Interview mit Ines

Bertl klinkte sich ein. Er verabredete mit Gerd, das dass Tagblatt sich vorläufig aus der Sache raushalten sollte, um den ganzen Falschmeldern danach als Einziger mit der Wahrheit entgegen zu stehen. Gerd hatte seinem Redakteur eine vorschnelle Berichterstattung die Klinik betreffend untersagt. Er wusste, dass er hinterher exklusiv berichten konnte und es war nur gut für sein Blatt, wenn es keine Richtigstellung drucken musste, sondern gleich richtig recherchierte Tatsachen berichtete.
Renate Montar hatte nichts Besseres zu tun gehabt, als die Klinik und damit ihren Sohn und seine Frau möglichst schlecht zu machen und ihren angeblichen Rauswurf an alle erreichbaren Medien weiterzugeben. Davon, dass sie sich geweigert hatte, einer Behandlung überhaupt zuzustimmen, sagte sie natürlich nichts. Mittlerweile war die Meldung auch schon in allen Boulevard-Blättern und im Fernsehen, angekommen. Man kritisierte natürlich besonders, das Michael nicht sofort aus dem Urlaub gekommen war und die Verantwortlichen  medienwirksam gefeuert hatte.
Bertl war ebenfalls der Auffassung, dass es richtig war, den Urlaub, der keiner mehr war, abzusitzen, weil alles Andere einem Schuldeingeständnis nahe gekommen wäre! "Michel, jetzt lassen wir mal alle ausführlich falschmelden, dann werden wir im Tagblatt die Wahrheit exklusiv berichten und dann klagen wir die Schmierfinke auf Richtigstellung. Und natürlich die Sender. Dem Lokalsender, mit dem der Gerd immer gemeinsame Sache macht, geben wir auch die Möglichkeit exklusiv deine Stellungnahme zu senden. Der kann gleich Seitenhiebe an die schlecht recherchierenden Kollegen austeilen."
Selina und ich hatten nichts mehr vom Urlaub. Um ehrlich zu sein, in so einer Situation möchte man sofort aufbrechen, um die Lügen vom Tisch zu wischen, aber wie? Es war wirklich das Beste, den Gemeinheiten ihren Lauf zu lassen und nach der Heimreise mit aller Macht zu entgegnen. Wir hatten leider kaum mehr ein anderes Thema, selbst Mira und Mirko konnten sich kaum beruhigen und Melina kam bei der ganzen Aufregung ein wenig zu kurz.
Schließlich vereinbarte ich mit Bertl, der mir berichtet hatte , dass Ines nicht mehr aus dem Auto aussteigen konnte, ohne von Reportern angepöbelt zu werden, er sollte mit Ines und Gerd ein Exklusivinterview vorbereiten, dass Gerd über den Sender seines Geschäftsfreundes jagen sollte. Außerdem wies ich Max Schmeisser, unseren Sicherheitschef an, dass er seine Leute darauf verwenden sollte, Ines den Rücken frei zu halten. Sie könnte sich, wenn sie das wollte, auch vom Sicherheitsdienst chauffieren lassen, bis der Wirbel nachließ. Auf Max war Verlass. Das war auch gleich eine schallende Ohrfeige für die Schmierfinke. Und Gerd, der mir schon vor vier Jahren geholfen hatte, über die Medien einen unfähigen Staatsanwalt zu blamieren und meine damalige Situation in der Öffentlichkeit richtig darzustellen, war genau der richtige Mann für die Gegenoffensive. Er rief mich an und ich erklärte ihm, wie ich mir den Ablauf vorstellte. "Lass dich nicht runterziehen, Michael, wir biegen dass schon hin!" Noch am Mittwoch Abend Wurde das Interview aufgenommen.
Das Kamerateam kam in die Klinik. Gert und Bertl hatten Ines und auch Dr. Glimpf genau instruiert und der Sprecher des Senders hatte die Fragen von Gerd vorgegeben bekommen. Er war Profi und der Sender würde hundertprozentig mit Gerd kooperieren. Ines hatte die Idee Anfangs nicht für gut gehalten. Ich erklärte ihr aber am Telefon, dass es ihrer und unserer Glaubwürdigkeit nur zu Gute käme, wenn sie persönlich Stellung nähme und sich nicht hinter ihrem Chef verstecken musste, weil ihr Chef nach wie vor hinter ihr und ihrer korrekten Arbeit stehe. "Ich werde natürlich nach meiner Ankunft noch befragt werden und dann natürlich deine Entscheidung bestätigen, Ines!" Das Interview wurde in Selinas Büro aufgenommen, wo Ines als ihre Vertretung residierte.
