Das Haus der Bücher - RO04

In dieser Aufgabe soll ich einen Ort beschreiben.
1. Sehen
2. Hören
3. Mit allen Sinnen


1. Sehen

Das Haus der Bücher

Endlich hatte sich Emmas sehnlichster Traum erfüllt. Sie stand mit ihrem kleinen Koffer vor dem alten Antiquariat „Das Haus der Bücher“, ihrem neuen Arbeitsplatz.

Schwarzes Holz zierte die Fassade des vierstöckigen Gebäudes. Der Putz hatte jedoch über die Jahre seinen Glanz verloren.

Der Eingang wurde auf beiden Seiten von großen Schaufenstern flankiert, in denen Bücher um die Aufmerksamkeit der Vorbeieilenden buhlten. Darunter einige in Ledergebunden, andere mit wunderschön verziertem Cover in allen möglichen Farben. Das Glas war leicht beschlagen, als wäre es schon seit einigen Jahren nicht mehr gründlich geputzt worden.

Die Ladentür war nach hinten versetzt und zu beiden Seiten wölbten sich die Fenster, um weitere Auslagen auf dem Weg dorthin zu präsentieren.

Über all dem stand in goldener Schrift geschrieben:

Das Haus der Bücher – Antiquarische Bücher seit 1732

Vorsichtig stieß Emma die alte Ladentür auf, die dabei ein quietschendes Geräusch von sich gab. Durch die zahlreichen Hände, die sie bereits berührt hatten, bröckelte langsam die Farbe daran ab.

Bei näherem Hinsehen machte die komplette Front des Antiquariats einen etwas mitleidigen Anschein, als hätte sich seit Jahren niemand mehr aufmerksam um das Antiquariat gekümmert.  

Doch kaum war Emma über die Schwelle des Ladens getreten, konnte sie nur noch staunen.

Von außen noch eher unscheinbar, spiegelte das Innere des Gebäudes das genaue Gegenteil wieder. Vor ihr erstreckten sich vier offene Stockwerke, gefüllt mit Regalreihen voller Bücher.

Eiserne Wendeltreppen schraubten sich an den Galerien empor und öffneten sich zu kleinen Balkonen, die in die Mitte des Ladens zeigten.

Zwischen den Regalen verbargen sich hier und dort kleine Leseecken mit gemütlichen Sesseln, Beistelltischchen sowie Leselampen, die ihre Besucher in kleine Lichtpunkte hüllten. Warmes Sonnenlicht schien durch das verglaste Dach und beleuchtete die dunklen Regale im Erdgeschoss vor Emma.

Die Mitte des Raumes wurde von einem großen Tresen dominiert, auf den Emma nun mit pochendem Herzen zuschritt.

Auf einem Sessel dahinter, leicht verborgen hinter einer Zeitung, saß ein älterer Herr und blätterte abwesend durch die Seiten.

Papierfresser - eine Bedrohung für die Stadt?“ stand in dicken Lettern auf der Titelseite geschrieben.

Als der Mann ihre Anwesenheit bemerkte, ließ er langsam die Zeitung sinken.



2. Hören

Papiergeflüster

„Guten Abend“, grüßte Emma. „Ich bin auf der Suche nach Monsieur Baltasar.“ Mit dem Besitzer des Antiquariats stand Emma nun schon seit einigen Wochen in Briefkontakt.

„Guten Abend, da sind Sie bei mir richtig.“ Der Stuhl gab ein leises Quietschen von sich, als ihr Gegenüber sich erhob.

„Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“

Sein Blick fiel daraufhin auf Emmas Koffer, den sie noch immer fest umklammert in den Händen hielt.

„Ah, du musst Emma sein, die neue Mitarbeiterin! Willkommen im Haus der Bücher.“

Emma fiel ein Stein vom Herzen und atmete erleichtert auf. Bis eben hatte sie noch die schreckliche Angst geplagt, dass all dies doch ein Traum gewesen war.

In dem Moment kam eine stämmige Frau mit einem großen Stapel Bücher an den Tresen und ließ ihn mit einem lauten Knall darauf fallen.

