Was ich aus 2017 gelernt habe

Ich glaube es gibt Vieles im Leben, was man gerne anders gemacht hätte.

Jeder würde gerne die Zeit zurückdrehen können, um Geschehenes zu verändern. Entweder die eigene Entscheidung oder Gesagtes und Getanes von Mitmenschen.

Ich für meinen Teil habe gelernt, dass es gut ist, dies nicht zu können. Alles prägt uns. Gute Erfahrungen, wie auch Fehler.

So etwa Anfang letzten Jahres.
Irgendwas löste im Februar 2017 eine Art Kettenreaktion aus, die mich bis heute noch nicht ganz losgelassen hat. Selbst jetzt spüre ich ihre Auswirkungen. Positiv, wie negativ.

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Vincent zu Beginn letzten Jahres ein Anderer war als zu Anfang des Jetzigen. Ein völlig Anderer.
Und damit will ich nicht sagen, dass er besser war oder schlechter, sondern einfach anders.

Er hat sich unterschieden in seinen Charakterzügen, seinen Problembewältigungsstrategien, seinem Sozialverhalten und generell in seiner Art das Leben zu leben. Ich würde fast behaupten, dass der Vincent von damals nur noch wenig mit mir zu tun hat. Natürlich bin das immer noch ich, aber ich bin eine andere Persönlichkeit geworden.

Vor gut einem Jahr stieß ich auf Belle und es ist interessant, wie diese Seite mein Leben verändert hat. Tatsächlich gaben mir Belletristica und seine Mitglieder das erste Mal seit Langem das Gefühl irgendwo Zuhause zu sein, angekommen in einem sicheren Hafen und willkommen geheißen von einer familiären und freundlichen Gemeinschaft.

Die Kern-Mitglieder dieser Seite - so will ich sie mal nennen - bestehen, soweit ich das beurteilen kann, aus einer lebensbejahenden, aufgeschlossenen Sorte von Mensch, die aber selbst schon Einiges erlebt und mitgemacht hat.

Wie sagte der leitende Arzt der Psychosomatischen Klinik, in der ich letztes Jahr zwei Monate verbracht habe? 'Die künstlerischen Menschen sind meist die Melancholiker.' Und auch wenn viele Leute sagen, die Typenlehre sei Quatsch, sehe ich darin doch ein Fünkchen Wahrheit. Künstler sind sensible Seelen, die einen ganz eigenen Blick auf die Welt haben. Sie sind verletzlicher, besitzen dafür aber viel feinfühligere Antennen als die Meisten in unserer Gesellschaft. Und scheinbar sind sie deshalb dazu auserkoren zu leiden...

Was das mit mir zu tun hat, darauf will ich jetzt hinaus.

Nächstenliebe.
Das war, so glaube ich jedenfalls, was mir Anfang 2017 fehlte. Und ich sage bewusst 'so glaube ich', weil ich mittlerweile daran zweifle, ob sie mir fehlte, oder ob ich a) zu dieser Zeit in meiner Wahrnehmung zu eingeengt war, um sie zu erkennen oder b) zu hohe Ansprüche an dieses Attribut gestellt habe. Eventuell war es aber auch c) Ich suchte nach der 'falschen' Nächstenliebe.

Kennt ihr das? Ihr glaubt, dass euch jemand liebt und erkennt erst, dass er euch eigentlich mehr schadet, wenn es schon zu spät ist? Oder sagen wir in meinem Fall: Nachdem ich einen Vertrag eingegangen bin, von dem ich gar keine Ahnung hatte.

Was tut man im Alter von 18 Jahren, wenn man in der Schule nur als schräger Sonderling galt, seine Minderwertigkeitskomplexe über Essstörungen kompensiert, im Internet große Töne spuckt, in der Realität aber mit eingefallenen Augen hinter seinem Monitor zusammensinkt und darauf wartet, dass die Zeit ihr Übriges tut, nachdem man ein Gewicht erreicht hat, mit dem man von bösen Stimmen mit einem KZ-Häftling verglichen wird (was tatsächlich passiert ist)?

Richtig. Man greift nach jedem Strohhalm, den man erreichen kann. Man folgt jedem Angebot, das irgendwie auch nur den Hauch einer Veränderung mit sich bringt.
Oder... man folgt einem radikalen Lebenseinschnitt, weil man glaubt, dass er das Einzige sei, was einem noch helfen kann.

Aber ich will an dieser Stelle nicht meine Geschichte des letzten Jahres erzählen.
Ich möchte eigentlich nur Eines sagen: Das Mobbing in der Schule, die psychischen Probleme, der radikale Umsturz und das Vertrauen, das ich im Nachhinein Menschen schenkte, die mir mehr geschadet als geholfen haben.

Es war nicht sinnlos.
Ich würde beinahe sagen: Meine Fehler waren das Beste, was ich hätte tun können.
Denn sonst wär ich vermutlich gar nicht mehr hier...

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