"Frau Berger, sie vertreten während der Abwesenheit von Frau Dr. Bücker und Herrn Diplom-Ingeneur Michael Montar die Bücker-Klinik. Ist das nicht ungewöhnlich, dass eine Diplomkrankenschwester ein so hohes "Amt" bekleidet?" "Das wurde vom Vorstand vor vier Jahren so entschieden. Es ist eine Frage der Qualifikation und nicht eines Titels. Außerdem ist es nicht Gegenstand unserer Zusammenkunft! Hier geht es darum, dass die Behauptungen, die von Frau Montar aufgestellt wurden, nicht der Wahrheit entsprechen, was in keiner Weise mit meiner Ausbildung in Zusammenhang steht, und dringend zu berichtigen ist!" - "Nun, Frau Renate Montar, die Mutter ihres Chefs, Michael Montar, behauptet, dass sie von ihnen der Klink verwiesen wurde, nachdem sie ihr die Behandlung verweigert haben!" - "Diese Behauptung entspricht nicht der Wahrheit! Frau Montar wurde von uns mehrfach ersucht, die Kenntnisnahme unserer allgemeinen Geschäftsbedingungen zu unterschreiben und in eine Behandlung einzuwilligen. Da sie keine Unterschrift leisten wollte, war es uns nicht möglich sie zu behandeln, da uns das ohne ihre schriftliche Zustimmung untersagt ist. Ich habe sie daher gebeten, ihren Behandlungsplatz zu Gunsten eines dringenden Falles freizugeben! Es warten viele Bedürftige auf einen Therapieplatz bei uns. Wenn sich Frau Montar nicht behandeln lassen will, sollte diese Möglichkeit einem anderen Patienten gegeben werden. Dies entspricht auch den Vorgaben des Vorstandes." - "Nun verhält es sich aber so, dass Frau Montar die Mutter des Klinikleiters ist..." - "Was für den dringenden Fall, der auf eine Behandlung wartet ebenso unerheblich ist, wie für mich!" - "Hier drängt sich die Frage auf, wie Herr Montar das sieht. Glauben sie nicht, dass er bei seiner Mutter eine Ausnahme machen würde?" - "Michael Montar hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn! Wenn seine Mutter nicht in eine Behandlung einwilligt, sprich die Einwilligung nicht unterschreibt, habe ich keine andere Möglichkeit, als den Platz für den Nächsten Patienten zu beanspruchen." - "Das heißt, sie fürchten keine Folgen die der Rauswurf für sie haben könnte?" - "Ich stelle hier noch einmal fest: Es gab keinen Rauswurf! Ich ersuchte Frau Montar lediglich, sich zwischen ihrer Zustimmung einer Behandlung durch uns und dem Verlassen unserer Klinik zu entscheiden. Das erfolgte in Gegenwart des hier anwesenden Dr. Glimpf, der Frau Montar ebenfalls erklärte, dass eine Behandlung nur mit ihrer Einwilligung möglich ist und das sonderbare Betragen dieser Person bezeugen kann." Dr. Glimpf nickte und Bertl ergriff das Wort. "Frau Berger hat sich absolut korrekt verhalten. Im übrigen behalten wir uns vor, diverse Berichterstatter, welche sich ohne die geringste Spur einer Recherche erlaubt haben, unwahr zu berichten, in jeder erdenklichen Weise zu verklagen. Auch Reporter haben die Pflicht, ihre Tätigkeit nach bestem Wissen und Gewissen auszuüben." Gerd und der Sprecher des Senders bedankten sich für das Interview.
Am Donnerstag, war es im Lokalsender zu sehen, Abends sogar schon im kommerziellen deutschen Satelitenfernsehen. Ich war mit dem Auftritt meiner Freunde durchaus zufrieden, mir war aber klar, dass für mich der ganze Presserummel nach meiner Heimkehr von neuem beginnen würde...


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