"Wir wollten es langsam angehen!" (A)

Thomas' Sicht:

"Es tut mir wirklich leid, Thomas!" Alice saß neben mir, sie entschuldigte sich immer wieder bei mir wegen dem Vorfall von gestern. "Das wollten wir doch. Sie eifersüchtig machen. Irgendwie ist es nach hinten losgegangen." Sie nickte. Wir saßen in Dylan's Wohnzimmer, er selbst war in der Küche. "Ja. Nicht einmal bei ihm hat es gewirkt", flüsterte sie und zeigte in Richtung Küche. Es war zum Verzweifeln. "Hey Leute. Lasst den Kopf nicht hängen! Diese kleine Schlampe ist es nicht wert!", rief Dylan und kam zu uns.
Eigentlich sollte ich Grace verteidigen, doch ich war noch so wütend auf sie. Wie konnte sie mir so etwas antun? Okay, ICH habe ein anderes Mädchen geküsst, aber immerhin hat SIE mich ignoriert. Also war ich nicht Schuld. Also nicht ganz. Vielleicht konnte irgendwann alles wieder gut werden, doch ich glaubte ehrlich gesagt nicht mehr daran.
Alice nahm mitfühlend meine Hand. Sie wusste, wie ich mich fühlte. Wir hatten gestern die ganze Nacht telefoniert. Wir waren uns ähnlicher, als ich vermutet hatte. "Tom, vergiss sie", flüsterte sie mir ins Ohr. Dylan tat so, als würde er uns nicht beobachten. Doch ich erwischte ihn ein paar Mal, wie er zu uns sah.
"Seid ihr jetzt zusammen?", fragte er ganz nebenbei. Alice sah mich fragend an. Ich antwortete nicht. "Wir lernen uns noch ein bisschen kennen", meinte sie nur. Dylan lachte ungläubig. Konnte ich verstehen. Immerhin hatten Alice und ich uns gestern geküsst. "Alice? Kann ich kurz mit dir reden?", fragte ich. Sie nickte und wir gingen in die Küche. "Ich starte schon mal den Film!", rief Dylan uns zu.

"Was gibt's?" Ich atmete tief ein und aus. "Wie wäre es, wenn wir uns wirklich noch besser kennen lernen würden? Ich weiß, dass du auf Dylan stehst, aber er hat, tut mir leid, wenn ich das jetzt so sage, keine Interesse an dir." Ich wartete, damit sie etwas darauf sagen konnte. Doch Alice schwieg. Ich sah sie erwartungsvoll an. "Okay. Lernen wir uns kennen. Aber ich würde Dylan gerne sagen, dass wir zusammen wären. Ein letzter Versuch noch. Wenn er dann immer noch glücklich ist, gebe ich auf. Einverstanden?" Ich lehnte mich an dem Schrank an und dachte nach.
War das wirklich so eine gute Idee? Ihn glauben zu lassen, wir seien zusammen? Doch sie gab mir auch eine Chance, also nickte ich.


