Auch dieses Jahr darf ich wieder bei dem tollen Adventskalender von Riley Mcforest mitwirken.
Vielen Dank dafür! Ich freue mich auf die tollen Geschichten. ❤️
Mein Stichwort ist: verknotete Lichterkette
Die Protagonisten stammen aus meiner Schattenseiten-Trilogie :)
Jetzt viel Spaß beim Lesen!
CN: Erwähnung von Kindesmissbrauch
***
Konstantin
Warum nur tue ich mir das hier an?, fragte ich mich zum wiederholten Male und doch muss ich nur in die begeisterten Gesichter der Mädchen schauen, um die Antwort zu wissen: aus Liebe.
Das Haus ist kaum wiederzuerkennen. Überall stehen Dinge herum, die heutzutage mit Weihnachten in Verbindung gebracht werden: Pyramiden, Schwibbögen, Räuchermänner und diverses Grünzeug oder Dekokram, den ich nicht aufzählen will.
Mia und Annika sind im Weihnachtsfieber und Valeria unterstützt die beiden, wo sie nur kann.
Warum sie das tut? Weil unsere Adoptivtöchter kein schönes Weihnachtsfest kannten, bis sie zu uns gekommen sind – oder generell ein liebevolles Zuhause.
Noch immer erfüllt es mich mit Wut, wenn ich an die ehemaligen Pflegeeltern der Mädchen denke. Doch mittlerweile sitzt dieser Abschaum hinter Gittern und wird nie wieder Kinder missbrauchen können.
Es hat eine Weile gedauert, bis die Kinder uns vertraut haben. Nach dem, was sie durchmachen mussten, ist das kein Wunder. Vor allem Annika, die ältere der beiden, war sehr skeptisch und ließ Mia nie aus den Augen. Diese hingegen zog es sofort zu meiner Gefährtin Valeria. Vielleicht weil Mia mit ihren fünf Jahren noch ein viel größeres Bedürfnis nach einer Mutter hat als eine Zwölfjährige. Oder es liegt daran, dass in der kleinen Maus magische Fähigkeiten schlummern.
Tatsächlich ist das der Grund, warum ich dieser ganzen Geschichte im Kern zugestimmt habe. Als Vampir bin ich nicht gerade ein Vorzeige-Adoptivvater und meine Arbeit als Vollstrecker macht es nicht einfacher. Wer abtrünnige Vampire jagt, kann es sich eigentlich nicht leisten, Familie oder nur eine Partnerschaft zu haben, denn diese würden mich verwundbar machen. Doch das Schicksal hat offenbar seine eigenen Pläne.
Ein fröhliches Glucksen ertönt und sofort blicke ich zu den zwei Winzlingen, die unter ihrem Spielbogen liegen und voller Begeisterung auf die bunten Sterne und lustigen Tiere schauen, die vor ihren Gesichtern baumeln.
Vom Einzelkämpfer zur Großfamilie in nicht einmal einem Jahr, denke ich und muss trotz allem schmunzeln.
Ja, es ist verdammt anstrengend und manchmal vermisse ich die Ruhe. Doch diese kleinen Wesen geben mir einen Teil meiner Menschlichkeit zurück, die ich vor fast fünfhundert Jahren verloren habe.
"Kommst du voran?"
Valerias sanfte Stimme holt mich aus meinen Gedanken. Instinktiv ziehe ich meine Gefährtin an mich und stehle ihr einen Kuss. Viel Zeit für Zärtlichkeiten bleibt uns mit den Zwergen nicht, deswegen nutzen wir jede Gelegenheit.
Mit einem kleinen Seufzer schmiegt sie sich an mich und in diesem Moment bin ich einfach nur dankbar, dass ich diese wundervolle Frau an meiner Seite habe.
"Ich liebe dich", murmle ich an ihren Lippen.
"Ich liebe dich auch."
Ihre grauen Augen sehen mich glücklich an. Sie sind das einzige sichtbare Zeichen für unsere besondere Verbindung, denn bevor wir uns begegnet sind, waren sie dunkelbraun. Nun gleichen sie mehr der Farbe meiner Iriden, wobei Valerias freundliches Wesen ihnen einen warmen Ausdruck verleiht.
"Ich bin so gut wie fertig", antworte ich mit Blick auf die verknoteten Kabel mit den kleinen Lämpchen. "Allerdings denke ich, dass ich die Lichterkette dieses Jahr besser alleine aufräumen sollte."
