14. Dezember

Hermine war gerade dabei, ihren Adventskalender zu plündern, als ein Klopfen an ihrer Wohnungstür sie inne halten ließ. Wer würde an einem Sonntagvormittag bei ihr klopfen? Sie hatte doch sicher keine Verabredung mit Ginny vergessen? Und auch sonst hatte sich eigentlich niemand angekündigt, entsprechend verwundert ging sie an die Tür.

Leider wurde sie sich erst bewusst, dass sie in ihrem morgendlichen Kleidungsstil absolut nicht präsentabel war, als sie die Tür bereits geöffnet hatte. Vor ihr stand kein geringerer als Draco Malfoy, der ob ihres weiten Pullis und ihrer bequemen Wollhose amüsiert die Augenbrauen hob.

„Was willst du hier?“, fragte Hermine, die Arme vor der Brust verschränkt.

„Dir auch einen schönen guten Morgen“, erwiderte Draco grinsend: „Bist du etwa noch nicht aufgestanden? Es ist schon zehn Uhr durch.“

„Ich bin schon lange wach!“, fauchte sie verlegen: „Was ich anhabe, ist bequem, also spar dir deine Kommentare. Was willst du?“

„Denkst du nicht, es wäre höflich, mich zumindest in die Wohnung zu bitten?“

„Nein“, gab Hermine ungeduldig zurück: „Du hast mir noch keinen Grund für deine Anwesenheit genannt, also werde ich dich sicherlich nicht reinlassen.“

„Schön, dann besprechen wir es eben auf dem Hausflur“, meinte Draco schulterzuckend: „Peinlich ist das höchstens für dich.“

„Hättest du vielleicht die Güte, mir endlich zu sagen, was du hier willst?“

„Ein kleines Vögelchen hat mir gezwitschert, dass du bei meiner Klausur am Dienstag schummeln willst.“

„Was?“, war alles, was Hermine sagen konnte. Sie hatte nicht die geringste Vorstellung, wie Draco auf diese abwegige Idee kommen könnte. Der jedoch sah nicht so aus, als ob er scherzen würde, entsprechend gab sie sich einen Ruck und trat einen Schritt zurück: „Schön, komm halt rein und erzähl mir, wo du so einen Blödsinn her hast.“

Mit einer ironischen Verbeugung trat Draco an ihr vorbei in ihr Wohnzimmer. Was er sah, überraschte ihn: Die Wohnung war mehr als klein, nicht einmal für eine eigene Küche reichte es, wie er mit einem Blick auf Hermines Kochecke feststellte. Fragend drehte er sich zu ihr um: „Habt ihr Kriegshelden denn kein Gold für eure Mühen bekommen?“

„Doch, sicher“, erklärte Hermine: „Aber ich habe es gespendet für all jene Familien, die unter dem Krieg wirklich zu leiden hatten. Ich sehe nicht ein, was ich mit so einer unfassbaren Summe an Geld soll, wo es doch andere gibt, die es viel nötiger brauchten. Ich bin sehr gut in der Lage, mir meinen Lebensunterhalt selbst zu finanzieren.“

„Deine Wohnung sieht aber nicht gerade nach sehr gut aus.“

Genervt ballte Hermine ihre Fäuste: „Es mag einem Sohn aus dem Hause Malfoy vielleicht als armselig erscheinen, aber mir reicht es völlig aus. Ich habe ein Bett, einen Schreibtisch, einen Bücherschrank und eine Küche. Und ein Bad. Mehr brauche ich nicht, zumindest im Moment. Und ehe du jetzt weiter auf meinen Finanzen rumhackst, könntest du endlich zum Grund deines unerwünschten Besuches kommen.“

„Schön“, sagte Draco ebenso genervt: „Du könntest mir übrigens einen Tee anbieten. Oder einen Kaffee.“

„Einen Teufel werde ich tun!“, erwiderte Hermine ungeduldig: „Ich biete dir einen Platz auf dem Sofa an, das ist alles, was du hier zu erwarten hast.“

Sichtlich zornig ob der unfreundlichen Behandlung ließ Draco sich auf das überraschend bequeme Sofa vor einem kleinen Kamin fallen. Er wartete, bis Hermine sich in den daneben stehenden Sessel gesetzt hatte, dann sagte er unumwunden: „Ich hatte gestern Besuch von Lydia. Sie wollte von mir die Klausuraufgaben haben, damit du ihr heute die Antwort zusammenstellen kannst. Als dein Professor muss ich diesem Betrugsversuch nachgehen.“

„Bitte was?“, fragte Hermine empört: „Dieses dumme Huhn. Sie wollte gestern mit mir lernen, bis ihr plötzlich zwischen allen Schwärmereien für dich einfiel, dass sie einfach von dir die Unterlagen erfragen könnte. Sie hat dann vorgeschlagen, dass ich ihr heute beim Lösen helfen könnte … und ich habe ihr zugesagt, aber natürlich ironisch. Ich habe keine Sekunde daran geglaubt, dass du die Aufgaben rausrücken würdest.“

