal fertig war, hatte ich nun Angst, dass vielleicht alles an mir schwarz sein könnte.

Das machte mir wirklich Angst, eine Heidenangst. Ich schniefte unterdrückt auf. Ich glaube, ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Die Erlebnisse und Erfahrungen der letzten Monate waren vielleicht doch ein bisschen viel für mich gewesen, denn das alles zu verkraften war nicht leicht! Ich hielt mich immer für so stark und allem gewachsen, aber augenblicklich fühlte mich nur leer, klein und schwach. Auf keinen Fall wollte ich, dass mich jemand so sah, denn ich musste schrecklich aussehen. Jetzt fiel mir wieder ein, dass es höchstwahrscheinlich keinen nicht mit Blut besudelten Flecken auf mir gab. Ich hob beide Hände und blickte sie an, aber das was ich sah war ernüchternd. Schmale schlanke Hände, Blut befleckte Hände.

So schleppte ich mich langsam und müde durch den düsteren Flur in Richtung Treppe. Einen Schritt vor den anderen, sprach ich mir Mut zu, wobei es von Schritt zu Schritt schwerer wurde die Beine zu heben. Nun stand ich am Rand der Treppe. Ich wollte in die Bibliothek, aber der Blick hoch in die Höhen des Hauses ließ es mir wie die Besteigung des Mount Everest vorkommen. Ich stöhnte auf und schluckte schwer, mein Kehlkopf kratzte unangenehm. Mann, tat mir mein Hals immer noch weh, wie der wohl aussah?

Ein unsicherer Blick zur Treppe und ich entschied, es brachte ja doch nichts, beiß die Zähne zusammen und auf. Du hast zwei Death Eatern getrotzt, dann ist doch dieser Aufgang ein Witz. Ich hielt mich mit der Rechten sehr am Treppengeländer fest und zog mich Stufe für Stufe hoch. Der Schmerz, der mich durchzuckte als ich die Beine anhob um die Treppen zu erklimmen, schickte mich fast in meine Ohnmacht, da das Messer bei unbedachten Bewegungen in mir kratzte. Das Gefühl würde mich in meine Albträume verfolgen. Rasselnd und schnaubend entkam mein Atem.

Wow, war mir schwindelig, eindeutig vom Blutverlust. Ich lief zwar nicht wie ein Schwein aus, da ich die Waffe weitsichtig hatte stecken lassen, aber wie es aussah hatte ich innere Verletzungen, die heftig bluteten, was eigentlich nicht wirklich verwunderte. Hahah, geschafft, ich war im ersten Stock. Ich atmete wie ein Walross und schleppte mich schwer in die Bibliothek, dabei ging ich wie eine alte Frau durch die Tür und dann sackten mir auch schon die Beine plötzlich, kraftlos unter den Füßen weg. Ich sank mit einem Schrei auf den Boden, darauf bedacht erst auf dem Hintern zu landen, da ja immer noch ein Messer aus mir ragte. Oh meine Göttin, wer hasste mich so. Ich schrie wieder erstickt auf, das tat ja so weh!

Nun endlich rannen mir in Strömen die Tränen über die Wangen und zogen ihre verwischenden Spuren durch das in meinem Gesicht getrocknete Blut. Ich musste aussehen wie ein Monster. Ein Monster, das ich heute geworden war. Als ich so am Boden saß wie ein blutendes Häuflein Elend, zog ich mit fahrigen Bewegungen meinen Zauberstab hervor und dankte allen Göttern, dass ich in den letzten Wochen den Patronus-Zauber hier bei meinen Büchern geübt hatte, nachdem ich die Rettung von Harry und Sirius in der dritten Klasse erlebt hatte und jetzt, nachdem Harry inmitten der Ferien von Dementoren angegangen worden war, war mir dies sehr sinnvoll erschienen. Weil dieser gestaltliche Beschützer auch Nachrichten übermitteln konnte, war er auch als Kommunikation geeignet. Ich beschwor meine Gestalt und schickte sie los und hoffte, dass er verstand und zu meiner Rettung eilen würde, denn ich konnte nicht mehr. Meine Kraftreserven waren vollständig verbraucht, nicht nur physisch sondern auch psychisch. Mir wurde immer schwärzer vor Augen, aber ich durfte unter gar keinen Umständen einschlafen, solange ich allein war, also richtete ich einen Episkey auf mich, der äußerst schwach ausfiel und nicht wirklich half.

Ich umschloss mit meinen Händen meinen geschundenen Hals, fand dabei, als ich mit meinen Fingern tastend darüber fuhr, dass man die Druckstellen von Boles Fingern und Händen spüren konnte. Eine Gänsehaut lief mir über meinen gesamten Körper. Das war so knapp gewesen, dass mir schrecklich kalt wurde, wie ich es jetzt an meinem ganzen Leib schüttelnd spürte. Ich rief als nächstes aus meiner Tasche, die ich die scheiß Treppen mit hoch geschleppt hatte, einen Blutbildungstrank, den ich noch schaffte zu trinken, bevor ich mich nicht mehr aufrecht halten konnte und mich sachte auf meine rechte Seite sinken ließ. Wie würden die Ärzte sagen, stabile Seitenlage. Dann spürte ich, wie meine Kräfte genauso aus meinen Körper flossen wie mein herrlich, tiefdunkelrotes Blut, das sich über meinem grauen T-Shirt ausbreitete, wie ich verschwommen sehen konnte, als ich nach unten schielte.
Ich starrte benommen zur Tür, meine Augenlider wurden schwerer und schwerer…
Hermiones Sicht ende

Snapes Sicht
Dieses Haus war ein Tollhaus. Lag es an Black oder an den Weasleys, oder an den sich sammelnden Mitgliedern des Ordens?

Ich wusste es nicht, wusste nur, dass ich getrost darauf verzichten konnte, denn dieses Gegackere war nicht zu ertragen und nun belästigte mich auch noch Potters permanente Anwesenheit in diesem Haus! Der hatte vielleicht blöd geschaut, als ich auf seinem Stammplatz, im Dunkeln neben Black gesessen hatte als er rein kam. Es passte Potter augenscheinlich gar nicht, weswegen sich seine Lippen zu einem dünnen, missbilligenden Strich verzogen hatten. Dann hatte dieser sich abrupt abgewandt und sich kurzentschlossen auf Miss Grangers Platz niedergelassen, was wie ich an der kurzzeitig angespannten Haltung von Black bemerkte, diesem wiederum nicht passte. Das war zum Schießen komisch, aber natürlich lag auf meinen Zügen nichts weiter als betonte Gleichgültigkeit.
Tja Potter, mit einem jugendlichen, willigen Frauenkörper kann selbst der Patensohn nicht mithalten, dachte ich hämisch und verzog meine Mundwinkel nach unten, denn schon kamen mir die Bilder vom letzten Treffen lebhaft in den Sinn, wo ich Black und Miss Perfekt in Action gesehen hatte.

