Das alte Persien und seine Hauptstadt Babylon. Eine wunderschöne, majestätische Architektur, die selbst nach hunderten von Jahren noch beeindruckte, auch wenn sie mittlerweile stark zerfallen und vom Krieg gezeichnet war. Ich stand in einer halb eingestürzten Seitengasse und musterte die Gebäude rings um mich herum. Selbst die einfachsten Wohnhäuser waren mit Ornamenten verziert und die Balkone ragten derart weit in die Gassen hinein, dass man einerseits Beklemmungen bekam, sie würden einem jeden Moment auf den Kopf fallen – noch dazu weil über die Hälfte von ihnen brannte oder morsch war – und andererseits seinem Nachbarn locker hätte ins Wohnzimmer springen können.

      „Die Luft ist rein, Mico. Auf geht’s!“, vernahm ich Sakitos Stimme und folgte ihm im Schutz von Kisten, Körben und Säulen an den Wachen vorbei quer über den Marktplatz.

      „Da hoch müssen wir. Ich zeig’s dir, ok?“

      Damit kletterte er eine brüchig aussehende Säule hinauf, sprang von da auf einen Sims, hangelte sich in zehn Metern Höhe an einer Hauswand entlang und kletterte dann auf das Dach.

      „So, und jetzt du!“

      Vorsichtig blickte ich mich nach den Wachen um. Niemand zu sehen. In halbzerstörten Ruinen rumzuklettern, war eigentlich nicht gerade mein Hobby. Aber na gut. Da Sakito es ohne Mühe geschafft hatte, würde mir das schon ebenfalls gelingen, dachte ich. Und wurde wenig später eines Besseren belehrt. Von der Säule aus den Sims zu treffen, war schwieriger als gedacht. Ich erwischte den Rand nur knapp und hangelte mich dann schnell zum Dach rüber. Oben angekommen bot sich mir ein atemberaubendes Bild. Ich sah die Innenstadt von oben. Doch die einst so schöne Stadt lag in Schutt und Asche. Aus zahlreichen Gebäuden schlugen meterhohe Flammen und Rauchschwaden zogen durch die engen Gassen. Babylon brannte!

      „Vorsicht!“, schrie Sakito plötzlich.

      Erschrocken sprang ich zur Seite und entging nur knapp dem Schwerthieb einer Wache. Schnell zog ich meinen Dolch, nutzte die Wand hinter mir als Katapult und schoss auf den Angreifer zu. Ich traf ihn mehrmals hart in der Brust und der Mann sackte zusammen.

      „Nimm seine Waffe, dann hast du zwei! Und jetzt los. Du bist schließlich nicht zum gucken hier!“

      Etwas überrascht von seinem kommandierenden Ton sah ich Sakito an. Wo bitte wollte er denn hier überhaupt lang? Ich sah nirgends eine Leiter oder wollte er etwa über die Dächer springen?

      „Wir müssen zum Tempel. Da!“, deutete er auf ein großes, herrschaftliches Gebäude am anderen Ende der Innenstadt. Bei meinem skeptischen Blick fügte er an: „Keine Angst! Tu einfach, was ich dir sage. Oder hast du Höhenangst?“

      Ich schüttelte den Kopf und folgte Sakito über die Dächer. Schon nach wenigen Minuten wartete die erste Überraschung. Und die hieß nicht nur „Spring von einem Dach auf das drei Meter entfernte Dach gegenüber“, sondern auch noch „Spring so, dass dich die Wache auf jenem Dach weder sieht noch hört und schalte sie dann unauffällig aus“. Na, juhu! Ich wartete also, sprang und startete schon im Sprung meinen Angriff. Der arme Mann hatte absolut keine Chance. Ein Stich von hinten, einer in die Brust und er war tot. Eigentlich war es ja nicht meine Art, Leute hinterrücks so zu meucheln. Aber gut, die waren eindeutig in der Überzahl und irgendwie musste man ja überleben.

      Nach einer aufregenden Hatz über die Dächer der Innenstadt, die mit zahlreichen Turn-, Kletter- und Sprungnummern, durch die ich gelegentlich völlig die Orientierung verloren hatte, gespickt war, stand ich nun völlig außer Atem erneut in einer kleinen Seitengasse und labte mich erst einmal an einem Wasserspeier.

