8


Mitte November 1254

Das also ist La Serenissima«, stellte Arel fest. »Nun ja. Recht beeindruckend.«

Ravena und Rollo lehnten neben ihm an der Reling und sahen zu den Silhouetten der Häuser hinüber, die sich am Horizont abzeichneten. Die Gebäude waren überstrahlt von einem seltsam diffusen Licht, in dem die ganze Stadt zu schweben schien, durchscheinend und schwerelos.

Die Luft war frisch und salzig; vom offenen Meer wehte eine steife Brise, die das Segel ihres Bootes zum Knattern brachte.

Nael erkannte die Anspannung unter der Ravena stand an ihrer starren Haltung und den weiß hervortretenden Fingerknöcheln ihrer Hände, die das Holz der Bordwand umklammerten, als gelte es, sich gegen einen Sturm zur Wehr zu setzen. Ihm selbst erging es nicht anders. Der Anblick von Venedig war wie ein Tritt in den Magen gewesen. Noch immer blieb ihm die Luft weg, und sein Herzschlag setzte stolpernd aus, um dann mit der Wucht eines Schmiedehammers weiterzudröhnen. Er war davon überzeugt gewesen, ihrer Ankunft gelassen entgegensehen zu können. Mit diesem Aufruhr in seinem Inneren hatte er nicht gerechnet. Vielleicht hatte er unbewusst einen Laut ausgestoßen, denn in Arels Zügen zeigte sich eine Spur von Besorgnis, die jedoch sofort wieder hinter einer Maske lächelnder Ausdruckslosigkeit verschwand, deren er sich bediente, wenn er nicht preisgeben wollte, was ihm gerade durch den Kopf ging.

»Diese Stadt ist ein Labyrinth«, stellte Rollo fest. »Wie sollen wir einen einzelnen Jungen da jemals finden?«

Rollos Worte schienen Ravena zu treffen. Sie suchte Naels Blick und hielt ihn fest. Er bemerkte die Furcht in ihren Augen, bevor sie die Lider senkte und das Gesicht von ihm abwandte.

»Zuerst brauchen wir eine Unterkunft«, verkündete er gewollt launig. »Dort richten wir uns häuslich ein und nehmen dann unsere Nachforschungen auf.«

Er wandte sich an den Bootsführer und sagte ihm einige Worte in Veneziano. Der Mann nickte. Mit ruhigen Handgriffen bediente er das Segel und korrigierte nur hin und wieder den Kurs, wenn sie eine der mit Schilfrohr überwucherten Inselchen passierten, unbewohnt und karg wie viele der winzigen Eilande, die es in der Lagune gab. Bald zeichnete sich in der Ferne eine lang gestreckte Insel ab, die wie eine Barriere gegen das Meer wirkte.

»Das ist der Lido di San Nicolò«, erklärte Nael. »Im Norden der Insel befindet sich eine Durchfahrt von der Lagune in die Adria. Fast alle Schiffe, die Venedig ansteuern, kommen dort vorbei egal ob Händler, Kriegsgaleeren oder Sklavenschiffe.«

Der Bootsmann warf seinen Passagieren einen abschätzenden Seitenblick zu, sagte jedoch nichts und konzentrierte sich wieder auf sein Boot.

»Sklavenschiffe?«, hakte Arel nach. »Du glaubst? ...«

»Ich glaube gar nichts, Arel. Es wäre jedoch fahrlässig und dumm nicht alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.«          

»Dieses Venedig gefällt mir nicht«, brummte Rollo. »Es gibt hier eindeutig zu viel Wasser. Ein Mann sollte immer festen Boden unter den Füßen haben.«

Ravena ließ die Reling fahren, sah ihn an und rang sich ein kleines Lächeln ab.

 »Hilft es, wenn ich gestehe, mich ebenfalls ein wenig zu fürchten?«

»Nicht sehr«, bekannte Rollo.