Nein, an das wollte ich nicht denken, rief ich mich resolut zur Ordnung. Ich hatte einen Weg gefunden die Bilder von Miss Granger auszumerzen, war aber leider die letzten Tage nicht dazu gekommen ein erneutes Treffen zu vereinbaren, dafür waren derart kurz vor Schulbeginn und auch noch mein Leben als Spion, die Aufgaben zu vielfältig gewesen, als dass ich Zeit gehabt hätte meinen seltenen Vergnügen nachzugehen. Als ich so darüber nachdachte, Minna, ja sie hatte die Gedanken an Miss Granger erfolgreich verdrängt und wenn ich mir die Erinnerung ins Gedächtnis rief, dann sollte ich bald eine Eule abschicken!

Aber dann wurden meine Gedanken zu meinem Leidwesen unterbrochen, da die Kakophonie meiner Umgebung ungeahnte Höhen erreichte und so durfte ich mir anhören, wie lautstark empört Lupin, Tonks, Potter und die rote Bande von Miss Grangers Verhalten waren, da sich diese einfach verabschiedet hatte und in der Diagon Alley spurlos verschwunden war! Ungeheuerlich, leider konnte ich ihr dies nicht verdenken! Das war es, dass beherrschende Thema dieser impertinenten und penetranten Bagage.

Ich sah taxierend zu Black, der zunehmend unruhig wurde und immer wieder einen besorgten Blick zur Tür warf. Es war schon nach halb neun. Und so viel auch ich wusste, kam Miss Granger immer um acht Uhr oder kurz danach zurück. Sie war pünktlich und in dieser Hinsicht war sie genauso pedantisch wie mit ihren ellenlangen Aufsätzen mit den ganzen Querverweisen, nervend aber kalkulierbar. Ich würde es nie zugeben, aber so war ich auch. Ich und Ähnlichkeit mit Granger, einfach lächerlich! Warum beherrschte dieses nervige, kleine Mädchen nur derart meine Gedanken?

Eben weil sie sich nicht wie ein kleines Schulmädchen präsentierte. Dem Potter und den Weasleys vielleicht, aber mir und Black hatte sie ein anderes, ein ganz anderes und sehr unerwartetes Gesicht gezeigt. Aber nun gut, was wusste ich bzw. was wussten wir schon was Miss Granger so trieb!
Ich würde keinen Tipp abgeben wo sie gerade abgeblieben war, nachdem ich sie nun näher kennengelernt hatte, da ich bezweifelte etwas nicht bösartiges zu sagen, vielleicht vergnügte sie sich ja mit einem Mann in einer Gasse? Wer wusste das schon bei der, dachte ich verächtlich und ein klein wenig gehässig! In meine Gedanken hinein, die sich alle um Miss Granger drehten, wie ich betont verächtlich erkannte, was ich niemals zugeben würde, platzte plötzlich, als durch die Tür der Küche ein gestaltlicher Patronus kam, eine Elster! Wer bei Slytherin hatte eine Elster? Sie flog direkt auf Black zu.

Ich hob nur indigniert eine Braue und beobachtete ruhig das alles aus meiner Ecke. Die ganze Küche war mit einem Schlag in Schweigen gehüllt. Alle starrten zu dem Schauspiel, das sich vor ihren Augen abspielte. Der ganze Orden war schon da, bis auf Albus und keiner kannte so einen Patronus. Dieser Patronus ließ sich nun auch schon vor Black nieder und in einer kratzigen, atemlosen Stimme nur ein Wort aushauchte „Casanova“ und schon löste sich die Elster in Rauch auf und hatte somit seine Nachricht überbracht! Blacks wachsamer Blick schaute sofort besorgt und sein Gesicht war sehr blass geworden. Noch bevor einer eine Frage an ihn hätte richten können, stand er abrupt auf und rauschte rasant aus dem Raum. Er hinterließ erst eine kurze, intensive Stille, bevor das anstrengende Geschrei losging. Was war das? Wer war das? Warum wusste Sirius was gemeint war? Was war mit „Casanova“ gemeint? Und so weiter und so fort… blablabla… warum musste ich immer inmitten der gearteter Idioten ausharren? Ich dachte da so eine schwache Ahnung zu haben, aber wissen…

Und schon wurde die Küchentür mit solchem Schwung aufgestoßen, dass sie laut krachend an die Wand schlug. Sie offenbarte einen starrenden, kalkweißen Black, der seine Lippen fest zusammengepresst hatte.

„Snape. Auf. Ein. Wort. In. Die. Bibliothek!“, stieß Black atemlos hervor, wie ich ihn noch nie, aber wirklich noch nie gehört hatte. Seine Augen fixierten mich starr, so als wollten sie mir etwas Bedeutsames mitteilen. Ich sah nur langsam auf, legte den Kopf überlegend schief, denn das schien ernst und wichtig, also nickte ich knapp und erhob mich geschmeidig, verließ die Küche zügigen Schrittes. Black hatte jedwede Frage der anderen ungewohnt kalt ignoriert. Er erstaunte mich, denn er packte mich plötzlich an meinen Arm.

„Schneller, Severus, schneller, bitte beil dich!“, sagte er zitternd und spurtete los, wobei ich so eine Behandlung gar nicht zu schätzen wusste.

Dieser Satz, mit… mit meinem Vornamen und dem Wort „bitte“, von Black! Diese Dinge machten mir ein richtig schlechtes Gefühl, denn ein Black, der um etwas bat war unmöglich! Black würde niemals solche Worte an mich richten, dafür hassten wir uns zu inbrünstig. Was spielte sich hier ab? Was ging hier vor!? So stürmten wir beide in die Bibliothek und dass was sich mir darbot, berührte mich zutiefst. Mir stockte der Atem und es ließ mein Blut in den Adern gefrieren. Es war ein grauenhafter Anblick.

Dort in der altehrwürdigen Blackbibliothek, umgeben von all den herrlichen Büchern, lag Miss Granger und das was ich sah war einfach unglaublich schrecklich! Sie lag bewusstlos auf der rechten Seite auf dem Teppichboden, der sich um sie herum beständig röter färbte. Aus ihrer linken Seite ragte der Griff eines in ihr steckenden Messers hervor, aber auch der Rest ihrer Erscheinung war nur erschreckend. Sie war über und über voll mit Blut, ihre Kleidung, ihre Hände, ihr Gesicht!
Sie sah aus wie komplett mit Rot bemalt. Ihr lockiges, brünettes Haar hatte sich in einen harten, verklebten Blutklumpen verwandelt. Wo kam so viel Blut her, denn dafür musste man schlachten, das kam mir in den Sinn bei diesem schockierenden Anblick! Alle Fragen traten jedoch erst einmal in den Hintergrund. Sie war schwer verletzt, Black hatte recht darin getan mich zu holen.

Ich knurrte wütend auf und stürmte auf die junge, am Boden liegende Frau zu und ging vor ihr auf die Knie. Sie öffnete schwer die Augen und sah mich mit ihren großen, braunen Augen leicht abwesend wirkend an. Ein angestrengtes Lächeln zeigte sich in ihren Mundwinkeln, was in dem blutigen Gesicht gruselig aussah. Ihr Atem kam abgehackt und stockend. Schon sprach ich einen Zauber, der ihr Oberteil verschwinden ließ. Nun lag sie nur noch mit einem BH bekleidet vor uns. Noch einen Tergeo, der sie von dem Blut reinigte, damit man erkennen konnte was ihr Blut war und was nicht, denn so hatte sie wie eine einzige, große Wunde ausgesehen. Ich sprach einen starken Episkey, da dieser zumindest etwas die Blutung stillen würde und machte mich an meine Arbeit.

