3. Magdalena

Schottland, 950 n. Chr.

 

Magnus durchstreifte Europa, bis er schließlich wieder nach Schottland zurückkam. Dort ließ er sich auf einer Burg nieder und herrschte, als Herzog über das umliegende Land. Vorher labte er sich regelmäßig an der Adelsfamilie, die das Gemäuer, bis da bewohnt hatte. Nachdem alle getötet waren, übernahm er den Besitz mitsamt seiner Dienerschaft.

Sie fürchteten ihren neuen Herrn, den sie nur abends zu Gesicht bekamen, der das Küchenpersonal entließ und anfing, Menschen in das Verlies zu sperren. Die Diener bemerkten auch, dass er keines der Schlafzimmer benutzte. Sein Aussehen war damals für einen Hochgeborenen nichts Ungewöhnliches. Die meisten Adligen waren sehr blass, so dass man ihre Adern sehen konnte. Daher auch der Glaube an das blaue Blut.

Auf jeden Fall ahnten sie, dass ihr Herr kein Mensch war und das verängstigte sie noch mehr. Er bewegte sich lautlos, ließ kaum Kerzen anzünden, so dass die Diener öfters stolperten, weil sie nichts erkennen konnten. Die Mägde versteckten ihre Bisswunden von ihm, vor den anderen, wenn er mit ihnen zusammengelegen hatte. Trotzdem ersehnten sie das nächste Mal mit diesem schönen, makellosen Mann. Er nahm sich gern die jungen, unberührten Mädchen und manchmal musste eine von ihnen sterben.

Niemand wagte zu fragen, wo die Magd plötzlich geblieben war. Manche Merkwürdigkeiten drangen bis ins Dorf und schürten die Furcht vor dem neuen Herzog. Viele hielten ihn für den Teufel persönlich. Magnus scherte das wenig. Durch ihre Angst, blieben sie schon der Burg fern.

Langsam wuchs sein Wunsch nach einer Gefährtin, aber die vielen Affären mit anderen Unsterblichen, brachten nicht den gewünschten Erfolg. Er empfand nicht viel für diese Frauen, oder nicht das was er erhoffte. Vielleicht fand er sie ja unter den Sterblichen.

 

1091

Einige Jahrzehnte vergingen.

Eines Nachts auf einem seiner Streifzüge durch das Dorf, drang ein Weinen und Jammern, das zwischen den Häusern hervorkam, an sein feines Gehör. Neugierig schwebte er zu der Stelle, von wo er die Laute vernommen hatte. Er witterte zwei Sterbliche und sah schließlich einen Mann, der eine junge Frau bedrängte. Er hatte sie zu Boden geworfen und zerrte ihren Rock hoch. Magnus betrachtete ihr verängstigtes Gesicht und war wie elektrisiert von ihrem Antlitz. Er packte den Kerl an den Kleidern, riss ihn von ihr weg und brach ihm das Genick. Den leblosen Körper schleuderte er einige Meter in die nächste Gasse. Dann wandte er sich der Frau zu. Sie zitterte noch immer vor Angst und blickte erstaunt zu dem feinen Herrn auf. Magnus nahm ihre Hand in seine und zog sie auf die Füße: „Keine Angst! Er ist tot."

„Danke, Herr", stammelte sie. Der Unsterbliche betrachtete sie genauer, reichte ihr ein Taschentuch für ihre Tränen. Sie nahm es und fragte: „Wer seid Ihr?"

„Nenn mich Magnus! Und wie heißt du, schönes Kind?"

„Magdalena, Herr." Sie wagte nicht in seine Augen zu sehen. So schüchtern.

„Ich geleite dich nach Hause", sagte er und ließ sie vorangehen. Magdalena wischte sich mit seinem Tuch ihr Gesicht und er betrachtete sie wieder, solange sie durch die Gassen gingen. Sie war einen halben Kopf kleiner, als er, von schlanker Gestalt und unter ihrer Haube schauten einige dicke, rotbraune Locken hervor. Sie stammte wohl aus ärmeren Verhältnissen, ihrer Kleidung nach. Und wie sie sein Tuch durch die Finger gleiten ließ, hatte sie solch edlen Stoff noch nie berührt. Vor einem einstöckigen Haus blieb sie stehen: „Hier ist es, Herr! Ich danke euch für alles." Er lächelte: „Das tat ich doch gern." Sie streckte ihm sein Taschentuch hin.

„Nein, behalte es." Diesmal sah sie ihn richtig an. Sie wollte sich an ihren Beschützer erinnern können.

Was für wunderschöne, blaue Augen', hörte Magnus in ihren Gedanken. Er nahm vorsichtig ihre Hand und hauchte einen kaum spürbaren Kuss darauf. Ach, wie scheu sie errötete.

„Lebe wohl, Magdalena!"

„Gott schütze euch, Herr." Dann verschwand sie im Haus.

Er stand noch kurze Zeit davor, um zu begreifen, was gerade geschehen war. Sein Herz stand lichterloh in Flammen. Er spürte es ganz deutlich. Diese arme Sterbliche hatte es entfacht. Was für ein hübsches, keusches Wesen sie war. Das völlige Gegenteil von ihm. Wie sollte er sie nur für sich gewinnen?

