Wartest du etwa auf mich

BEN

Ich wachte mal wieder neben Ella auf, wie konnte das denn schon wieder passieren? Das wird ja fast schon zur Gewohnheit. Aber ich schlief deutlich besser in ihre Nähe und das gefiel mir und das beunruhigte mich. Tja das mit der Filmauswahl war wohl nicht so ihr Geschmack, irgendwie sah sie so ängstlich aus, das ich nicht anders konnte als sie an mich zu ziehen. Ich hatte erwartet das sie davon rennt aber das tat sie nicht, sie blieb. Vielleicht hatte ich diese Situation aber auch etwas provoziert, ich hatte geahnt das sie nicht der Typ für die Art Filme war. Sie schlief noch und ich strich ihr eine lose Strähne hinters Ohr im selben Moment öffnete sie die Augen und sah mich aus ihren grünen Augen an. „Guten Morgen, gut geschlafen?" fragte ich sie und strich ihr dabei über die Wange. „Mmh, ja und du?" lächelte Ella mich verschlafen an, ich war völlig auf sie fixiert und ich spürte das es ihr auch so ging, wir starrten uns eine gefühlte Ewigkeit an und keiner wollte sich so recht  von dem anderen lösen, keiner diesen Moment zerstören. Ein räuspern holte mich ins jetzt zurück, Mary stand im Türrahmen und lächelte uns an „Guten Morgen ihr zwei, ich hoffe ihr hattet ein schönes Wochenende, ich habe euch Frühstück gemacht, also kommt doch bitte in die Küche" Ella schaute mich verlegen an und stand dann auf um in die Küche zu gehen. Ich folgte ihr und setzte mich neben sie. Sie war ziemlich sexy mit ihren leicht strubbeligen Haaren und ihrem müden Blick. Mary hatte sich bei der Zubereitung des Frühstückes mal wieder selbst übertroffen. Ich verzichtete auf die üblichen Cornflakes und genoss die Eier mit Speck. „Ben, du musst los" riss mich Mary aus meinen Gedanken. Sie schaffte es immer wieder mich zu erstaunen, sie kannte meinen Vorlesungsplan besser als ich. Ich stand auf verschwand im Bad und machte mich fertig für die Uni.

Am Auto wartete ich auf Ella, musste sie heute überhaupt zur Uni? Ich trat von einem Fuß auf den anderen als ich sie aus der Tür kommen sah. Sie sah toll aus, sie trug einen hellen Rock der bis zu ihren Knien reichte und leicht flattert, wenn sie sich bewegte dazu hatte sie ein dunkles Top und eine kurze Jeansjacke an. Ich erkannte das es die Sachen waren, die ich nach unserer ersten Begegnung von der Treppe aufgesammelt hatte. Ihre Haare hatte sie wie immer zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden. „Wartest du etwa auf mich?" lächelte sie mich an. Ich nickte, sie wirkte irgendwie verändert, lockerer als die letzten Tage und so gefiel sie mir noch mehr und das war gar nicht gut. „Du musst schon einsteigen, wenn du Heute noch in die Uni willst" stellte Ella fest, ich stieg in den Wagen und fuhr los. Auf dem Weg zur Uni fragte ich was sie heute noch vor hatte, nicht das ich vor hatte mit ihr etwas zu unternehmen ich wollte einfach etwas Smalltalk betreiben. Ella erzählte mir das sie heute Anatomie und Psychologie hat und anschließend im Krankenhaus arbeiten würde. Auf dem Campus begleitete ich sie noch ein Stück, ich entdeckte ihre Freunde mit denen ich sie in der Mensa gesehen hatte, Anna und Jan. „Hallo ich bin Ben" stellte ich mich vor „Das wissen wir doch, ich bin Anna" lächelte die schlanke Blondine mich an, sie ist hübsch aber auf eine andere Art als Ella. Sie würde meiner Mutter sicher gut gefallen, Anna ist vorzeigbar und so wie sie gekleidet war hatten ihre Eltern eine Menge Geld. „Hi! Ich bin Jan" sagte der Junge neben Anna etwas unterkühlt und sein Blick verriet mir, das er nicht viel von mir hielt, ich konnte es ihm nicht verübeln. „Ella, wir müssen los wenn wir nicht zu spät zur Vorlesung kommen wollen" sagt Jan und lächelte Ella an und sie lächelte zurück. Wir verabschiedeten uns etwas unbeholfen von einander und Ella ging mit ihren Freunden davon. Ob etwas zwischen den beiden läuft? Ich schüttelte den Gedanken ab und eilte zu meiner eigenen Vorlesung. Makroökonomik, wie ich es hasste.