„Hermione, was ist passiert, Hermione?“, drang Black besorgt auf das verletzte Mädchen ein und so ging das Geheul die ganze Zeit von Black hin und her. Diesem hatte ich bisher keine Aufmerksamkeit geschenkt. Ich hatte ihn vollkommen ausgeblendet, meine gesamte Aufmerksamkeit galt der verletzten, blutenden, jungen Frau zu meinen Füßen.

Ich zischte: „Reiß dich am Riemen, Black!“ Dann streifte ich meinen Mantel ab und hielt ihn hoch. „Durchsuch meinen Mantel hier!“, befahl ich herrisch und hielt ihn ihm auffordernd weiter hin. „Blutbildungstrank, Stärkungstrank, Heiltrank…..“, forderte ich scharf und eindringlich. Dass ich das noch erleben sollte, Black folgte ohne Widerworte.

„Snape, hier lag diese Phiole am Boden!“, meinte er plötzlich mit rauer Stimme und reichte sie mir. Ich nahm sie ihm ab und roch konzentriert daran.

„Mhmhm…“, murrte ich. „Was ist das Snape?“, fragte Black aufgeregt.

„Blutbildungstrank, hat sie anscheinend noch geschafft zu nehmen“, ließ ich mich herab zu erklären, bevor ich wieder verstummte. Zuerst musste ich mir einmal einen Überblick über die Art und die Vielfältigkeit der Verletzungen verschaffen. Ich ließ meinen forschenden Blick über ihren Körper wandern. Sie hatte das Messer in sich und ich konnte etwas sehen, was anscheinend Black bisher in seiner Panik entgangen war, ihr Hals sah gar nicht gut aus! Ich tippte mal ganz wagemutig darauf, dass jemand versucht hatte sie zu erwürgen. Ich konnte deutlich die blutunterlaufenen Abdrücke der einzelnen Finger an ihrer Kehle sehen, da musste jemand mit unheimlich roher Kraft zugedrückt haben, denn die Quetschungen fielen extrem auf. Sie hoben sich aufgrund ihrer wächsernen Blässe deutlich ab. Nur schwer bekam sie offenbar Luft in ihre Lungen, da sie immer wieder tief einatmete und manchmal sogar nach Luft schnappte, also sprach ich den Anapneo, damit dieser wieder ihrer Atemwege befreite und sie so leichter Luft zum Atmen bekam, denn für die Heilung der Stichwunde würde sie ihre Luft noch brauchen und wenn auch nur um zu schreien. Aber ansonsten konnte mein suchender und forschender Blick keine weiteren, oberflächlichen Wunden erkennen, was auch schon reichte.

„Black, such auch noch einen Abschwelltrank und flöß ihn ihr ein“, fiel mir noch zusätzlich ein. Ich führte nun Zauber um Zauber aus, um erstmal der Stichwunde an der linken Seite Herr zu werden. Die Diagnosezauber hatten mir gezeigt, dass keine lebenswichtigen, inneren Organe getroffen worden waren, nur die Milz hatte es böse erwischt. Sie hatte Glück, dass das Messer nicht auf der rechten Seite eingedrungen war, denn dort hätte es dann die Leber getroffen und dann… ach, auch egal, hatte es ja nicht. Das Glück war halt mit den Dummen, wie es mir sehr bösartig und gehässig durch den Sinn ging.

„Gib ihr alle Tränke, Black!“, schaffte ich wie nebenbei an, während ich sachte an der Einstichstelle entlang strich. „Aber lass den Schmerztrank weg, verstanden!“, knurrte ich dunkel auf und beobachtete, wie er ihren Kopf versuchte so sanft wie möglich anzuheben und ihr half die Tränke zu schlucken, was aufgrund ihrer Seitenlage und ihrer arg geschundenen Kehle wohl eine sehr schmerzhafte Prozedur war. Aber ich konnte beobachten, wie sie sich zwang die Flüssigkeit ihre schmerzende Kehle hinunter zu schlucken. Ich konnte sehen, wie sich ihr Kehlkopf langsam hin und her bewegte. Ihr entkam wenn auch nur ein leises Wimmern.

„Warum bekommt sie keinen Schmerztrank?“, fragte Black sorgenvoll, als sie ein schmerzvolles Aufstöhnen nicht unterdrücken konnte und starrten nur geschockt, fasziniert auf die aus dem Körper ragende Waffe, nicht fähig den Blick abzuwenden.

„Kann ich nicht verabreichen. Wäre kontraproduktiv, dann wirken die anderen Tränke nicht gut genug“, erklärte ich verachtend zwecks seiner Unwissenheit. „Aber ich denke, sie weiß das?“, und sah ihr in ihre offenen vom Schock weit aufgerissenen, braunen Augen, die aussahen als könnten sie so tief blicken wie noch nie. Was hatte sie heute erlebt? Was hatte sie getan oder tun müssen, um zu überleben?

„Schsch, du schaffst das Hermione!“, flüsterte ihr Black inbrünstig zu und strich ihr beruhigend übers Haar.

„So, nun aber zuerst zum schwierigen Teil, Miss Granger. Können Sie mich hören? Es war die richtige Entscheidung, das Messer nicht zu ziehen, es an Ort und Stelle zu belassen“, erklärte ich während der Diagnosezauber lief.

„Ich weiß zwar nicht wo Sie die göttliche Eingebung herhatten, aber hätten Sie es getan, hätten Sie verblutet können, augenblicklich fungiert das Messer als Pfropfen. Das heißt, wenn ich es gleich entferne, müssen wir uns beeilen, zuerst den Schaden an der Milz zu richten und danach die Wunde so schnell wie möglich zu nähen und damit die Blutung zu stillen! Sie haben heute genügend Blut verloren“, erklärte ich sachlich. Ich blickte ernst zu ihr und zu Black, der mich mit furchtsamen Augen bewegt anstarrte, aber an meinen Lippen zu kleben schien.

„Damit wir uns richtig verstehen und sie sich keinen Illusionen hingeben, das wird sehr schmerzhaft und wenn Sie nicht in eine Ohnmacht fallen, werden Sie alles live miterleben, da ich Ihnen nichts geben kann, Miss Granger!“, erklärte ich ihr ehrlich und offen und mit sehr wenig Einfühlungsvermögen, aber sie wandte den Blick in keiner Sekunde ab, sondern erwiderte nur fest meinen Blick. Black sah mich entsetzt und entrüstet an. „Aber… aber Snape, das ist unmenschlich“, flüsterte er empört und sah dabei total geschockt aus „… das kannst du nicht…“

„Ich kann und ich werde, Black. Man kann ihr nichts gegen die Schmerzen geben, erst danach, aber ich werde deine Hilfe brauchen, denn du wirst sie festhalten, während ich ihr das Messer rausziehe, musst du sie auf den Boden drücken und dafür sorgen, dass sie stillhält, sonst könnte sie die Verletzung schlimmer machen. Sie muss stillhalten, haben Sie das verstanden, Miss Granger? Wenn der Gegenstand entfernt ist, drehst du sie sofort auf den Bauch, damit ich gut an die Wunde kommen kann, verstanden?“, stellte ich ungeduldig fest und blickte ihn auffordernd, hart an.