Natürlich war er sehr neugierig, was sie jetzt tat und spähte zu jedem Fenster hinein. Sie lebte mit ihrem Vater und drei jüngeren Geschwistern in diesem Haus. Magdalena war der Mutterersatz, erledigte die Hausarbeit und zog die Geschwister auf.

Sie saß auf ihrem Bett, in dem noch die Schwester und ein Bruder schliefen und betrachtete sein Tuch. Sie strich über seine Initialen und flüsterte seinen Namen. Was für ein schöner, nobler Herr er war. Ob sie ihn jemals wiedersah? Sie zog die Holzpantoffeln aus, legte sich hin und versteckte das Tuch unter ihrem Rock. Da wäre Magnus jetzt auch gern, aber eigentlich traute er sich kaum sie anzufassen, geschweige denn, auf ihr zu liegen. Das erschien ihm im Moment, wie ein Verbrechen. Solch eine Blume musste sachte gepflückt werden.

 

Nun beobachtete er sie jede Nacht heimlich, bis zu jenem Abend, an dem er zum Haus ritt und anklopfte. Als der Vater ihm öffnete und ihn einließ, bat ihn Magnus um die Hand seiner ältesten Tochter. Magdalena wurde hereingerufen und der Unsterbliche spürte, dass ihr Herz einen Freudensprung machte, als sie ihn erblickte. Doch sie unterdrückte ihre Freude. Ihr Vater wunderte sich sehr, warum dieser feine Herr so eine einfache Frau wollte, die nichts besaß und nichts wert war. Erst als Magnus ihm Goldmünzen anbot, willigte er ein: „Nehmt sie mit, Herr. Wenn Ihr sie unbedingt wollt." Dieser entgegnete: „Nicht heute. Ich komme in einigen Tagen wieder."

Magdalena tröstete sich mit der Vorfreude auf ihre edle Hochzeit über die Prügel ihres Vaters hinweg. Dafür, dass sie mit einem Adligen herumgehurt hatte und so hochmütig war. Sie unterhielt sich mit einer gleichaltrigen Nachbarin über ihren Verlobten. Diese klärte sie noch über die Hochzeitsnacht auf und machte ihr ein wenig Angst davor. Magdalena konnte nicht glauben, dass ihr Retter solch unanständige Dinge tat. Magnus überlegte sich unterdessen, wann er sie verwandeln sollte und entschloss sich, es gleich nach der Vermählung zu tun. Die eigentliche Hochzeit der Beiden. Er wollte mit einer gleichwertigen Partnerin die erste Nacht verbringen.

 

Endlich konnte er sie abholen. Magnus hatte die kleine Burgkappelle mit Blumen schmücken lassen und für Magdalena schon in den vorangegangenen Wochen, ein aufwendiges Kleid anfertigen lassen und Schmuck für sie besorgt. Seine Braut war schon den ganzen Tag über, sehr aufgeregt gewesen. Sie konnte seine Ankunft kaum noch erwarten.

Als es an der Tür hämmerte, sprang sie auf und wartete, bis ihr Vater öffnete und rief, sie solle vors Haus kommen. Da stand ihr Bräutigam neben einer prächtigen Kutsche und lächelte sie an: „Steig ein!" Magnus warf dem Vater einen Beutel voll Gold zu, während sie schon Platz genommen hatte und folgte ihr dann. Er setzte sich ihr gegenüber und küsste ihre Hand zur Begrüßung. Magdalena lächelte verlegen. Am liebsten würde er ihre Lippen küssen, aber er hielt sich zurück. Wenn er verliebt war, konnte er ganz anders sein, als sonst. Zärtlich und romantisch!

Seine Braut bewunderte seine vornehmen Kleider und seine Schönheit. Das lange, hellblonde Haar, seine strahlendblauen Augen und sein feingeschnittenes Gesicht. Er hatte volle Lippen und ebenmäßige, weiße Zähne. Eine Seltenheit damals, für jemanden seines Alters. Sie schätzte ihn in den mittleren Jahren. Das musste alles ein Traum sein, dachte Magdalena, dass sie die Gattin dieses Herrn werden durfte. Magnus fragte: „Wie alt bist du, Magdalena?"

„Siebzehn, Herr", antwortete sie. Er nickte und meinte: „Wir sind bald da. Morgen Abend werden wir heiraten. Die Diener sollen sich den ganzen Tag um dich kümmern. Ich bin noch bis abends beschäftigt. Freust du dich denn?" Sie lächelte: „Ja sehr. Es ist eine große Ehre, dass Ihr mich erwählt habt. Ich werde Euch eine gute Gemahlin sein." Magnus tätschelte ihre Hand: „Schön. Ich empfinde viel für dich und ich möchte, dass du meine Gefühle teilst. Ich wusste sofort, als ich dich sah, dass du meine Frau wirst." Magdalena strich zaghaft über seinen Handrücken. Er hatte ganz zarte Haut. Keine Schwielen, wie sie, von der Arbeit. Und er war so blass gegen ihre Hand. In Zukunft würde sie Diener haben. Nie mehr arbeiten müssen, genug zu essen, schöne Kleider tragen und auf Bälle gehen. Traumhaft !