      Plötzlich schaute Sakito auf: „Oh, so spät schon. Ich muss dich dann mal kurz allein lassen.“

      Allein lassen? Hier? Aber …

      „Da vorne ist der Tempel. Pass auf, dass dich niemand sieht und dann rennst du einfach rein. Im Vorsaal musst du dich etwas umgucken und ein, zwei Wachen ausschalten. Dann musst du rechts oder links – genau weiß ich es nicht mehr – und irgendwo einen Balkon runter. Gang lang und in den nächsten Raum. Da gibt’s irgendwo einen Schalter für die Tür. Da musst du dann hoch und der Gang bringt dich dann direkt ins Zentrum, da kannst du nichts falsch machen. Danach musst du schauen, wie’s weitergeht. Hab ich vergessen. Aber du packst das schon!“, schlug er mir aufmunternd auf die Schulter.

      „Am besten du folgst einfach deinem Instinkt! Ach ja, und pass auf die Fallen auf!“

      Damit verschwand er einfach und ließ mich allein inmitten des brennenden, zerstörten Babylons zurück. Na toll. Das konnte er doch nicht machen!

 

Nach kurzem Frust fasste ich mir ein Herz und bewegte mich langsam auf den Eingang des Tempels zu. Niemand war zu sehen, also huschte ich hinein. Schon der Vorsaal war derart beeindruckend, dass ich gleich wieder verschwinden und den Rest gar nicht sehen wollte, doch da hatte ich bereits keine Wahl mehr. Gleich bei meinem ersten Schritt innerhalb des religiösen Gebäudes war auch sofort eine der Wachen auf mich aufmerksam geworden und verwickelte mich auch prompt in einen Zweikampf auf Leben und Tod. Eines meiner vielen „Talente“, wie sich noch herausstellen sollte. Völlig planlos sprang ich umher und schlug wild auf den Kerl ein, was meinen Gegner derart verwirrte, dass der Kampf zu meinen Gunsten ausging. Bei der zweiten Wache stellte ich mich Tatsache keinen Deut besser an, aber das Glück des Tüchtigen war auf meiner Seite. Eine dritte Wache gab es dann glücklicherweise nicht und ich sann erstmals nach dem Weg.

      Also, wo hatte mich Sakito gleich noch einmal lang geschickt? Ach ja, Balkon runter, auf einen anderen klettern und dann den Gang lang in irgendeinen anderen Raum. Na ja, würde ich schon finden.

      „Ach übrigens: Ich würd’ mich an deiner Stelle beeilen!“, hörte ich Sakitos mahnende Stimme im Hinterkopf. „Du hast nicht ewig Zeit!“

      Gut, dann wollte ich mal tun, wie mir geheißen. Den Raum fand ich schnell und an den Schalter für die Tür kam ich nach einigem im Kreis laufen und dumm gucken auch irgendwie. Der Gang dahinter ließ mir dann nicht wirklich eine Option, also würde ich mich zumindest nicht gleich verlaufen. Das war doch schon einmal etwas. Ich eilte also unter Zeitdruck durch die verlassenen Gänge eines alten persischen Tempels. Was echt schade war, denn so blieb mir kein Moment, mir die beeindruckende Architektur und die von Meisterhänden gefertigte Ornamentik in Augenschein zu nehmen. Dabei war dies mein erster und sicherlich letzter Ausflug in die vielleicht wichtigste Stadt des Altertums. Und ich verbrachte ihn mit Hetzerei und Meuchelmorden.

      Ein paar Ecken weiter entdeckte ich an einem Abgrund eine seltsame Form in der Wand und blieb interessiert davor stehen.

    `Hm, was ist denn das Ko…´

      Im nächsten Moment schnellten zwei Granitblöcke aus den Seitenwänden des Ganges und zerquetschten mich zwischen sich. Bloß gut, dass ich diesen mysteriösen Dolch besaß, mit dem man die Zeit ein wenig zurückdrehen konnte! Also noch einmal um die Ecke. Und dieses Mal nicht stehen bleiben, sondern am Abgrund gleich springen, die Kette um die Laterne werfen, schwingen und dann eine gekonnte Punktlandung auf dem Sims an der gegenüberliegenden Wand. Jetzt auf den Vorsprung stellen, springen, an der Rille in der Wand festhalten – hoppla, beinahe wäre ich abgestürzt –, entlang hangeln, auf den Balken darunter fallen lassen und … Ich sah mich ratlos um, konnte aber nirgends einen Anhaltspunkt finden, wo es jetzt weiterging. Dabei lief mir langsam die Zeit davon.

