28. Normalität komm zurück!

Ich saß da und starrte aus dem Fenster. Was genau würde als Nächstes passieren? Samuel war seit einer Stunde fort und kümmerte sich gemeinsam mit Dante um das Hexenproblem. So genau, wie er es mir beschrieben hatte, wollte ich es nicht wissen. Denn die Vorstellung Roxana kopflos, brennend an einen Pfahl zu sehen, brannte sich in mein Hirn.
Gideon hatte sich in seine Wohnung verzogen, ob er es Sam je verzeihen konnte? Immerhin hatte dieser ein wenig mehr Rückrad gezeigt, als nötig war. Mein Kopf cermaterte sich das Hirn über die vergangenen Stunden.
„Hey.“ Ich wendete mich um, Veit war hineingekommen. Er hatte überlebt, wenn auch mit einigen Blessuren. Gideon hatte ihn nicht angegriffen, ihn nicht mal verwarnt, im Gegenteil Sie schienen ihn sogar zu akzeptieren und hatten seine Wunden versorgt.
„Alles klar?“
„Du hast es selbst gesehen.“
„Ja und es ist ... verrück. Hätte ich gewusst, dass du -“ Er hielt inne. Dann hätte er mir schnellstens eine Kugel verpasst, auch wenn er es nun anders darstellen würde. Er hätte es umgehend getan, weil er gewusst hätte, was es bedeutet. Im Gegenteil zu mir.
Er wusste also, was ich war ... Was ich nicht länger sein wollte. Erschöpft schnaubte ich. Es hätte uns so viel ersparrt. So viel wäre anders gelaufen.
„Was machst du hier Veit? Hast du den Jäger in dir abgestellt oder warum geht das Gemetzel nicht längst weiter?“, fragte ich deprimiert. Er bemerkte meine betrübte Stimmung und kam näher.
Ich verstand zurzeit die Welt nicht mehr. Sie zerbrach einfach in tausend Scherben. Erst wollte er uns töten, nun war er unser Verbündeter. Ein Jäger, den sie vor einer gefühlten Stunde noch eliminieren wollten.
„Na ja, als du mit Roxana zugange warst. Haben wir die Typen in Schach gehalten. Eins kam zum anderen, ich habe Gale geholfen, als er in Schwierigkeiten steckte und nun bin ich hier. Du siehst nicht gut aus, mal so nebenbei.“
„Es dauert etwas, bis man sich von dem Beinahtod seines Mannes erholt, schätze ich.“ Von der Spaltung meiner Seele gar zu schweigen ... Es könnten jedoch auch die hundertachtzig anderen Probleme sein, die mich quälten.
Er kam langsam näher und setzte sich dann vorsichtig neben mich. Als könnte ich ihn beißen. Vielleicht war es auch einfach nur die Tatsache, dass ich das Kind eines Monsters war.
„Und du bist wirklich eine Tochter Williams?“
„Die Tochter“, korrigierte ich ihn. „Wie du gesehen hast. Ich habe einen Mann auf den Weg ins Nachtlicht zurückgeholt. Sagt es nicht alles.“
„Hätte ich das Mal früher gewusst.“ Er zwinkerte mir zu und grinste aufmunternd. Leider hatte sein lockerer Auftritt und sein verlockender Charme nicht die gleiche Wirkung wie sonst. Stattdessen fragte ich mich, ob es je enden würde. Dieser Krieg in meinem Inneren.
„Hey.“ Er setzte sich näher, die Vorsicht ließ mit einem Mal von mir ab. „Es wird alles gut. Du hast Samuel wieder, auf unserer Seite Leben alle und ...“ Mir war zum heulen ...
„Unserer Seite?“ Ein wenig weit hergeholt für einen Jäger. Er nickte.
„Eigentlich sind mein Spezialgebiet Hexen. Das bei dir ... war ein blöder Zwischenfall und ich muss mich wohl nochmal entschuldigen für mein blödes Verhalten. Ich war nicht ich und ich verspreche dir, es kommt nicht mehr vor.“
„Hexen also.“
„Ich verlor meine Familie, durch ein Hexenbiest.“
„Wie lange bist du schon ein Jäger?“ Er lehnte sich zurück und legte die Hände hinter den Kopf.
