Xantina- Orc Assassine (9)

Auf einmal fühlte sich die junge Orcin müde und matt und stützte ihren Kopf auf ihre Hände. Dann schaute sie wieder Cromnios an, dessen Ausdruck Aufrichtigkeit und Mitgefühl ausdrückte. Ihr Blick wanderte rüber zu Kybelia... ihrer Mutter. Und auf einmal glaubte sie tatsächlich, eine Ähnlichkeit zwischen ihr und sich zu bemerken. Kybelia hatte beinahe dieselbe Haarfarbe wie sie, die beinahe selbe Augenfarbe. Sie besass sogar eine etwas gelbliche Haut. Es konnte gut sein, dass sie, Xantina eine Halbmenschfrau war. Sie war schon immer etwas aussergewöhnlich gewesen.

„Aber...wie kann das zugehen? Eine Menschenfrau, die ein Kind zeugt mit einem Orc?“ fragte sie dennoch. „Eure Rasse findet unsere doch furchterregend und hässlich?“ Auch dass ein Orc sich in eine Menschenfrau verliebt, ist schwer vorstellbar. Immerhin seid ihr unsere ärgsten Feinde!“ „Das ist deine Ansicht Xantina. Doch wir sind nicht dir grössten Feind der Orc's. Wir haben sogar in gewisser Weise eine Allianz geschmiedet mit euch. Lady Prachtmeer, welcher ich diene, hält grosse Stücke auf Thrall und auch die Orc's. Doch leider gibt es auf beiden Seiten solche, die das nicht gerne sehen und immer wieder Zwietracht säen, was dann wieder Streitigkeiten zur Folge hat. Unsere allergrössten Feinde sind die Dämonen, die noch immer durch unsere Welt streifen. Diese müssen wir bekämpfen.“ „Ja,“ sprach der Troll „mir ist das auch bewusst geworden, durch alles was geschah. Ich muss dir leider sagen Xantina: Asurania dient dem Schattenrat!“

„Waas?! Nein das glaube ich nicht! Asurania verbündet sich nicht mit Dämonen, sie unterwirft sie. Es kann nicht sein, dass sie etwas mit dem verderblichen Schattenrat zu tun hat!“ „Es ist aber so, ich kann es vor dem Angesicht aller Götter schwören, dass ich die Wahrheit spreche!“ Cromnios Stimme klang überzeugt, als er das sagte und Xantina kannte die Trolle gut genug, um zu wissen, dass sie keinen leeren Schwur sprachen. „Cromnios hat leider Recht Xantina,“ sprach Kybelia bekümmert. Sie legte Xantina tröstend die Hand auf den Arm und die Orcin liess es geschehen. Kybelia streichelte ihr nun über die Wange und sprach voller Liebe: „Ich habe dich zur Welt gebracht mein Kind. Ich habe dich viele Monate unter dem Herzen getragen und dich dann geboren. Du warst ein grosses Kind, die Geburt war nicht einfach, aber ich habe es geschafft. Ich wollte es schaffen, weil ich dich und deinen Vater von Herzen liebte. Ich habe Thralliok nie ganz vergessen.

Ich weiss es klingt unglaublich, dass sich eine Menschefrau in einen Orc verlieben kann, aber es ist geschehen. Das Wesen deines Vaters, hat mich einfach in seinen Bann geschlagen. Er ist so edel und so gut und auch so leidenschaftlich. Ja und damals am Mondfest, wurde auch meine Leidenschaft für ihn geweckt. Wir hatten nur diese eine Nacht... damals auf der Mondlichtung, im Schatten der gewaltigen, heiligen Bäume und im Schein der hundert Irrlichter, die uns umschwebten. Warme Feuer brannten damals, alle Völker gingen ganz natürlich miteinander um. Es war wie im Paradies und diese Atmosphäre hat uns einfach übermannt. Wir verliebten uns ineinander. Es ist einfach so passiert, wie... Magie. Es ist schwer zu beschreiben. Es reichte jedenfalls, um dich zu zeugen. Doch schon bald erkannte ich, dass du es schwer haben würdest in meiner Welt, du hast einfach zu sehr wie eine Orcin ausgesehen und es gab doch einige die dich und auch mich, die ich mich mit einem Orc eingelassen hatte, verachteten und schlecht behandelten.

