26. Trennung für immer

Ich sah mich um, Marcus stand vor mir und ich saß wieder auf diesem Stuhl. Ian und Veit vor mir. Ich schnaubte. Das war sicherlich nicht der Plan gewesen. Ich schüttelte genervt den Kopf.
Meiner erinnerte viel zurück an die vorigen zwanzig Minuten. Statt hinauszustürmen wie Barbaren mit dem Kriegsschrei in der Kehle, waren wir hektisch wie die Armeisen zurück auf unsere Plätze gehuscht. Ian hatte jemanden gehört, oder besser. Mehrere.
So saßen wir nun da, schein gefesselt und hörten uns den genialen Plan von Marcus an. Die Seile hatte ich notdürftig an den Händen der beiden befestigt. Veit provisorisch zusammengesteckter Stuhl, weil er ja unbedingt ein Stuhlbein abreißen musste, sah gefährlich instabil aus. Es war ein Wunder, dass unsere Maskerade noch niemand bemerkt hatte.
Er Junge hielt eine ewige Rede, in der ich immer mehr ins Schwitzen kam. Meine Angst wuchs, unser Schauspiel könnte wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Marcus machte es nicht besser, in dem er um uns herum schlich und immer wieder mit dem Messer vor unseren Nasen rumfuchtelte. Was die beiden, durch die Augenbinden natürlich nicht sahen, zumindest einer von ihnen. Durch unsere Verbindung, sah Ian durch meine Augen.
„Und dann wird Samuel auftauchen und ...“
„Wie hast du es herausgefunden?“, fragte ich, um Marcus einerseits abzulenken, und andererseits nicht zu hören, wie er meinen Mann umbringen wollte.
„Was meinst du?“
„Ich meine, wie hast du uns gefunden? Wieso haben sie es dir angetan? Ich will einfach verstehen, wieso sie so etwas Grausames tun.“ Ian wurde wütend. Sollte er, ich schindete Zeit. Dabei hielt ich die Verbindung zu Ian ganz fest. Ich konnte spüren, was für Pläne er sich zusammenlegte, wie er überlegte, was der beste nächste Schritt war.
Momentan war es Marcus zu überwältigen, ihm das Messer abzunehmen, es ihm an den Hals zu halten und seine Schergen so dazu zu bringen, uns gehen zu lassen. Ihn gegen Ende zu verschonen, war jedoch nicht dabei. Das es sich wie ein schlechter Actionfilm anhörte, musste ich Ian nicht sagen. Niemals würde es funktionieren. Nicht so.
„Meine Familie hat Feinde, viele Feinde. Feinde über, die wir gelacht haben, lange Zeit hatten wir nur einen erstzunehmenden Gegner. Bis jetzt.“ Er bedeckte Ian mit einem bösen Blick. „Wie es scheint, wollen auch andere Rudel in unserer Stadt mitmischen. Dafür wurden diese Helden gerufen. Vergeblich ...“, spottete er.
„Also eine Intrige.“
„Dein Mann hat gute Arbeit geleistet. Die Spuren verwischt, eine falsche Fährte gelegt, wir waren der festen Überzeugung, unsere Erzfeinde die Polaris wären es. Doch ... wir sind schlauer.“
„Lügner.“ Ian klang gelangweilt. Marcus knurrte, ein wenig ernstzunehmendes Knurren. Wie auch ich feststellen musste. Entweder sein Vater hatte ihm nie gezeigt wie man so etwas tat oder er hasste ihn einfach. Denn selbst ich hätte es besser gekonnt.
„Ich muss zugeben, ich hatte Hilfe.“ Bingo. „Eine Wunderschöne junge Frau. Flammendes Haar, die ihrer brennenden Wut gleichkommt. Sie müsste dir nur all zu bekannt sein.“
Ian schnaubte, seine Gedanken verbargen sich mit einem Mal vor mir.
„Roxana.“ Er wurde bleich und erstarrte. Man konnte ihm deutlich ansehen, dass wir in weit größeren Problemen saßen, als gedacht.
„Wer ist sie?“ Ich sah zu Ian hinüber.