Nach der Uni traf ich mich mit Noah und erzählte ihm von der Nacht auf der Couch mit Ella. „Ist sie eigentlich hübsch?" Was? Warum fragt er das, Noah war ein Frauenheld ich würde ihn nicht mal in die Nähe von ihr lassen „Ja ist sie aber das hat dich nicht zu interessieren" schrie ich in Richtung Küche. „Du scheinst sie echt zu mögen, wenn du mich gleich so anfährst. Hoffentlich vermasselst du es nicht wieder und versuch bloß sie von deiner Mutter fern zuhalten" lachte Noah, ja er hat recht ich mochte sie wirklich und meine Mutter wäre alles andere als begeistert von ihr, vor allem schon wegen der Verbindung zu Sam. „Sie hat mir im Krankenhaus vorgelesen" rutschte es mir heraus „Wer? Deine Mutter?" fragt er ungläubig und kam mit zwei Bier in der Hand aus der Küche „Nein, Ella... sie arbeitet auf der Station im Krankenhaus, auf der ich gelegen habe und da sie Mitleid mit mir hatte, hat sie mir vorgelesen" klärte ich Noah auf. „Was läuft da eigentlich genau zwischen euch beiden" wollte er wissen. Tja wenn ich das wüsste. „Egal was es ist, ich sollte es lieber lassen, das endet nur in einem riesigen Chaos" beendete ich das Gespräch über Ella. Noah wusste wann er lieber nicht weiter nachhaken sollte „Schaltest du auf Fußball" wechselte Noah das Thema und ich änderte das Fernsehprogramm. Das Spiel war lahm aber lenkte mich etwas ab, von Ella. Heute werde ich nicht mehr nach Hause fahren und ich sollte wirklich versuchen mich von ihr fern zu halten. Auch wenn das nicht einfach werden würde schließlich wohnten wir jetzt in einem Haus. Gegen zwölf ging ich ins Gästezimmer um mich hin zu legen. „Nein das werde ich nicht tun, lass mich in Ruhe" schrie ich meine Mutter an „du hast das nicht zu entscheiden, so ist es das Beste für dich" schrie sie zurück „du meinst es ist das Beste für dich, ich interessiere dich doch gar nicht" im nächsten Moment sitze ich wieder auf meinem Motorrad und rase die Allee entlang, plötzlich ist alles dunkel. Ich schreckte auf, wieder einer dieser Träume. Aber warum hatte ich sie nicht, wenn Ella bei mir war hatte sie etwa so eine beruhigende Wirkung auf mich? Ich beschloss aufzustehen um an meiner Masterarbeit weiter zu arbeiten immerhin musste die auch irgendwann mal fertig werden. Schlafen konnte ich nun sowieso vergessen.

