Indie Rock. Oder wie ich gerne sage: Die Romane der Musik.
Tiefgründige Texte, manchmal langsame, manchmal schnellere Musik. Man kann es immer hören.
Es ist nicht wie Mainstream. Immer die gleiche Musik. Verschieden, aber doch auch gleiche Texte. Eintönig. Langweilig. Nichts für mich.


{June 2015, Thursday, 7 50, School}
„But pretty isn’t everything, right?“
„You are so right, honey!“
„Of course I am, darling.“
Irgendjemand rief im Hintergrund so etwas wie „Haltet die Klappe!“, aber es interessierte uns nicht. Immerhin waren wir es gewohnt.
„Fuckboy“, murmelten wir gleichzeitig. „Bam Bitch!“ Ich hielt die Hand hoch und Adore schlug klatschend ein. Ich spürte förmlich wie jeder die Augen verdrehte.
„Hey. JJ. Ich und Ti“, ich räusperte mich, „oh, sorry du Model! Ti und ich fahren nach der Schule ins Tumb. Kommst du mit?“, fragte A unseren dritten Musketier.
„Gerne. Ich kann halt nicht lange!“ „Das war uns klar, baby!“
A und ich setzten uns auf unsere Tische, vor uns saß JJ auf ihrem Sessel und spielte mit dem Handy. Ich holte meine Kopfhörer hervor.
„Wer will?“ Ich ließ einen in der Luft herumschwingen. „Was hörst du?“, fragte JJ.
„Rate.“
„Imagine Dragons?“
„Falsch. Darling, du bist dran.“
„The Neighbourhood!“
„Wir haben einen Gewinner! JJ, ich bin schwer enttäuscht von dir! Es ist erst 7 Uhr 50. Ich höre erst ab 8 Uhr Imagine Dragons!“
A schnappte sich den Kopfhörer und sang lautstark mit.
„Hast du ein Haargummi?“, nervte mich Adore.
Als Antwort hielt ich ihr meinen Arm vor die Nase, sie nahm das Haargummi ohne Bitte und Danke. Aber wir waren beste Freunde. Da musste man sich nicht bedanken oder fragen. Man tat es einfach.
Sie zog es sich elegant über ihre Haare und band es zu einem unglaublich unordentlichen Dutt. Man bemerkte das schwarze Gummi fast nicht in ihren dunkelbraunen Haaren.
„JJ, hast du Mathe?“
„Sehe ich so aus?“
„Ja?“
Es klingelte.
„Damn. Mathe. Keine Hausaufgaben. Null Bock“, fasste ich zusammen, beide nickten.
„Wir schaffen das!“, meinte JJ.
„Nicht!“, ergänzten wir drei gleichzeitig.

{Thursday, 14 30, Tumb}
„God, I wanna marry this burger!“, stöhnte JJ. „Ich auch!“
A hielt zwei Finger hoch, was „Me too“ bedeuten sollte.
Wir saßen im Tumb, dem besten Burgerrestaurant in der ganzen Stadt.
An den Wänden hingen alte Schilder, die meisten davon waren original, überall Schallplaten und neben der Eingangstür stand sogar eine alte Harley- Davidson Maschine.
Die Sessel und Tische waren mit elegantem Leder ausgekleidet und alle Kellner waren tätowiert, superfreundlich und witzig.
Der Laden war nicht groß, aber zweistöckig. An den Wänden bei der Treppe hingen signierte Bilder berühmter Personen. Michael Jackson, Marilyn Monroe, Obama und viele mehr.
Sie spielten den ganzen Tag Hard Rock, ab und zu Country, aber am meisten Indie Rock. The Smiths, the Arctic Monkeys, Imagine Dragons und The Neighbourhood.
Alle waren einige der besten Indie Rock Bands auf der Welt.
„Lady’s, wir werden fett.“
„But we don’t give a damn“, ergänzte ich.
„Hey, hört ihr das?“, rief JJ auf einmal.
All I am is a man , kam es aus den Lautsprechern.
„I WANT THE WORLDS IN MY HANDS!“, sangen wir voller Begeisterung mit.
The Neighbourhood war eine unserer Lieblingsbands, weshalb wir auch entsprechend ausflippten.
Es ließ uns selbst unsere Lieblingsburger vergessen.
Wir sprangen auf, sangen fast schon zu laut mit und tanzten herum.
Natürlich ernteten wir viele böse, aber auch belustigte Blicke von den anderen Gästen.
Wir wirbelten uns im Kreis und ich fühlte mich noch nie freier.