      Ah, da hinten! Noch ein Balken. Hm, ob ich das mit Springen schaffte? Nein, schaffte ich nicht. Also Zeit zurückgedreht und an der Wand entlang gelaufen. Prima, das klappte. Jetzt noch vom Balken auf den Balkon springen und fertig. Endlich hatte ich wieder festen Boden unter den Füßen und verschnaufte erst einmal. Wie gesagt, ich war zwar schwindelfrei, aber ich sprang ja schließlich nicht tagtäglich über Dächer, turnte in luftiger Höhe an Balken herum oder hangelte mich an kilometertiefen Abgründen entlang. Da konnte man doch schnell einmal ins Schwitzen geraten. Und das war gefährlich, denn dann stürzte ich in den sicheren Tod. Und zum Sterben war ich definitiv noch zu jung! Also volle Konzentration und weiter ging es.

      Vor mir war wieder ein Raum. Als ich eintrat, krachte die Tür hinter mir zu und eine zweite gab es nicht. Klasse! Aber rauskommen musste ich ja trotzdem irgendwie. Nach einigem Drehen um die eigene Achse sah ich auch hoch oben ein Ornament. Was, wie ich inzwischen gelernt hatte, ein sicheres Zeichen bzw. eine Wegmarkierung war.

    `Da muss ich sicher hin. Aber wie?´

      Ah, ja! Ich musste zwischen den recht nahe stehenden Wänden hin- und herspringen. Also Anlauf nehmen, die Wand hinauflaufen und springen. Zu spät. Also eher springen. Noch einmal! Anlauf, laufen, springen, an der Wand gegenüber kurz abstützen, wieder spring … Verdammt! Noch einmal. Ich brauchte etwa 10 Versuche, bis ich das Timing – meine große Schwäche, wie ich schon jetzt vermutete – halbwegs raus hatte. Gott sei Dank, war die Höhe nicht allzu groß, sonst hätte ich mir bei jedem Sturz alle Knochen gebrochen. Und das hätte ich absolut nicht gebrauchen können, denn aus den Augenwinkeln hatte ich bereits die Wache gesehen, die oben auf dem Gang patrouillierte. Und für diesen Kampf würde ich meine ganze Kraft brauchen. Vorausgesetzt, dass ich es jemals bis zu dem Ornament schaffen sollte.

      Ok, volle Konzentration, diesmal schaffte ich es! Ich atmete tief durch, dann rannte ich, so schnell ich konnte, auf die Wand zu und sie hinauf. Im Scheitelpunkt sprang ich nach hinten, stütze mich ab und sprang erneut. Rechts, links, rechts, dann sah ich das Ornament und rammte meinen Dolch mit aller Kraft in die Wand. Geschafft! Ich hielt mich am Griff fest und konnte erst einmal verschnaufen bzw. die Wache beobachten, die mich glücklicherweise nicht bemerkt hatte. Ein gekonnter Sprung aus dem Hinterhalt, zwei, drei saubere Attacken und der Mann war erledigt. Schnell nahm ich seine Waffe auf, da meine schon sehr lädiert war und rannte den Gang entlang. Am Ende angekommen schritt ich durch einen Vorhang und sah im Boden vor mir mehrere kleine, schwarze Löcher.

    `Hm, wozu die wohl gut sind?´, fragte ich mich und spazierte einfach darüber, als plötzlich scharfe Stacheln aus dem Boden schossen.

    `Autsch!´

      Ok, das tat weh. Und schwächte mich. Noch dazu blutete ich jetzt wie ein angestochenes Schwein. Schöner Mist! Das nächste Mal sollte ich vielleicht darüber hinwegrennen. Oder doch lieber springen? Sakito hätte es sicher gewusst. Aber diese treulose Tomate hatte mich ja einfach allein gelassen. Dabei wusste ich noch nicht einmal, was genau ich hier eigentlich sollte. Im Prinzip rannte ich nur völlig orientierungs- und planlos durch die Gegend und versuchte, nach Möglichkeit am Leben zu bleiben. Apropos, diese Bretter da an der Wand, die sahen doch schon wieder verdammt nach einer Falle aus.

      Also wartete ich erst einmal ab. Und tatsächlich drehten sich die Bretter einmal mit ihrer nagelbesetzten, runden und einmal mit ihrer freien, glatten Seite nach außen. Also hieß das Stichwort einmal mehr „Timing“. Super! Kurz bevor die stachelbesetzten Seiten verschwanden, rannte ich los. Yeeha! Diesmal klappte es erstaunlicherweise sofort. Am Ende des Ganges drehte ich mich um und stellte fest, dass ich das zweite Paar Nagelbretter gar nicht gesehen hatte.

`Puh, Schwein gehabt!´, fiel mir ein Stein vom Herzen.

 

Vorsichtig ging ich weiter – nicht dass ich noch andere Fallen übersah – und kam in eine riesige Halle.

