19. Türchen


Interessiert beobachtete Draco, wie sich eine tiefe Röte auf Hermines Gesicht ausbreitete, die sogar bis runter zu ihrem Dekolletee ging. So reagierte keine Frau, die nur freundschaftliche Gefühle hegte. Er spürte, wie sein Mund sich unwillkürlich zu einem Grinsen verzog. Also wollte sie ihn doch, er hatte sich nicht geirrt. Sie war nur zu schüchtern, zu gefangen in der Vorstellung von sich selbst, als dass sie das zugeben würde. Das gab dem Ganzen eine neue Dimension, eine Herausforderung für ihn. Er würde sie schon davon überzeugen, dass sie zu ihren Gefühlen stehen konnte.

Mit einem Schluck leerte er sein Glas, stellte es auf den Couchtisch und nahm dann Hermine ihr Glas ab, nachdem sie es ihm gleich getan hatte. Langsam fuhr er mit seiner Hand höher: „Sag mir, Hermine, ist dein Herz tatsächlich so ungebunden, wie du vorgibst?"

Er hatte absichtlich ihren Vornamen genutzt und ihre Reaktion war augenblicklich da: Ihre großen Augen zeigten ihm, dass sie kaum glauben konnte, was er sagte. Oh ja, diese junge Frau vor ihm hatte Angst, aber es war nicht Angst vor ihm, sonst hätte sie sich seiner Berührung längst entzogen. Er rückte noch ein Stück näher, bis sein Bein sich gehen ihres presste, und noch immer rührte Hermine sich nicht vom Fleck.

„Draco", flüsterte sie und er musste an sich halten, nicht über die zittrige Stimme zu lachen: „Das ist nicht der Grund, warum ich hergekommen bin..."

Er legte ihr einen Finger auf die Lippen: „Ich verstehe dich, Hermine. Es ist schwer, seine Herzenwünsche offenzulegen, wenn sie einem selbst so verboten erscheinen. Aber ich bin hier für dich. Ich werde dich nicht auslachen."

Aufmerksam studierte er jede Regung in ihrem Gesicht. Da war etwas in ihren Augen, in der Art, wie sich in seine Berührung lehnte und trotzdem zögerte, sich ihm wirklich zu öffnen. Irgendetwas verbarg sie noch immer vor ihm, obwohl sie ihn aus diesen riesigen Rehaugen anstarrte und so offen wirkte. Es hätte ihn stören sollen, doch das Gegenteil war der Fall: Er wollte mehr wissen, wollte sie dazu bringen, sich ihm wirklich zu öffnen. Er war tatsächlich interessiert.

„Du verstehst nicht", erwiderte sie stur: „Ich kann nicht, Draco. Es wäre nicht aufrichtig von mir."

Er ließ seine Hand in ihren Nacken wandern, wo er mit einigen ihrer Locken spielte: „Was kann aufrichtiger sein, als dem Verlangen des eigenen Herzens nachzugeben?"

Sie rollte mit den Augen. Sie rollte tatsächlich mit den Augen, während er alles rausholte, was er sich an Verführungskünsten zugelegt hatte. Er wusste, dass sein Blick sich verfinsterte, doch er konnte nichts dagegen tun.

„Wenn ich immer nur auf mein Herz hören würde", erklärte Hermine streng: „Dann würde ich ziemlich viele Leute unglücklich machen."

Wieso nur mussten diese verdammten Gryffindor immer zuerst an andere Menschen denken? Sie saß hier, mit ihm, und er machte ihr ein so offensichtliches Angebot – wieso konnte sie da nicht einfach ihren Verstand ausschalten und sich ihm hingeben? Was musste er denn noch tun, um ihr zu zeigen, dass er es ernst meinte?

Nicht, dass er es wirklich ernst meinen würde. Es ging ihm noch immer nur darum, sie von der Vase und ihrem Job abzulenken. Aber er konnte auch nicht leugnen, dass er wirklich wissen wollte, was in ihrem hübschen Köpfchen vor sich ging.

„Okay, Granger, kapiert", sagte er ungeduldig: „Ich habe keine Ahnung, worüber genau du dir Gedanken machst, aber du kannst dich auf eines verlassen: Ich bin nicht der Typ Mann, der eine Frau erobert und dann überall damit prahlt. Wenn du es nicht willst, wird niemals jemand hiervon erfahren. Kein Grund, irgendjemandem das Herz zu brechen."

Zu seinem Entsetzen hatten seine Worte den gegenteiligen Effekt. Hermines Miene verdüsterte sich, sie entzog sich seinem Griff und stand auf: „Was zur Hölle, Malfoy? Die eine Sekunde redest du von Herzenswünschen und in der nächsten spielst du es als Onenightstand runter?"