„Ein Fehler. Den Gideon teuer zu stehen bekam.“ Ich erinnerte mich an unser Gespräch. Gideon hatte von einer anderen Frau gesprochen, zumindest hatte sie einen anderen Namen gehabt und sie sollte Tod sein, durch ihn. Mein Magen verkrampfte sich. Vielleicht meinte er, es sei seine Schuld, und diese Roxana hatte Jelena getötet.
„Sie ist ein Biest. Ein fantastisches Biest mit so einigen Vorzügen. Sie erkannte meine Bestimmung, mein Potential. Soll mein Vater sich zerfleischen lassen, ich werde bald alles besitzen. Mit ihr an meiner Seite können wir alles haben.“
„Wir, gemeint sind?“
„Du und ich. Meine Göttin des Mondes.“ Er kam mir bedrohlich nah. Noch einen weiteren Kuss von einem anderen Mann würde ich nicht ertragen. Vor allem nicht von so einem Wesen.
„Zum Glück muss ich das nicht sehen“, gab Veit zu. Dem das Knistern in der Luft wohl aufgefallen war. Ein Knistern, das nur von einer Seite auskam.
Ich presste mich in den Stuhl. Ians Wut strahlte von seiner Seele aus. Er konnte den Gedanken nicht ertragen, dass ich von dem Kerl geknutscht wurde. Mir ging es da nicht anders. Er konnte kaum noch sitzen bleiben, wollte Marcus am liebsten gleich die Kehle hinausreißen.
„Zu früh!“, schrie ich, wodurch er endlich innehielt. Er grinste schelmisch wie ein Zwölfjähriger.
„Du hast recht, erst die Arbeit dann der Spaß.“ Er zwinkerte mir zu.
„Ich fasse es nicht. Du, ein Wolf, lässt dich benutzen“, spottete Ian.
„Mich benutzen? Sie gehorcht mir, sie folgt mir. Sie ist meine Hexe!“, knurrte Marcus.
„Sie benutzt dich, um an ihre Ziele zu kommen. Es war früher nicht anders. Das Miststück ist ichbezogener als alle anderen Wesen. Sie konnte Gideon nicht benutzen, also versucht sie es jetzt mit dir. Mit erfolg.“ Was versuchte er damit zu bewirken, sie zu entzweien? Es sah nicht aus, als wenn es funktioniert.
„Ist sie hier?“, unterbrach ich Marcus, bevor er auf Ian zutreten konnte und ihm aus Wut das Messer in den Bauch stach.
„Natürlich. War sie die ganze Zeit. Sie führte mich zu dir.“ Ich nickte. Also doch. Eine Hexe. Dabei hatte ich gedacht Wölfe und Hexen wären Todfeinde.
»Das sind sie.«
»Aber Gideon?«
»Ein Fehler. Nida, du musst ihn überzeugen, warum auch immer er hört auf dich.«
»Ich glaube du überschätzt meinen Charme.«
»Ich glaube, das ist deine Macht.«
»Mein Charme?«
»Es ist ein Muster Nida. Sam, Veit, Marcus ... Ich.« Er hatte recht. Was wenn dies meine Macht war, den Männern das Hirn zu vernebeln. Kaum zu glauben aber vorstellbar. Andererseits kannte ich drei von vier schon vor der Wandlung. Was wieder dagegen sprach.
»Jetzt!«, drängte Ian.
„Ich glaube, er hat recht, sie benutzt dich.“ Er trat wieder auf mich zu.
»Überzeugender!«
»Ian klappe! Ich schaff das.« Immerhin war ich wenn nicht ganz sie Sexbombe eine Frau, die ihre Reize kannte. Und momentan war es meine Ehrlichkeit, die Tatsache hinter ihm zu stehen, die er wollte. Immerhin hatte ich so eben schon sein Vertrauen gewonnen, in dem ich für ihn sprach.