    `Das muss der Thronsaal sein´, schoss es mir durch den Kopf, als ich die meterhohen Statuen und das prunkvolle Gemäuer sah.

      Wow, der war echt riesig! Und beeindruckend schön! Einfach umwerfend. Wie Menschen etwas so Gewaltiges bauen konnten, war mir schon immer ein Rätsel gewesen. Mich wie eine kleine, armselige Ameise fühlend blickte ich mich weiter um. Hoch oben entdeckte ich mehrere Stangen, Balken und Lampen an den Wänden rings um den Saal. Na toll, sah ganz so aus, als musste ich irgendwie da rauf.

      Nachdem ich auf der Suche nach einem Weg dreimal quer durch den gesamten Saal gerannt war, hatte ich nun zwei Wachen im Schlepptau, die ich natürlich auch prompt auf mich aufmerksam gemacht hatte. Ich wusste zwar nicht warum, aber ich hatte das dumme Gefühl, dass ich mit Schellen und Glöckchen um die Beine auch nicht auffälliger gewesen wäre. Hinter einer der Statuen wartete ich kurz, dann sprang ich hervor und traf eine der Wachen in der Nähe des Schlüsselbeins. Ich drehte mich hinter sie und nutzte sie als menschliches Schild, während ich mit dem anderen Mann kämpfte und ihn irgendwie niederrang. Danach rammte ich der ersten Wache den Säbel hart in den Rücken und hatte endlich wieder Ruhe. Meine Hände waren blutverschmiert und ich hätte jetzt so einiges für ein Wasserbecken gegeben. Aber das eigentliche Problem war: Wie zum Teufel kam ich bloß da rauf?

      Erst jetzt fielen mir die drei runden Säulen in der Mitte des Saales auf. Na klar, ich musste klettern! Warum kam ich da erst jetzt drauf? Egal. Ich kletterte die erste Säule soweit hinauf wie ich konnte, dann versperrte mir ein eckiges Mittelstück den Weg. Die zweite Säule war in der Höhe noch rund. Also drehte ich mich so, dass sie in meinem Rücken stand, sprang ab und klammerte mich an ihr fest, überglücklich, dass ich sie tatsächlich getroffen hatte. Dasselbe Spiel dann noch einmal mit der dritten Säule und kurz unter der Decke ging es nicht weiter. An der Wand entdeckte ich ein weiteres Ornament, also sprang ich und rammte meinen Dolch hinein. So und nun? Zurück konnte ich nicht, denn in dem Moment, in dem ich gesprungen war, hatte ich gespürt, wie die Säule unter meinen Füßen zusammengebrochen war. Als ich hinter mich blickte, stellte ich erschrocken fest, dass auch alles Andere eingestürzt war, und ich es offensichtlich gerade noch rechtzeitig geschafft hatte. Tja, und jetzt hing ich hier dumm herum, klammerte mich an meinem Dolch fest und wusste nicht weiter. So langsam brach mir der Angstschweiß aus.

    `Sakito, Hilfe!´

      Was sollte ich bloß tun? Die nächste Stange war zu weit weg, um zu springen, um die Ecke laufen konnte ich nicht und einen Vorsprung, Sims oder Ähnliches gab es nirgends. Also musste ich es doch irgendwie bis zu dieser Stange schaffen. Aber wie? Scharf nachdenken! Springen ging nicht, zu weit weg. Laufen ging auch nicht, da andere Seite. Fliegen konnte ich leider nicht. Teleportieren … Gut, ließen wir das! Aber wenn ich weder springen noch laufen konnte, wie sollte ich dann…? Moment! Springen und laufen, damit müsste es gehen! Allerdings andersherum. Erst die Wand entlang laufen und dann kurz vor der Ecke springen. Ja genau, so musste es klappen! Aber dafür musste das Timing perfekt sitzen.

    `Wird schon schief gehen…´

      Ich riss mich los, lief die Wand entlang, sprang und … fiel ins Bodenlose. Nein! Zeit zurückdrehen, Zeit zurückdrehen!!! Verdammt das war zu früh!

    `Tief durchatmen, du schaffst das schon´, sprach ich mir selbst Mut zu, als ich wieder am Dolch hing.

      Ich hatte bereits dreimal die Zeit zurückdrehen müssen, um meinen Tod zu verhindern und hatte daher nur noch einen einzigen, finalen Versuch. Dreimal konnte man die Macht des Dolches wirken, hatte Sakito mir eindringlich eingeschärft. Nur dreimal! Danach musste die Waffe in einem komplizierten Ritual, das ich wieder vergessen hatte, neu aufgeladen werden. Wie auch immer. Für mich hieß das: Wenn ich jetzt einen Fehler machte, dann war es das. Dann war ich mausetot! Zerschellt am Hallenboden würde man mich nicht einmal mehr als menschliches Wesen identifizieren können. Schöne Scheiße, das waren ja glanzvolle Aussichten!