Endlich tauchte die Burg auf einem Hügel auf. Magdalena sah, dass viele Fenster beleuchtet waren und das Tor offen stand. Im Hof nahmen Stallburschen die Kutsche in Empfang. Magnus half seiner Braut aus dem Gefährt: „Dein neues Zuhause! Ich hoffe es gefällt dir." Zu einigen Mägden sagte er: „Kommt her! Bringt Magdalena in ihr Gemach und tut, was sie möchte." Solange die Frau aus einfachen Verhältnissen von zwei Mädchen gebadet, frisiert und neu eingekleidet wurde, begutachtete der Burgherr die getroffenen Vorbereitungen. Es war alles zu seiner Zufriedenheit und er zog sich in seine unterirdischen Räume zurück. Morgen Abend würde es endlich soweit sein. Magdalena wird das unsterbliche Blut von ihm empfangen.

Seine Braut bewunderte währenddessen ihr Hochzeitskleid, das auf einem Kleiderständer hing. Es war wirklich atemberaubend. Der Leib und die Oberarme aus dunkelgrünem Samt mit goldenen Stickereien und die Unterarme aus transparenter, hellgrüner Seide. Der Rock bestand aus beiden Materialien. Magdalena hätte es am liebsten gleich angezogen. Ihre Ungeduld wuchs.

Sie fragte: „Wie ist der Herzog eigentlich?" Die beiden Zofen sahen sich gegenseitig an, schwiegen zuerst, dann meinte eine von ihnen: „Wir sehen ihn nicht so oft." Die Mägde hatten Mitleid mit der armen Frau. Was hatte ihr merkwürdiger Burgherr mit ihr vor? Andererseits fürchteten sie, dass er sie nicht mehr in sein Bett holen würde, wenn erst sein Weib bei ihm lag. Alle Mägde sehnten sich nach ihrem attraktiven Herrn, der sie so befriedigend liebte. Nur seine Bisse waren schmerzhaft. Magdalena bemerkte die Wunden bei den Beiden an den Handgelenken und im Nacken. Sie dachte sich nichts weiter dabei.

 

Als die Sonne versank, erwachte Magnus bald darauf. Er stieg aus seinem schwarzen Sarkophag heraus und ging in sein Ankleidezimmer hinüber. Dort hatte er seine Kleider für die Trauung bereit gelegt. Eine dunkelrote, goldverzierte Tunika. Er legte sich noch einen Gürtel mit Schwert daran, um. Dann huschte er in atemberaubendem Tempo zur Kapelle. Ein Stück weit entfernt, ging er wieder zu den langsameren, gewöhnlichen Bewegungen über und betrat die Kirche. Magdalena stand bereits vor dem Altar und blickte sich nun um, als sie die Kirchentür zufallen hörte. Sie trug das Kleid, einen langen hellgrünen Schleier und einen goldenen Haarreifen mit Smaragden darin. Wie eine Prinzessin sah sie aus und strahlte ihm entgegen. Er lächelte zurück, stellte sich neben sie und nahm ihre Hand: „Du bist wunderschön!", flüsterte er.

Der Priester war bereits anwesend und vollzog die Trauung, die Magdalena so wichtig war. Magnus wusste das. Er gab nichts mehr auf diese menschlichen Rituale und auf die Christlichen schon gar nicht. Aber, wenn es ihr Wunsch war, wollte er ihn ihr erfüllen.

Anschließend folgte das Ritual, das Magnus am wichtigsten war. Er führte seine frisch Angetraute auf den höchsten Turm der Burg und dort küsste er sie zum ersten Mal. Sie fühlte sich wunderbar heiß an und er hörte in ihren Gedanken, was sie über ihn dachte. Seine Lippen wären so zart, aber kühl. Auch seine Finger waren kalt.

„Ach Herr, ich bin so glücklich!"

„Bitte nenn mich Magnus. Wir sind doch keine Fremden mehr. Du bist meine Gemahlin." Seine seidigen Lippen legten sich wieder auf ihre und seine Arme umschlangen sie. Er strich mit dem Mund über ihre warmen Wangen, liebkoste ihren Hals und lauschte ihrem Herzschlag. Magdalenas Hingabe wuchs. Er wartete auf seine erwachende Gier und flüsterte an ihr Ohr: „Willst du wirklich mein Leben mit mir teilen? So werden, wie ich?"

„Ja, Liebster!" Er drückte behutsam seine Zähne in ihre Haut. Magdalena spürte nur einen kurzen, stechenden Schmerz und dann wurde alles wundervoll. Magnus sog ihre schönen Visionen von ihrer Zukunft ein, wie ihren heißen Lebenssaft. Dann gab er ihr so viel von seinem Blut zu trinken, wie er nur konnte. Als ihn allmählich Schwäche überkam, entzog er ihr seinen Hals und begann es wiederum bei ihr an derselben Bisswunde auszusaugen. Er war fast schon zu schwach, hatte ihr zu viel gegeben, es kostete ihn alle Anstrengung es ihr nochmals zu nehmen, aber er schaffte es. Solange er seinen Rausch genoss, hielt er sie fest im Arm und betrachtete ihr lächelndes Antlitz. Seine Gefährtin! Endlich!

Magnus trug sie in seine Grabkammer tief unter der Burg. Dorthin gelangte kein Mensch, da er über Stockwerke die Treppe weggeschlagen hatte. Sie endete irgendwann in einem schwarzen Abgrund. Er legte Magdalena in ihren Sarkophag, der aus rosafarbenem Marmor bestand. Seiner war aus schwarzem Granit mit Gold verziert.

