Es gibt nicht viele Dinge, die alle Menschen gemeinsam haben. Spontan fallen mir nur drei ein. Alle Menschen sind Lebewesen, deshalb gibt es einen Punkt, an dem ihr Leben beginnt und einen weiteren, der später und doch stets zu früh kommt, an dem ein Mensch die Welt der Lebenden verlässt. Dies ist eine unausweichliche Wahrheit, gegen die die Menschheit schon immer ankämpft und und wohl auch immer weiter ankämpfen wird, wohl wissend, dass es kein Aufhalten, sondern nur ein Aufschieben geben kann. Aber genau dieses Aufschieben, dieses Herauszögern, kann ja vielleicht schon ausreichen, um noch Dinge zu tun, die man schon immer tun wollte, aber irgendwie nie geschafft hat und auch, um Abschied zu nehmen von denen, mit denen man sein Leben verbringen wollte. Mein Herauszögern hat begonnen, und ich hoffe sehr, dass es ausreichen wird.

Wahrscheinlich sind auch darin alle Menschen gleich. Früher oder später wird jeder eine geliebte Person verlieren und eines Tages wird jeder von uns zum verlorenen Geliebten, von dem man Abschied nehmen muss.
Und sollte dieser Tag für mich kommen, dann weint ruhig um mich so viel ihr müsst, aber bitte denkt auch daran, dass mich dach auch nicht wieder zu euch zurückbringen wird, Das ist hart, ich weiß, aber tröstet euch damit, dass ich mein Leben gelebt habe und dass ich zwar Angst vorm Sterben hatte, aber nie davor tot zu sein. Wer weiß, vielleicht bin ich ja schon in einem neuen Körper zu euch zurückgekommen. Vielleicht warte ich schon im Paradies auf euch. Und selbst wenn das nicht passiert, wenn ich einfach aufhöre zu existieren, so existiere ich doch in euren Erinnerungen und hoffentlich auch in euren Herzen weiter. Auch wenn ihr mich nicht sehen und hören könnt, werde ich doch immer irgendwie da sein. So schnell werdet ihr mich also nicht los...
Und wenn der Tag kommt, an dem ihr meine Körper der Erde zurückgebt, fühlt euch nicht gezwungen schwarze Kleidung zu tragen. Ihr wisst alle, was passiert ist und ihr wisst, dass ihr alle traurig seid, also müsst ihr euch das nicht noch durch eure Kleidung vor Augen halten. Das Gefühl, jemanden zu verlieren ist schlimm genug, also tragt doch einfach Kleider, in denen ihr euch wohl fühlt - egal, ob schwarz oder weiß oder bunt, egal, ob Anzug, oder Alltagskleidung oder Jogginghose.
Und bitte, erinnert euch nicht nur an meine guten Seite. Denkt mit einem Lächeln an all meine Fehler, Macken und kleinen Verrücktheiten zurück. Erinnert euch an mich, so wie ich war und nicht so, wie ich gerne gewesen wäre. Schließlich liebt man einen Menschen ja nicht weil er perfekt ist, sondern obwohl man weiß, dass das nicht so ist. Lebt bitte nicht zu sehr in den Erinnerungen an die gute alte Zeit, sondern denkt auch daran, Erinnerungen für die gute alte Zeit von Morgen zu sammeln. Das ist so wie beim Fotografieren: Man schaut zwar immer gerne all die alten Bilder an, hält aber auch stets die Kamera bereit, um neue Momente einzufangen...
Und bitte pflanzt Blumen auf mein Grab. Sie werden blühen und Leben versprühen und so zeigen, dass es auch in den dunkelsten Stunden immer noch kleine Lichtblicke gibt.  Aber bitte kommt nicht an mein Grab, weil ihr mich vermisst. Da unter der Erde liegt nur noch eine leere Hülle, die wertlos wurde, als ich sie verlassen habe. Vorher hatte keiner von uns einen Bezug zu dem Ort, an dem mein Körper jetzt ist, also vermisst mich nicht nur dort, sondern an den Orten, an denen ich gelebt habe, aber vergesst über all dem Vermissen nicht, dass auch ihr noch ein Leben habt, dass gelebt werden will und muss.

Vielleicht gleichen sich auch viele Menschen darin, dass sie den vergeblichen Wunsch nach Unendlichkeit verspüren. Wieso sollte man sonst versuchen darauf einzuwirken, wie Andere mit dem eingenen Tod umgehen sollen? Das macht doch eigentlich gar keinen Sinn. Ich meine, alles wird irggendwann enden, selbst das, was auf den ersten Blick unendlich scheint. Und das ist in Ordnung. Also geht damit um, wie es für euch am besten ist und tut das, was euch hilft, was euch glücklich macht oder in ganz dunklen Stunden, was euch am Zerbrechen hindert. Für mich wird es dann sowieso zu spät sein um darauf Einfluss zu nehmen und eigentlich kann ich ja auch gar nicht wissen was für euch der beste Weg ist.
Die Trauer wird schließlich von denen getragen, die geliebt und verloren haben und nicht von dem Geliebten, der verloren ging.

Comments

  • Author Portrait

    Hast du dich von Sarah Connors Lied "Das Leben ist schön" inspirieren lassen? Das ist ein trauriges aber auch schönes Lied. Ähnlich wie dein Text. ;-)

  • Author Portrait

    Ein toller Text^^ Gefällt mir sehr gut, vor allem die Idee mit den bunten Klamotten. Und auch alles andere ist sehr ergreifend :D

  • Author Portrait

    Sehr schön,so berührend und so wahr! 5/5

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media