Geister der Vergangenheit

Corey lag in der engen Finsternis, lauschte dem leisen Rauschen des Windes in den Blättern, dem Plätschern des Bachs und den beruhigenden, gleichmäßigen Atemzügen, des Schlafenden dicht neben ihr. Sie schloss die Augen und versuchte die Bilder der drei Verstorbenen zu verdrängen, als sich vor ihren geschlossenen Lidern eine andere, viel zu bekannte und ebenso unwillkommene Szene materialisierte, um ihren aufgewühlten Geist zu übernehmen. Geschwächt und zitternd, erlag die junge Frau den Geistern der Vergangenheit...

Bei Kerzenschein, saß eine kleine Familie schweigend beisammen und verzehrte ihre erbärmliche Mahlzeit. Die Reste eines hart gewordenen Laib Brots mit dünner Kartoffelsuppe. Die Nahrung war knapp dieser Tage. Der Strom ist schon vor einer Ewigkeit ausgefallen und die wenigen Menschen, die die Seuche überlebt hatten und noch in der Umgebung hausten, wagten sich kaum aus ihren Verstecken, aus Angst, den Überfällen hungriger Jugendlicher mit Sturmgewehren oder noch besser bewaffneten Söldnern zum Opfer zu fallen. Sie konnten nicht fliehen – und wohin auch? - doch ebenso unmöglich schien es, noch viel länger an diesem Ort weiter leben zu können. Die Vorräte waren nahezu aufgebraucht, das Vieh tot oder gestohlen und es lauerten Gefahren, vor allem durch andere Menschen,  hinter jeder Häuserwand.

Der Vater, ein in die Jahre gekommener Bauer, mit ausgedünntem schlohweißem Haar und wettergegerbten Gesicht, erzählte seinen beiden jungen Töchtern jeden Abend, sie würden bald von den letzten loyalen Truppen einer Regierung gerettet werden, die längst nicht mehr existierte. Sie müssten nur noch eine kleine Weile durchhalten, denn es gab viele Menschen zu retten...

Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit, dass er als kleiner Junge von seinem Vater, ein pharmazeutischer Forscher, der für eben jene Regierung gearbeitet hatte, eine Spritze verabreicht und in einen Zug  mit lauter fremden Leuten gesteckt worden war. Sein Vater hatte ihm seinen eigenen Platz überlassen, in ein weit entferntes Flüchtlingslager, mitten im Nirgendwo, in dem sich die soziale Oberschicht des Landes neu organisieren sollte, als das große Sterben einsetzte.

Und er hatte überlebt, hatte gelernt Felder zu bestellen, Nutzpflanzen zu züchten und Vieh zu schlachten. Er war eines von nur wenigen weiteren Kindern, und seine Aufgabe bestand darin, zu arbeiten, die hochgebildeten und reichen Erwachsenen zu ernähren, die sich den Impfstoff hatten kaufen können oder ihn sich irgendwie erschlichen haben. Er wuchs zu einem stattlicher Kerl heran, heiratete eines der Mädchen, mit denen er gearbeitet hatte und schwängerte sie. Ihr Ältester hatte sich schon in jungen Jahren der Armee angeschlossen und war auf der Suche nach anderen Splittergruppen der Zivilisation. Doch isoliert und fernab der Wirklichkeit, in der sich die anderen Überlebenden gegenseitig abschlachteten, verpassten sie den Anschluss an den Rest der Welt. Und wurden schließlich überfallen und belagert.

Im Kreuzfeuer der angreifenden Söldnertruppe und den wenigen verblieben und in die Jahre gekommenen Soldaten, fielen seine Frau sowie viele andere. Doch innerhalb kürzester Zeit der Belagerung, wurden die meisten Soldaten korrumpiert und entschieden sich für sich selbst. Und das Prinzip des Stärkeren. Sie schlossen sich den Söldnern an und nutzten das Chaos, um an Macht zu gelangen, und diesen, sowie viele andere Landstriche und ihrer Dörfer, unter ihre Vorherrschaft stellten.

Die Verschonten wurden zur Arbeit und anderen Diensten gezwungen. Es hatte sich also nicht viel geändert. Doch inzwischen war kaum noch jemand übrig. Viele Leute sind getötet worden, als sie versucht hatten zu fliehen, haben sich selbst das Leben genommen oder sind verhungert. So wie er und seine Töchter bald am Hunger zugrunde gehen würden. Es gab einfach nicht mehr genug Menschen, um Saatgut auszutragen und die Ernste einzubringen. Dürre, ausgelaugte Böden und Überflutungen, durch gebrochene Dämme, die nicht mehr instand gehalten werden konnten, hatten ihr Übriges zum Elend der Überlebenden beigetragen.

