Ein Lebensretter?

„Hier. Ich habe eben in Zimmer 413 den jungen Mann aufgegriffen.“, tönte der Pfleger, als sie in das Büro kamen.
„Soso.“, meinte der Stationsleiter. Er trug ein blau kariertes Hemd, und einen Laborkittel. Auf dem Namenschildchen konnte Alex Dr. Rer. Nat. Dr. med. Ulrich Gieseler lesen.
„Schrei doch nicht so Manfred.“, meinte er ruhig mit mahnenden Blick zu dem Pfleger, „Und bitte verlassen sie mein Zimmer.“
Als die Tür geschlossen war bot der Stationsleiter Alex einen Stuhl vor dem massiven und großen Schreibtisch an.
„Guten Abend. Ich bin Dr. Ulrich Gieseler.“, begrüßte er Alex und gab ihm die Hand.
„Guten Abend. Mein Name ist Alex.“
„Du weißt schon dass die Besuchszeiten um sind?“, fragte der Leiter.
„Nein. Ich dachte sie seinen hier auf der Station ein wenig später.“
„Nein, die sind hier alle um sieben zu ende.“
„Dann tut mir das leid.“
„Was machst du eigentlich in Raum 413?“
„Ich habe die Frau besucht.“
„Das ist mir schon klar, aber du darfst doch gar nicht als fremder zu ihr. Bist du mit ihr verwandt?“
„Nein, aber der Leitende Notarzt hat mit ihre Zimmernummer genannt.“
„Soso. Hat er.“
Stille senkte sich über den Raum. Er hatte die Finger zusammengelegt und die Ellenbogen aufgestützt.
„Dir ist bewusst, dass ich dir ein Hausverbot erteilen muss?“, fing er nach einer Weile an.
„So wie Sie es eben beschrieben haben, ja.“
„Ja. Aber warum hat der Notarzt dir die Zimmernummer gegeben. Das darf er eigentlich nicht.“
„Weil.“, meinte Alex und zog einen verlaufenen und zerknitterten Zettel aus der Tasche.
„Ich den Notruf abgesetzt habe.“
Herr Dr. Dr. Gieseler las den Zettel durch.
„Aha. Das sieht aber ganz anders aus. Du bist ein Lebensretter. Du hast ihr das Leben gerettet.“
„Ich habe nur meine Pflicht getan. Und den Notruf betätigt.“, erwiderte Alex.
„Nun Gut. Du warst nicht hier und weißt auch von nichts.“, meinte der Leiter nach einer kurzen Pause in der er überlegt hatte. Er stand zeitgleich mit Alex auf, sie gaben sich die Hände und er führte Alex aus dem Krankenhaus. Draußen war es dunkel und es regnete wieder. Kälte war hereingebrochen. Der Leiter sah Alex hinterher, wie er sein Fahrrad auf schloss, und sich auf den nassen Sattel setzte, und los fuhr. Das rote Rücklicht nahm er durch den Regen nur verschwommen war. Dann ging er sich einen warmen Kaffee holen und setzte sich wieder in sein geheiztes Arbeitszimmer, stützte die Ellenbogen auf den Tisch und legte die Finger zusammen.
„Ein bemerkenswerter Junge.“, murmelte er immer wieder vor sich hin, bis er von Manfred wieder in den Berufsalltag gerissen wurde.

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