Am Nachmittag wollte ich ein paar Sachen aus der Villa holen um die nächsten Tage bei Noah bleiben zu können. Ich musste echt mal den Kopf frei bekommen, meine Gedanken drehten sich nur noch um das Mädchen mit den grünen Augen und das war gar nicht gut weder für sie noch für mich. Ich betrat das Haus und blieb wie erstarrt im Türrahmen der Küche stehen. Ich entdeckte eine tanzende Ella, es schien als würde sie kochen sie hatte die Musik auf volle Lautstärke gedreht. Mein Blick blieb an ihren Hüften hängen die sich zum Rhythmus bewegten. Sie hatte wieder diese knappen Shorts an in denen sie verdammt heiß aussah. Ich sollte ihr verbieten diese Dinger in meiner Gegenwart zu tragen, nein ich sollte ihr verbieten sie überhaupt zu tragen. Ich schlich mich von hinten an sie heran, mein Herz fing plötzlich an zu rasen. Ich packte sie an den Hüften und hob sie kurz hoch, sie schrie auf und begann zu zappeln. Ich ließ sie los und Ella drehte sich zu mir um und schlug mir auf die Brust „Ben du Idiot" schimpfte sie, ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Ella zog einen Schmollmund der einfach süß war „Sorry Süße" sagte ich und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf ihren Mundwinkel, Ella riss die Augen auf und starrte mich überrascht an, dabei biss sie sich auf die Unterlippe. Wow, hatte ich das gerade wirklich getan und gesagt ich war selbst überrascht, die Katastrophe rollt auf mich zu, aber das ist mir im Moment echt egal bevor sie mich unter sich begräbt wollte ich es wenigstens etwas genießen. Ich schaute auf sie herab und spüre wie der Abstand zwischen uns immer kleiner wurde und ich mich automatisch auf sie zu bewegte. Ich sollte dem drang widerstehen, aber ich wollte es gar nicht. Ella rührte sich nicht von der Stelle und sah mich einfach nur an vielleicht stand sie unter Schock. Vorsichtig legte ich meine Hände auf ihre Hüften und zog sie leicht zu mir heran. Im selben Moment fanden meine Lippen ihre, vorsichtig küsste ich sie, nach einem kurzen Augenblick erwiderte Ella meinen Kuss. Ich spüre wie mein Körper auf ihre Nähe zu reagieren begann und nach mehr verlangte, was sicher auch daran lag das ich seit meinem Unfall mit keiner Frau mehr zusammen gewesen war. Ich presste sie noch ein Stück mehr an mich und intensivierte den Kuss. Ella gab ein leises stöhne von sich.

Mist! Ich packte ihr unter den Po und setzte sie auf den Frühstückstresen. Automatisch schlang sie ihre nackten Beine um meine Hüften und zog mich näher zu sich heran. Ich löste mich von ihren Lippen um ihr etwas Atem zu lassen und küsste mich an ihrem Hals entlang, sie hatte ihre Finger in meinen Haaren vergraben und drückte mich an sich. Sie fühlte sich so gut an und ich sollte sofort damit aufhören. Im nächsten Moment klingelte mein Handy und ich erkenne den Klingelton meiner Mutter, tolles Timing. Das war die kalte Dusche die ich jetzt gebraucht hatte, ich hätte sonst sicher einen riesigen Fehler gemacht. Mit einem seufzen gab ich Ella frei, die mich verwirrt ansah. „Was willst du?" motzte ich in mein Telefon und verließ die Küche ohne Ella noch einmal anzusehen. Ich wollte sie nicht so stehen lassen, aber ich wollte ihr auch nicht erklären, was da gerade in mich gefahren war, denn ich wusste es ja selbst nicht.


ELLA

Was war das denn bitte? Hab ich das gerade geträumt? Oder hat Ben mich eben geküsst und warum habe ich das zugelassen? Ich muss zugeben, es war ziemlich intensiv und fühlte sich toll an. Meine Haut kribbelt immer noch an den Stellen wo seine Lippen mich berührten. Aber als sein Handy klingelte versteifte er sich sofort und verschwand im selben Augenblick. Ich hatte nicht viele Vergleichsmöglichkeiten aber das war unglaublich, hätte mein Handy geklingelt wäre ich mit Sicherheit nicht ran gegangen. Wer ihn wohl angerufen hat? Wie geht es jetzt weiter? Ich habe das Gefühl das es jetzt verdammt kompliziert zwischen uns werden könnte. Ich hüpfte vom Tresen und ging wieder zum Herd, Hunger hatte ich zwar nicht mehr aber ich hatte nun mal schon angefangen zu kochen, es wäre Verschwendung es jetzt einfach stehen zu lassen, außerdem musste ich mich ablenken, ich war völlig durch den Wind.