„Sie will nicht Samuel hierher locken, sondern Gideon. Überleg doch, sie ist eine Hexe, wieso sollte sie einem Wolf helfen wollen?“
„Und wenn schon.“
„Wieso ging sie nicht zu deinem Alpha? Hast du sie je hinterfragt. Was für ein Kampf wäre ausgebrochen, wenn er die Informationen bekommen hätte.“
„Sie kennt meinen Wert.“
„Das mag sein, doch wieso hat sie dich überzeug, es hinter seinem Rücken zutun? Im stillen. Wieso will sie nicht, dass jeder sieht, wie stark du bist?“
„Er ist noch zu mächtig. Mein Vater hat viele treue Männer, ich muss ihn im geheimen aushebeln.“
„Gut, doch was hat die Hexe davon?“ Er sagte nicht. Ich hatte wohl ins Schwarze getroffen. „Alleine kann sie einem ganzen Rudel Wölfe nichts anhaben. Nicht eine Hexe allein. Aber mit anderen Wölfen ...“ Er sah zur Seite, grübelte über meine Worte. Wie es schien, lösten meine Worte etwas in ihm aus, denn sein Blick verfinsterte sich.
„Ich mag nicht wissen, was damals vorgefallen ist. Ich weiß nicht, ob du es weißt. Doch wie es scheint, ist die Hexe nachtragend und voller Rachegelüste. Weißt du genau, wie sie noch zu dir stehen wird, wenn sie hat, was sie will? Weißt du sicher, das sie dich nicht benutzt. Eine Hexe.“ Marcus ballte die Fäuste, als wärem dem dummen jungen die Schuppen von den Augen gefallen. Wie es schien, gab es einige Ungereimtheiten, die ihm endlich auffielen.

Ein Klatschen hallte durch den Raum. Ich blickte in die dunkelste Ecke des Raumes, aus den Schatten löste sich eine Gestalt aus dem Nichts.
Hervor kam eine kleine schöne braun gelockte Frau. Ihre hellen gelben Augen strahlten mir entgegen.
„Roxana?“, fragte Marcus fordernd. Seine Körpersprache deutete Abwehr. Also war das die flammende Hexe? Feurig sah sie nun wirklich nicht aus, das braun war dunkler als meines aber keine Spur von roten Tönen.
Marcus begab sich auf sie zu, auch die anderen Männer im Raum, wendeten sich der vermutlich stärkeren Bedrohung zu. Die Frau grinste höhnisch. Man konnte ihr die Bosheit von den Lippen ablesen. Es machte sie um einiges hässlicher.
„Ist es wahr?“
„Schweig still.“ Sie schnippte mit den Fingern, Marcus Augen wurden leer, fast schwarz. Mit einem Mal entspannte sich sein Körper, wie eine Puppe stand er still da. Auch die anderen machten es ihm nach.
Sie kontrollierte sie.
Plötzlich überkam mich Panik. Mein Herz sprang mir fast aus der Brust. Mein Wolf wollte sofort Abstand von dem Biest. Wie auch immer sie es geschafft hatte, sie war in ihnen. Im Netz. Sie beherrschte sie alle.
Sie kicherte amüsiert und applaudierte.
„Ihr seid wirklich fabelhaft. Dieses Theater, diese Leidenschaft, der Kuss. Hinreizender Zwist. Dabei haben wir den Climax noch gar nicht erreicht.“ Mir wurde übel. Sie war die ganze Zeit dort gewesen. Hatte mit uns gespielt.
„Doch darf ich vorstellen?“ Sie hob die Hände und posierte vor uns. „Hier bin ich.“
Ich blickte hinüber zu meinen Begleitern. Beide standen auf. Mit geballten Fäusten und kampfbereit. Sie machten mir die Gefahr dieser Frau schmerzlich bewusst. Mir sackte das Blut ab, wodurch mein ganzer Körper erkaltete.
Sie waren zum Zerreißen gespannt. Veits Gesicht hasserfüllt. Ich erkannte das erste Mal den Jäger in ihm. Die Verachtung war unverkennbar, er jagte Hexen. Hasste sie, aus vollem Herzen.
Ich ging zu ihnen, ließ Ian jedoch nicht die Chance sich schützend vor mich zu stellen. Ganz im Gegenteil, ich stand mittig vor den beiden. Wie eine Pfeilspitze.
„Der Kuss war ... dramatisch, intensiv und so echt.“
»Glaub ihr kein Wort. Alles, was sie sagt, ist gelogen.«
„Was Samuel wohl davon hält, dass sein Bruder etwas mit seiner Gefährtin haben wird?“
„Schwachsinn“, fauchte ich.
