John beißt von seinem dick mit Butter bestrichenem Toastbrot ab und betrachtet seinen Freund, der ihm gegenüber sitzt. Der Beraterdetektiv beißt hin- und wider ebenfalls von seinem Brot ab, während er deprimiert auf den dunklen Holztisch starrt. Er hat den Kopf in die Hände gestützt und wirkt so als würde er nachdenken. In diesem Zustand befindet er sich schon seit Tagen. John hatte nicht sofort durchschaut wieso sich sein Freund und Mitbewohner so verhielt, doch dann war es ihm schlagartig klar. Er vermisste sie. Diese Frau. Die Frau, die Domina, die ihm so gut wie ebenbürtig war, wenn überhaupt jemand dem großartigen Sherlock Holmes ebenbürtig ist. In den ersten Tagen hatte er vermutet, dass ihr Tod Sherlock schwer mitgespielt hat, doch dann erinnerte er sich daran, wie er sich verhalten hatte, als er sie bereits einmal für Tod gehalten hatte. Er hatte traurige Musik geschrieben und Tage lang im Bett gelegen. Das war jedoch dieses Mal nicht der Fall. Sherlock war in diesen Tagen nachdenklich gewesen und hatte oft das Haus verlassen. An einem Tag hatte John ihn verfolgt, da es ihm höchst sonderlich vorkam, dass sein Freund in die Stadt ging, nach einer Stunde wieder kam und dann seine Karte aus dem Zimmer holen, nur um dann ein großes rotes Kreuz darauf zu machen.

Die Verfolgung hatte dem Arzt jedoch so gut wie Nichts gebracht. Sherlock war an diesem Tag einfach durch London gelaufen und hatte verschiedene Ort abgeklappert. Das war aber nicht das Einzige verwunderliche. Sherlock hatte John nicht bemerkt, obwohl dieser sich nicht einmal sonderlich gut versteckt hatte. Es schien als würde Sherlock seinen kompletten Geist nur auf eine Sache ausrichten und das war sein Weg. Als Sherlock irgendwann zurück kehrte, wurde John klar, dass Sherlock nicht einfach einen Spaziergang gemacht hatte, nein, er hatte sie gesucht. Er hatte sich auf die Suche nach Irene gemacht und jedes Mal wenn er einen Ort abgeklappert hatte ohne sie zu finden, ein rotes Kreuz auf der Karte gemacht. Das heißt, dass sie noch am Leben ist. "Die Frau" lebt also noch.

An einem Tag, an dem Sherlock mit seinem Bruder ein Kaffee besucht hatte, hatte John sich das Handy seines Freundes geschnappt und darin nach Irenes Nummer gesucht. Als er die Nummer endlich gefunden hatte, hatte er sie abgeschrieben und daraufhin in sein eigenes Handy eingespeichert. Wenige Stunden später fasste er sich daraufhin ein Herz und schreib einen Nachricht an Miss Adler.

"Liebe Miss Adler,
wenn sie noch am Leben sind, melden sie sich bitte bei mir. Ich mache Sorgen um meinen lieben Freund Sherlock Holmes. Er ist nicht er selbst. Ich gehe davon aus, dass sie der Grund sind. Ich weiß, dass sie nicht Tod sind.
John Watson!"

Bis heute hatte die Frau jedoch noch nicht geantwortet und langsam beginnt John an seiner Vermutung zu zweifeln. Vielleicht hat er sich ja getäuscht. Vielleicht ist sie ja doch tot und Sherlock arbeitet einfach nur an einem neuen Fall, von dem John selbst Nichts weiß. Plötzlich räuspert sich Mrs Hudson, die mit den beiden Männern am Tisch sitzt und ebenfalls frühstückt:"Sherlock? John? Geht es ihnen gut? Habe ich etwas nicht mitbekommen?" John wird von der alten Dame aus seinen Gedanken gerissen:"Äh ja, alles Bestens. Danke der Nachfrage, Mrs Hudson." "Sherlock?", fragt Mrs Hudson erneut, nach wie vor auf eine Antwort seiner Seits wartend. Sherlock regiert aber trotzdem nicht. John tritt den Detektiv unterm Tisch feste, welcher daraufhin ebenfalls aus seinen Gedanken gerissen wird und erschrocken blinzelt:"Oh man John. Das tat weh. Was ist denn los?" Als Mrs Hudson ihre Frage gerade erneut stellen will, klingelt es an der Tür und Mrs Hudson steht auf, um zu öffnen. Das tut sie oft, obwohl sie immer wieder beteuert nicht die Haushälterin der Männer zu sein.