Doch unermüdlich versicherte er seinen süßen Mädchen, ihr große Bruder, würde kommen, sie zu holen und endlich in die Sicherheit einer der Schutzzonen, die sie zweifellos gefunden hatten, bringen. Die letzten sichern Bastionen einer untergegangenen Zivilisation.

Die ältere Tochter, blond und immer noch hübsch, trotz aller Entbehrungen, war vielleicht vierzehn Jahre alt. Lustlos rührte sie in der trüben, wässrigen Suppe herum, bis sie das letzte Kartoffelstück an den Tellerrand gedrängt hatte. Sie betrachtete es eine Weile, schob es dann mit langen feingliedrigen Fingern auf ihren Löffel und hielt diesen ihrer jüngeren Schwester lächelnd vor die Nase. Die Kleine grinste und sperrte den Mund weit auf, entblößte eine Reihe frisch Zähne und kaute schließlich ganz langsam und bedacht, bis sich die Kartoffel auf ihrer Zunge aufgelöst hatte und der Brei ihre Kehle herunter rutschte. Vorsichtig, um bloß nicht zu kleckern hob sie ihren Teller an die Lippen und schlürfte geräuschvoll die Reste der Suppe. Das dunkle Haar hing in ungewaschenen Strähnen zu beiden Seiten des Kopfes, bis weit über die Schultern. Bewundert sah sie ihre Schwester an, wie ihr feines, goldenes Haar in einem ordentlich geflochtenen Zopf auf dem Rücken lag. Sie sah an sich selbst herunter und bemerkte, dass sie sich bekleckert hatte. Obwohl die dünne Suppe kaum einen nennenswerten Fleck hinterlassen hatte, hatte die kleine sofort ein schlechtes Gewissen und stand auf, um sich im Badezimmer zu säubern. Ihr Vater hob nicht mal den Kopf, doch ihre Schwester lächelte und nickte ihr zu.

Gedankenverloren kaute der Vater auf dem harten Kanten des selbst gebackenen Brotes herum und wusste, dass sie kaum genug Mehl hatten, um die nächsten paar Tage zu überstehen. Die letzten verschrumpelten Kartoffeln und Karotten befanden sich in dieser Suppe. Sie hatten nichts mehr. Die vielen leerstehenden Haushalte waren längst geplündert worden. Selbst ihre Lehnsherren hatten sich seit Wochen nicht blicken lassen und sie vermutlich aufgegeben, im Bewusstsein, dass hier nichts mehr zu holen. Sie haben sie zum Sterben zurück gelassen. Im Süden sollte es angeblich besser sein, doch es war längst zu spät für die Drei, um sich noch auf den Weg dorthin zu machen. Unterwegs war die Gefahr vor grausamen Söldnern, die sich seiner Töchter bemächtigen könnten und wildernden Gruppen bewaffneter Jugendlicher und Kinder, viel zu groß. Sie würden es nicht weit schaffen

Der alte Mann hob müde den Kopf, der mit jedem Tag schwerer wurde. Mutlos ließ er den Blick traurig über seine ihm verbliebenen Kinder schweifen. Natürlich glaubte nicht mehr daran, dass sein Sohn noch lebte und wusste nicht, wie ihr seinen Mädchen beibringen sollte, dass der bessere Ort, an dem ihre Mutter schon sehnsüchtig auf sie wartete, nicht auf dieser ausgelaugten, blutgetränkten Erde sein würde.

Gedankenversunken hörte das Zersplittern des Fensters nicht, als etwas durch die Scheibe herein flog. In den dunkelblauen, aufgerissenen Augen seiner Ältesten, die denen seiner Frau so schmerzhaft ähnlich waren, meinte er noch ein rotes Funkeln zu sehen, als der Tisch, an dem sie saßen, in einer ohrenbetäubenden Explosion zerbarst. Bevor sich kleine Holzteile und Metallsplitter in sein Gesicht bohrten und er von der Schwärze des Vergessens erfasst und mitgerissen wurde, verlief die Zeit für einen Moment quälend langsam und Zäh. Hilflos und mit grausam langsamer Schärfe, verfolgte er mit den Augen, wie Splitter und die Druckwelle der Granate, das blonde Mädchen in Stücke riss. Ihr Arm wurde, feucht rosa glitzernd, in die hintere Ecke des Raumes geschleudert und prallte mit einem nassen Klatschen daran ab. Ihr zerbrechlicher Körper zersprang, einer Porzellanpuppe gleich, in tausend Teile. Beide Beine und die linke Körperhälfte lösten sich, im ausbrechenden Feuer, in ein rotes Funkeln auf, gleich warmen Regens in der Abendsonne. Sie zerplatzte in einer Wolke aus glitzernden, feuchten Perlen.

