Zwei Monate später

Ich bin gerade mit der Straßenbahn auf dem Weg in die Stadt, zum einkaufen. Da klingelt mein Handy. „Sophie“ zeigt das Display an und ich stöhne innerlich auf. Wir haben uns nach der gemeinsamen Nacht vor zwei Monaten nicht wieder gesehen. Warum also ruft sie mich jetzt an?
Ich nehme den Anruf an.
„Hallo Sophie, wie geht’s?“, grüße ich sie.
Am anderen Ende bleibt es still.
„Sophie?“, frage ich.
„Ich muss mit dir sprechen“, tönt es in mein Ohr. Sophie's Stimme klingt sachlich und etwas kühl, so als würde sie etwas vor mir verbergen wollen.
„Ja, gut. Worum geht’s?“, antworte ich ihr.
„Das kann ich dir nicht am Telefon sagen. Ich will dich sehen und direkt mit dir sprechen“, kommt es von ihr zurück. Ihre Stimme klingt immer noch ungewohnt kühl.
„Ernsthaft? Ich bin in nächster Zeit echt ausgeplant...“, entgegne ich ihr. So voll ist mein Terminkalender zwar nicht, aber ich will mir nicht einfach so Zeit für sie nehmen – zumal wir seither nicht nochmal von einander gehört haben.
Dann ist es kurz still zwischen uns beiden, bis es plötzlich aus ihr herausplatzt:
„Scheiße, Tim! Ich bin schwanger!“
Ich bin geschockt. Ist das Kind von mir? Haben wir damals nicht verhütet? Doch dann wische ich den Gedanken beiseite. Sicherlich hat sie mit noch mehr Männern als nur mit mir geschlafen.
„Und? Was geht mich das an? Brauchst du etwa Hilfe?“, frage ich deshalb.
„Wie man es nimmt“, meint sie spitz, „es ist von dir!“
Jetzt bin ich sprachlos. Ich bin überrascht – auch wenn ich es fast erwartet habe.
„Du musst es abtreiben!“, schießt es aus mir heraus.
„Das kann ich nicht“, erwidert sie.
„Ich will aber nicht Vater werden.“
„Das hättest du dir früher überlegen sollen“, kontert sie kalt.
Die Türen der Straßenbahn schließen sich gerade wieder und eine rote Lampe bedeutet mir, dass ich jetzt nicht mehr aussteigen kann. „Liebigstraße“ lese ich an der Haltestellen-Anzeige. 'So ein Mist', denke ich mir, 'das war meine Station...'

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