Weis er es?

Als ich wieder rein ging setzte ich erstmal meine Perücke ab, man ist das warm unter dem Ding, und ging dann zu Jake und James, die schon vor der Konsole hingen und gerade eine Kutsche überfielen. Ich ging gerade Wegs an ihnen vorbei zum Kühlschrank um mir erstmal ein Bier zu holen.
"Wollt ihr auch was?" rief ich zu den Jungs, die waren aber so vertieft in ihr spiel das sie mich nicht hörten. Na gut dann nicht. Ich ließ mich mit meinem Bier in der Hand auf die dunkel braune Leder Couch hinter den beiden fallen und beobachtete das Spielgeschehen.
"Wie wars bei den Fans?" fragte James. Oh, es kann reden. Ich antwortete kurz und knapp mit einem "Gut." Sie stoppten das Spiel und drehten sich beide mit einem ziemlich skeptischen Blick zu mir um. "Was?" fragte ich und schaute zwischen den beiden hin und her. "Es war Gut? Das ist alles? Sonst erzählst du doch auch immer wie ein Wasserfall wie toll und süß die alle sind und heute nur Gut?" fragte James skeptisch. Er hat recht, das war schlecht überlegt. Ich hätte es überzeugender rüber bringen müssen. Also, Zeit für eine Ausrede und zwar eine überzeugende ausrede. "Hört mal Jungs, ich bin echt Müde, der Tag heut war echt anstrengend. Ich denke ich werde jetzt auch nach hause gehen und schlafen. Morgen erzähl ich euch in allen Einzelheiten wie süß die Fans waren, ok?" so, war das jetzt überzeugend? Ich denke nicht. Man Hope, das kannst du viel besser. Du bist mit einem großen Bruder aufgewachsen und da hast du es auch immer geschafft deinen Eltern glaubwürdig zu erklären das er den mist gebaut hat, obwohl du es warst. "Alles klar...dann glauben wir dir mal. Dann komm gut nachhause, schlaf gut und wir sehen uns morgen." erwiderte Jake. Also so wirklich glauben tun sie es nicht, aber egal. Ich zog meine normalen Klamotten an und war wieder Hope, die kleine Sanitäterin die tot müde ist. Ich schlenderte zum S Bahnhof auf der anderen Straßenseite. Dabei sehe bestimmt aus wie ein ein Penner mit meinem schwarzem oversize Pulli und meinen schwarzen Militär Boots und dazu noch meiner Bierflasche, aber egal in Berlin fällt das nicht auf und es interessiert auch keinen wie man hier rumläuft. Nicht wie in meinem alten Zuhause, dem Dorf mit nicht mal 3000 Einwohnern. Wenn ich da so durch die Gegend gelaufen wäre, wäre ich garantiert für mindestens 1 Jahr DAS Dorf Gespräch. Aber egal, ich bin nicht mehr da also brauch ich mir darüber auch keine Gedanken machen. Am Bahnhof angekommen schaute ich auf die Anzeige wann meine Bahn kommt. Das Ergebnis war ernüchternd, 10 min warten. Ist ja nicht so als ob ich müde wie sonst was wäre. Ich setzte mich in schneider Sitz auf die Bank, trank mein Bier und hörte nebenbei Musik. Blöderweise war ich so in meine Musik vertieft, das ich nicht bemerkt habe wie sich Jimmy und Emily neben mich setzten. Als mein Bier leer war, stellte ich die Flasche neben den Mülleimer, als ich wieder zurück zu der Bank gehen wollte sah ich die beiden da sitzen. Scheiße, wie lange sitzen die da schon? Würde er mich jetzt als Lexi wieder erkennen wenn ich mich neben ihn setzen würde? Lieber nichts riskieren und Sicherheitsabstand wahren. Gott sei dank kam die Bahn dann auch recht schnell. Ich stieg ein, setzte mich auf einen freien Vierer und hoffte das sich Jimmy weit weg setzen würde. Ich meine welchen Grund hätte er auch sich zu mir zu setzen? Ja, hast du dir so gedacht Hope, aber welch Überraschung er setzt sich zu dir. Ich hatte mir meine Kapuze aufgesetzt und zog sie mir weit ins Gesicht. In der Hoffnung ich wäre dann unsichtbar oder so.
"Die Kapuze ins Gesicht zu ziehen bringt nichts, ich hab dich erkannt." sagte Er plötzlich.