»Sie will dich nur manipulieren, geh nicht drauf ein!«
„Ich habe es gesehen. Nur eine Berührung und ich sah, dass du ihn in deinen Schoß lassen wirst. Glaubst du wirklich, Samuel wäre der eine? Ein Mythos, an den die Wölfe glauben wollen. Eine Lüge schlechthin. Es gibt so viele Auserwählte und Gefährten, die du haben kannst.“ Sie blickte zu Ian.
Ich begann zu zittern. Wieso? Hatte sie recht? Etwas in mir reagierte auf ihre Worte. Ich folgte ihrem Blick. Ian fixierte nur sie. Wenn sie recht hatte, konnte Ian etwa auch mein Gefährte sein?
„Nida hör nicht hin.“ Ian wollte versuchen beruhigend auf mich einzureden, was alles nur noch schlimmer machte. Denn es konnte nur eines bedeuten ...
Erneut entwich mir das Blut. Es war, als würde eine Welt zusammenbrechen.
„Seit wann?“ Meine Stimme brach. Ian schluckte schwer, ließ sie endlich aus den Augen und sah mich an.
„Nida.“
„Wann!?“, fuhr ich ihn an.
„An dem Tag, als du die Fabrik fluchtartig verlassen hast ...“
„Als ich dachte, dass es seine wäre.“ Er nickte zögerlich. Wie konnte das sein? Selbst danach hatte er kein gutes Haar an mir gelassen. Doch hatte er sich nicht mehr blicken lassen ... nicht so wie an dem Tag. Die ganze Zeit hatte ich geglaubt es wäre Hass, doch war es nur Abwehr und Selbstschutz.
„Ich habe versucht -“
„Sam von mir fernzuhalten“, unterbrach ich ihn. Ich war fassungslos. Es erklärte sein ganzes Verhalten.
„Es zu unterdrücken“, korrigierte er mich. „Es stimmt, ich war nicht für eure Bindung, aber es war nicht der Grund für mein Verhalten.“
„Was dann?“ Er schwieg. Wie hatte Sam das nicht wissen können? Wieso hatte er es nicht bemerkt? Es war so deutlich durch das Netz zu spüren. Konnte man solche Gefühle unterdrücken, auch über das Netz?
„Er wird dir nicht antworten, Herzchen. Es schnürt ihm die Kehle zu, die Gewissheit, dass du Samuel das Herz brechen wirst und ihn damit tötest.“
„Wieso sollte ich das tun?“ Ich ging einen Schritt auf sie zu, Ian packte mich am Arm. Ich entriss ihm diesen. „Weil er es sein wird, der dich nimmt. Er wird nicht anders können. Er wird seinem Bruder denn Schmerz zeigen, den er schon so oft erlitten hat.“
Tränen bahnten sich meine Wangen hinab, hinterließen tiefe furchen von Zorn und Verwirrung. Wieso zeigte ich eine so heftige Reaktion?
„Weil du es fühlst“, flüsterte sie mir ins Ohr, wie war sie so plötzlich neben mir aufgetaucht? „Du kannst nichts dafür, gleich zwei potentielle Männer zu treffen ist überaus selten. Doch durch deine Abstammung, zwei solch gleiche Wandler anzuziehen, kein Wunder ...“ Sie schnalzte mit der Zunge und ging um mich herum. Mein Blickpunkt war ein ganz anderer. Ich stand mitten im Raum. Wie hatte sie mich dort hinbekommen? Sie hatte mich bewegt, womit ich weit entfernt von Ian und Veit war.
„Glaub ihr nicht, sie hat eine gespaltene Zunge, das haben sie alle!“, mischte sich Veit ein.
„Wieso sollte sie lügen?“, fragte ich mich laut. Ian hatte ihre Worte schon ein Mal bestätigt. Wieso also sollte sie Lügen, wenn die Wahrheit so viel mehr schmerzte.
„Ganz genau.“ Ich spürte ihre Hand auf meiner Schulter. „Wieso sollte ich lügen, wenn die Wahrheit so viel schlimmer ist.“ Ich konnte mich nicht rühren, ich war nur noch von Schmerz erfüllt.