Das jüngere Mädchen wurde durch die Druckwelle, die durch die offene Tür drang und den roten Nebel, der einst ihre Schwester war, gegen die zugezogenen Vorhänge des Fensters und in einem Schauer aus Scherben und Splittern auf die Straße geschleudert. Die Kleine hatte sofort das Bewusstsein verloren und spürte den harten Aufprall nicht. Sie landete in einem der vielen von Unkraut überwucherten Trümmerhaufen, welche die Straßen des Ortes säumten, unter einem trostlosen grauen Himmel und rührte sich nicht. Blut sickerte aus zahllosen kleinen und großen Wunden. Auf ihrem ausgemergelten Gesicht mischten sich Staub und Schmutz zu einer zähen Masse. Ihre Haut war bleich, schien nahezu durchsichtig zu sein. Die geschlossenen Lider, mit ihren langen dunklen Wimpern, verklebt von Tränen und Blut, das nur zum Teil ihr eigenes war, bedeckten die bernsteinfarbenen Augen, des Mädchens, während die langen, kastanienbraunen Locken, den schmalen Körper ein wie ein Sarg einrahmten.

Die Detonation war weithin hörbar gewesen, doch es eilte natürlich niemand zur Hilfe, voller Angst, selbst zum Opfer eines Anschlags zu werden. Und so lag das dürre Kind allein auf der Straße, nicht wissend, dass sie gerade alles verloren hatte.

Corey schlug die die Augen auf. Ihr Atem rasselte hektisch und abgehackt und ihr Herz raste, als wolle es ihr aus der Brust springen. Es war noch immer stockfinster und Shane schlief neben ihr. Sie konnte nicht lange weggewesen sein. Aufgebracht ballte das Mädchen die Hand zu Fäusten, so fest, dass die Knöchel weiß hervor traten. Wieso jetzt? Ich hatte ihn doch längst besiegt! Der Traum, ihre eigene Vergangenheit, hatte sie schon sehr lange nicht mehr heimgesucht. Eine Ewigkeit war er ihr ein treuer und grausamer Begleiter gewesen. Es hatte sich jedes Mal angefühlt, als hätte ihr Geist den Körper verlassen, um das Geschehen mit jedem Mal besser und in immer detailreicherer Klarheit beobachten zu können. Als sie endlich, einige Jahre nach ihrer Rettung, im Alter von etwa elf Jahren, den restlichen Verlauf dieses schicksalhaften Tages erfahren hatte, wurde sie zugleich von ihrem wiederkehrenden Alptraum befreit. Bis zu dieser Nacht. Und so versuchte das aufgewühlte Mädchen sich an das Ende zu erinnern. An ihren Retter, der sie gefunden und ihr im Laufe der Zeit alle Ängste genommen hatte. Der sie stark gemacht und ihr als einziger echte Zuneigung geschenkt hatte.

Corey kannte Sharps richtigen Namen nicht. Diesen hatte er sich selbst gegeben, als er so alt war, wie sie jetzt und gerade die letzte Prüfung als Sieger beendet hatte. Es hat nicht lange gedauert, bis er einer der Besten der EL wurde und bereits mit Anfang Zwanzig einem Vier-Manntrupp angehörte, der versprengte Kinder, wie er selbst eines gewesen war, aufzuspüren und in die schützende Obhut Ares zu überführen. Als Sharps seinem Schützling ihre eigene Geschichte erzählte, stand sie ihm, mitten in einer Trainingseinheit, mit roten, verheulten Augen gegenüber. Er hatte sie wieder einmal in die Ecke gedrängt. Corey erinnerte sich genau an die Szene und musste unwillkürlich lächeln. Sharps hielt ihr mit einer Hand ein hölzernes Trainingsmesser unters Kinn, die andere presste ihre schmale Hüfte gegen die harte Backsteinwand. Sie hatte gekämpft und sich gewunden, um sich irgendwie zu befreien, doch die schiere Größe und Kraft des mehr als doppelt so alten Mannes, waren unüberwindbar. Hilflos hatte sie ihm in die Augen gesehen, als ihre eigenen plötzlich in heißen Tränen ertranken. Bestürzt hatte der Mann mit dem mediterranen Teint sie an sich gezogen und fest in die Arme geschlossen und geduldig gewartet, bis das erstickte Schluchzen verebbte und die bebenden Schultern zur Ruhe kamen. Ohne das junge Mädchen loszulassen, hatte er sie ein Stück von sich geschoben und geschworen, dass er immer auf ihrer Seite sein und sie beschützen würde. Er versprach ihr zu helfen stärker zu werden, doch dafür müsse sie ihm vertrauen und dürfe keine Geheimnisse vor ihm haben. Die junge Corey erzählte ihm daraufhin von ihrem Alptraum. Als sie geendet hatte, nahm ihr Lehrer sie erneut in den Arm. Er strich ihr eine widerspenstige kastanienbraune Strähne hinters Ohr und befahl ihr, ihm genau zu zuhören. Seine folgenden Worte schienen das blasse Mädchen in der Zeit zurück zu versetzten und beschworen vor ihren Augen Bilder so realistisch und detailreich herauf, als durchlebe sie eine eigene Erinnerung.

