Werner von Kurzhagen

Selina war schon immer der Meinung, dass es "viel schönere Weiber" gebe, als sie. Mir aber, gefiel und gefällt sie heute mehr denn je und ich liebe sie wie am ersten Tag! Was wir zusammen durchgestanden hatten, dass hatte uns für immer verbunden. Ich hatte vor Silvie schon das eine oder andere Modepüppchen abgeschleppt, aber Selina schien nicht begriffen zu haben, dass ich sie immer noch mit jener Liebe betrachtete, die sie mir in jener Nacht im Bootshaus geschenkt hatte. Keine noch so schöne vollbusige Blonde oder Schwarze, hätte mich je verführen können, egal ob mit oder ohne Sommersprossen, denn Selina hatte mich aus einem eisigen Dornröschenschlaf geküsst. Mich unvorstellbar zärtlich zu ihrem Auserwählten erkoren und zurückgeholt in die Welt der Gefühle. Ich hatte nach Silvies Verlust keine Liebe mehr in mir gehabt. Noch heute liege ich manches Mal wach neben Sel und kann die Augen nicht von dieser hübschen, feingliedrigen Frau wenden, die so stark sein kann, dass sie selbst mich das Fürchten lehrt. Sie ist tatsächlich wunderschön! Niemals würde ich unsere Beziehung für irgend ein kleines Abenteuer aufs Spiel setzen! Und insgeheim weiß sie das! Sie ärgert sich selbst über dieses feine Nagen an ihrem Vertrauen zu mir...
Sie war in ihr Büro gegangen, als mich ein Anruf erreichte. Werner von Kurzhagen, Oberstaatsanwalt und Pate unserer Kinderkrebsstation war am Apparat. Er fragte mich, ob ich Zeit für ein vertrauliches Gespräch mit ihm aufwenden könne. Seiner Stimme entnahm ich, dass es dringend sein musste und obwohl ich eigentlich schon Selina abholen und mit ihr heimfahren wollte, bot ich ihm an, mich sofort zu besuchen. Er wirkte erleichtert und versprach, in zehn Minuten hier zu sein. Also ging ich kurz zu meiner Frau ins Büro, um ihr das zu sagen. Sie stand auf und kam ganz nah zu mir. Sie wippte auf die Zehen und gab mir einen Kuss. "Ich hab dich sehr lieb, Michael! Sei nicht böse!" - "Das bin ich nicht, Sel. Wartest du auf mich, oder möchtest du mit dem Porsche heimfahren?" - "Ich warte auf dich." Als ich aus ihrem Büro kam, sah ich Mutter mit einem Herrn, offenbar einem unserer Patienten in einer unserer Besucherinseln sitzen. Die Beiden schienen sich gut zu unterhalten. "Na, die gibt aber Gas auf ihre alten Tage!" dachte ich bei mir.
Ich saß nicht lange an meinem Schreibtisch, als unsere Empfangsdame Herrn von Kurzhagen persönlich zu mir führte. Wir begrüßten uns mit großem gegenseitigen Respekt und ich bot ihm einen Platz mir gegenüber auf der Club-Garnitur an. Dieser Mann war es gewesen, der mir endlich zu Gerechtigkeit verholfen hatte, nachdem Staatsanwalt Fischer in meiner Causa total versagt hatte. Ich wollte ihn nicht vor meinem Schreibtisch platzieren. "Herr von Kurzhagen, was verschafft mir die Ehre, was kann ich für sie tun?" - "Ich sage es ihnen frei heraus; Bitte machen sie meine Tochter gesund!" - "Hat sie..." - "Blutkrebs! Aber sie geht mir nirgends stationär hin und sie fürchtet die Öffentlichkeit. Sie war als Kind schon sehr scheu und hatte nach dem Krebstod ihrer Mutter immer wieder psychische Probleme..." - "Wie alt ist sie?" - "Fünfzehn wird sie. Hoffe ich jedenfalls...! Kurzhagen war offensichtlich verzweifelt.