Sie hatte recht. Diese Gefühle, sie waren dort in mir. Auch wenn ich Samuel liebte und er zu mir gehörte, war mir durch den Kuss schmerzhaft wahr geworden, dass es nicht für immer sein musste.
„Es gibt immer einen Weg.“ Roxana nahm mein Haar, drehte es um ihre Finger. Ich blickte sie an. Es lag eine Wärme in ihren giftig gelben Augen.
»Nida Bitte! Hör nicht auf Sie!« Ich blendete Ian aus. Er hatte genug gesagt, genug getan. Ich wollte Sam nicht verletzen, genau so, wie ich Ian nicht verletzen wollte.
„Was willst du?“, fragte ich, um zur Fassung zurückzugelangen.
„Anfangs wollte ich Gideon. Du musst wissen, er ist ein grausamer Wolf. Er stellt sich gerne als den Helden dar, doch das ist er nicht. Er ist aus Eis, kalt und tödlich. Er nahm mir einst alles, also wartete ich. Ich wartete, bis er etwas verlieren konnte, was ihm genau so viel wert war, wie es mir einst war. Doch dann sah ich dich, so wunderschön, ein funkelndes Licht in der Nacht. Hell und rein.“ Ihre warme Hand fuhr mir über die Wange. Ein geborgenes Gefühl hüllte meine Seele ein. Sie würde mir nie etwas tun. „Du bist so wunderschön und doch so verloren. Ich kann dir helfen.“
„Wie?“
„Wir zusammen ...“ Sie nahm mein Gesicht in ihre Hände. Das Miststück war bildschön. Ihre Lippen waren die reinste Verführung, ihre katzenartigen Augen krallten sich in meine Seele. Ich verstand, dass Gideon etwas an ihr fand. Sie legte sich wie Honig um die Seele. Gab einem das Gefühl alles heilen zu können, selbst unmögliches.
Ein Nebel versuchte sich um meine Sinne zu legen. Wie konnte ich das nicht bemerken? Mit einem Mal war ich hellwach. Der Nebel war noch dort, legte sich nach und nach um mich. Doch ich war klar, unberührt von ihrer Macht. Sie manipulierte mich. Ich entschied darauf einzugehen.
„Zusammen, gehört uns mehr als Rache, mehr als liebe. Es müsste nicht sein. Sam könnte bleiben, mit dir ... und ihm.“ Sie zeigte elegant zu meinen Begleitern. Ich sah zurück zu Ian.
„Du könntest mit ihnen vereint sein und sie wären glücklich damit. Beide dein, für immer.“ Ians Herz raste. Ich konnte es deutlich sehen, seine Atmung war beschleunigt, seine Haut bleich, doch traute er sich nicht, etwas zu sagen, noch etwas zu unternehmen.
„Roxana ...“
„Was denn Liebes?“ Ihr süffisantes Lächeln war siegessicher. Ich blickte leicht grinsend in ihre giftigen Augen.
„Fahr zur Hölle!“, fauchte ich und bohrte meine Hand tief in ihre Gedärme.

Die Hölle brach augenblicklich los. Auch wenn ich dachte, der Hexe würde es schaden meine Hand in ihren Gedärmen zu spüren, war sie nicht im geringsten beeindruckt. Stattdessen schleuderte sie mich gegen die Mauer auf der anderen Seite des Raums.
„Schlampe!“, schrie sie als sie sich schmerzerfüllt den Bauch hielt. Währenddessen erwachen die schwarzäugigen Wölfe zum Leben, sie griffen an.
Ian schrie meinen Namen, war jedoch augenblicklich zu beschäftigt mit fünf Wandlern, die sich auf ihn stützten, genau so erging es Veit. Der sich nicht schlecht machte, obwohl er nur ein Mensch in dem Sinne war.
Ich rappelte mich schwerfällig auf. Sie war bereits wütend stampfend auf dem Weg zu mir. Mit einem Blick zu den beiden, sah ich, dass es nicht gut aussah. Sie waren in der Überzahl.