 

Als er erwachte, brachte er sie wieder nach oben in eines der Schlafgemächer. Er zog ihr das, von den menschlichen Ausscheidungen, verdreckte Kleid aus. Zum ersten Mal konnte er ihren nackten Körper bewundern. Die Unsterblichkeit hatte ihr eine gleichmäßige, samtene Haut beschert. Ihr Haar schimmerte in verschiedenen Brauntönen mit einem rötlichen Stich und ihre Wangenknochen waren noch höher geworden. Er streichelte über ihre Brüste, die voll und fest waren. Schon als Sterbliche hatte sie einen großen Busen gehabt. Magnus erregte dieser Anblick. Er entkleidete sich, um neben ihr liegend auf ihr Erwachen zu warten.

Magdalena erschrak ein wenig, als sie sich nackt im Bett neben ihm, wiederfand und er auch schon ausgezogen war. Sie dachte an die Worte ihrer Nachbarin, dass es weh tun würde und bluten. Magnus schien ihre Gedanken zu erraten: „Keine Angst, mein Liebling." Seine Küsse und sein Streicheln erregten Magdalena. Er war so wundervoll. Der Unsterbliche legte sich nun auf sie und drang langsam und vorsichtig in sie ein. Er wollte bei ihren Ängsten behutsam sein und sie nicht verschrecken. Sie ahnte, was er jetzt wohl mit ihr tat. Doch es schmerzte überhaupt nicht. Nur ein Kribbeln breitete sich in ihrem Unterleib aus. Als er sich bewegte, wurde es schwächer und wich einem schöneren Gefühl. Sie streichelte über seinen muskulösen Rücken. Was für zarte Haut er überall hatte. So makellos war keiner aus dem niederen Volk und sie durfte mit ihm zusammen sein, ihn berühren und seine seidigen Lippen küssen. Das fühlte sich alles so wunderbar an.

Später, als sie nebeneinander lagen, sah er Tränen auf ihren Wangen. Er wischte mit dem Finger darüber und fragte: „Warum weinst du?"

„Weil ich so glücklich bin. Ich kann das alles noch nicht glauben." Magnus lächelte sie an: „Es ist alles wahr! Du bist meine Gefährtin. Wir werden zusammen über dieses Land herrschen." Er erhob sich von der Liegestatt und trat ans Fenster. Magdalena sah ihn erstmals in voller Blöße. Sie bewunderte seine Statur. Dann stand sie auch auf und kam neben ihn. Magnus wies nach draußen: „Schau! Das gehört uns."

„Die ganzen Dörfer da unten?", fragte sie. Er legte einen Arm um ihre Taille: „Ja." Seine blauen Augen sahen sie an: „Ich liebe dich, Magdalena." Dann küsste er sie abermals und zog sie an sich. Die junge Frau erwiderte seine Zärtlichkeiten und sah aus den Augenwinkeln, wie seine Phallus zu seiner imposanten Größe heranwuchs. Ein merkwürdiges Organ. Er liebte sie noch öfters in dieser Nacht und jedes Mal schien es ihr besser zu gefallen. Ihre vampirartige Leidenschaft erwachte immer stärker. Bald musste er ihr die Wahrheit über sich sagen. Magdalena fühlte den Morgen. Ihre Glieder wurden früher schwerer als seine. Nun musste Magnus sie aufklären: „Liebste, ich muss dir etwas gestehen."

„Ja, Magnus?" Er blickte zu Boden, haderte mit sich: „Ich ... ich bin kein Mensch." Sie erwiderte erstaunt: „Kein Mensch? Aber was dann?" Er rang mit sich selbst: „Ein Unsterblicher! Ich kann ewig leben. Und du bist nun ebenfalls unsterblich." Magdalena legte die Hand auf ihre Brust: „Ich? Aber ich fühle mich gar nicht anders."

„Hast du schon in den Spiegel gesehen? Deine Haut, deine Haare, dein ganzer Körper?" Sie schüttelte den Kopf und stellte sich vor das spiegelnde Metall. Was sie sah, war eine Fremde. Ihr Gesicht war noch schmaler geworden und so blass. Sie sah, wie eine Hochgeborene aus. Auch die blauen Male waren restlos verschwunden und ihre Zähne strahlten, wie seine.

„Was ist nur geschehen? Wie wurde ich dazu?" Er trat hinter sie: „Durch mein Blut. Ich gab es dir zu trinken. Öffne deine Lippen. Du musst die ganze Wahrheit wissen." Magdalena erschrak über ihre Reißzähne. Sie schlug die Hand davor und als sie, sie bei ihm sah, rannte sie zum Bett.