Valerias herzliches Lachen erzeugt ein warmes Gefühl in meiner Brust. Für einen Augenblick spüre ich meinen Herzschlag wieder. Eine Nebenwirkung der Gefährtenbindung.
"Besser wäre es wahrscheinlich. Die Frage ist nur, ob es dir gelingen wird."
Ich zwinkere ihr zu. "Es gibt Mittel und Wege, um das zu erreichen. Jetzt entknote ich erst einmal den Rest der Lichterkette. Sonst kommen noch Beschwerden, weil sie den Baum nicht schmücken können."
"Dann beeile dich lieber. Ich glaube, das sind die letzten beiden Räuchermänner ", rät Valeria mir.
Mit einem Seufzer hocke ich mich wieder vor meine Kiste und entwirre das Kabel. Dann stehe ich mit der nun brauchbaren Lichterkette auf und beginne, sie im Baum zu drapieren.
"Papa, Papa! Bist du fertig? Können wir schmücken?", fragt Annika schon im nächsten Moment.
"Gleich, Schatz. Sucht euch doch schon einmal die Kugeln aus, die ihr nehmen wollt."
Mit einem Nicken deute ich auf eine große Kiste mit Baumschmuck. Ich befürchte kein Chaos oder Scherben, denn solange wir kleine Kinder im Haus haben, sind die wertvollen Glaskugeln sicher außerhalb ihrer Reichweite verstaut. So können sich Annika und Mia betun und keiner muss Angst haben, dass etwas zu Bruch geht oder sich jemand verletzt.
Mit halbem Ohr lausche ich der Diskussion, welche Farbe dieses Jahr dran ist. Letztes Jahr hatten Blau und Silber das Rennen gemacht. Heute scheint es auf klassisches Rot hinauszulaufen.
Für die letzte Reihe Lichter hole ich eine Leiter.
Ein Glück, dass im Haus so viel Platz ist. Mit Mia einen Baum kaufen zu gehen, resultiert irgendwie immer darin, dass er größer wird als geplant. Aber wer kann diesen süßen blauen Augen schon widerstehen?
Ich zu meiner eigenen Überraschung nicht. Valeria ist da deutlich resistenter. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Kleine mich an meine Schwester Agnes erinnert, der ich als Mensch auch nichts abschlagen konnte. Sie war ungefähr im selben Alter wie Mia jetzt, als ich starb.
"Papa, Papa! Hebe mich bitte hoch!", erklingt es in meinem Kopf. Lächelnd schaue ich zu Mia herunter, die leicht an meinem Hosenbein zieht und einen großen goldenen Stern in der Hand hält. Noch suchen wir nach einer Möglichkeit, Mia ihre Stimme wiederzugeben. Bis dahin läuft die Kommunikation innerhalb der Familie oft in Gedanken und außerhalb über Gebärden.
"Natürlich, Maus."
Ich steige hinunter, schnappe mir das kleine blonde Mädchen und gebe ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Freudig quietscht sie leise, bevor ich sie auf die Leiter stelle und mit ihr zusammen den Stern auf der Spitze platziere.
*
Etwa eine Stunde später hängt die letze Kugel am Baum. Glücklich und zufrieden kuscheln die Kinder sich neben Valeria und mir auf das Sofa.
"Schön!", jauchzt Annika und bestaunt den beleuchteten Baum. Überall im Haus sind kleine Lichter verteilt, die der Dunkelheit des Winters eine heimelige Wärme verleihen.
Die Zwillinge können sich gar nicht satt sehen. Miranda versucht leise glucksend eine tief hängende Kugel zu erreichen, während Raphael mit offenem Mund das Licht- und Schattenspiel der Pyramide auf dem Tisch verfolgt.
"Frohe Weihnachten, Konstantin", murmelt Valeria und lehnt ihren Kopf auf meine Schulter.
"Frohe Weihnachten", antworte ich und gebe ihr einen Kuss auf den Scheitel.
Keine Ahnung, was die nächsten Jahre bringen werden, doch meine Familie ist und bleibt das wertvollste Geschenk, dass ich jemals erhalten habe.
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Ich hoffe, ihr hattet Freude mit dieser kleinen Geschichte und seid jetzt in Weihnachtsstimmung. :-)
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Frohe Weihnachten!