»Nun, was würde dann helfen, dich zuversichtlicher zu stimmen?«

»Ich … ich fürchte gar nichts, Madonna. Seht, ich bin nur ein ungebildeter Krieger. Kein Astrologe, der aus den Sternen die Zukunft zu errechnen vermag. Doch ich erkenne ein aussichtsloses Unterfangen, wenn ich es sehe.« Er machte eine Handbewegung, die sowohl das Boot als auch die Anwesenden umfasste. »Und das hier ist aussichtslos.«

»Gib Ruhe, du alter Griesgram«, tadelte Arel. »Solche Schwarzmalerei führt nur dazu, uns verzagt und mutlos zu machen. Und das können wir jetzt wirklich nicht gebrauchen.«

Rollo grummelte noch eine Weile vor sich hin, da die anderen ihn jedoch einfach ignorierten, wandte er sich schließlich wieder der Aussicht zu.

Von der Hauptinsel wehte der Klang von Kirchenglocken zu ihnen heran. Es war die Stunde des Abendgebetes und die meisten der Boote, welche die Lagune bevölkerten, strebten ihren Liegeplätzen für die Nacht entgegen.

Nael hatte ihre Reisezeit mit Bedacht so gewählt, dass sie erst mit der Dämmerung an ihrem Ziel ankommen würden. Der Freund, den er wegen eines Quartieres aufsuchen wollte, würde dann von seiner Arbeit im Arsenal heimgekehrt sein. Wobei Nael nur hoffen konnte, dass Niccolò noch das Privileg genoss, auf dem Lido wohnen zu dürfen, und man ihn nicht aufgefordert hatte, in die Quartiere der Arsenalotti nach Castello umzuziehen.

Der Bootsführer hob die Hand und zeigte wortlos nach vorne. Das Ufer war nur noch weniger Bootslängen entfernt. Eine Kaimauer und zwei hölzerne Stege bildeten einen Anlegeplatz für einige kleinere Boote. Dahinter erstreckte sich eine sandige, schilfbewachsene Fläche, fremdes Ödland, das sich in der herabsinkenden Dämmerung verlor.

Der Bootsführer manövrierte geschickt an den Steg heran. Nael kletterte aus dem Boot und nahm die mitgebrachte Laterne an sich. »Wartet hier auf mich. Ich will zunächst sicherstellen, dass wir hier willkommen sind.«

Arel öffnete dem Mund zu einem Einwand, doch Nael wandte sich um und marschierte einfach los.

Zu seiner Erleichterung hatte sich die Gegend kaum verändert. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichte er eine Ansiedlung, die aus einem Gutshaus und einigen Bauernkaten bestand. Das Gutshaus war von einer mannshohen Mauer umgeben. Nael steuerte auf das imposante Tor zu, wo ein Diener gerade damit beschäftigt war, die im Torbogen hängende Laterne zu entzünden.

 »Paolo? Bist du das?«

Der Diener musterte den Ankömmling mit einem misstrauischen Blick. »Wer will das wissen?«

Nael senkte die Laterne und machte einen Schritt nach vorne. Der Diener starrte ihn an, wie einen von den Toten auferstandenen Geist, während ihm die Kinnlade langsam heruntersackte. »Mio Dio, è lui!«, stieß er endlich hervor. »Welche Freude! Messèr Ren…«

Nael hob abwehrend die Hand. »Still! Keine Namen. Ist Niccolò zu Hause?«

»Ja. Kommt, ich führe Euch zu ihm. Er wird sich freuen, Euch wohlauf zu sehen.«

Paolo führte ihn über eine Außentreppe in den zweiten Stock des Hauses. Sie betraten ein Vestibül und dann einen Saal, der kleiner war als in den noblen Häusern entlang des Canal Grande, doch nicht minder elegant eingerichtet. Der Diener bat Nael, zu warten, um ihn beim Hausherrn anzumelden, doch Nael gebot ihm auch hier mit einer Geste Einhalt. »Ist Niccolò allein?«

Der Diener seufzte theatralisch. »Zu meinem Leidwesen ja. Er macht einfach keine Anstalten, sich zu verheiraten.«

»Dann zeig mir einfach, in welchem Zimmer er sich aufhält. Und bring uns einen Imbiss, sei so gut.«

Paolo zeigte auf eine Tür, verbeugte sich stumm und entfernte sich.