„Ja!“, flüsterte sie leise, ihre Stimme war heiser und rau, aber sie blickte mir fest und entschlossenen in die Augen.

„Nun denn, auf geht‘s, auf drei!“, sagte ich entschlossen und umfasste den Griff. In dieser Zeit fixierte Black die Schultern von Miss Granger auf den Boden und sah mir auffordernd ins Gesicht und nickte mir zu. „Eins, zwei, drei und…“, und schon riss ich ihr ohne zu zögern, das Heft aus ihrer Seite. Der Schaft löste sich widerstrebend, mit einem leicht schmatzenden Laut aus ihrem Fleisch.

Ihr Blut glänzte im Schein des Feuers auf der silbrigen Klinge. Ich legte dieses relativ kleine Stiefelmesser, die Klinge maß etwa zwölf Zentimeter, nun neben mir ab und wandte mich dem sich vor mir windenden Körper zu. Jetzt versuchte sie sich aufzubäumen und stieß einen spitzen Schrei aus, als ich das Messer so ruckartig aus ihr zog. Ich konnte ein kleines Rinnsal Blut aus ihrem Mundwinkel fließen sehen. Tränen rannen das leichenblasse Gesicht hinab und auf ihrer Stirn hatten sich Schweißperlen gebildet. Ein beständiges Wimmern kam über ihre bebenden Lippen, doch dies ließ mich erstmal kalt.

Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf die Verletzung. Black drehte sie nun auf den Bauch, so dass ich die Stichverletzung genau untersuchen konnte. Jetzt, ohne den zuhaltenden Widerstand, trat das Blut schnellfließend aus der Wunde. Ich hob sofort den Zauberstab und rezitierte Zauber um Zauber, um die Milz im Inneren zu flicken und den Blutfluss zu verlangsamen. So schlossen sich langsam die inneren Schnitte. Auf meiner Stirn bildete sich ebenfalls der Schweiß, denn heilen war schon immer eine anstrengende Magie gewesen, weswegen es für einen verletzten Zauberer so schwer war sich trotz Zauberei selbst zu heilen. Black hatte damit zu kämpfen Granger auf dem Boden festzuhalten, ohne ihr dabei zu große, neue Schmerzen zuzufügen. Die Schmerzen im Inneren waren enorm, da es schrecklich ziepte und zog wenn man magisch derartig schwere Verletzungen heilte.

Aber so wie es aussah glitt Miss Granger in keine erlösende Ohnmacht. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen was sie gerade für Schmerzen durchlitt. Warum machte es sich dieses Mädchen aber auch nie einfach, dachte ich resignierend. Meine Zauber wirkten weiter und auf einmal hielt sie ruhig, hatte ihre Gegenwehr vollkommen eingestellt, nur noch ein leichtes Stöhnen und Wimmern kamen ihr über die aufgebissenen Lippen. Sie musste mit ihren Kräften ganz schön am Ende sein. Ich ließ nun eine Diagnose Zauber laufen, der mir anzeigte, dass ich die innere Verletzung an der Milz mehr oder weniger geheilt hatte und nun beginnen konnte die äußere Wunde zu verschließen. Da dies aber kein einfacher Schnitt war, sondern ein Einschnitt tief in das menschliche Fleisch, musste ich auf magische Weise nähen.

Es würde bei so einer Verletzung auch eine Narbe zurückbleiben, keine hässliche, aber ein langer, weißer Strich würde sie immer an das in ihr steckende Messer erinnern.

Ich beschwor mir Nadel und Faden und beugte mich nun nah nach unten, um die Wunde zuzunähen. Kurz blickte ich auf zu Black, der seine Hände auf ihrem Rücken liegen hatte und gebeugt über sie zu mir schaute. Er sah erschreckend bleich aus, das Haar hing ihm wirr ins Gesicht und die Lippen hatte er fest aufeinander gepresst. Ich bedeutete ihm sie wieder starr zu fixieren, da die Stiche nicht angenehm sein würden. Er nickte mir verstehend zu, einen brodelnden Ausdruck in den Augen. Der erste Stich der Nadel, das Durchstechen ihrer Haut, ließ sie leicht zucken, aber ansonsten zeigte sie keine große Reaktion, dann gewöhnte sie sich an die gleichmäßige, stechende Bewegung und zuckte nicht einmal mehr.

Wir konnten beobachten, wie sich Miss Granger auf die Lippen biss, da sie ihr Gesicht seitwärts drehte und die Wange auf den Boden presste, um nicht zu schreien, was mir Bewunderung abrang, da ich sie ohne Schmerztrank und Betäubung nähte. Sie war echt hart im Nehmen, es war nicht zu glauben, wie sie dort lag, ein schauriges Bild. Mit dem Bauch auf dem Teppich, Black, der an ihrem Kopf kniete und sie festhielt, ich, der an ihrer Mitte saß und die magische Nadel dirigierte und das alles beschienen von dem Flackern des Feuers im Kamin, gab ein surreales Bild ab.

„Black, in meinem Mantel ist noch eine hochwirksame Heilsalbe, die gegen Narben und Schnittwunden hilft, gib sie mir, wenn ich es dir sage!“, befahl ich erneut.

„Aber, Hermione, sie…?“ Ich unterbrach ihn unwirsch. „Wird sich nicht rühren, sie hat sich an den Schmerz gewöhnt“, meinte ich abwehrend, wobei er mir zweifelnd ins Gesicht blickte, aber sie nickte ihm knapp zu. Er ließ sie zweifelnd los und schon hielt er den Topf, mit der Aufschrift Dr. Salbaders Salbe, in der Hand vor meine Augen. Als ich fertig genäht hatte, der Faden verknotet war, der letzte Heilzauber und Reinigungszauber gesprochen waren, ließ ich mich erschöpft nach hinten sinken und strich mir meine kinnlangen, rabenschwarzen Haare zurück. Das waren aufreibende Minuten gewesen. Die Verletzungen waren nicht ohne gewesen. Sie hätte sterben können. Schließlich richtete ich mich müde auf und streckte den verspannten Rücken. Mit meiner Hand bedeutete ich Black mir nun die Salbe zu reichen, was er wortlos tat.

Black beobachtete die Szene, wie sie da vor uns am Boden lag und ich ihr sehr vorsichtig die Salbe auftrug, die Naht entlangfuhr, damit auch wirklich nur eine kleine, weiße Narbe übrigbleiben würde, weil die Klinge eine glatte Fläche gehabt hatte. Nun raffte ich mich auf, kam wieder auf die Knie und begann Verbände um sie herum zu legen. Als dies geschafft war, beschwor ich ihr ein weites, langes, bequemes Hemd zum Knöpfen und hexte es ihr an. Danach ließ ich sie mit einem nonverbalen Mobilcorpus sachte auf die Couch schweben und legte sie behutsam und vorsichtig ab und reinigte den Teppich von dem verräterischen Rot. Black ließ sich in den linken und ich mich in den rechten Sessel sinken. Auf einmal sprang er auf und lief zu einer Kommode und kehrte dann mit zwei Gläsern zurück. Er drückte mir eines wortlos in die Hand und ich hob indigniert eine Augenbraue und roch daran!

