...Und dann kommt wieder der 6. Januar
und das, was so lange fast heilig uns war,
fliegt an diesem Tag herzlos und roh
raus aus dem Haus, das ist nun mal so.
Wir schmückten ihn bunt und sangen ihm Lieder,
("O Tannenbaum" und "Alle Jahre wieder")
die Lichter brannten an seinen Zweigen,
wir waren stolz, ihn der Verwandtschaft zu zeigen,
(der Gummibaum wurde schon gelb vor Neid,)
doch jetzt nadelt er und wir sind ihn leid.
Also ab mit Lametta und Christbaumschmuck,
weg mit den Lichtern, das geht ja ruck-zuck,
und dann raus aus dem Ständer und ab in den Garten,
wir holen die Säge (die steht neben dem Spaten)
und er wird lieblos zu Kleinholz gemacht
und keiner denkt mehr an die Heilige Nacht,
als er Freund und Entzücken für alle uns war,
jetzt denken alle nur ans neue Jahr,
an den Sommer, ans Schwimmen und Rollschuhlaufen
und der Tannenbaum vermodert auf dem Komposthaufen...



Comments

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    Kann mir mit meinem Plastikbaum nicht passieren. :) sehr kritisches, melancholisches Werk. :)

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    Da hast du leider recht. Es gibt zwar unterdessen Tannenbäume, die man - mit Wurzeln - im Topf kaufen und sie dann im Frühling in den Garten pflanzen kann. Oder, das las ich neulich, es gibt auch Zoos, welche die Bäumchen anscheinend nehmen. Allerdings frage ich mich, ob dies nicht auch gefährlich ist, wegen der Wachs- und Glitterreste. Ich persönlich habe seit Jahrzehnten keinen Baum mehr. Ein paar Äste genügen mir. Die decken nachher Pflanzen im Garten.

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    Wie recht du hast. Die Armen Weihnachtsbäume! Schönes Gedicht, auch wenn ich manchmal dachte; das geht besser. Trotzdem sehr gut.

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    Leider ist das wirklich so. So viele Christbäume lassen jedes Jahr ihr Leben und dann werden sie einfach lieblos wieder entsorgt. :-(

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Fairy Dust

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