„Ich weiß gar nicht genau. Schon Jahre.“ Er wollte nicht darüber reden und es war o.k. „Ich habe mit Gideon geredet und es könnte sein, dass wir uns demnächst öfter sehen.“ Ich blinzelte und sah ihn tonlos an. „Wir haben uns gedacht, dass wir vielleicht demnächst ein wenig zusammenarbeiten. Ich meine so als Informanten und Partner. Damit so etwas, nicht wieder vorkommt.“
„Wird es nicht.“ Ich sah wieder hinaus.
„Nida, das kannst du nicht wissen. Wenn du ...“
„Das kann sie“, unterbrach man Veit.
Ich hatte ihn längst gespürt, ich wusste immer, wo er war, jetzt deutlicher als je zuvor. Denn unsere Seelen wurden in dem Moment eins, in dem er den Raum betrat. Veit stand wortlos auf.
„Ich mache mich mal auf“, sagte er zu mir. Man spürte deutlich das Misstrauen, dass Veit meinem Sam entgegenbrachte.
„Bis dann Nida.“ Veit verschwand schnellstens. Wahrscheinlich würde das ganze Rudel so reagieren. Was meine Schuld war.
»Ist es nicht.« Ich antwortete ihm nicht. Er kam um das Sofa herum und kniete sich vor mich. Der Blick hinaus wurde mir nun von seinem wunderschönen Gesicht verwehrt. Seine Augen fesselten mich.
„Nida ich weiß es.“
„Was weißt du?“
„Alles.“ Ich zog die Augenbrauen hoch, versuchte ruhig zu bleiben, nur gelang es mir nicht. Ich war den Tränen nahe. Mein Herz raste, meine Hände zitterten, weshalb er sie nahm.
„Woher?“
„Nick war dort.“ Er hatte also alles gesehen, der Spion. Hatte gesehen, was ich getan hatte.
„Sam ich -“ Es machte alles nur noch schlimmer.
„Es ist o.k.“ Das war es nicht!
„Wie kannst du das sagen?“
„Weil ich es schon wusste.“ Er setzte sich neben mich, zog mich in seine Arme. Diese legte sich beschützend um mich und hielten mich fest.
„Sam ich wollte ...“ Was wollte ich?
„Du hast mich gewählt Needy. Du hast mich zurückgeholt und mir gesagt, dass du mich liebst.“ Ich sah ihm in die Augen. Es war mein Sam, der dort saß und an mich glaubte. „Niemand anderem, nur mir.“ Ich musste grinsen. Er tat es mir nach.
„Sowas wird nie wieder passieren.“
„Das hoffe ich doch.“ Er hauchte einen Kuss auf meine Lippen. „Du gehörst mir Needy.“ Seine Augen funkelten. „Und niemand wird dich mir je wieder wegnehmen.“
Sein Mund legte sich auf Meinen, sein Kuss war sanft, dennoch besitzergreifend. Seien Hand legte sich in mein Haar und hielt mich fest. Ich seufzte an seine Lippen, was hätte ich nur getan, wenn ich ihn verloren hätte?
Sein Zunge fuhr langsam über meine Lippen, meine Hand legte sich in seinen Nacken und zog ihn näher. Sein Kuss sprach von Liebe, Hingabe und Vertrauen. Er löste sich leicht von mir, was mich zum protestieren brachte. Sein grinsen wurde noch breiter.
„Der Tag war lang genug, findest du nicht?“ Ich blickte an ihm vorbei zum Bett.
„Kann schon sein.“ Damit hob er mich hoch und brachte mich ins Bett. Entgegen meiner Erwartung fing er nicht an, mir die Klamotten vom Leib zu reißen. Stattdessen streichelte er mich, küsste mich, bis ich in den Schlaf glitt.

Als ich erwachte, war Samuel nicht mehr neben mir, er stand auf dem Balkon und blickte in den Wald. Ich rieb mir verschlafen die Augen. Kurz auf die Uhr geschaut, wusste ich das es bereits dreizehn Uhr war. Ich hatte gerade mal fünf Stunden geschlagen, weshalb ich mich nicht im geringsten erholt fühlte.
Ich stand auf und ging hinüber zu ihm. Umarmte ihn und legte mein Gesicht auf seinen starken Rücken.
„Guten Morgen Schlafmütze.“ Er bekam ein brummen als Antwort. „Gut geschlafen?“ Ich musste grinsen.