Kritisch musterte Draco sie, doch schließlich trat ein breites Grinsen auf sein Gesicht: „Sowas hab ich mir schon gedacht, ehrlich gesagt. Als ob Fräulein Liebling-der-Lehrer auch nur eine Sekunde daran denken würde zu betrügen.“

„Und warum bist du dann hier, wenn du dir das eh denken konntest?“

„Ich wollte sicher gehen“, erklärte Draco: „Und es hat mich interessiert, ob du Lydia dazu angestachelt hast. Ob du glaubst, dass ich gute Noten gegen Sex vergebe.“

Misstrauisch betrachtete Hermine ihn, doch da sie nicht feststellen konnte, dass er seine Aussage ironisch gemeint hatte, beschloss sie, doch noch ihre gute Kinderstube heraus zu kramen und eine gute Gastgeberin zu sein: „Akzeptiert. Möchtest du vielleicht doch einen Kaffee?“

„Schwarz, bitte.“

„Natürlich schwarz“, murmelte Hermine augenrollend, doch sie verkniff sich einen weiteren Kommentar über Klischees, die Draco offensichtlich zu erfüllen versuchte, und ging zu ihrer Kochecke, um für beide eine Kanne Kaffee aufzusetzen.

„Ehrlich gesagt“, begann sie, während das Wasser sich langsam seinen Weg durch den Filter suchte: „Ich halte dich für anständig genug, keine Schüler zu bevorzugen, zumindest nicht so sehr, dass sie in der Schule Vorteile hätten.“

Ein ehrliches Lächeln erschien auf seinem Gesicht: „Da bist du vermutlich die einzige, die so denkt. Ohne deinen guten Freund Potter hätte ich wohl den Job gar nicht bekommen, weil man mich für zu unehrlich und vor allem nicht vertrauenswürdig gehalten hat.“

Hermine schüttelte den Kopf: „Damit wären es ja mindestens zwei, immerhin hat Harry dir auch was zugetraut, sonst hätte er sich nicht für dich eingesetzt. Und überhaupt, ich denke, die Leute im Ministerium wissen inzwischen, was sie an dir haben.“

„Granger“, sagte Draco ernst und beugte sich zu ihr vor: „Du bist mir ein Rätsel. Deine unfreundliche Begrüßung an der Tür kann ich ja verstehen, das habe ich erwartet. Aber dass du jetzt so weit gehst und mir sogar Komplimente machst, verstehe ich nicht. Du verhältst dich widersprüchlich.“

Hermine war dankbar, dass genau in diesem Augenblick der Kaffee fertig wurde, so dass sie einen guten Grund hatte, aufzustehen und ihm den Rücken zuzudrehen: „Nicht widersprüchlich. Die Gewohnheit sagt mir einfach, dass ich dich nicht mag und ich bei dir immer auf der Hut sein muss. Aber … wenn ich deine Anwesenheit mal länger als fünf Minuten ertrage, stellst du dich doch häufig genug als recht umgänglich heraus. Und dann bin ich freundlich.“

Mit hochrotem Gesicht schenkte Hermine zwei Tassen mit Kaffee ein, wobei sie sich extra viel Zeit ließ, ihre mit Milch zu versehen. Sie wollte eigentlich vor Draco nicht zugeben, dass er ihr manchmal regelrecht sympathisch war. Zu groß war die Wahrscheinlichkeit, dass er es absichtlich falsch interpretieren würde.

Kommentare

  • Author Portrait

    14 Kapitel später... Ich habe erst gestern mit deiner FF angefangen und finde, dass es endlich an der Zeit ist zu sagen, wie gut sie ist. Ich bin normaleweise kein Fan von FFs (auch wenn ich selber eine geschrieben habe, doch das war für Freunde), besonders keine über Harry Potter. Diese Bücher sind mir heilig und die meisten FanArbeiten sind furchtbar geschrieben und verschandeln eine Welt, in der ich allzu gern selbst leben würde (als Hexe versteht sich ^^). Deine Geschicht dagegen gefällt mir richtig gut, sie ist sehr gut geschrieben, man kann sich alles vorstellen und sie ist logisch aufgebaut. Außerdem hat sie einen roten Faden und wirkt nicht, als ob sie bis in die Unendlichkeit weiterginge, es scheint du hast ein Konzept. ^^ Des Weiteren bin ich auch kein Fan von fantasievollen Paarzusammenstellungen (auch wenn ich bis heute der Meinung bin, dass Harry und Luna VIEL besser zusammen passen, als er und Ginny) aber bei dir wirkt es locker und natürlich. Fast als sollte es tatsächlich so sein. Insgesamt mag ich deine Geschichte sehr (wer hat dir dafür bitte nur 3 Sterne gegeben!?!?!) und werde auf jeden Fall weiter lesen :-D Alles Liebe, Paula

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Feenstaub

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