„Was ist das für eine Unsterblichkeit? Was bin ich?" Er meinte: „Nun gut. Ich kann es dir nicht verschweigen. Wir sind Dämonen, gefangen in der Finsternis." Sie brach in Tränen aus: „Was hast du mir angetan? Du hast mich zur Hölle verdammt." Magdalena breitete ihre Hände aus und sah zur Decke: „Oh Gott, rette mich!" Magnus stand plötzlich vor ihr: „Bitte, Magdalena! Beruhige dich. Es ist nicht schrecklich. Wir können vieles, was für Menschen nicht möglich ist und wir sind fast unverwundbar. Du wirst immer jung und wunderschön bleiben und du kannst tun, was du willst." Sie sah ihn zornig an: „Teufel! Du hast mich zum Bösen verführt mit deiner falschen Schönheit. Zeig endlich dein wahres Gesicht, Dämon!" Magnus blieb gelassen: „Ich habe kein anderes und du auch nicht. Die Sterblichen sehen uns ein wenig anders." Sie schniefte: „Ja. So wie du mich geblendet hast mit deiner schönen Schale." Magdalena sank kraftlos auf das Bett und starrte zu Boden: „Ich wollte doch nur ein schönes Leben. Warum werde ich so hart bestraft?" Magnus wurde ärgerlich: „Strafe, hm? Ich schenkte dir das ewige Leben und du verfluchst mich."

„Ewiges Leben? Ein Dasein in der Hölle!", schrie sie. Magnus erwiderte: „Gut, wie du meinst. Ich lege mich jetzt zur Ruhe. Komm mit!" Er ergriff ihren Arm, aber sie zierte sich: „Wohin?" „Runter in meine Kammer. Wir müssen uns schlafen legen."

„Warum nicht hier?", fragte sie. Er antwortete ungeduldig: "Wir verbrennen im Tageslicht. Deshalb!" Magnus zerrte sie weiter, aber sie sträubte sich. Dann packte er sie unter den Arm und trug sie mit sich. Seine Gefährtin versuchte freizukommen.

„Sei ruhig, Magdalena! Willst du verbrennen?" Sie sah den schwarzen Abgrund im Turm und schrie: „Nein, ich will nicht sterben." Magnus schwebte hinab: „Du kannst nicht mehr sterben und hier sind wir sicher vor der Sonne und den Menschen." Magdalena befand sich nun am Grund des Turms. Es war feucht und modrig hier unten. Trotz ihrer Nacktheit fror sie nicht. Ihr Schöpfer führte sie durch eine Tür und ein beleuchteter Gang tauchte vor ihnen auf. Dann stiegen sie in die Grabkammer. Magdalena bekam wieder Angst: „Wo sind wir?" Magnus öffnete den rosaroten Marmorsarkophag: „Hier ist dein Schlafplatz. Meiner ist dort." Und zeigte auf den schwarzen. Sie schüttelte energisch den Kopf: „Nein, da liege ich nicht hinein. Niemals!"

„Stell dich nicht an! Es geschieht dir nichts. Du brauchst nicht mehr zu atmen und du siehst im Dunkeln. Also, steig hinein!" Sie blieb am Rand des Sarges stehen und spähte ins Innere. Es lag ein Samtkissen und eine seidene Decke darin und darüber waren frische Blüten verstreut. Magdalena nahm eine davon in die Hand und roch daran. Wie stark sie duftete.

„Gefallen sie dir?" Sie fragte: „Hast du sie hinein getan?" Ihr Gefährte trat vor sie hin und küsste sie: „Ja, sonst kommt hier niemand her. Bitte, mein Liebling! Leg dich schlafen." Magdalena nickte und stieg in den Sarkophag. Sie war zu schwach, um sich weiter zu sträuben. Magnus schloss den Deckel über ihr und legte sich in seinen. Kaum hatte sie sich auf das weiche Kissen gebettet, schlummerte sie ein. Er lag noch eine Zeit lang wach und dachte über Magdalenas Reaktion über ihr neues Dasein nach. Er hoffte sehr, dass sie es bald so genießen konnte, wie er es tat. Wie wird sie erst reagieren, wenn er ihr sagen muss, dass sie sich von lebenden Menschen ernährten.

 

Am nächsten Abend, als sie erwachte, vernahm sie so viele Geräusche. Irgendwo plätscherte Wasser, Ratten fiepten und das Geräusch von brennenden Kerzen war zu hören. Sie erkannte die marmorierten Innenwände ihrer Schlafstätte und ihren Körper. Es war nicht finster hier drin. Ein Krampf erfasste sie plötzlich und sie schrak auf: "Magnus, hilf mir!" Der Deckel wurde zur Seite geschoben: „Was ist, Liebes?"

„Ich habe Krämpfe." Er zog sie an der Hand herauf: „Das vergeht. Komm, zieh dich an. Dann können wir hinaus." Es lag schon ein weiteres wunderschönes Kleid bereit. Diesmal in blauem Samt. Magnus half ihr hinein. Ihr war unwohl und eine Unruhe war in ihr. Magdalena war erstaunt, als Magnus sie hinauftrug, bis die Treppe anfing. Konnte sie das auch?

„Natürlich", meinte er lächelnd. „Wir können fliegen, wie die Vögel. Du musst es dir nur vorstellen können." Sie traten schließlich in die Wohnräume der Burg. Magdalena hörte die Diener. Ihr Flüstern, ihre Schritte und ihre Herzen. Ein leises Pochen drang an ihr Ohr. Zum ersten Mal sah sie die Menschen mit ihren Vampiraugen. Ein Diener verneigte sich vor ihnen, um die Befehle des Herzogs entgegenzunehmen. Magdalena achtete nicht auf die Worte, sondern nur auf die Geräusche seines Körpers. Er dünstete einen angenehmen Geruch aus und seine Haut war dunkel und schweißglänzend im Gegensatz zu ihrer matten, blassen Samthaut. Ihr Gefährte spürte ihre wachsende Gier. Er geleitete sie zu ihrem Frauengemach, wo ihre Zofen schon ein Bad hergerichtet hatten. Magnus schlich unbemerkt hinterher. Er wollte es selbst sehen, wie sie das erste Mal trank.