Aus der Ferne hallten schwere Schritte heran. Jemand bahnte sich einen Weg durch den Rauch, hin zu einer brennenden Hütte. Vier schwer bewaffnete und gepanzerte Gestalten, näherten sich bedächtigen Schrittes. Ohne tatsächlich eine Gefahr zu erwarten, sahen sie sich ihrem Protokoll folgend nach sämtlichen Richtungen um und sicherten den Ort des Geschehens ab. Sie bewegten sie sich perfekt aufeinander abgestimmt. Verängstigte Schaulustige, sofern es welche gab, würden annehmen, es nähere sich nur eine Person, bis sie, durch die schmalen Spalten ihrer verrammelten Fenster, vier hochgewachsene Gestalten sahen. Die Gesichter der Männer waren unter den Helmen vollständig mit schwarzen Atemmasken bedeckt. Jeder von ihnen hatte eine seiner Waffen gezogen. Wie ein Mann, blieben sie kaum drei Meter vor dem Gebäude stehen. Obwohl sie alle ungewöhnlich groß waren, unterschieden sie sich doch offensichtlich voneinander. Einer der Männer, drahtig und deutlich größer als seine Kameraden, löste sich aus der Formation und trat durch den Türsturz ins Innere des Hauses. Er untersuchte es schnell und mit geübten Blick auf Überlebende ohne etwas zu berühren. Ein zweiter, ging gezielt und ebenso lautlos zu dem bewusstlosen Mädchen und kniete neben ihr nieder. Er streifte sich den gepanzerten Handschuh von der Hand und tastete mit zwei langen Fingern nach ihrem Puls. Seine Haut hatte einen warmen olivbraunen Ton. Sanft strich er dem Kind das wirre Haar aus dem Gesicht und betrachtete es schweigend. Einer seiner Kameraden trat hinter ihn und tippte ihm auf die Schulter. Er trug eine dunkelgraue Armbinde am rechten Oberarm, die ihn als Anführer des Trupps kennzeichnete. Der kniende Mann sah zu ihm auf und nickte ihm kaum merklich zu. Der letzte der Vier, einen halben Kopf kleiner als seine Gefährten, doch mit einem Stiernacken ausgestattet und Schultern, so breit, dass er jedes Christophorus Abbild in den Schatten stellte, verschwand auf einen Wink des Anführers hin, so geräuschlos wie seine Kameraden im staubigen Dunst, um die Umgebung zu erkunden und zu sichern.

Der Anführer wand sich wieder zu der brennenden Ruine um, aus der gerade sein schlanker Kamerad trat und wortlos den Kopf schüttelte. Wenige Sekunden später erschollen zwei gedämpfte Schüsse und kurz darauf noch ein weiterer. Alle drei spannten sich und richteten sich mit vor sich ausgestreckten Waffen auf. Als der Späher allein durch den Nebel zurück zu seiner Gruppe kam, entspannten sie sich. Auf diesen Straßen lebte nun niemand mehr, außer ihnen selbst und dieses halb tote Mädchen.

Der Anführer deutete wortlos mit dem Kinn auf die Kleine und ruckte dann mit dem Kopf in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Der Soldat, der noch immer neben dem Kind kniete, hatte seinen Handschuh bereits wieder übergestreift und hob es sich ohne sichtliche Anstrengung über die Schulter. Sie verschwanden so wort- und geräuschlos wie sie gekommen waren.

Corey atmete tief durch. Den Rest der Geschichte, wie sie und einige andere Kinder, in ihr neues Zuhause gebracht wurden und auf dieser Reise auch Finn kennen gelernt hatte, war Teil ihrer eigenen Erinnerung.