Augenblicklich fiel ihm sein Fehler auf, doch es war offensichtlich zu spät, denn Hermines Gesicht hatte sich zu einer wütenden Maske verzerrt: „Wenn ich daran denke, dass ich beinahe darauf reingefallen wäre. Wäre ja auch zu schön gewesen, mal den echten Draco Malfoy zu sehen. Mal aufrichtige Worte aus deinem Mund zu hören. Was sollte das die ganze Woche, mh? Hast du dir extra viel Mühe gegeben, um mich ins Bett zu kriegen?"

Überfordert fuhr er sich durch seine Haare. So hatte er sich das nicht vorgestellt. So hatte er es vor allem auch gar nicht gemeint. Wieso nur reagierte sie so abweisend? Bevor sie sein Zimmer verlassen konnte, packte er sie am Arm: „Du gibst mir ja gar keine Chance, irgendetwas zu erklären. Merlin, Granger! Was glaubst du denn, warum ich mich so bemüht habe, zivilisiert zu sein?"

„Keine Ahnung!", fuhr sie ihn wütend an und versuchte, ihren Arm loszureißen: „Mir ist auf jeden Fall gerade klargeworden, dass du immer noch dasselbe Frettchen bist wie in Hogwarts. Und jetzt lass mich los."

Zorn stieg nun auch in Draco hoch. Er war dem Ziel so nahe gewesen, er konnte nicht zulassen, dass sie jetzt ging. Wenn er sie jetzt gehen lassen würde, würde sie niemals zurückkehren. Das konnte er nicht zulassen. Er musste einfach wissen, wie es um ihr Herz bestellt war.

Ohne darüber nachzudenken, dass sie ihn gerade mehr als deutlich abgewiesen hatte, zog er Hermine zu sich und küsste sie. Es war das einzige, was ihm einfiel, und in dem Augenblick, da seine Lippen ihre berührten, wusste er, dass es genau das richtige war. Sie fühlte sich gut an in seinen Armen, ihr zierlicher Körper, ihre weichen Lippen. Und dass sie den Kuss erwiderte, setzte dem Ganzen eine Krone auf. Forsch drängte er sie gegen die Wand, ließ seine Hände über ihre Rundungen fahren, bis sie schließlich auf ihrem perfekten, kleinen Hintern zum Liegen kamen.

„Ich will dich, Hermine", flüsterte er rau, nachdem er den Kuss unterbrochen hatte: „Ich will das hier."

Für einen Moment fürchtete er, dass sie ihn von sich stoßen und weglaufen würde, so finster und wütend starrte sie ihn an, doch dann schmolz ihr Widerstand und sie legte ihm eine Hand auf die Wange: „Mein Leben ist so kompliziert. Du hast keine Vorstellung davon, wie kompliziert es gerade ist. Und das hier ... das macht es nur noch schlimmer."

Irgendwo in seinem Hinterkopf realisierte Draco, dass dieses Geständnis ihm eine Warnung sein sollte. Wenn sie gerade mit Weasley Schluss gemacht hatte, sollte sie eigentlich Single und frei sein. Daran war nichts kompliziert. Das Bild, das er sah, war ein unvollständiges Puzzle, und er hatte gelernt, dass so etwas gefährlich werden konnte.

Doch es war ihm egal. Hier stand er, in seinem Schlafzimmer, mit Hermine Granger in seinen Armen, die aus welchen Gründen auch immer tatsächlich offen für ihn war, und er wäre verdammt, wenn er diese Gelegenheit nicht wahrnehmen würde. Ihm ging auf, dass er sich die ganze Woche über selbst angelogen hatte. Es war nicht nur die Anweisung seiner Mutter, die ihn immer wieder in ihre Nähe getrieben hatte. Es war sie selbst und sein Verlangen nach ihr.

„Weißt du, was gegen kompliziert hilft?", fragte er.

Ihr Körper zitterte, als sie seinen Blick erwiderte: „Was?"

„Nicht denken!"

Und mit diesen Worten küsste er sie erneut, presste seinen ganzen Körper an sie und zerrte mit seinen Händen an ihrem Pullover. Es dauerte nicht lange, da tat sie es ihm nach, riss förmlich an seinem Hemd, bis sie es endlich geöffnet hatte, und begann ihrerseits, seine nackte Haut mit ihren Fingern zu erkunden.

Er musste sich zwingen, keine Kommentare abzugeben, wie er es sonst tat, doch er ahnte, wenn er sie jetzt aufzog, oder auch nur anstacheln wollte, bestand die Gefahr, dass ihr Verstand sich wieder einschaltete und sie doch weglief. Und so küsste er sie unaufhörlich, knabberte an ihrer Lippe, platzierte feuchte Küsse auf ihrem Hals und fuhr mit einer Hand in ihre Hose, um sein bestes zu tun, ihren Verstand ausgeschaltet zu lassen.

Als er spürte, wie Hermines Finger nach seinem Gürtel griffen, um ihn zu öffnen, wusste er, dass er gewonnen hatte. Gierig zog er ihr die Hose runter, drehte sie mit der Brust voran an die Wand, und befreite sich vom letzten störenden Stück Stoff.

Bei Merlin, noch nie zuvor hatte er so ein Verlangen für irgendeine Frau verspürt.



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