Ich war so abgelenkt, dass ich den Schlag nicht kommen sah. Mit einem rechten Hacken brachte sie mich erneut auf den Boden. Sie war verdammt stark, mein Kiefer fühlte sich bereits gebrochen an. Wut packte mich, ich würde nicht zulassen, dass sie Gideon etwas tat, noch jemand anderem.
Als sie zutrat, packte ich ihr Bein und riss es hoch, sodass sie stürzte. Sofort saß ich auf ihr und hämmerte ihren Kopf auf den Boden, mehrfach. Bis Blut spritzte. Sie sollte spüren, was es hieß, sich mit der Tochter Williams anzulegen und dessen Familie zu bedrohen.
Doch sie konnte sich befreien. Es verwandelte sich in den blutigsten Zickenkrieg den ich je erlebt hatte. Kratzen, beißen, Schläge, Haare raufen, alles war dabei. Sie landete einige gute Schläge, bis ich schließlich so in Rage war, dass sie ein ganz schön haariges Problem bekam.
Sie schrie bitterlich auf, als ich meine Zähne, wie sägende Messer, immer tiefer in ihr Fleisch gruben. Mit dem Wolf schien sie weit mehr Schwierigkeiten zu haben. Sie schlug immer wieder zu. Mein Kopf donnerte, doch ich ließ nicht los. Ihre Schläge sollten mich zum Aufgeben zwingen, stattdessen machte sie mich nur rasender und ich presste die Kiefer so weit zusammen, dass der Knochen brach. Sie kreischte, als ich begann an ihrem Arm zu reißen, denn nur noch Sehnen uns Muskeln hielten. Ihr Blut spritze mich so voll, dass es mir sogar teilweise die Sicht nahm.
Mit einem Hieb, der mich am Auge traf, musste ich von ihr ablassen. Nur um sie gleich wieder zu packen, diesmal am Bein. Ich traf eine Hauptarterie, ihr Blut sprudelte in meinen Mund wie eine Fontäne Wasser.
„Ich bring dich um!“, schrie sie. Als ich bemerkte, dass sie aufhörte, auf mich einzuschlagen, ließ ich ruckartig von ihr ab und biss ihr in die gesunde Hand. Mir war klar, dass sie nun mit Zauber nachelfen wurde. Ich presste erneut meine Kiefer zusammen und riss an dieser. Mit Glück trennte ich diese von dem restlichen Arm. Sie schrie auf, wenn sie nur genug höllische Qualen erlitt, würde es ihr hoffentlich schwerfallen zu zaubern.
„Nida!“ Eine bekannte Stimme.
»Sam!« Ich schmiss Roxana gegen die Mauer um sicher zugehen, dass sie für ein paar mehr Sekunden ruhig sein würde. Ich blickte zurück, Samuel war blutüberströmt, diesmal war es größtenteils sein Blut. Ich roch es durch den ganzen Raum.
Es griffen ihn bereits zwei weitere Wölfe an. Ich ließ von ihm ab, da Ian bereits an seiner Seite war und auch ein Paar andere bekannte Gesichter im Raum auftauchten. Die wiederum ein paar andere Schwarzaugen mit in den Raum brachten.
Um das Gemetzel konnte ich mich nicht kümmern. Ich wendete mich wieder zur Hexe, die mir genau in dem Moment eine schwarze Kugel verpasste. Ich wurde zurück geschleudert und landete in einem Haufen zerbrochener Pallenten.
„Nida!“, schrie Sam.
Ich sah schwarze Punkte, mein Körper prickelte auf eine abartig schmerzhafte Weise.
Ihre Magie Borte sich durch meine Haut verbrannte sie wie Feuer. Es war bei weitem schlimmer als das Stück zerbrochene Palette, das sich in meine Seite bohrte. Doch das Adrenalin, ließ den lähmenden Schmerz schnell verstummen.
Gideon würde noch ein Wörtchen von mir zu hören bekommen, wegen seiner überaus durchgeknallte Ex!
Ich sprang wieder auf. Die Hexe stand mit glühendroten Augen und auch Haaren mit zwei schwarz funkensprühenden Kugeln in zwei gesunden Händen vor mir. Wie hatte sie das so schnell gemacht? Konnten Hexen sich heilen? Ich umkreiste sie, nur nicht stehenbleiben.