Eine halbe Stunde später war ich fertig und füllte gerade meinen Teller als ich diese kribbeln spürte, ich wusste das Ben in der Küche stand und drehte mich zu ihm um. Er sah mich etwas unsicher an, ich konnte fühlen das ihm die Situation sichtlich unangenehm war. „Hey" sagte ich „Hi" sagte Ben zurück „Ella es tut mir Leid ich hätte das nicht tun sollen" Wie bitte? Entschuldigt er sich gerade für den Kuss, also ich hab ja nicht so viel Erfahrung damit, aber ich finde nicht das man sich dafür entschuldigen musste. Erst jetzt sah ich die Tasche in seiner Hand. „Du verreist?" fragt ich ihn „Ja, für ein paar Tage" bestätigte er mir meine Vermutung. Wow, musste er jetzt gleich die Flucht ergreifen, es war doch nur ein Kuss. „Okay" mehr konnte ich dazu nicht sagen. „Es liegt nicht an dir sondern..." Oh nein das wirst du jetzt nicht sagen „schon gut Ben, du musst mir nichts erklären es war nur ein Kuss!" unterbrach ich ihn. Ben lächelte mich verlegen an, nickte und ging, ich hörte noch wie die Tür in schloss fiel. Ich seufzte und fühlte mich verletzt von Bens Verhalten. Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, aber in meiner Phantasie ist es so gewiss nicht abgelaufen. So langsam entpuppte er sich wirklich als Arschloch.

In der Uni erzählte ich Anna was passiert war und das Ben dann einfach verschwand. „So ein Idiot!" schimpfte Anna „Was bildet er sich eigentlich ein wer er ist, nur weil er verdammt heiß ist, bedeutet das noch lange nicht das er dich küssen darf und dann ohne Erklärung verschwindet" fuhr sie fort, „Anna, könntest du nicht so schreien, die ganze Mensa hört schon zu" bat ich sie, ich mochte sie aber manchmal übertrieb sie etwas. „Hat er gesagt wann er zurück kommt und wo er so plötzlich hin musste" wollte sie nun wissen. „Nein hat er nicht, aber es geht mich auch nichts an" aber ich hätte es gern gewusst. Anna schimpfte noch die nächste halbe Stunde über Ben und Jan verdrehte irgendwann genervt die Augen. Ich war froh als die Uni vorbei war, ich mochte Anna aber Heute ging sie mir gehörig auf den Nerv. Meine Schicht im Krankenhaus verlief wie gewöhnlich eher ruhig und als ich am Abend nach Hause kam, verriet mir der herrliche Duft das Mary da war also ging ich direkt in die Küche wenigstens etwas gute hatte der Tag. „Hallo Ella, schön dich zu sehen ich hoffe du hast Hunger?" begrüßte sie mich mit einem lächeln. „Hallo, ja und was für einen, es riecht wie immer köstlich" bestätige ich ihr. Mary stellte mir einen dampfenden Teller Nudeln vor die Nase. „Kommt Ben auch zum essen?" wollte sie wissen. „Nein, er ist spontan verreist" Mary nickte und ich hatte das Gefühl das sie wusste warum er so plötzlich verschwunden war. Sie schien ohnehin mehr zu wissen als sie sagte, aber sie war nicht der Typ der die Geheimnisse anderer Leute verriet. Ich aß zu Ende und wollte gerade gehen als Mary doch noch etwas sagte „Gib ihm ein bisschen Zeit, er vertraut anderen nur schwer, aber er ist ein guter Junge auch wenn er es nicht immer zeigt" ich lächelte ihr zu „Er machte es einem nicht gerade leicht, weißt du" sagte ich etwas resigniert „Ich weiß, Ben hat eine schwere Zeit hinter sich. Es ist nicht leicht mit so einer Mutter wie Ben sie hat zu leben. Ich glaube das ihm wahre Zuneigung angst macht, weil er sie nie kennengelernt hat außer bei deinem Vater, aber auch Sam hat einige Zeit gebraucht um sich ihm anzunähern" ich wusste gute nicht wirklich was ich mit dieser Aussage anfangen sollte, ich lächelte Mary an wünschte ihr eine Gute Nacht und ging nach oben um mich schlafen zu legen.


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