Schliesslich entschied ich schweren Herzens, dich nach Ogrimmar in die Obhut deines Vaters zu geben. Ich dachte es sei das Richtige, aber ich hätte nie gedacht, dass du einst in die Fängen von Asurania und der Brennenden Klinge geraten könntest. Dein Vater und ich schreiben uns noch oft. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen wieder getrennt. Doch ich weiss, dass auch er sich grosse Sorgen um dich macht. Er macht sich auch oft Vorwürfe, weil du unter schlechten Einfluss geraten bist. Warum nur, ist es so weit gekommen? Was haben wir falsch gemacht, meine Tochter? Was nur?“ „Ihr...habt nichts falsch gemacht!“ entfuhr es Xantina, auch wenn sie eigentlich anders hätte reagieren wollen. „Es war... Asurania. Sie hat mich mit den Assassinen zusammengebracht und auch... mit der Brennenden Klinge.“ Gerade als sie das sagte, wurde ihr plötzlich mit aller Deutlichkeit bewusst, dass sie vermutlich tatsächlich  die ganze Zeit nur ein Instrument gewesen war. Ein Instrument, das einst Asurania helfen sollte, ihre Ziele zu erreichen. Aus irgendeinem Grund, hatte Xantina Vertrauen in Kybelia und den Troll. Sie glaubte nicht, dass diese sie anlogen. Ausserdem liessen sich deren Worte ja überprüfen. Es reichte, wenn Xantina mit ihrem Vater sprach. Doch diese ganzen Erkenntnisse trafen sie wie ein kalter Schlag. Sie hatte auch Asurania vertraut, nur um jetzt herauszufinden, dass sie sie immer nur benutzt hatte. Und der Gedanke, dass diese nun auch noch mit Dämonen paktierte, war schrecklich. Sie musste dieser Sache unbedingt auf den Grund gehen. Wenn Asurania wirklich eine Dienerin des verderblichen Schattenrats war, dann wollte sie nichts mehr mit ihr zu tun haben. Und auch die Brennende Klinge verlor immer mehr an Faszination, jetzt das sie die ganze Wahrheit kannte.

Auch Cromnios hatte nach seinem Gewissen gehandelt und nun hatte er sich sogar mit einer Menschenfrau verbündet, einer Menschenfrau, die dazu noch Xantina's Mutter war! Sie schaute Kybelia an und auf einmal bewegten sie seltsame Gefühle. Es war, als ob irgendwas in ihr zerbrechen würde. Doch es war ein angenehmes Gefühl. Es war, als ob das Eis um ihr Herz schmelzen würde- jenes Eis, dass ständig diese Kälte und Beklemmung in ihr erzeugt hatte. Es war eine seltsame Befreiung. Sie wusste, dass sie bisher immer von wundervollen, unsichtbaren Mächten beschützt und geleitet worden war. Asurania hatte sie betrogen, Asurania der sie so vertraut, die sie so bewundert hatte. Xantina hatte darüber hinaus vergessen, wer es wirklich gut mit ihr meinte. Sie wurde von ihrem Vater geliebt und sie wurde auch von ihrer Mutter geliebt, das las sie in deren Augen. Es war ein anderer Ausdruck in ihren Augen, als in den Augen von Asurania und ihre Mutter strahlte etwas aus, das sie tief in ihrem Herzen anrührte. Sie hatte die Menschen immer gehasst, sie verachtet. Dabei... hatte sie selbst menschliches Blut. Konnte man sein eigenes Fleisch und Blut hassen? Es fiel ihr nun immer schwerer.

Sie schaute aus dem Fenster des Hauses, in dem ihre leibliche Mutter lebte. Es war ein wunderschöner Ausblick! Mittlerweile war es Abend geworden und der Himmel über den Düstermarschen und der, nun wie ein weiss-roter Diamant leuchtenden Stadt Theramore, hatte eine rote Färbung angenommen. Es sah irgendwie aus, als würde das Firmament in Flammen stehen. Als würde alles Alte sterben, um am nächsten Morgen wie Phönix aus der Asche wiedeaufzuerstehen. Xantina hatte auf einmal das Gefühl, dass die äussere Welt, ihr Innerstes wiederspiegelte. Das weite Meer war auch zu sehen. Es war glasklar, so klar, dass man jede Unebenheit des Grundes sehen konnte! Weit, so weit war dieses Meer, so weit und klar! Sollte nicht auch Xantina's Leben so sein: Weit und klar, ohne ständige Schatten ohne verstorbene Seelen, die sie Tag und Nacht heimsuchten?

Jetzt da sie hier bei ihrer Mutter war, an diesem friedvollen Ort, da war es, als bekäme die junge Halborc- Frau ein Stück ihrer selbst zurück.

Kybelia trat zu ihr und legte den Arm um sie, während sie zusammen die Abendstimmung genossen. Cromnios hatte sich diskret zurückgezogen. Die Berührung ihrer Mutter was so voller Liebe, so voller Wärme und Geborgenheit. Xantina hatte das noch nie erlebt. Auf einmal erfasste sie Trauer, Trauer darüber, dass sie bisher das Leben und all die Menschen die sie wahrlich liebten, nicht richtig geschätzt, nicht richtig erkannt hatte. Sie war nur ihrem eigenen Weg gefolgt, getrieben von Hass, Rachsucht und Mordlust. All das wollte sie nun am liebsten hinter sich lassen, um endlich befreit zu werden. Ihr altes Leben verschwand immer mehr, wie die Abendsonne hinter dem Horizont. Ein neues Leben wartete nun auf sie…

Ende

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