„Und hätte die Welt gehören können!“
„Falsch.“
„Bitte was!?“ Ihre Stimme schrillte durch den Raum.
„Mir, hätte die Welt gehören könne! Du bist nur eine zweitklassige Hexe. Nicht mal in der Lage einen Alphawolf zu beeinflussen!“, kreischte ich außer mir, da es mir schwer viel, überhaupt ein Wort zu sagen. Meine Seite blutete stark. Ich konnte spüren wie sie heilte, nur nicht schnell genug. Von der anderen Seite ganz zu schweigen, es schien nur schlimmer zu werden statt besser. Magie war wirklich etwas Abartiges. Ich musste es nun schnell beenden, der Blutverlust schwächte mich zunehmend.
„Dafür wirst du sterben!“
„Die Wahrheit schmerzhaft Bitch. Haben wir das nicht bereits festgestellt!?“ Ich rannte auf sie zu und verwandelte mich. Es fühlte sich an wie der Finale Schlag, nur für wen?
Ich hatte nicht das Bedürfnis, nochmal einen Energieball zu spüren. Was auch immer es für eine Magie war, sie ließ mich innerlich bluten, zeriss mich. Doch nichts, was ich nicht überleben würde.
Sie kreischte und schleuderte den Ersten. Der schwarze Ball, der auf mich zudonnerte, verfehlte mich nur haarknapp. Der Zweite leider nicht, doch erwischte ich sie vorher.
Mit einem gezielten Sprung und der letzten Kraft durchborten meine Zähne die Haut an ihrem Hals. Sie grölte auf, ein Laut, der nur kurz danach erstickte als Blut aus ihrem Mund schoss.
Ich hatte mein Ziel getroffen. Wir vielen zu Boden, sie donnerte mir die Kugel gegen meine verletzte Seite. Ich ignorierte das Gefühl zuersticken.
Mit einem gewaltigen Ruck riss ich ihr die Kehle hinaus und entfernte mich. Sie röchelte und zappelte, ihre letzten Versuche weiter zu kämpfen. Sie blutete innerhalb von Sekunden aus. Langsam trat ich an sie heran, sie sollte mir ins Gesicht sehen, wenn sie starb, sollte sehen, wer von uns beiden mächtiger war.
Sie grinste.
„Zu Spät“, röchelte sie. Damit wurden ihre Augen leer. Ich blinzelte, zu spät? Wofür!? Panisch blickte ich mich um. Dass ich es erst übersah, dann realisierte ich es.

Mein Herz blieb stehen, Sam lag auf dem Boden. Die anderen um ihn herum. Starr auf meinen Mann blickend.
»Nein!« Ich rannte zu ihm. Schwarze funken knisterten aus seinem Körper hinaus. Sie hatte mich mit Absicht verfehlt. Ich verwandelte mich und kniete neben ihn. Ian stand fassungslos da, genau wie fast jeder andere. Der Kampf war vorbei, meiner hatte mit Abstand am längsten gedauert. Gideon war der Einzige, der ebenfalls neben meinem leblosen Mann kniete.
Meine Hand zitterte, als ich die hob und auf seine Brust legen wollte. Das Knistern ließ nach, je näher ich ihm kam, bis es schließlich ganz verschwand.
Mein Verstand realisierte es nicht. Wollte es nicht. In seiner Brust war ein leichtes Loch, schwarz wie der Nachthimmel. Sie bewegte sich nicht. Wieso bewegte sie sich nicht.
„Nida“, Gideons Stimme brach.
„Sam?“, fragte ich in der Hoffnung er würde die Augen gleich öffnen. Ich nahm sein Gesicht in meine Hände. Blickte ihn an. Seine Augen waren geöffnet, doch leer. So leer. Wieso? Mein Körper begann zu beben. Meine Augen wurden größer. Meine Seele fasste nach ihm. Versuchte ihn zu spüren. Doch dort war nichts, dort würde nie wieder etwas sein
„Sam!“, schrie ich, doch er hörte mich nicht. Würde mich nie wieder hören, denn er hatte mich bereits verlassen.

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