Die junge Schülerin seit damals nie wieder eine Träne vergossen. So wie Sharps ihr seine ewig währende Unterstützung zugesichert hatte, schwor sie insgeheim, die beste Kriegerin zu werden, die die EL je erlebt und ausgebildet hatte – für ihn. Das Verhältnis zwischen Corey und ihrem Trainer hatte sich an diesem Tag vollständig verändert. Er hatte eine Flamme entfacht, die bis zu diesem Tag in der inzwischen jungen Frau loderte. Sharps wurde zu ihrem persönlichen Mentor. Er trainierte sie in täglichen Einzelübungen. Er motivierte und belohnte das ehrgeizige Mädchen mit Zuneigung, die sie seit dem Tod ihrer Familie nie wieder erfahren hatte und unter ihren Kameraden nicht fand. Es hatte nicht lange gedauert und Corey, wurde so gut, dass sie nicht nur alle ihre Mitschüler in Einzelkämpfen bezwang, sondern sogar siegte, wenn sie von drei oder vier der anderen gleichzeitig angegriffen wurde. Sharps ist jedes Mal fast vor Stolz geplatzt und hatte seinem Schützling seine gesamte Freizeit gewidmet. Corey wusste nicht womit seine Aufmerksamkeit verdient hatte, doch sie genoss sie und kostete es voll aus. Wehmütig erinnerte sie sich an zahllose Sommernächte, in denen sie in seinen Armen unter Himmel gelegen und sich in seiner Wärme und Zuneigung gesuhlt hatte. Er hatte sanft ihre Stirn geküsst, über den Kopf gestreichelt und sie fest an sich gedrückt

Bis Ares auf das Mädchen aufmerksam geworden war. Als Anerkennung ihrer gewaltigen Fortschritte, ihres Talents und Leistungen, nahm er sie persönlich unter seine Fittiche. Er ließ sie in ein Zimmer seines eigenen Hauses einziehen und entzog sie nicht nur restlos der kleinen Gesellschaft Coreys gleichaltriger Kameraden, sondern auch der privaten Trainingseinheiten Sharps. Corey und ihr Meister waren stolz darauf, auf diese einzigartige Weise von Ares ausgezeichnet worden zu sein, auch wenn es eine schwere Bürde für das Mädchen bedeutete.

Und sie begann Sharps schmerzlich zu vermissen. Er war längst nicht mehr nur ihr Lehrer oder der Mann, der ihr das Leben gerettet hat. Er ist zu ihrem Freund, einem Vertrauten geworden. Doch ihr Adoptivvater sah es ganz und gar nicht gern, wenn sie allein mit jungen Soldat war und hielt sie von einander fern. Er bläute ihr ein, dass es sich einen Mann von 27 Jahren nicht gehörte, so viel Zeit mit einem zwölfjährigen Mädchen zu verbringen. Corey hatte das nicht verstanden, doch sie wagte es nicht sich zu widersetzten. Und sie wusste, dass ihr Vater auch mit Sharps ein ernsthaftes Gespräch über dieses Thema geführt und ihn sogar gedrohte hatte, ihn davon zu jagen. Und so war das Mädchen mit den Bernsteinaugen wieder ganz allein. Doch ihr Wille war ungebrochen. Sie lernte, trainierte und wurde immer besser, bis sie im zarten Alter von 16 Jahren sogar die meisten ihrer Ausbilder auf die Bretter schickte. Was sie an Kraft nicht aufbrachte, macht sie an Schnelligkeit, Wendigkeit und trickreicher Cleverness wett, die sie nur einem einzigen Mann zu verdanken hatte. Und Corey wusste genau, dass er sie weiterhin im Auge behielt. Regelmäßig tauschten die beiden verstohlene Blicke aus und nach jedem Sieg, sah sich die junge Frau suchend nach ihm um, lechzte nach seiner Anerkennung, seinem Stolz.


Kommentare

  • Author Portrait

    Bisher hat mir dein Text wirklich gut gefallen, doch bei den Geister der Vergangenheit fehlt mir etwas entscheidendes. Die ganze Zeit fiebere ich mit, wie es weitergeht. Die Spannung ist förmlich zum Greifen. Doch obwohl du eine tragische Szene hier beschreibst, fühle ich dabei so gut wie nichts... Mein Tipp: weniger Fakten, mehr Gefühl reinbringen. Vielleicht einfach nur aus der Sicht des kleinen Mädchens den Moment wiedergeben. Die Hilflosigkeit, der Schmerzen, die Trauer...

beta
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