„Und wie.“
„Hast du Hunger?“ Ich ließ von ihm ab, als er Anstalten machte sich umzudrehen.
„Ein wenig.“ Ich spielte mit den Knöpfen an seinem Hemd.
„Du musst was essen.“ Ich grummelte. „Wir haben heute einiges zu tun.“ Ich schnaubte, was sollten wir schon vorhaben? War es nicht einfach möglich einen Tag, mal nichts zu tun?
„Bleibt es Zimmer intern?“
„Leider nicht.“ Er gab mir einen Kuss auf die Stirn.
„Es gibt einige Fragen zu beantwortet.“
„Natürlich.“ Nur wie und von wem? „Darf ich wissen welche?“
„Noch nicht.“ Er ging an mir vorbei und in die Küche. Ich stand dort wie ein sitzengelassendes Kind.
Hatte er Geheimnisse vor mir? Er musste meine Verwirrung spüren, machte jedoch keine Anstalten diese zu beseitigen. Ich atmete ein paar Mal tief ein und ging hinein.
Die nächste Stunde verbrachten wir damit, zu Frühstücken und uns fertigzumachen. Als Samuel im Bad verschwand, setzte ich mich auf die Couch und zog die Beine an. Ich sah meinen Rucksack. Er hatte ihn geholt?
Ein unwohles Gefühl kam auf, als hätte ich etwas vergessen. Ich ging hin und durchsuchte ihn. Ich fand mein Handy. Mein Magen zog sich zusammen. Ich blickte drauf. Neunundvierzig Nachrichten. Von Abby, Donna, Kathy, Mam und Mark. War ich in der Fassung mit ihnen zu reden? Sicherlich nicht. Es war schon Sonntag, die vergangenen Tage hatte ich die Zeit vollkommen aus den Augen verloren. Schon Morgen würde ich wieder arbeiten gehen. Wie ein normaler Mensch, als wäre nie etwas passiert. Unvorstellbar. Vielleicht würde ich mich die kommende Woche krank schreiben lassen, sicherlich würde der Arzt den ein oder anderen Fehler in meiner Psyche finden ...
Ich entschied mich, ihnen allen eine Nachricht zu schreiben. Schon bald würde ich mich melden und sie alle wiedersehen, dass es mir gut ginge und ich momentan eine turbulente Phase durchlebte. Mehr mussten sie nicht wissen, also schaltete ich das Handy ab.
Schon eine halbe Sunde später, traten wir gemeinsam aus der Tür. Gideon stand am Geländer. Er hatte auf uns gewartet. Ich blickte ihn an. Seine Augen waren eisiger als sonst. Wegen Samuels verhalten? Doch da war noch etwas anderes.
Sie glühten.
Ich presste die Kiefer aufeinander. Was hatte es zu bedeuten? Sam wollte nur immer noch nicht verraten, wie es weiterging. Mir wurde es immer mulmiger.
„Nida, warte Bitte. Ich bin gleich zurück.“ Damit ließ mich Sam stehen und ging mit Gideon in dessen Wohnung. Meine Augenbrauen legten sich tiefer denn je, sie verdeckten mir fast die Sicht. Langsam wurde es mir zu Bund. Er ließ mich einfach stehen! Jetzt wo ich näher an einem Nervenzusammenbruch war, als je zuvor!
Ich ging den Gerüstgang auf und ab, sah mich immer wieder um. Niemand kam hinaus oder in die Halle. Ich spürte sie, ein Teil war dabei die Grenzen abzulaufen. Ein Anderer in ihren Zimmern. Sie wollten mich wohl nicht sehen. An Ians Tür stoppte ich. Ich horchte an ihr, konnte jedoch nichts hören. Ich hatte das dringende Bedürfnis mit ihm zu sprechen. Konnte jedoch nicht spüren, wo er sich aufhielt. Konnten es die anderen auch nicht? Ich beschloss nicht zu klopfen und ging die Treppe hinab.
»Sam!«, meckerte ich, als ich schließlich bereits eine halbe Stunde alleine versauerte. Ich bekam nicht die geringste Antwort.
Als Kurzschluss Reaktion, verwandelte ich mich und lief los. Es war wohl nicht sie schlauste Idee, schon wieder alleine davonzulaufen. Aus trotz tat ich es trotzdem. Ich lief zu der einen Seele, die mich verstehen würde.

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