Scheiße, Scheiße, Scheiße, er hat mich erkannt? Ist das sein ernst?? Ich setzte die Kapuze ab und schaute in das grinsende Gesicht von einem offensichtlich sehr müden Feuerwehrmann der aber trotzdem noch ein sehr munteres Grinsen hatte. "Ach wirklich?" fragte ich zögerlich. "Ja! Du bist doch die kleine Sanitäterin vom Einsatz heute." Puhh, er hat mich doch nicht als Lexi erkannt. Aber hat er mich gerade kleine Sanitäterin genannt? Egal, ich bin zu müde um mit ihm zu diskutieren. "Ehm, ja. Genau die bin ich. Die Sanitäterin vom Einsatz heute." stammelte ich irgendwie zusammen. "Und was machst du hier um die Uhrzeit? Warst du auch auf dem Konzert?" fragte er leise da Emily gerade an seinen Arm angelehnt eingeschlafen ist. "Welches Konzert?" gab ich verwirrt zurück. Wow bin ich dumm. Welches Konzert? Was besseres ist mir nicht eingefallen? "Na das Konzert von Lexi." erwiderte er. "Aaaach, klar das Lexi Konzert war ja heute, ehm nein ich war bei einem Arbeitskollegen, der hier in der nähe wohnt. Warst du beim Konzert?" fragte ich mit skeptischen Blick. "Ja, wegen meiner kleinen Schwester. Sie ist ein totaler Lexi Fan und als ich dir Karte zum Geburtstag geschenkt habe war ich der beste große Bruder der Welt...der natürlich auch mit ihr hingehen musste. War vielleicht nicht so gut durchdacht." gab er lachend zurück. Hey, so schlecht sind meine Konzerte doch gar nicht.
"Ist nicht so deine Musik was?" fragte ich und hatte irgendwie ein bisschen Angst vor der Antwort.
"Naja, also die Texte sind gut und regen zum Nachdenken an und Lexi ist ganz schön heiß, aber ich finde das die Musik nicht zu den Texten passt. Kennst du Lexis Musik?"
"Ja, ich kenne die Musik, höre sie aber nicht wirklich. Wie meinst du das die Musik passt nicht zu den Texten?"
"Von daher das du ihre Musik ja kennst weist du das sie viel über Schmerz, Verlust, Depressionen und sowas singt, was alles traurige Themen sind und dann macht sie so eine fröhliche Musik dazu. Ich weis nicht, ich versteh es einfach nicht."
Ok, jetzt aufpassen was du sagst, sonst könnte er verdacht schöpfen.
"Naja, vielleicht ist es einfach ihre Art damit umzugehen und es zu verarbeiten. Ja, es sind alles traurige Themen aber ich finde das es dieser Mix aus Traurig und Fröhlich gut passt. So würde zum beispiel eine Person die kein Englisch kann, wie zum Beispiel Emily, nie darauf kommen das es Lexi eigentlich gar nicht so gut geht. Aber Leute die die Texte verstehen und den es vielleicht genau so geht, hilft es dabei damit umzugehen." Ok, war das zu viel? Ich hoffe nicht. Man, ich sollte erst denken und dann sprechen. Ich schaute Jimmy gespannt an was er dazu wird.
"Stimmt, du hast recht, so habe ich das noch nie gesehen." erwiderte er.
Ich grinste ihn an und bemerkte das ich die nächste Station aussteigen muss.

"So, ich muss jetzt gleich aussteigen, war schön sich mit dir zur Unterhalten." sagte ich zum Abschied. "Ja, finde ich auch. Wir sollten das wiederholen. Vielleicht morgen bei einem Drink?" erwiderte er. Ehm....was? Was passiert hier gerade? Noch bevor ich darüber nachdenken konnte stimmte ich schon zu. Wie war das mit dem erst denken, dann reden? "Ja, cool. Hier hast du meine Nummer. Ruf mich einfach an, ich hab morgen Frei." sagte er und reichte mir einen Zettel mit seiner Nummer. "Mach ich." mit diesen Worten steckte ich den Zettel ein und stieg aus. Was zur Hölle ist gerade passiert? Ich ging nach Hause, was nur noch 5 min Fußweg entfernt war. Endlich in meiner Wohnung angekommen, ging ich direkt in mein Zimmer, zog auf dem weg noch meine Schuhe aus die ich im mittelsten Flur liegen gelassen habe, ließ mich dann bäuchlings auf mein Bett fallen und wollte eigentlich noch Jimmys Nummer einspeichern, aber ich bin sofort eingeschlafen. Ich hatte einfach keine Chance mehr noch irgendwas anderes zu machen. Ich war einfach nur tot.