Nael öffnete die Tür und trat ein. Der Hausherr stand am geöffneten Fenster und sah auf das Meer hinaus. Beim Geräusch der Tür wandte er nicht einmal den Kopf, sondern sagte nur: »Stell das Essen einfach auf dem Tisch ab, Paolo. Ich bin noch nicht hungrig.«

»Dann ist es ja gut«, sagte Nael. »Denn auf dein Essen wirst du noch ein Weilchen verzichten müssen, mein Freund.«

Beim Klang der unerwarteten Stimme drehte Niccolò sich hastig herum und starrte seinen Besucher an. Dabei wechselte sein Gesichtsausdruck von Fassungslosigkeit zu ungläubigem Staunen. »Herr im Himmel! Reni. Ich traue meinen Augen nicht! Bist du es wirklich?«

»Bin ich, Nicco. Ich würde es doch niemals wagen, dir nur meinen Geist zu schicken. So schreckhaft, wie du schon immer warst«, erklärte Nael grinsend.

»Der gleiche Rotzlöffel wie früher, eh? Lass dich umarmen, Freund!«

Mit zwei, drei, schnellen Schritten war er bei Nael, umfasste erst seine Schultern und zog ihn dann in eine Knochen brechende Umarmung, die Nael gleichermaßen erwiderte.

Begeistert schlugen sich die Männer gegenseitig auf den Rücken, hauptsächlich um die Rührung zu überspielen, die sie beide ergriffen hatte.

»Es ist gut, dass du wieder da bist«, sagte Niccolò schließlich. »Wo hast du dich nur so lange herumgetrieben?«

»Oh, hier und dort. Ich erzähle es dir bei Gelegenheit. Aber zuvor möchte ich dich um etwas bitten. Eigentlich sind es drei Dinge, um genau zu sein.«

»Nun, lass mich raten. Du brauchst eine Mahlzeit und einen anständigen Wein dazu.«

»Ja, das auch. Doch zuerst eine Unterkunft. Für mich, meine drei Begleiter und fünf Soldaten. Sie warten an deiner Anlegestelle. Das wäre meine erste Bitte.«

»Schon gewährt. Ich schicke gleich einen Knecht, um sie abzuholen. Zweitens?«

»Erzähl niemandem, dass ich hier bin. Ganz besonders nicht meiner Familie, hörst du? Ich weiß, dass es dir unnötig grausam erscheint«, fuhr er hastig fort, als er die sturmumwölkte Miene seines Freundes sah. »Aber sie dürfen nicht erfahren, dass ich wieder in Venedig bin. Wenn meine Mutter oder meine Schwestern davon wüssten, würden sie früher oder später Dummheiten machen. Alle ihre Freundinnen einladen, um es ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit zu erzählen, etwa. Ich bitte dich inständig, Nicco. Ich teile deine Abneigung gegen solche Maßnahmen, aber es geht nicht anders, glaube mir. Ich kann nicht zulassen, dass sie meinetwegen erneut in Gefahr geraten.«

Diesmal zögerte Nicco wesentlich länger. Aber schließlich nickte er knapp. »Und drittens?«

»Mein Name ist jetzt Nael. Vergiss, dass du je von einem Mann namens Renier gehört hast.«

Niccolò sah ihn einen Moment lang an und bemerkte: »Gehe ich recht in der Annahme, dass du ganz schön in der Tinte sitzt?«

»Wie bitte?«

»Eine Familie, die du schmerzlich vermisst, die du aber nicht sehen willst. Ein Besuch, von dem niemand erfahren darf. Du hast Soldaten bei dir und versteckst dich obendrein hinter einem fremden Namen.« Niccolò schnaubte. »Schöner Schlamassel.«

Nael seufzte. »Ich hätte es kaum treffender ausdrücken können. Leider ist die Geschichte komplizierter, als es den Anschein hat. Ich muss dich daher warnen. Wenn du mir hilfst, handelst du dir unter Umständen mehr Schwierigkeiten ein, als dir lieb sein kann.«

Nicco lächelte, und mit einem Mal verwandelte seine angespannte Miene sich in ein übermütiges Lausbubengesicht. »Großartig. Genau wie früher.«

Nael schnitt eine Grimasse. »Hüte dich, mein Freund. Sich mit mir einzulassen ist ein gefährlicher Luxus geworden.«

Paolo kam herein und stellte ein Tablett mit dampfenden Schalen und Krügen auf den Tisch. Der Hausherr wies ihn an, einen Boten zur Anlegestelle zu schicken. Paolo nickte und eilte hinaus.