„Sie scheinen fündig geworden zu sein, Madame Balduin“, lachte Baltasar. An sie gewandt fügte er hinzu: „Emma, würdest du bitte in einem der Sessel Platz nehmen? Sobald ich unsere Kundin bedient habe, zeige ich dir dein neues Heim.“

Zusammen mit ihrem Koffer schritt sie zu einem der Leseinseln in der Nähe und ließ sich darauf nieder, welches die Federn des Sessels mit einem Quietschen quittierten.

Jetzt wo sie endlich saß, legte sich bald die Müdigkeit über sie. Nur einen Moment, dachte Emma und schloss die Augen.

Nun nahm sie die Geräusche des Ladens überdeutlich wahr.

Das Papiergeflüster, als jemand durch die Seiten eines Buches blätterte.

Die Eingangstür öffnete sich knarzend, während die Glocke bimmelnd den Besuch eines neuen Kunden ankündigte und vom Tresen erreichte sie das Klicken der Registrierkasse.

Hier fühlte Emma sich wohl, umgeben von all dem Papier und der Druckerschwärze.

Leise Gespräche drangen zu ihr durch sowie das Knarzen des alten Holzfußbodens, wenn Kunden durch die Regale schweiften. Hier und da wurde ein Buch mit einem dumpfer Knall geschlossen und wieder in das entsprechende Fach geschoben.

Bald darauf ertönte das Klingeln der Registrierkasse, die sich mit einem Schwung öffnete. Geld wurde über den Tresen geschoben und Monsieur Baltasar verabschiedete die Kundin.

Eiligen Schrittes kam er auf sie zu: „So Emma, wenn du willst, zeige ich dir jetzt dein Zimmer.“



3. Mit allen Sinnen

Der Duft von Druckerschwärze

Baltasar führte sie durch die Regalreihen in den rückwertigen Teil des Ladens. Bei ihrer Ankunft hatte sie nicht bemerkt, wie groß das Antiquariat wirklich war. Weitere Durchgänge ließen sie auf noch mehr Regale blicken. Der beste Geruch der Welt drang ihr in die Nase, von Papier, Druckerschwärze, dem Leim und von Leder. Tausende Worte, geschrieben auf Pergament, umgaben sie. Behutsam strich sie mit den Fingerspitzen über die Buchrücken, malte im Vorbeigehen Bilder in den Staub der unzähligen Jahre.

Das Mädchen fühlte sich wie in Watte gepackt, leicht wie eine Feder. Die Müdigkeit war verflogen und ließ sie in großem Staunen zurück.

Der Besitzer zeigte währenddessen immer mal in eine bestimmte Richtung. „Dort findest du die Romane, hier alle Krimis. Doch die wahren Schätze dieses Ortes zeige ich dir später.“

Als Emma schon glaubte, dass die Regale sich bis in alle Richtungen ausdehnen würden, erreichten sie hinter einer Biegung eine alte Holztreppe. Gemeinsam stiegen sie die unebenen Stufen empor.

Der Prunk des vorderen Teils ließ hier merklich nach.

Im ersten Stock befanden sich die Küche und das Wohnzimmer. Baltasars private Räume befanden sich im zweiten Stock. Im dritten gab es nur eine Tür, die Baltasar für sie öffnete.

„Das hier ist dein Zimmer.“ Mit einem Lächeln ließ er sie passieren.  

Der Raum war nicht sonderlich groß, die Dachschrägen taten ihr Übriges und doch fühlte Emma sich sofort geborgen.

Ein großes Fenster mit Rundbogen nahm die komplette Seite der Wand ein, welches direkt in den Buchladen zeigte. Das Licht fiel durch die Scheiben und erhellte den Schreibtisch, der darunter positioniert war.

Ein leeres Bücherregal und das Bett füllten das Zimmer gänzlich aus.

Noch immer den Koffer mit all ihren Habseligkeiten in der Hand, schritt Emma auf das Sprossenfenster zu. Der Blick war einfach atemberaubend. Zwischen den Regalen konnte sie hinunter ins Erdgeschoss auf den Tresen schauen.

Eine große Sonne war in Goldfarben im Boden eingelassen, welche sie beim Betreten gar nicht bemerkt hatte.

„Und, gefällt es dir?“, fragte der Mann hinter ihr.

Emma lächelte. „Es könnte nicht besser sein."

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