      Aber auf ewig hier herumbaumeln konnte ich auch nicht. Also nahm ich all meinen Mut zusammen, atmete erneut tief durch und lief los. Mein Herz raste und als ich sprang betete ich inständig, dass ich doch bitte, bitte diese verflixte Stange treffen und sie nicht zerbrechen möge. Eine qualvolle Sekunde später hing ich tatsächlich an der Metallstange und pendelte hin und her. Den Adrenalinschub nutzend schwang ich noch einmal zurück und ließ dann los. Gerade noch so erhaschte ich den Rand des Balkens und hangelte mich zum Vorsprung weiter. Sobald ich darauf stand, fing dieser an zu wackeln und ich wusste, dass auch er jeden Moment einstürzte. So schnell wie möglich schob ich mich eng an die Wand gepresst also ans Ende des Vorsprungs und sprang dann todesmutig. Wohin wusste ich nicht. Erst im Sprung sah ich die Laterne einige Meter vor mir.

    `Die Kette!´, schoss es mir durch den Kopf und ich warf selbige gerade noch rechtzeitig aus, dass sie auch wirklich die Lampe traf.

      Noch im Schwung sah ich bereits die nächste Laterne und warf die Kette erneut. So hangelte ich mich im Tarzan-Stil an der Saaldecke entlang auf die andere Seite. Kurz vor dem Ende hieß es noch einmal „Wand entlang laufen, Timing, springen“ und… Geschafft! Ich hing am Balkon. Erleichtert zog ich mich hoch und verschnaufte. Man, war das ein Ritt gewesen! Mein Herz schlug wie wild und meine Lungen schrien nach frischer Luft. Als ich mich umdrehte und über den völlig zerfallenen Saal blickte, konnte ich kaum glauben, dass ich es tatsächlich geschafft hatte. Ich wand mich ab, trat durch den Vorhang und hoffte, dass mich nicht gleich die nächste Luftakrobatik-Nummer erwartete. Nach der Aktion gerade brauchte ich jetzt erst einmal festen Boden unter den Füßen.

      Umso erfreuter war ich, mich in Gängen mit Steinböden und -wänden wiederzufinden, die nicht drohten, gleich unter mir zusammenzubrechen. Und da vorne, am Ende des Ganges, sah ich auch schon einen alten Wasserspeier. Freudig rannte ich auf meine Rettung zu, als es mich auf einmal wie ein Blitz – nur von unten – durchfuhr. Ich hatte die schwarzen Löcher im Boden übersehen.

    `Nein! Das darf doch nicht…!´, fluchte ich noch, als ich leblos zusammenbrach und sich mein Blut auf den Boden ergoss.

      Das war einfach nicht fair! Ich hatte doch nicht ein Dutzend Zweikämpfe mit Wachen, brüchige Vorsprünge, einstürzende Gänge, zerfallende Säulen, Artistik in schwindelerregender Höhe und eine heiße Verfolgungsjagd über die Dächer Babylons überlebt um jetzt hier, drei Schritte vor dem rettenden Wasserbecken, an so einer beschissenen Baby-Falle zu verrecken!!!

      „GAME OVER“, prangte es mir in orangen, leuchtenden Lettern entgegen und ich knallte frustriert den Kopf auf die Tischplatte.

      Ich war einfach nicht für solche Spiele gemacht!


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So, das war also einer meiner ersten proaischen Gehversuche von 2005 (?). ^////^ Ich bin gestern durch Zufall in einem Ordner namens "noch aus der Steinzeit" darüber gestolpert und wollte das eingestaubte Ding eigentlich auch da liegen lassen, aber Meg und Triss ermutigten mich, es doch ans Licht zu holen. Entscheidet ihr, ob das nun eine gute oder eine schlechte Idee war. ;P


Die komische Formatierung ist Belle geschuldet. Die Plattform mag es irgendwie nicht, wenn ich direkt aus Word kopiere. ;) Ich hoffe, es hat euch wenigstens ein Schmunzeln abgerungen. 


Liebe Grüße,


Noia


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Kommentare

  • Author Portrait

    I absolutely love Prince of Persia \(*o*)/ Played the original old games, the Sands of Time Trilogy (over and over and over again), The forgotten Sands Pre-Sequel, and also the quirky one with Elika. I even played the strategy spin-off on the Nintendo DS :-)

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