Der Hausherr vollführte eine einladende Geste. »Komm, Nael. Ich bin sicher, du hattest eine weite Reise. Iss und trink und erzähle mir, wie es dir ergangen ist. Warum darf niemand von deiner Anwesenheit erfahren?«

Nael ergriff eine der Eintopfschalen und begann zu löffeln.

»Ich habe anscheinend eine Menge Feinde hier in der Stadt«, sagte er zwischen zwei Bissen.

»Anscheinend?«, hakte Niccolò nach.

»Ja, ich bin ziemlich durcheinander«, räumte Nael ein. In knappen Worten berichtete er von Taruns Entführung und seinem Verdacht, was die Ursache betraf.

Nicco schüttelte fassungslos den Kopf. »Du kannst wirklich jede Hilfe gebrauchen.«

»Du sagst es. Wenn du die Wahrheit wissen willst: Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich die Sache angehen soll.«

»Es sieht nicht sehr rosig für den Jungen aus.«

»Ich weiß.« Nael sah seinem Freund in die Augen. »Was soll ich tun? Den Schwanz einziehen und davonkriechen?«

»Deinen Vater um Hilfe bitten?«, schlug Nicco vor.

Nael schüttelte den Kopf. Es war nicht so, als hätte er nicht an Florimond Contarini gedacht. Doch ihn konnte er unmöglich um Hilfe bitten. Schon einmal hatte er seinen Vater durch seine Dummheit in Gefahr gebracht. Ein weiteres Mal kam nicht infrage.

»Du sagst, der Junge kann sich weder an seinen Namen noch an seine Herkunft erinnern«, nahm Niccolò den Faden wieder auf. »Hier sollten wir ansetzen und versuchen, etwas darüber herauszufinden.«

»Wir? Heißt das, du wirst mir helfen?«

»Du kannst schwerlich durch Venedig laufen und die notwendigen Fragen stellen, oder? Auch wenn du eine ganze Reihe von Jahren nicht mehr in der Stadt warst, könnte dich doch jemand erkennen.«

Nael hob seufzend die Schultern. »Auszuschließen ist es nicht.«

»Ein Jammer. Ich wünschte nur, ich hätte eine Möglichkeit, deine Schwester Helena wissen zu lassen, dass du wohlauf bist. Gott allein weiß, welche Gerüchte und Schauergeschichten sie gehört hat.«

Du hast ja keine Ahnung, dachte Nael. Florimond hatte mit Sicherheit dafür gesorgt, dass die Wahrheit nicht ans Licht kam. Für seine Geschwister hatte er sich demnach einfach in Luft aufgelöst. Was für Helena vermutlich schwerer zu ertragen war, als das Wissen um die Verfehlung, die er begangen hatte.

Vor der Tür erklangen Schritte und wenig später führte ein Knecht Ravena und Arel in den Raum. Nael stellte seine Gefährten vor und Nicco lud alle ein, am Tisch Platz zu nehmen. Paolo servierte weitere Schalen mit Eintopf und schenkte Wein in die Becher.

»Nael hat mir von der Entführung Eures Sohnes berichtet, Madonna. Das muss sehr schmerzlich für Euch sein. Was in meiner Macht steht, will ich gerne tun, um Euch zu helfen.«

»Habt Dank, Messèr Niccolò. Woher kennt Ihr Nael? Seid Ihr ebenfalls ein Medicus?«

Nicco grinste. »Nein keineswegs. Ich bin Protomastro im Arsenal.«

»Was nichts anderes heißt, als dass er eine Bande rüpelhafter Schiffszimmerleute daran zu hindern versucht, das Baumaterial zu stehlen, um es auf dem Rialto Markt zu verkaufen«, warf Nael ein.

»Na, ab und an bleibt sogar genug für eine Galeere übrig«, gab Nicco trocken zurück. Er wandte sich Ravena zu. »Als Protomastro habe ich eine ganze Mannschaft erfahrener Zimmerleute unter mir und es ist meine Aufgabe, die laufenden Arbeiten zu überwachen. Ihr müsst wissen, Madonna, dass im Arsenal von Venedig die besten Schiffszimmermänner und Kalfaterer des Landes arbeiten.« Er nickte mit dem Kinn in Naels Richtung. »Auch wenn dieser Quacksalber hier etwas anderes behauptet.«

»Woher kennt Ihr euch?«, fragte Ravena weiter.