Aha, Feuerwhiskey, warum nicht und schon kippte ich ihn in einem herunter, lehnte mich erschöpft und fertig in den Sessel und strich mir mit meinem Ärmel den Schweiß von der Stirn. Dies hier war ganz schön anstrengend gewesen. Ich konnte Granger leicht verkrampfen sehen. Sie hatte die Hände zu Fäusten geballt, also erhob ich mich und ging zu ihr. Vorher hatte ich mir mit einem Accio eine Phiole aus meinem Mantel herbeigerufen, kniete mich jetzt mit einem Bein vor die Couch und setzte ihr den Trank an die zerbissenen Lippen, welche sie bereitwillig öffnete und trank.

„Waaaas…?“, kam es von hinten. „Schmerztrank!“

Sie ließ den Kopf auf die Lehne sinken. „Aha, danke!“, hauchte sie wispernd, heiser.

Ich setzte mich wieder in den Sessel. „Ich hoffe, Sie fühlen sich in der Lage uns Ihre missliche Lage zu erklären, Miss Granger?“, meinte ich locker und überschlug lässig meine Beine. „Denn es hätte nicht mehr viel gefehlt und wir hätten Ihnen einen Sarg zimmern können!“, höhnte ich gemein, aber meine Laune sank gerade sehr tief nach diesem überstandenen Drama.

Black nickte aufgeregt. „Er hat recht… absolut, Hermione. Du hast mir heute den Schrecken meines Lebens eingejagt und ich hab schon viel erlebt, aber dich blutüberströmt mit dem,… dem… dem Messer, das aus dir ragt, ich... ich, oh mein Gott!“, stöhnte er stotternd und ließ seinen Kopf verzweifelt in seine Hände sinken.

„Was ist passiert, Hermione?“, fragte Black jetzt ruhiger nach, mit noch immer verstecktem Gesicht.

„Oh, ich fühle… chr mich, als hätte mich… chrrrrr ein Lastwagen überrollt“, räusperte sie sich ständig, als wäre ihr Hals wund und fuhr sich mit der Hand über die Augen.

„Sie sehen auch nicht wirklich wie das blühende Leben aus!“, meinte ich süffisant und wenig freundlich oder gar einfühlsam. Mein sarkastischer Charakter kam gerade wieder durch.
Sie richtete sich ein bisschen auf. „Wie… chrmmm… schlimm, ist es, Sir… chrmm?“, und schaute mich aus großen, geschockten Augen aus einem blassen und bleichen Gesicht an.

„Tja, recht gut, unter den Umständen sehr gut. In zwei Tagen dürfte sogar diese Verletzung vollständig geheilt sein, da muss ich morgen Abend in Hogwarts wieder einen Blick darauf werfen. Dank Ihrer Weitsicht haben Sie überlebt, auch wenn ich zugeben muss, dass es auch anders hätte ausgehen können, Miss Granger!“, kam es geschäftig von mir und ich gab ihr kurz Zeit und fuhr dann fort. „Und jetzt bitte eine Erklärung von Ihnen“, war ich unbarmherzig.

„Was ist mit deinem Hals passiert… Hermione, der sieht völlig zerquetscht aus… Hermione?“, plärrte Black kreischend, laut los, der anscheinend erst jetzt sah, das Granger gewürgt worden war. Er schien ein bisschen neben sich zu stehen, denn dies zu übersehen war echt schwer. Aber bei mir stellten sich Kopfschmerzen ein. Ich mochte es nicht, wenn man sich so anstellte wie Black es gerade tat! Granger tat es ja auch nicht, lag es am Schock, dass sie so ruhig und überlegt erschien? Denn sie blickte ihn nach diesem Ausruf auch fragend an und hob überlegend eine Augenbraue, wie als wolle sie fragen, was die Frage sollte? Da man doch wohl sah, dass man versucht hatte sie zu erwürgen und schüttelte dann kurz den Kopf, als hätte sie sich gerade Blacks lebenslange Idiotie eingestanden und schloss erschöpft die Augen.

„Chrmmm… wo soll ich da nur anfangen?“, sprach sie sinnierend leise, fast mit sich selbst. Sie hob ihre Hände gedankenverloren an ihren Hals und strich leicht darüber, was sie gequält aufstöhnen ließ. Ihr zierlicher Körper zitterte leicht, aber meiner Ansicht nach nicht von Kälte, sondern eher vom Schock. Anscheinend versuchte sie ihrer Erinnerungen Herr zu werden, denn sie drehte nun bestimmt den Kopf zu uns und blickte uns plötzlich kalt und entschlossen an.

„Ich ging in eine Gasse… um von dort zu apparieren, wie es das Schicksal wollte… wurde ich überrascht… ich wollte hierher… und… und von hinten, hörte ich… zwei…. und an die Mauer geklatscht ich…“, sie atmete tief ein, um Luft zu holen, wobei ich die Stirn runzelte, da dieses Gestotterte keinen Sinn gab.

„Ich… hielt ja meinen Zauberstab in der Hand und... und hab ihn mit einem Stupor ausgeschaltet,…es… es… die… mich… denn, nächsten… dann… oh…“, nun strichen ihre Hände in ihre Haare und zogen leicht daran. Ihre Atmung hatte sich beschleunigt. Ich bedeutete Black mit einer Geste ihr ein Glas mit Whiskey zu geben, denn verstanden hatte ich bis jetzt fast nur Bahnhof.

„Hier Hermione, trink das“, bat er einfühlsam und fürsorglich und hielt ihr ein Glas entgegen, das sie zitternd entgegen nahm und vorsichtig trank, dabei kippte sie den Feuerwhiskey auf ex aus. Sie verzog das Gesicht leidend und hustete, dann schnappte sie atemlos nach Luft, das musste in ihrer geschundenen Kehle brennen, aber es würde den Schock ein bisschen vertreiben und sie wäre dann vielleicht in der Lage die Geschehnisse zu artikulieren.

„Besser?“, fragte Black und sie nickte.

„Beginnen Sie noch mal von vorne. Sie wollten zum Grimmauld Place apparieren, aber zwei junge Männer haben Sie aufgehalten, wovon Sie einen der beiden mit einem Stupor, ausgeschaltet haben? Ist das so richtig?“, fasste ich ihr Gestammel zusammen. „Warum, was wollten die von Ihnen?“, und legte interessiert meinen Kopf schief und schwenkte mein Glas, das ich mir neu aufgefüllt hatte, in meiner Hand bedächtig hin und her. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit schwappte und das Licht funkelte in ihr. Sie nickte uns nur zu und fixierte irgendwas in weiter Ferne.