Zwei Tage später waren wir verabredet. Ich hatte einen Anzug an und wartete vor dem Restaurant. Ein Auto fuhr vor. Alice kam heraus. Sie hatte ein Dunkelblaues Kleid an, dass ihre Augen betonte. Ihr Haar waren zu einem seitlichen Zopf geflochten. "Hey Tom!", begrüßte sie mich. Wir umarmten uns. "Hallo Alice. Wollen wir?", fragte ich und bot ihr meinen Arm an. Sie hängte sich ein und gemeinsam betraten wir das Restaurant.
Es war wunderschön eingerichtet. Man ging auf einem roten Teppich zum Haupteingang. Die großen Tische waren mit roten Tüchern bedeckt, die Stühle waren golden gefärbt. Auf jedem Tisch stand eine Vase mit einer Rose. Doch das Prunkstück war die Bühne neben der Bar. Dort spielte eine Band und eine Frau mittleren Alters sang dazu. Sie hatte eine weiche, beruhigende Stimme. Die Atmosphäre war entspant und man fühlte sich wohl.
Alice strahlte über das ganze Gesicht. Wir suchten uns einen Tisch nahe der Bühne aus. Wir bestellten uns etwas zu trinken und fingen an zu reden.
"Warst du schon einmal hier?", fragte ich sie.
"Nein, noch nie. Es ist wunderschön!"
"Ich dachte mir bereits, dass es dir gefallen würde", entgegnete ich und lächelte.
"Das Essen ist aber schon unglaublich teuer! Gott, ein Eis kostet das Dreifache, als wenn man es in einem 'normalen' Restaurant kauft! Ich kann mir das alles gar nicht leisten!"
Ich lächelte wieder. Sie war das hier nicht gewohnt, dass merkte man ihr an.
"Keine Angst. Ich zahle." Sie sah mich dankbar an. Auf einmal fing sie an zu kichern.
"Wir kennen uns gerade mal 4 Tage und schon zahlst du mir teures Essen!"
Jetzt fing ich auch an zu lachen. Es hörte sich irrsinnig an, aber ich hatte das Gefühl, als würden wir uns schon länger kennen. Wir schwiegen eine Weile und der Kellner brachte uns die Getränke.
"Warum machst du das eigentlich?", fragte Alice. Ich war verwirrt und antwortete: "Ich finde, es gehört sich, dass der Mann zahlt, wenn man ausgeht."
"Nein, ich meine, warum wolltest du mich unbedingt kennen lernen? Immerhin wollte ich dich nur ausnutzen!" Ihre Stimme war etwas lauter geworden. Schuldbewusst schaute sie zur Bühne. In ihren Augen glitzerten Tränen. "Alice." Ich suchte ihren Blick, doch sie wich aus. "Alice. Sieh mich an!" Langsam sah sie mich an. "Alice. Es macht mir nichts aus, dass du mich ausnutzen wolltest. Immerhin hatte ich das Gleiche mit dir vor." Ich machte eine Pause und sie wischte sich eine Träne weg. "Ich will dich kennen lernen, weil du ein wirklich kluges, hübsches und interessantes Mädchen bist!" Ihre Wangen röteten sich. Sie brachte ein leises "Danke" heraus. Ich bereute es nicht, dies gesagt zu haben.  Ich fing an, sie wirklich zu mögen.

Wir standen vor dem Restaurant, es war elf Uhr am Abend. Alice kramte in ihrer Handtasche. "Verdammt! Ich habe den Hausschlüssel vergessen!" "Hat irgendjemand einen Ersatzschlüssel?",fragte ich. "Ja, meine beste Freundin, aber die ist ist in Las Vegas. Sie kommt erst morgen am Abend zurück." "Du kannst bei mir übernachten." "Passt das? Du hast mir jetzt schon das teure Essen gezahlt, ich möchte dir nicht zur Last fallen!" Ich lächelte nur. Als ob das für mich eine Last wäre. "Nein, komm ruhig mit!" Sie küsste mich auf die Wange. Ich bekam eine leichte Gänsehaut. "Dann fahren wir. Du musst mir nur den Weg zeigen!"