Wenige Minuten später hört man zwei Menschen auf der Treppe, die zu ihnen hoch kommen. John erhebt sich ein Stück von seinem Platz, um zu sehen wer es ist. Als er die Person erkennt, die sie da besuchen kommt, lässt er sich wieder auf seinen Stuhl plumpsen und versucht das Lächeln aus seinem Gesicht zu wischen. Sherlock sieht John fragend an:"Was ist los?" John schaut hinter Sherlock. Dieser fährt herum, als er die zarte weibliche Stimme der Besucherin vernimmt:"Hallo Mr Holmes! Haben sie mich vermisst?" Als er die Frau erkennt springt er innerhalb von wenigen Sekunden auf und geht auf sie zu. Dann bleibt er vor ihr stehen und legt eine Hand an ihre rechte Wange:"Bist du es wirklich?" Sie nickt:"Ja Sherlock. Ich bin es wirklich." Als er ihre Antwort vernimmt, zieht er sie an sich und schließt sie in ihre Arme:"Ich habe dich so vermisst, Irene." Die Frau ist von seiner Freund und seinen plötzliche Emotionen total überrumpelt. Das kennt sie von ihm ja gar nicht. Nach wenigen Sekunden erwidert sie die Umarmung jedoch auch:"Ich dich auch."
Mrs Hudson hat sich unterdessen auf ihren Stuhl zurück gesetzt und fragt John, wer die Frau ist und warum Sherlock sich so freut sie zu sehen."Das ist Irene Adler. Wir haben sie bei einem unserer Fälle kennen gelernt", erklärt John Mrs Hudson leise. Sie fragt weiter:"Hat sie ihnen geholfen?" John muss ein Lachen unterdrücken:"Das kann man so nicht sagen. Sie hat uns eher Schwierigkeiten bereitet und Sherlock auch fast besiegt." "Wow, dann muss sie ja euch was Besonderes sein", gibt Mrs Hudson zurück:"Liebt er sie?" John zuckt mit den Schultern:"Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich kommt deren Beziehung Liebe aber wohl am Nächsten."

Unterdessen haben die Frau und der Detektiv sich wieder voneinander gelöst und schauen sich nun einfach nur still in die Augen. Sherlock bricht die Stille:"Wieso hast du dich nicht gemeldet?" "Ich wusste nicht, ob du mich sehen willst", sagt sie kleinlaut. Der Holmes Mann hebt eine Augenbraue:"Was hat deine Meinung geändert?" "John hat mir geschrieben, dass du mir geschrieben, dass du mich vermisst und todtraurig ist", sagt sie mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. Sherlock wirft John einen bösen Blick zu, welcher drauf hin seinem Blick ausweicht. "Ich bin immer ich selbst und sowas wie Trauer ist mir total", setzt er an, doch Irene unterbricht ihn.

Sie drückt ihre Lippen auf seine. Erst ist der Detektiv überrumpelt und weiß nicht, was er tun soll, doch dann legt er seinen Arm um sich, zieht sie näher an sich und erwidert den liebevollen und ziemlich leidenschaftlichen Kuss. John und Mrs Hudson sehen sich an. John sieht wie sehr Sherlock Irene vermisst hat und wie viel Gefühl er in den Kuss legt. Er hätte nicht einmal erwartet, dass Sherlock so viele hat, doch das hier ist der Beweis. Auch der soziopathische Meisterdetektiv Sherlock Holmes kann liebe empfinden.

Als sie sich voneinander lösen, ziert ein Lächeln ihre Lippen. "Das war eine schöne Art mir zu sagen, dass ich den Mund halten soll", erklärt er ebenfalls grinsend. "Ich liebe dich, Sherlock Holmes", verkündet die Domina leidenschaftlich. Erst erstarrt der Mann, doch dann zieht er sie in seine Arme und hebt sie glücklich hoch. Sie quietscht erschrocken auf. Nach wenigen Sekunden stellt er sie wieder auf den Boden und nimmt ihr Gesicht in beide Hände:"Ich liebe dich auch, Irene Adler." Einige Freudentränen rollen ihr über die Wangen. Er wischt ihr die Tränen weg und küsst sie erneut. In diesem Moment wird John klar, dass sich von heute an vieles verändern wird.

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Notiz der Autorin: Ich hoffe die Geschichte hat euch gefallen. Es ist ein One-Shot. Es war mein Erster und ich hoffe, dass es euch gefallen hat. Verbesserungsvorschläge und Kommentar nehme ich gerne entgegen. Vielleicht werde ich ja auch irgendwann mal weiterschreiben. 

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