„Chrmm… ja…“, sie verstummte und senkte ihren Kopf. „… es ist einfacher… chrmm… wenn Sie wissen, wer sie waren… Bole… Derrick… chrmm“, hauchte sie und schloss die Augen. Mir drohten in diesem Moment meine Augen aus den Augenhöhlen zu hüpfen! Das nannte man Glück, sie war auf diese beiden Boxer gestoßen! Bole und Derrick waren zwei Slytherins, dagegen waren Crabbe und Goyle harmlose Teddybären. Ich wusste, dass beiden erst vor kurzem das Dark Mark eingebrannt worden war, schließlich hatte ich an der Initiation der neuen Mitglieder damals, kurz nach Ferienbeginn, teilgenommen.

Das waren immer Festlichkeiten auf die der Dark Lord ausgesprochenen Wert legte, wenn sich die Familie der Death Eater erweiterte. Mir fiel es gerade echt schwer meine gleichgültige Maske aufrecht zu erhalten, denn dies waren bösartige, fiese Zeitgenossen, die mit so einem kleinen, zierlichen Mädchen wie sie eines war kurzen Prozess machten. Sie wollten und mussten sich unter den anderen Death Eatern noch etablieren, da sie nur den unteren, niederen Rängen angehörten. Als neue Mitglieder ohne schon groß aufgestiegene Verwandtschaft mussten sie schauen wo sie unter den Scharen des Dark Lords ihren Platz fanden.

Ich konnte mir vorstellen, dass sie Granger mit der sie jahrelang nach Hogwarts gegangen waren, gleich erkannt und sich ihre Chancen in der Gunst aufzusteigen errechnet hatten, denn in so was waren Slytherins immer ganz schnell, den eigenen Vorteil innerhalb kürzester Zeit zu erkennen. Aber diese beiden waren nicht wirklich die Zier meines Hauses und dachten immer nur so weit wie sie ein Schlag mit ihrer Faust brachte. Finesse war ihnen fremd, sie waren mehr die Typen fürs grobe. Ich richtete mich nun sehr gerade auf, weil das spannend zu werden versprach, nun wo ich die Protagonisten dieses Dramas kannte.

„Wer sind Bole und Derrick?“, wollte Black neugierig wissen. Ich winkte nur ab, später. Sie schien sich wieder gefangen zu haben und wandte nun wieder den Kopf und sah eisig zu uns rüber. „Chrmm… ich habe angegriffen, Derrick… Stupor… und Bole Expelliarmus… dann kam er… packte meine Kehle und hat mich mit Wucht an die Wand... chrmmm… er….er wollte mich... erwürgen…“, strich bei dieser Aussage wieder abwesend an ihrem Hals und rieb ihn. „… ich hab meine Dolche gezogen… chrmm…“, und griff an ihre Oberschenkel. Wo sind denn da Dolche, dachte ich stirnrunzelnd, doch da überraschte sie mich mal wieder, denn in diesem Moment zog sie zwei zuvor unsichtbare Dolche hervor, deren lange Klingen voll getrockneten, braunen Blutes waren und blickte sie versonnen an.

Black saß mit offenem Mund da, was ihn nicht wirklich intelligenter erscheinen ließ, aber ich glaub meine ansonsten perfekte Maske war auch gerade ein bisschen verrutscht. Wie sie da auf der Couch lag, mit diesen zwei recht großen Dolchen in den zierlichen Händen, die sie gekonnt hielt, war dies ein Anblick der sich einem nicht alle Tage bot.

Gut, ich hatte mich besser im Griff, aber es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte denselben, idiotischen Ausdruck im Gesicht gehabt wie Black, grausam diese Vorstellung. Wir sagten beide immer noch nichts, warteten ob sie weiter erzählen würde. Die Spannung im Raum war fühlbar. Augenblicklich war fast nichts zu hören, nur unser aller Atem und die Geräusche des Feuers.

Sie schüttelte leicht den Kopf. „… chrmm… ich hab sie benützt!... zuerst… damit er ablässt, hab ich einen in seine Leber… chrrrrm… er ist zurück gesprungen… dann hat auch er sein Messer gezogen… wir sind aufeinander los… und da hat er mir sein Messer… in mich…“, murmelte sie leise „... chrmm... er war so nah… und da hab ich… die Chance genutzt und ihm… chrrmm… die… seine Kehle aufgeschlitzt…“, sagte sie zwar stockend, aber auch sehr ruhig und unglaublich kalt und beherrscht.

Miss Granger, Gryffindor-Prinzessin, Streberin aller Güte, Miss Perfekt, hatte heute ein Menschenleben genommen, mein Weltbild wurde in den Grundfesten erschüttert! Was für eine Erkenntnis! Ich konnte erkennen, dass sie das Ganze mitnahm, aber sie erschien trotz allem etwas distanziert, anders als wenn ein Mensch ein Leben nahm, da sollte ein junges Mädchen, ein Schulmädchen, nicht so ruhig erscheinen, selbst wenn es selbst schwer verletzt worden war. Man geriet in Panik und blieb nicht so ruhig, so wie sie. So überlegt blieb man nicht, man neigte dazu, sich in einer Kurzschlussreaktion das Messer herauszuziehen, das war ein menschlicher Instinkt. Diesen zu unterdrücken war nicht leicht. Ich wusste wovon ich sprach, denn ich hatte schließlich schon den ersten Krieg an der Vorderfront geführt.

„Und weiter?“, ich wollte mehr Informationen und Black schien gerade nicht weiter aufnahmefähig. „Was war noch?“, setzte ich nach, als ich ihren fragenden Blick bemerkte.

„Ach so, was… wirklich… war echt nicht schön, das… viele Blut… kam wie einen Fontäne über mich…“, sie verzog angewidert das Gesicht und starrte auf ihre Hände, die die Dolche hielten. „... eklig, sein… weit aufgeklappt… lief über meine Hände, ich… das ist so widerlich. Dann war er tot, ist umgefallen, so was von tot…“, echote sie ungläubig, zuckte aber mit ihren Schulter und steckte die Dolche wieder zurück.

„Chrmm… ich hab Panik geschoben, mich aber zu Ordnung gerufen, als ich das Heft in mir sah… das war nicht schön, aber ich weiß von den Muggeln her, dass man bei solch einer Verletzung besser fährt, wenn man es stecken lässt… die Milz!“, sie schaute wieder auf und zuckte die Achseln „… und so ließ ich es halt da wo es war… hab mich dann noch um Derrick gekümmert… und bin dann appariert, direkt vor die Haustür, war echt anstrengend, dann ging ich in die Bibliothek. Wie ich es die Treppen hoch geschafft habe, keine Ahnung!“, sagte sie sichtlich selbst überrascht, aber das war nicht nur sie über ihre Schilderung der Geschehnisse.

„Was haben Sie mit Derrick getan?“, fragte ich mit belegter Stimme. Himmel, hoffentlich hatte sie ihn nicht vorsätzlich auch… nein, oder? Ich nahm hastig einen Schluck, ein Seitenblick zeigte mir, dass Black bewegungsunfähig da saß.

„… oh… ach, ich hab was Verbotenes getan…“, hauchte sie verschwörerisch, wo ich schon meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt sah, wie auch der neben mir zusammenzuckende Black. „… ich hab ihn zusammen mit Bole ins Ministerium geschickt, dachte… ja, was dachte ich… wäre vielleicht lustig… Fudge…“, murmelte sie leicht abwesend vor sich hin.