Ein paar Minuten später waren wir angekommen. Alice war erstaunt über das Haus. Aber das war ich gewohnt. "Meine Eltern haben es mir gekauft. Sie wohnten für einige Zeit hier, zogen aber vor ein paar Monaten nach England zurück. Jetzt gehört es mir. Meine Schwester wohnt zwei Straßen weiter, aber ich sehe sie nicht oft", erzählte ich ihr, während wir hinein gingen. "Wie lange hast du in England gelebt, bevor du hergezogen bist?" Sie war neugierig. "Als ich vier war, sind wir umgezogen." Sie betrachtete die Filmplakate meiner Eltern. "Sind deine Eltern auch Schauspieler?" "Mehr oder weniger," Alice sah mich nur noch neugieriger an. Doch ich sagte nichts.
Ich ging ins Schlafzimmer und räumte etwas auf, bevor ich ihr alles zeigte. "Das Badezimmer ist gleich neben dem Schlafzimmer. Hier ist die Küche und das Wohnzimmer." Sie strich über die Kommode, die neben der Tür stand. "Du kannst in meinem Schlafzimmer schlafen, ich übernachte auf der Couch", sagte ich. "Oh nein. Ich schlafe auf der Couch! Immerhin ist es dein Haus", meinte sie aufgebracht. Ich lachte nur. "Hör auf!", rief sie und warf mich mit einem Kissen ab. "Hey!" Ich schoss ein Kissen in ihre Richtung und eine wilde Kissenschlacht begann. Wir begannen uns Burgen zu bauen und eine Art Meisterschaft zu machen. Natürlich nicht, ohne sie zu kommentieren.
"Auf der einen Seite: Team Sangster mit verbesserten Waffen."
"Auf der anderen Team Cooper mit neuer Wurftechnik."
"Beide Teams bereiten sich auf das große Spiel vor."
"Da! Der erwartete Anpfiff!"
"Der erste Schuss kommt von Team Sangster.Und... Treffer! Genau in das Gesicht von dem Captain, Alice Cooper."
"Doch diese revanchiert sich mit einem Angriff! Achtung! TREFFER!"
So ging das Spiel weiter. Irgendwann traf ich eine Blumenvase, die krachend zu Boden flog.
Alice sagte darauf nur: "Und Out! Team Cooper GEWINNT!"
"Das gilt nicht!", sagte ich gespielt sauer. "Tut mir leid! Out ist nun mal out!" Sie stand auf und kam zu mir. Alice streckte mir ihre Hand entgegen. "Gut gespielt, Mister Sangster!"  Ich ergriff sie. "Danke. Ebenfalls, Miss Cooper." Ich überraschte sie mit einer Kitzelattacke. Sie war kitzlig, sehr kitzlig. "Hör auf!", rief sie zwischen den Lachanfällen. Sie wehrte sich, schließlich hörte ich auf. Erschöpft legten wir uns in den Kissenhaufen. "Tom?", flüsterte sie irgendwann. "Es war sehr schön - das heute Abend." Alice drehte ihren Kopf und wir sahen uns in die Augen. "Find ich auch." Wir kamen uns näher und näher. Mein Herz schlug immer schneller. behutsam legte ich meine Lippen auf ihre. Der Kuss war etwas länger als der letzte. Doch etwas war anders. Mein Puls war erhöht, mein Herz raste. Ich zog sie zu mir und legte meine Hand auf ihre Taille. Doch irgendwann stoppte sie. Ich bekam keine Luft mehr, sie anscheinend auch nicht. "Wir...", begann sie, "wollten es langsam angehen." Ich nickte nur.  "Okay." Wir schauten uns wieder einfach nur an.  "Wie spät ist es eigentlich?", fragte Alice.  Ich sah auf die Uhr. "Halb eins."  "Ich geh dann mal schlafen", flüsterte sie. Ich nickte. Wir standen beide auf, sie half mir beim Aufräumen. "Gute Nacht!", sagte ich. Ich machte es mir auf der Couch bequem. Nach einer Stunde glitt ich in einen unruhigen Schlaf.

Die ersten Sonnenstrahlen schienen durch das Fenster. Sie weckten mich auf, doch ich war immer noch im Halbschlaf. Neben mir erblickte ich Alice, sie hatte sich in der Nacht zu mir gelegt. Ihr Körper hebte und senkte sich kaum merklich. Sie hatte sich ein T- Shirt von mir ausgeborgt. Es war ihr eine Spur zu groß. Ich stand langsam auf, um sie nicht aufzuwecken. Ich ging auf Zehenspitzen in die Küche, schloss die Tür hinter mir und machte mir Kaffee. Plötzlich stand Alice an der Tür. "Mhm. Hier riecht es gut. Hast du was zu essen da?" Sie hatte keine Hose an und ihre Haare waren noch ganz durcheinander. Sie sah umwerfend aus. "Ich kann dir Eier und Toast machen. Breakfast in Sangster-Art.Oder British-Art. Du darfst es dir aussuchen!" Sie lachte. "Wie du willst. Aber ich würde Sangster-Art vorziehen." Auf eimal klingelte des. "Soll ich aufmachen?" Es war die Tür gewesen. Ich schüttelte den Kopf und ging in den Flur. Ich schloss auf. Ich erstarrte als ich erkannte, wer vor mir stand.
Es war ein junger Mann, den ich nicht kannte. Und Jeremy.

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