Die schlagenden Herzen machten die Herzogin fast wahnsinnig. Magdalena wehrte sich gegen ihre Gier. Sie hörte die Gedanken der Beiden. Sie bewunderten ihre plötzliche makellose, helle Haut und ihr leuchtendes Haar. Es war so seidig geworden. Die Unsterbliche klammerte sich an den Wannenrand, um das Mädchen nicht zu packen, das sich ahnungslos über die Wanne beugte, um heißes Wasser nachzugießen. Magdalena starrte auf ihren Nacken, sah die Adern unter der Haut pochen. Der Dämon gewann die Oberhand. Wasser spritzte auf, ein Schrei hallte durchs Zimmer und die andere Magd sah, wie die Herrin das Mädchen in den Hals gebissen hatte und in die Wanne zog. Sie ließ ihren Eimer fallen und rannte in Panik hinaus. Sie rief nach anderen Dienern.

Trotz ihrer Gier, begriff Magdalena, dass sie flüchten musste. Sie schleppte ihr Opfer zur Tür hinaus, über den Gang, in das Zimmer ihres Gatten. Magnus folgte ihr.

Als die Diener in das verlassene Gemach stürmten, zeugte nur das blutige Wasser, von dem Verbrechen. Alle bekreuzigten sich und riefen die Heiligen an. Die Dämonen mussten irgendwie besiegt werden, aber die meisten fürchteten um ihr Leben und unternahmen, außer Gebeten und Schutzzeichen nichts. Der Herzog war zu mächtig.

Magnus beobachtete seine Geliebte mit Erregung. Er war in sein offizielles Schlafgemach hereingekommen und blieb aber einige Ellen entfernt stehen. Das Mädchen war bereits tot und seine Gattin machte sich, wie eine Wölfin über die Reste her. Magdalena fühlte sich wunderbar. Sie sank neben der Toten nieder und genoss ihre Empfindungen. Als der Rausch vorbei war, schreckte sie auf. Sie starrte auf die zerfleischte Leiche und begriff, dass sie das gewesen war. Die Unsterbliche begann zu weinen: „Oh Gott! Was habe ich getan?" Magnus näherte sich: „War ihr Blut schmackhaft, Liebste?" Sie sah ihn flehend an: „Ich will kein Teufel sein. Mach mich zu einem Menschen. Bitte Magnus!"

„Das geht nicht. Es ist nicht rückgängig zu machen." Magdalena vergrub ihr Gesicht zwischen den Armen und weinte bitterlich.

Schließlich rannte sie aus dem Raum und blieb an den Burgmauern stehen. Ihr Blick schweifte über das Land und sie sah auf den Burggraben hinab. Mit einem Satz sprang sie über die Brüstung und ließ sich fallen. Ihr Körper klatschte auf dem Wasser auf und versank. Magnus kam zu der Stelle von der sie gesprungen war, lächelte und meinte in Gedanken:  ‚Du kannst so nicht sterben.'

Magdalena zwang sich unter Wasser zu bleiben, aber es geschah nichts. Ihre Augen durchdrangen das Dunkel des Wassers und sie bekam keine Atemnot. Ihr Gemahl rief nach ihr: „Magdalena, komm herauf! Du kannst dich nicht töten." Schließlich tauchte sie wieder auf: „Zu was hast du mich da verdammt."

„Nicht verdammt. Ich gab dir ewiges Leben." Er schwebte über ihr und streckte seine Hand aus: „Komm. Ich ziehe dich hoch." Und griff nach ihrem Arm, um sie aus dem Wasser zu ziehen.

Kurz darauf stand sie mit nasser Haut oben auf dem Turm. Es fühlte sich kühl an, aber sie fror nicht. Trotz des Windes, der hier oben um sie wehte. Magnus sagte: „Zieh dir etwas Trockenes an. Wenn die Diener dich so sehen." Sie erwiderte nichts. So entsetzt war sie von ihrer neuen Natur. Wie mechanisch, ließ sie sich von ihrem Gefährten in das Innere der Burg ziehen und nahm das Kleid entgegen, das er ihr hinhielt. Tränen kullerten über ihre Wangen und ihre Augen blickten abwesend vor sich hin. Magnus machte sich Sorgen. Er küsste ihre Lippen, aber es kam kein Erwidern. „Magdalena, Liebes. Was ist mit dir? Kann ich etwas für dich tun?" Sie schüttelte ein wenig den Kopf und setzte sich ans Fenster. Er ging schließlich.und hoffte, dass sie morgen wieder normal sein würde. Die Neugeborene war von einer Kraft erfasst worden, die sie hinaus in die Ferne trieb. Sie flog über die Wiesen vor ihrem Anwesen und immer weiter.

 

Magnus stand gegen Morgen auf dem Turm und blickte ungeduldig in die Ferne. Er spürte bereits den Morgen und sein Weib war immer noch nicht zurück. Endlich sah er ihre Umrisse im Nachthimmel.

Magdalena, beeil dich! Es wird bald Tag.'