Da ich am nächsten Tag frei hatte konnte ich ganz entspannt ausschlafen. Was heißt das ich erstmal ganz locker bis um 12 geschlafen habe.
Am nächsten Tag war ich noch fertiger als am vor Tag, völlig verschlafen taperte ich von meinem Zimmer, durch den Flur wo ich über meine Schuhe stolperte und erstmal ne runde über mich selber fluchte, das ich die gestern da liegen gelassen habe, in die Küche um Kaffee zu machen. Oder wie ich ihn nenne mein kleiner Lebensretter. Als ich so den Kaffee dabei zuhörte wie er in die Kanne lief, kramte ich in der Kängurutasche meines Hoodies herum wo ich einen Zettel fand. Ich fragte mich was das für ein Zettel ist, bis es mir wieder einfiel. Jimmy hat mir ja gestern seine Nummer gegeben. Rasch rannte ich in mein Zimmer um mein Handy zu holen, wobei ich wieder über meine Schuhe stolperte und anstatt sie aufzuräumen ließ ich sie liegen, auf das ich das nächste mal wieder drüber fliege. Warum bin ich so? Rasch speicherte ich die Nummer ein und schaute auf WhatsApp nach dem Kontakt. Ich setzte mich auf mein Bett und starrte auf mein Handy. Was soll ich ihm schreiben? Ob er mir die Nummer bewusst gegeben hat oder ob er gestern einfach so müde war das er es jetzt schon gar nicht mehr weis. Naja, es gibt nur eine Möglichkeit das herauszufinden, ihn anschreiben! Aber was soll ich ihm schreiben? Ein einfaches Hey wäre zu langweilig.
»Ich habe die ganze Zeit überlegt was ich dir schreiben könnte und weil mir ein einfaches Hey zu langweilig ist frage ich dich einfach, Wer ist dein Lieblings Superheld? Lg Hope«              
und senden.
Ich starrte weiterhin auf mein Handy und sah wie aus der kleinen Uhr, ein Haken wurde und dann zwei Haken und auf einmal wurden die Haken blau. Oh mein Gott. Vor schreck, schaltete ich mein Handy aus und steckte es schnell ein. Im gleichen Moment ertönte aus der Küche das liebliche Piep Geräusch meiner Kaffeemaschine, was mir sagt das mein kleiner Lebensretter fertig ist. Schnell wie der Wind flitzte ich aus meinem Zimmer, durch den Flur, wo ich elegant wie ein junges Reh über meine Boots hinweg sprang, in die Küche. Ich nahm meinen Kaffee setzte mich damit auf die Couch und beschloss meine Lieblings Serie weiter zu schauen. Mir ist natürlich nicht entgangen das mein Handy sich mehrmals gemeldet hat, aber ich ignorierte es ganz gekonnt.
Nach meiner zweiten Tasse Kaffee, habe ich beschlossen doch mal ein Blick auf mein Handy zu riskieren.
2 neue Nachrichten von Jimmy
»Hey, wow ok. Die Nachricht ist auf jeden Fall kreativ. Ehm..lass mich kurz überlegen eigentlich würde ich Captain America sagen, aber wenn ich bedenke das Iron Man eigentlich gar keine Superkräfte hat, sondern nur seinen Anzug und seine coolen Spielzeuge. Ganz klar Iron Man!«
»Und bist du gestern noch gut Nachhause gekommen?«
Oh mein Gott, er wird mir immer sympathischer.
»Iron Man gute Wahl! Ja und ihr?«
»Ich weis c; Hast du lust heut Abend was trinken zu gehen?«
»Ja, klar! Sag einfach wo und wann.«
»Da ich ein Gentlemen bin, hole ich dich um 7.30 bei dir ab, wenn das ok ist.«

Ist das dein ernst? Natürlich ist das ok! Ich schrieb ihn meine Adresse und damit war alles in Sack und Tüten. Ich wusste zwar nicht wo es hin geht, aber das war egal. Denn ich hatte ein ganz anderes Problem, was ziehe ich an?


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