„Was, wie hast du sie da hin geschickt? Wenn Derrick erzählt…?“, schrie da auch schon Black empört los, war doch mal auf Zack, hätte ich ihm gar nicht zugetraut, dachte ich bösartig.

„… denkst du, ich bin blöd… chrmmm… Derrick ist einem umfangreichen Obliviate zum Opfer gefallen, denkst du ich bin dumm...?“, zischte sie jetzt wütend und mit blitzenden Augen. Wow, eine erstaunliche Wandlung innerhalb einer Sekunde.

„Nein, das nicht, aber dass du in der Situation so überlegt…“, meinte Black verschüchtert und jetzt sehr kleinlaut.

„Da gebe ich Black recht Miss Granger, so durchdacht in so einer Ausnahmesituation, da gehört eine gewisse Abgeklärtheit dazu!“, bescheinigte ich ihr. Der Ausdruck in ihren Augen verwirrte mich. Er sah aus, als würde sie etwas wissen, was ich nicht wusste.

„Na, ich bin halt meist überlegt…“, setzte sie lapidar an. „… ich hab alle Spuren, dass ich involviert war beseitigt…“, meinte sie nun eiskalt.

„Tja, also ich bin appariert, war sehr anstrengend... bin hier hoch… und hab dann meinen Patronus beschworen… chrmmm… und hab gehofft, dass du die Nachricht verstehst, Sirius und ich weiß nicht genau, es ist alles ein bisschen verschwommen, ich glaub, ich hab es noch geschafft den Blutbildungstrank zu nehmen, danach…“, sie verstummte. Wir waren platt, alle beide. Black war hin und weg und trank schon wieder ein Glas. Ich saß nur da und starrte sie wirklich sprachlos an. Was war das gerade gewesen? Hermione Granger, das Goldstück von Potter hatte heute ein Menschenleben genommen, von einem jungen Mann, den wir kannten und zeigte sich sehr kaltblütig. Ich war sprachlos und das passierte nicht oft.

„Hermione, du… du hast heute einen Menschen ermordet!“, kam es auch schon absolut geschockt von Black.

„Ja und Sirius? Wenn nicht Bole, dann wär ich schon in der Gasse draufgegangen! Nein danke!“, zischte sie böse. Black wich zurück, als hätte sie ihn geschlagen.

„Wo sie recht hat!“, sagte ich kalt und sah sie mit erhobener Braue an. Sie nickte mir zu. Ich gab ihr recht, Bole hätte sie mit Sicherheit erdrosselt oder später mit dem Messer abgeschlachtet, denn sie waren nicht umsonst Death Eater geworden, aber dass diesen Umstand auch Miss Granger derart in der Lage war rational zu erkennen war schockierend. Ja, es schockierte mich.

„Ihr Patronus war beeindruckend. Woher haben Sie ihn gelernt?“, wollte ich wissen, da ich noch einige Fragen hatte.

„Hier, in den letzten Wochen, hab ich ihn geübt. Ich konnte nur beten, dass es in dieser Situation funktionierte, aber in Stresssituationen war ich schon immer recht gut“, erzählte sie lapidar und hustete wieder. Ich beschwor ein Glas mit Wasser, welches sie dankbar nahm und davon vorsichtig trank.

„Wie kommen Sie damit zurecht ein Menschenleben genommen zu haben?“, hakte ich nach.

„Professor Sir,… die Art war ekelhaft und wird mir bestimmt den ein oder anderen Albtraum bescheren oder ich muss dann einen Traumlostrank nehmen… dieses Schlachtfeld von einer Gasse hat sich eingebrannt… und ich wollte nie vor so einer Entscheidung stehen, aber ich muss sagen, und ihr beide verdient die Wahrheit, denn ohne euch gäb's mich nicht mehr,… bevor ich ins Gras beiße, nehme ich die Drecksäcke mit. Punkt!“, meinte sie sehr bestimmt und mit unterdrückter Wut. Black neben mir schluckte sichtbar einen Kloß herunter. Ich ließ mir zwar nichts anmerken, aber diese Kaltschnäuzigkeit in dieser Situation hätte ich von ihr nicht erwartet. Wo blieb das Hadern mit dem Schicksal, gemordet zu haben, ob gerechtfertigt oder nicht. Wo blieben die Tränen, genau sie hatte bis jetzt nicht geweint, das war ungewöhnlich. Ich hatte schon Männer nach solchen Geschehnissen weinen sehen, da sie mit ihren Taten nicht klarkamen und Frauen waren bekanntlich doch nah am Wasser gebaut.

„Hermione, bist du sicher, dass es dir gut geht?“, fragte Black zweifelnd und rang seine Hände.

„Sirius, wie soll es mir gut gehen? Ich hatte ein Messer in mir, bis zum Ansatz, es steckte in mir, natürlich geht es mir nicht gut, verdammt!“, fluchte sie wenig damenhaft.

„Aber das mein ich doch, Kleines, du hast heute etwas zu deiner Verteidigung getan, was ich keinem Menschen wünsche jemals tun zu müssen, ach Hermione, es tut mir s…“, da unterbrach ihn Miss Granger unwirsch. „Sprich das nicht zu Ende Sirius, sag nicht, dass es dir leidtut. Man kann nichts daran ändern und mir tut es bestimmt nicht leid. Diese Scheißkerle hatten das verdient!“, sagte sie harsch und funkelte ihn böse an.

„Miss Granger, finden Sie diese Einstellung richtig?“, fragte ich mal nach, dass sie sich so im recht sah hatte ich nicht erwartet. Sie erstaunte mich immer wieder.

„Ja!“, kurz und knapp.

„Die Idee mit dem Patronus war gut. Black wie hast du gewusst, wer ihn dir geschickt hat und wo du suchen musst?“, fragte ich nun interessiert und wandte mich zu meiner linken Seite und sah ihn an, der überlegend fast schmollend in seinem Sessel saß.

„Oh, ganz einfach, Hermione… sie nennt mich immer „Casanova“ und da wusste ich, sie war´s und ihre Stimme hörte sich so komisch an und da dachte ich als erstes an die Bibliothek…“, führte Sirius unglücklich aus.

„Das war sehr klug von Ihnen, Miss Granger“, meinte ich lobend. „Sollte so etwas nochmal passieren, dürfen Sie mir Ihre kleine Elster schicken. Unser Codewort wird Fledermaus sein und geben Sie an, wo Sie sich befinden, denn mein Gespür Ihnen gegenüber wo Sie sich aufhalten ist nicht so ausgereift wie bei Black!“, meinte ich höhnisch grinsend. Warum bot ich ihr das an? Wie kam es, dass mir dieses Angebot entschlüpfte, bevor ich überhaupt nachgedacht hatte? Ich meine, was für einen Grund sollte ich haben ihr helfen zu wollen? Warum ging ich davon aus, dass sie nochmal in solch eine Lage kommen sollte? Genau, ich hatte sie in diesen Ferien ja schon zwei Mal zusammenflicken dürfen, genau deshalb. Irgendetwas ließ mich glauben, dass das noch nicht vorbei war mit Granger. Aber was war der Grund, der Auslöser so etwas zu sagen, da ich von mir selbst richtiggehend geschockt war. Genau, ich hatte einen Schock, nur so war dies rational erklärbar, beruhigte ich mich.