{Friday, 21 00, somewhere over the rainbow}
„Darling?“, fragte ich.
„Ja?“, antwortete Adore.
„Glaubst du, uns wird je jemand normal finden?“
„Was verstehst du unter ‚normal‘, Ti?“
„Nicht verrückt.“
„Das hieße, wir sollten nicht wie wir selbst sein.“
„Man könnte es auch anders sehen.“
„Wie meinst du das?“
„Vielleicht sind wir normal und die anderen nicht. Wir denken anders, tiefgründiger, manchmal traurig. Was ist, wenn das normal ist?“
„Weißt du wie man diese Denkweise nennt? Diese anders, tiefgründige, manchmal traurige Weise?“
„Nein.“
„Das nennt man Indie Rock.“

{Monday, 7 40, school}
Auf einem Ohr hörte ich West Coast, auf dem anderen lauschte ich JJ’s Gerede über ihren neuen Freund. Das außergewöhnliche daran ließ mich mehr ihr zuhören als der Musik.
Ihr neuer Freund war der beste Freund ihres Ex- Freundes.
Eindeutig zu viele Freunde.
Oder auch zweideutig, wäre ich ein Junge oder ein Perversling, was oft das gleiche war.
Da beides eindeutig (oder auch zweideutig) nicht der Fall war, hörte ich ihr aufmerksam zu.
Warte, was?
„Er war letztens sooo (sie zog das so ziemlich lange, woran ich erkennen konnte, dass er wirklich ziemlich süß war) niedlich, als er mir den Ring gab!“
„JJ, bezeichne nie einen Jungen als niedlich.“
Sie verdrehte die Augen und streckte mir die Hand entgegen, auf dem Ringfinger funkelte etwas.
Es war ein schmaler Ring mit einem Unendlichzeichen.
Ziemlich kitschig und klischeehaft, aber wirklich extrem süß.
„Hey, Wasssup?“, fragte plötzlich Adore, die in die Klasse kam, gefolgt von drei anderen Mädchen.
„JJ hat einen Ring von… von...ahm…“, Gott, ich hatte mir nicht einmal seinen Namen gemerkt, „von ihrem Freund bekommen!“
„Niles“, meinte JJ.
„Ja, genau. Von Niles.“
„Beautiful.“
„Nicht wahr?“, schwärmte JJ. Man kannte es ihr an, dass sie wirklich verliebt war.
Achtlos schmiss A ihre Tasche weg und setzte sich mit Schwung vor mir auf den Tisch.
„Ti, hast du Kaffee?“
Ich war ziemlich kaffeesüchtig, weshalb ich auch immer in der Früh einen Eiskaffee trank. Durch mich wurde es A genauso, nur JJ konnte dem Gruppenzwang widerstehen.
„Tut mir leid. Hab ihn schon ausgetrunken.“
Sie sah mich erschrocken an und rief: „DON’T YOU DARE? Tiana. West. WAG ES NICHT NOCH EINMAL, DEN KAFFEE AUSZUTRINKEN BEVOR ICH KOMME!“
Von hinten kamen wieder ein paar „Shut up“ s, die wir umgingen.
„Hey. Calm down. I have one“, meinte JJ.
Ein letzter tötender Blick von A. „This hoes ain’t loyal“, flüsterte sie und nahm einen Schluck.
Dann klingelte es. Der Horror begann. MATHE.

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by Alina

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