 "Selina kannst du bitte schnell zu mir kommen?" Selina kam und stellte ihm zahlreiche Fragen. Er war keine Hilfe. "Können sie sie zu uns bringen?" - "Wann?" - "Wenn sie wollen, jetzt gleich. Ich muss mit ihr reden, ihr die Angst nehmen und mir ein Bild vom Fortschritt ihrer Erkrankung machen." - "Sie sind großartig, Selina! Ich hole sie sofort! Ich bin in zwanzig Minuten wieder da!" - "Keine Hektik, sonst bauen sie noch einen Unfall! Und bringen sie die Befunde mit." Während dieser zwanzig Minuten riefen wir Melina an und sagten ihr, dass es heute später würde. Tom versicherte, dass alles in Ordnung wäre, zu Hause und Selina und mir blieben ein Paar Minuten, um die neuen Ereignisse zu besprechen. "Hoffentlich können wir ihr helfen. Gerade bei von Kurzhagen hab ich immer das Gefühl dass er der einzige von der Justiz ist, der Recht und Gerechtigkeit zusammenführen möchte!" - "Ich auch! Für den würd ich sogar Extrawürste braten. Ohne sein Zutun wären wir nie soweit gekommen!"

Von Kurzhagen kam zurück mit seiner Tochter im Geleit. Wir kamen in meinem Büro zusammen und setzten uns auf die gemütliche Ledergarnitur. Moni war ein blasses zartes Geschöpf mit feinen Zügen. Durchaus nicht unhübsch, aber offensichtlich angeschlagen. Das dunkle Haar umrahmte ein blasses Gesicht mit dunklen Augenringen und dem Blick einer Leidenden. Sie schaute fast immer scheu zu Boden. Bei meinem schon vorsichtig angesetzten Händedruck zuckte sie zusammen. Von Kurzhagen und ich wohnten der Unterhaltung Selinas mit Moni eine Zeit lang bei. Meine Frau lenkte das Gespräch gefühlvoll in eine sehr private Richtung und ich bedeutete ihm, mit mir das Zimmer zu verlassen. "Papa!" - "Wir gehen nur ins Vorzimmer, Schatz!" sagte dieser "Ich bin da!" Ich gab etwas Eis in zwei Gläser und schenkte uns einen Whiskey ein. Ich wusste von einem früheren Besuch, dass er diese Leidenschaft mit mir teilte, den Whiskey nur vereinzelt, in besonderen Momenten in ganz kleinen Mengen zu genießen. Als wir in den Vorraum gingen, war so ein Moment gekommen. "Darf ich ihnen das DU anbieten, Michael?" - "Sehr gerne, Werner!" Wir hoben die Gläser und genossen den feinen Geschmack eines fast dreissigjährigen Destillates. "Ich bin dir noch immer zu großem Dank verpflichtet, Werner, doch auch wenn dem nicht so wäre, würden wir uns um deine Tochter bemühen. Selina ist sehr einfühlsam. Es ist sehr wichtig, das sie zu ihr vordringt! Vertrauen ist die Basis einer Behandlung. Ich versichere dir, dass wir jeden gangbaren Weg für deine Tochter ebnen werden, Werner. Das ist uns ein persönliches Anliegen, aber ich muss dir leider vorweg sagen, dass auch wir keine Wunder wirken können..." - "Dessen bin ich mir bewusst, Michael, aber ich bin schon froh, dass ich sie mal hier bei euch habe. Ich wusste in meiner Verzweiflung schon nicht mehr, was ich tun soll." Mein Handy vibrierte. "Entschuldigung! - Tommy, was gibts?" - " Maria und Oma haben ganz toll gekocht! Wollt ihr nicht mal heim kommen?" - "Wir kommen bald! Ist Melina brav?" - "Die hatte den ganzen Tag Spaß mit mir." - "Gut Tom, bis bald!" Selina kam mit Moni aus meinem Büro. "Gibts was neues von zu Hause?" - "Tom hat angerufen. Maria und Fanni haben gekocht." - "Dann wärs doch schön, wenn ihr mit zu uns kommen würdet, was meinst du, Monika. Diese sah etwas unsicher ihren Vater an. Ich verstand Selinas Blick sofort und hakte nach. "Genau, Werner, mach mir die Freude und komm mit deiner Tochter zum Abendessen mit. Du weißt ja, wie unsere Maria kocht, du warst ja schon mal bei uns zum Essen. Werner verstand wohl auch sofort. "Oh ja, sehr gerne! Monika, du wirst staunen! Die haben ein richtiges Schloss!" Monika lächelte zaghaft und hakte sich bei ihrem Vater unter. Gemeinsam verließen wir die Klinik um im Palais zu speisen... 


       

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