„Wow Snape, das machst du… wow“, ein erstaunter Black konnte auch nie den Mund halten, dachte ich grimmig.

„Danke Professor… aber Fledermaus?“, flüsterte sie vorsichtig mit verschrecktem Blick.

„Ja, ich denke keiner ist so verrückt es zu wagen mich so zu nennen, daher weiß ich dann, dass nur Sie es sein können und seien Sie versichert, sollten Sie nicht am Sterben sein, bekommen Sie Ärger!“, sagte ich bestimmt und drohte ihr unverhohlen.

„Danke Sir!“, erwiderte sie und schenkte mir ein scheues Lächeln, dann schloss sie erschöpft die Augen und verzog leicht leidend den Mund.

„Ich denke, es ist besser wir brechen ab. Sie sind erschöpft und bevor jemand kommt und Sie und uns sucht… da es fast zehn Uhr ist, schlage ich vor, ich gehe in die Küche und lenke alle ab und du bringst Miss Granger in ihr Zimmer und kommst dann nach“, erklärte ich und rief aus meinem Mantel vier Phiolen, die ich Black reichte. „Da Sie sich heute Nacht so wenig bewegen sollte wie möglich, nehmen Sie drei Tropfen von dem Traumlostrank. Und morgen in der Früh nehmen Sie diese drei Phiolen. Ein Blutbildungs-, Heil- und Stärkungstrank. Soll ich Ihnen noch einen Schmerztrank mitgeben?“, legte ich fragend meinen Kopf schief und hob dann noch das Stiefelmesser auf, das in ihr gesteckt hatte.

„Vorsichtshalber, vielleicht. Die Fahrt morgen nach Hogwarts und das Festessen… werden sicher anstrengend“, sagte sie überlegend, wobei ich nickte und gab ihr das Gewünschte. Ich stocke, denn mir fiel ein, dass sie durch ihren verdammt genialen Zauber, den sie ganz zu Anfang auf mich und auf Black gelegt hatte, perfekt geschützt war, da wir keinem aber auch wirklich niemandem ein Sterbenswörtchen von ihren Eskapaden erzählen konnten. Sofort bekam ich bei diesem Gedanken richtig starke Kopfschmerzen und verstand auch warum sie so ruhig blieb, sich so vertrauensvoll von uns helfen ließ und uns auch noch recht freiwillig erzählte was genau vorgefallen war. Sie wusste, sie war sicher. Oh, dieses kleine, hinterhältige Biest. Sie war wirklich zu schlau und überlegt, das war so was von Slytherin von ihr.

Gut, ich meine, ich wusste nun, dass Miss Granger eine Mörderin war, aus Notwehr, aber was würden die ehrenwerten Gryffindors dazu sagen. Schließlich war ich selbst… ja, was war ich, sprachlos traf es wohl recht gut. Sie hatte richtig entschieden. Es ging wirklich um Leben und Tod, aber die meisten haderten mit dem Schicksal, weil sie unter der Last, Leben genommen zu haben, zusammenbrachen, da ihr Gewissen, ihre Moral es sie nicht ertragen ließ. Aber warum zweifelte ich nicht daran, dass das Granger nicht passieren würde? Ich war mittlerweile davon überzeugt, dass sie es lernen würde bzw… Sie hatte schon begonnen, das was sie getan hatte zu akzeptieren und ohne sich groß davon beeinflussen zu lassen normal weiter zu machen. Somit ging ich und eilte zur Küche, um mich einer mich nervenden, neugierigen Meute gegenüber zu sehen.

„Wo ist Sirius?“, kam es laut und fordernd von Potter.

„Woher soll ich das Wissen?“, zischte ich gleichgültig und glitt auf meinen Platz.

„Severus?“, kam es mahnend, tadelnd und fragend von Albus.

„Er kommt gleich“, erwiderte ich knapp. Er sah mich über den Rand seiner Brille hinweg an. „Gut, dann sollten wir die Kinder nun ins Bett schicken, schließlich ist es spät genug!“ Und schon kam murrend Bewegung in die Gruppe.

„Aber Sir, Hermione ist noch nicht aufgetaucht, wir machen uns Sorgen, wir müssen…“, rief da Potter schon wieder wichtigtuerisch. Dieser Junge nahm sich eindeutig zu wichtig.

„Ganz ruhig Potter, ich habe Ihre ach so tolle Miss Granger gesehen. Als ich aus der Küche kam ist sie ist die Treppen rauf“, informierte ich die Runde betont gleichgültig. Hoffentlich beeilte sich Black. Nun herrschte so eine Aufgeregtheit in der wogenden Masse, so dass es gar nicht groß auffiel als Black auf seinen Platz huschte. Zuerst wurde besprochen mit was für einem Begleitschutz Potter zum Hogwarts Express geschafft werden sollte. Hierfür war diese Versammlung von Anfang an geplant gewesen. Granger hatte instinktiv den richtigen Tag gewählt, um beinah abgeschlachtet zu werden, da ich somit sofort zur Stelle gewesen war. Black hätte ihr nicht wirklich helfen können, keiner der im Grimmauld Place augenblicklich lebenden Personen wäre in der Lage oder geeignet gewesen sie zu heilen, nur ich. Aber nach so viel Pech an einem Tag, musste auch ihr Mal das Glück hold sein, dachte ich zynisch.

Der Abend wurde noch spannend, als uns Albus erzählte, dass er bis vor kurzem im Ministerium gewesen war, weil dort heute so um acht Uhr herum zwei junge Männer mit einem nicht registrierten Portschlüssel erschienen waren, die auf ihrem freigelegten Arm das Dark Mark trugen. Der eine hatte anscheinend keine Erinnerung an sein Leben und dachte, er sei ein Muggel und der andere junge Mann war eine schrecklich zugerichtete Leiche gewesen, deren Kehle zerfetzt war. Dies alles hatte das Ministerium und besonders Fudge in Unruhe versetzt.

Er nannte uns auch die Namen der beiden Death Eater: „Bole und Derrick“

Kein Mitglied des Ordens konnte sich vorstellen was das alles sollte. Black und ich hingegen machten uns so unsere Gedanken, ob uns Miss Granger vielleicht das ein oder andere nicht so ausführlich erzählt hatte. Seit wann konnte sie Portschlüssel erschaffen? Aber andererseits hatte sie es auch geschafft es sich selbst beizubringen einen Patronus zu erschaffen und das bekamen wirklich die wenigsten ganz alleine hin. Mein Kopfschmerz wurde stetig schlimmer. Wie intelligent war diese Frau wirklich? Sie schaffte in ihrer lächerlichen Jugend jeden schweren Zauber anscheinend mit Leichtigkeit, erfand mal so zum Spaß Flüche, bei deren Komplexität sich mir die Haare sträubten.

Ich würde sie mir morgen in Hogwarts schnappen und bei diesem Gedanken musste ich doch glatt leicht lächeln.
Snapes Sicht ende

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media