Ja, Magnus.' Kurz darauf setzte sie neben ihm auf.

„Wo warst du?" Er ging mit ihr hinein: „Geht es dir besser?" Sie nickte nur. Magnus umarmte und küsste sie erleichtert, hob ihren Rock, um an ihre nackten Schenkel zu gelangen. Seine Gefährtin wurde von einer plötzlichen, heftigen Erregung erfasst. So etwas kannte sie noch nicht. Ihr Atem ging stoßweise und ihr Unterleib pulsierte. Schließlich ihr ganzer Körper. Wie der Durst zuvor, schien die Lust sie auffressen zu wollen. War das bei den anderen auch so?

„Ja, Liebste!", hauchte Magnus. „Ich vergehe fast. Genauso, wie du." Er drängte sich mit ihr an eine Wand und zog ihre Beine nach oben. Magdalena schämte sich. Wenn sie jemand dabei sah.

„Lass die menschlichen Gedanken. Das alles ist jetzt unwichtig", sagte er. „Wir kennen keine Reue mehr." Sie spürte ihn, ersehnte seine Stöße so sehr, wie nie zuvor, damit er dieses triebhafte Verlangen befriedigte. Er war heftig, aber sie genoss es. Sie hatten auch ihr Blut ausgetauscht. Er schenkte ihr ein wenig seiner Kraft: „Ich liebe dich. Ich kann nichts dagegen ausrichten. Du hast mich in der Hand und manchmal macht mich das wütend. Ich bin es gewohnt, frei zu sein und unabhängig. Aber nun bin ich an dich gekettet und möchte nicht, dass wir uns trennen müssen." Magdalena erwiderte: „Warum sollten wir das auch? Ich liebe dich doch ebenfalls. Keiner kann sich mit dir messen." Er rückte seine Kleider wieder zurecht: „Gehen wir schlafen, Liebste." Eine Magd hatte die Herrschaften beobachtet. Bei seinem Weib war er also genauso unbeherrscht, wie bei seinen Gespielinnen. Sie hatte gesehen, wie der Herr der Herzogin in die Kehle gebissen hatte, Blut geflossen war und sie gefaucht hatte, wie eine Katze. Ihre Augen hatten gefunkelt und die Magd hatte die langen Zähne gesehen. Es waren wahrhaftig Teufel oder Dämonen, wie im Dorf behauptet wurde. Er hatte seine arme Braut dazu gemacht.

Als die Magd sich davon stehlen wollte, stand plötzlich ihr Herr vor ihr: „Du hast uns gesehen." Er packte ihren Arm: "Ich muss dich leider ins Verlies sperren." Sie bettelte: „Bitte, Herr. Ich sage es niemandem. Wirklich niemandem, aber lasst mich gehen." Magnus schüttelte den Kopf: „Ich glaube dir nicht. Komm schon mit. Du wirst nicht lange da unten sein."

„Was geschieht mit mir?" Er sagte ungerührt: „Ich werde dein Blut trinken, wenn es Zeit ist." Dabei entblößte er seine Zähne. Die Magd wurde starr vor Entsetzen und er warf sie in ihre finstere Zelle. Magdalena hatte von alldem nichts bemerkt. Sie befand sich schon in der Grabkammer.

 

Der Burgherr bediente sich nach zwei Nächten an dem eingesperrten Mädchen. Ihr Verschwinden ängstigte wieder einmal die Dienerschaft. Ab und zu kam das vor und keiner sah die Leute jemals wieder. Magnus versenkte die Leichen meistens im Burggraben. Der Grund war mit Knochen übersät.

Magdalena fühlte die nackte Angst, ihr entgegenschlagen, als sie vor einigen Dienern erschien. Das machte sie zutiefst traurig. Sie war nun ein Teufel für diese Leute. Sie suchte einen Pfarrer auf, um zu erfahren, was sie erlösen könnte. Doch der bewarf sie nur mit Verwünschungen, als er erkannte, was für ein Wesen sie war. Magdalena warf sich vor den Altar ihrer Burgkapelle und bettelte, um ihr sterbliches Leben. „Herr, nimm diesen Fluch von mir! Ich kehre zu meinem Vater zurück und bleibe dort für immer. Sag, was ich tun soll. Bitte mach mich wieder zu einem Menschen. Ich kann das nicht ertragen. Und das soll ewig so weitergehen? Nacht um Nacht, Tote um Tote. Sie hassen mich. Jeder verachtet das was ich bin, ein teuflisches Wesen!" Sie rief es lauter: „Ja, ein Diener Satans hast du aus mir gemacht. Verflucht seiest du in alle Ewigkeit!" Magnus hörte es, aber ließ sie weitertoben. Wenn sie sterben müsste, dann würde sie ihn anflehen, sie zu retten. Dumme, bigotte Sterbliche! Ihr Verstand war noch menschlich. Bald würde sich das ändern, davon war er überzeugt. „Magdalena, was soll der Unfug? Was rufst du dieses Kreuz an? Das hat keine Ohren." Sie zischte: „Ungeheuer! Geh weg!" Er kam näher: „Was weißt du schon von Gott. Wo war er, als wir hier vor dem Altar standen und der Priester uns vermählte? Er hat nicht verhindert, dass du, eine Jungfrau, einen Dämon heiratest. In seiner Kirche, Schatz. Überleg es dir einmal!" Sie lag auf den Steinfliesen und weinte. Dann schniefte sie: „Gibt es nichts, was uns zurückbringt? Möchtest du nicht wieder menschlich sein?" Er lachte: „Bestimmt nicht! Ich will keine Krankheiten, keinen Tod, oder die ganzen Beschränkungen. Vielleicht bin ich schon zu lange unsterblich."