Nael erstarrte. Er hätte wissen müssen, dass Ravena diese Frage stellen würde, trotzdem hatte er es versäumt, sich mit Nicco zu besprechen. »Das ist … eine lange Geschichte, Ravena«, erwiderte er in einem Tonfall, der besagte, es sei bedeutungslos.

»Es ist eine kurze und etwas groteske Geschichte, Madonna«, fiel Nicco ihm ins Wort, griff nach dem Weinkrug füllte ihren Becher nach und schob ihn Ravena wieder zu. »Es gab da einen Knaben, der mir als Kind häufig nachstellte. Einmal hatte ich einen neuen Ball, den er mir zu stehlen versuchte. Nael kam dazu und sagte dem Rabauken, dass dies keine gute Idee sei. Darüber kam es zu Handgreiflichkeiten. Das Ende der Geschichte: Ich behielt meinen Ball und der Rabauke endete an einer Leine zwischen zwei Häusern, aufgehängt wie ein Wäschestück. Auf Höhe des ersten Obergeschosses wohlgemerkt.«

Um Ravenas Mundwinkel zuckte es verräterisch. »Ich verstehe«, sagte sie. »So etwas verbindet.«

Nicco grinste. »Das könnt Ihr laut sagen, Madonna. Damals wurden wir Freunde. Und sind es geblieben.«

»Schön. Dann wissen wir das«, mischte Arel sich in das Gespräch ein. »Darf ich vorschlagen, dass wir uns jetzt der Frage zuwenden, wie wir Tarun finden? Dazu sind wir schließlich hergekommen.«

Nicco sah Ravena an. »Beschreibt mir den Jungen und die Umstände, unter denen ihr ihn gefunden habt«, bat er.

Ravena kam seiner Aufforderung nach, zählte gewissenhaft alles auf, was sie wusste.

Niccolò hörte aufmerksam zu. »Eurer Meinung nach wurde der Junge also nicht stumm geboren, sondern hat aufgrund durchlebter Schrecken die Sprache verloren?«, hakte er nach, nachdem Ravena ihren Bericht beendet hatte. »Eine interessante Theorie. Was sagst du dazu, Nael? Du bist hier der Medicus.«

Arel und Ravena grinsten und Nael zog eine Grimasse.

»Äh … habe ich etwas Falsches gesagt?«, fragte Niccolò irritiert.

»Nein«, sagte Nael. »Beachte diese Spaßvögel einfach nicht. Ich halte es durchaus für wahrscheinlich. Wir alle haben doch schon Momente erlebt, in denen es uns vor Schreck buchstäblich die Sprache verschlagen hat, nicht wahr?«

»Sicher. Aber bei dem Jungen hält dieser Zustand nun schon über Monate an. Das erscheint mir doch recht ungewöhnlich.«

»Was nicht heißt, dass er in irgendeiner Weise dumm oder zurückgeblieben wäre«, erwiderte Nael bestimmt. »Tarun besitzt einen messerscharfen Verstand. Er liest und schreibt Veneziano und Griechisch. Sein Gebaren ist das eines jungen Herrn aus noblem Haus. Wir sollten davon ausgehen, dass seine Eltern Patrizier sind.«

»Schön. Dann betrachte ich es als meine Aufgabe, mich umzuhören, ob einer Familie zur fraglichen Zeit ein Sohn abhandengekommen ist.«

»Danke«, sagte Ravena. »Wann könnt Ihr damit anfangen, Messèr Niccolò?«

»Morgen«, sagte Niccolò. »Ich fange gleich morgen damit an.«



Kommentare

  • Author Portrait

    Die Spannung steigt! Und mir gefällt, wie du Venedig beschreibst. Schön auch die Freundschaft, die so stark spürbar ist zwischen den beiden Männern. Irgendwo habe ich jedoch eine Lücke, obwohl ich meine, alles, was du hochgeladen hast, gelesen zu haben. Sie betrifft Florimond. Erfahre ich auch im Buch erst nach und nach, was sich da abgespielt hat? Und jetzt muss ich gleich noch mal zurückblättern - wie hiess noch gleich der "Bischof"? Aiuto! :-( Ah nein, entschuldige, da habe ich mich falsch erinnert. Der "Bischof" ist klar nur unter seinem Decknamen bekannt. Es ist echt wie ein Krimi, Máire!

beta
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