„Wie lange denn?", fragte sie.

„Zweihundert Jahre bereits. Bitte Magdalena. Steh auf und komm mit nach unten. Ich möchte doch, dass du glücklich bist. Unser Dasein kann sehr schön sein. Wir sehen die Dinge mit anderen Augen und begreifen alles schneller. Die ganze Welt steht uns offen." Sie betrachtete ihn, als sie sich aufrichtete. Wenn er doch nicht so schön wäre, dann würde sie fortgehen. Aber sobald sie ihn anblickte, verfiel sie ihm wieder. Dem schönen Teufel! Magdalena betrachtete seine Silhouette vor dem helleren Fenster. Sein hellblondes, langes Haar reichte ihm fast bis zur Mitte des Rückens. Glatt ergoss es sich hinab. Er war groß und gut gebaut. In der Blüte seiner Jahre unsterblich geworden. Auch fühlte sie die Liebe, die er ihr entgegenbrachte. Dieses Gefühl hauste auch in Wesen, wie ihm. Damit konnte er sie nicht belügen. Durch ihre Unsterblichkeit wusste sie es, konnte sie in sein Herz sehen. Wie untröstlich er jetzt aussah. Fast bemitleidenswert. „Magnus, ich würde lieber ein sterbliches Leben mit dir führen. Wir könnten Kinder haben und all das." Er verneinte: „Bald wirst du mich verstehen. Für uns gibt es kein Zurück. Nie mehr!" Dann zog er ein Taschentuch aus seiner Jacke und reichte es ihr: „Weine nicht mehr." Magdalena nahm es und schmiegte sich an seine Brust. Er strich ihr über das Haar und küsste ihre Wange. Sie fühlte sich geborgen in seinen Armen und schloss die Augen. er hob sie hoch, die Luft strich an ihr vorbei und lautlos schwebte er mit ihr die Treppen vom Turm hinab, durch die Räume, bis zu den abrupt endenden Stufen. Erst jetzt öffnete sie wieder ihre Lider und sah seine leuchteten, blauen Augen, die sie anblickten: „Magnus, wie können wir sterben?"

„Du meinst, was uns tötet?" „Ja", flüsterte sie. Er setzte sie auf einen Stuhl in der Grabkammer: „Du würdest dich umbringen, wenn ich es dir sage. Ich möchte dich nicht verlieren." Magdalena beobachtete ihn. Er schob den Deckel seines Sarges auf und wandte sich wieder um.

„Schlaf heute bei mir. Ich will dich nicht allein lassen." Sie nickte und erhob sich vom Stuhl, um zu ihm zu gehen.

„Kann ich noch Kinder von dir empfangen?" Er schüttelte den Kopf: „Nein. Auch nicht von sterblichen Männern. Das ist bei unserer Art so. Nur durch unser Blut können wir andere verwandeln." „Welch ein Jammer! Ich hätte gern einen Sohn von dir gehabt." Er lächelte erfreut: „Ja, ich von dir ebenfalls. Aber wir haben doch uns. Genügt es dir nicht?" Magdalena entledigte sich ihres Kleides:„ Doch. Es wäre nur schöner gewesen. Ich wünschte mir immer Kinder." Als er ihre Blöße erblickte, kam er hinter sie und küsste ihre Schultern: „Du bist so schön, meine Teure. Verdiene ich das überhaupt?" Sie drehte sich um: „Ja, das tust du. Ich bin dir verfallen, mein Teufel." Dann fragte sie: „Wie war das bei dir damals? Als du so ein Wesen wurdest?" Magnus hatte ihr seine Entstehung noch nie erzählt, oder über sein sterbliches Leben davor. „Ach, Süße. Das ist lange her. Ich war ein Krieger, kämpfte und tötete. Bis ich in die Gefangenschaft der Normannen geriet. Ich sollte ihrem blutrünstigen Gott geopfert werden. Diese Ehre hatten nur die tapfersten Kämpfer. Dieser Gott war ein Unsterblicher, wie wir und er gab mir sein Blut zu trinken." Magdalena fragte: „Wusstest du, was du warst?"

„Nein, nicht genau. Ich wusste nur, dass mir der Tag schadet, dass ich Blut trinken musste und dass ich stärker und schneller war, als vorher. Mein Schöpfer schickte mich in nach einigen Nächten schon fort. Ich stand ganz am Anfang, aber dieses Leben gefiel mir. Ich dürstete nach neuen Abenteuern und reiste durch die Welt, bis ich vor einigen Jahrzehnten hier ankam. Dann sehnte ich mich immer mehr nach einer Gefährtin, fand sie aber nicht. Bis ich dich traf." Sie fragte zweifelnd:  „Was ist an mir besonderes? Du suchtest zwei Jahrhunderte und fandest keine Gemahlin?" Er lächelte ihr zu: „Keine, so wie du. Ich verliebte mich. Ganz einfach!"

 

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