Januar 2006- A City Full Of Monsters

Das Böse ist unspektakulär und stets menschlich, es teilt unser Bett und sitzt mit uns am Tisch.

                                                                                                                      - W.H. Auden

2006. Wieder ein neues Jahr. Ein Jahr, das genauso rasend schnell und belanglos an ihm vorbeiziehen würde, wie das vorherige. Ein Jahr voller Verpflichtungen, die bereits heute für ihn begannen, dabei war das Jahr noch keine drei Tage alt. Doch William hatte seine Mitarbeiter zu seinem berühmten Neujahrsdinner eingeladen, bei dem sie sich alljährlich dieselbe Scheiße anhören mussten, als seien sie zu dumm, um ihre Aufgaben als Auftragskiller zu verinnerlichen, geschweige denn zu verstehen.

Patton Massey III hockte also genervt und angespannt am langen Mahagoniesstisch seines Bosses und hoffte inständig, dass dieser dröge Abend bald sein Ende fand.

Zumindest war er nicht allein und musste dies als Einziger ertragen, denn sie alle waren heute gekommen und teilten sein unausweichliches Schicksal…

„Erfolg erreicht man durch harte Arbeit. Geld ist der Lohn für diese Arbeit. Und Macht ist die Krönung. Man erlangt Macht durch Kontrolle, Respekt und Angst. Dies sind die Attribute, die unser Überleben und meine Existenz sichern“, ereiferte sich William gerade in seiner Ansprache, die der Ex- Soldat bisher erfolgreich ignoriert hatte. Sein Boss stand am Kopfende des Tisches, seine Hände lagen dabei krampfhaft auf der glatten Oberfläche. Durch seinen Körper ging ein heftiges Zittern, als er, ohne Vorwarnung, mit der rechten Faust auf den Tisch schlug. Patton schreckte auf.

„DAS IST MEINE STADT!!! Ich lasse sie mir nicht wegnehmen, von niemandem. Ich werde nicht das Ansehen und den Respekt aufgeben, den ich mir erarbeitet habe. Ich räume nicht meinen Platz!“

William Cunningham war ja sonst ein vernünftiger Mann, aber in letzter Zeit litt er des Öfteren unter einem übertriebenen Verfolgungswahn, der ihn glauben ließ, dass jeder ihm sein Revier streitig machte. Seine Ansicht, dass sich seine „Feinde“ um ihn scharrten, um ihn und sein Imperium zu Fall zu bringen, war seiner Meinung nach bescheuert und lächerlich. Während Patton ein Gähnen unterdrücken musste, holte William nun dazu aus, seine Killer auf seine Art zu motivieren.

„Ich verlange von euch vollen Einsatz, damit wir unsere Stellung in dieser Stadt behalten. Ihr müsst unbarmherzig, stark und gewissenlos sein. Ich will keine Schwäche sehen; keine Gnade; kein Zögern“, trichterte William ihnen zum hundertsten Mal seine Tiraden ein, die bei ihm ins eine Ohr rein und zum Anderen wieder raus gingen. Gelangweilt schwenkte er sein Scotchglas und versuchte erst gar nicht aufmerksam oder interessiert auszusehen, stattdessen schweifte sein Blick über seine Kollegen.

Brolin Delaney der links neben William saß, lauschte dessen flammender Rede mit wachsender Begeisterung. Patton schüttelte verständnislos den Kopf.

Was für ein dämlicher Idiot! Will er sich etwa bei William einschleimen oder glaubt er wirklich an diesen Scheiß?

Er schnaubte lautlos und stierte zu Ophelia, die ihm direkt gegenüber ihren Platz gefunden hatte. Ihr heutiges, komplett weißes Outfit bestach durch einen sehr tiefen Ausschnitt, der jeden Mann zu ihrem willenlosen Sklaven machte. Daher musste er sich mit aller Macht zusammenreißen, damit er nicht über den Tisch sprang und sich auf sie stürzte.

Die Dunkelhaarige hingegen hatte keine Augen für ihn, denn sie hing, entgegen seiner Vermutung, ebenfalls konzentriert und fasziniert an Williams Lippen.

Patton Massey fiel vom Glauben ab. Sie, Ophelia Monroe, hörte sich allen Ernstes diesen Bockmist an. Sie, die er für hoch intelligent hielt. Hat sie den Verstand verloren? Sind etwa alle an diesem verdammten Tisch verrückt geworden? Entgeistert schaute er reihum, als habe er seinen Kollegen diese Frage laut gestellt. Zu seiner Erleichterung entdeckte er einen ebenso gelangweilten Mickey Suffert, der lustlos in den Resten seines Essens (es hatte köstliches Lamm gegeben) herumstocherte.

Wenigstens einer, dem Williams Worte auch am Arsch vorbei gehen. Ein schalkhaftes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, was jedoch einfror, als ihn Williams strafender Blick traf. Damit begnügte sich sein Boss, ehe er sich wutschnaubend auf seinen Stuhl fallen ließ und endlich wieder Ruhe einkehrte.

Patton leerte mit einem kräftigen Schluck sein Glas und ließ seine Augen zurück zu Ophelia schweifen. Ihre Aura und Sexiness fesselten ihn gnadenlos und hielten ihn gefangen. Er starrte sie ihn, so lange, bis sie seinen penetranten Blick erwiderte. Zwischen ihnen sprühten die Funken, die Anziehungskraft presste ihn in seinen Stuhl, seine Muskeln waren wie gelähmt. Der Ex-Soldat bohrte seine Finger in die gepolsterte Sitzfläche und kämpfte mit der quälenden Erregung, die seinen gesamten Körper befiel. Das unablässige Pochen seines Pulses, das in seinen Ohren dröhnte, war unerträglich. Er konnte sich nicht konzentrieren; nicht klar denken. Die Umgebung verschwamm vor seinen Augen, sodass Ophelia sich wie ein leuchtendes, übermächtiges Sinnbild vollkommener Perfektion vor ihm erhob. Nichts existierte für ihn, nur sie, der atemberaubend schöne Engel, der ihn beherrschte. Der blonde Killer geriet Gefahr sich in Ophelia Monroe restlos zu verlieren. Mit einem heftigen Schütteln seines Körpers steuerte er dem unwiderruflichen Abstieg in Sehnsucht und Abhängigkeit noch rechtzeitig entgegen. Die dichten Schwaden in seinem Kopf lichteten sich und gaben ihm wieder einen klaren Blick. Erst jetzt fiel ihm auf, dass Ophelia und er allein in dem prunkvollen Esssaal waren, in dem sie verloren und mickrig wirkten. Seine übrigen Kollegen saßen nach dem Essen vermutlich im Wohnzimmer und krochen William weiter in den Hintern. Patton beschloss die Chance sogleich zu nutzen, um seine Kollegin zur Rede zu stellen.

„Was war das eben, Monroe?“ Seine Frage kam direkt und ohne Umschweife über seine Lippen und unterbrach die vorherrschende Stille.

„Was meinst du schon wieder, Massey?“, zickte sie entnervt und betrachtete ihre manikürten Fingernägel, statt ihn anzusehen.

„Dein übertriebenes Anhimmeln von William“, ächzte er angewidert. „Wieso hörst du der Scheiße zu, die aus seinem Mund kommt?“

„Ich höre ihm nicht zu. Ich habe nur ein Talent dafür Interesse und Begeisterung vorzutäuschen, vor allem gegenüber William. Es hat nämlich seine Vorteile, wenn du dich mit ihm gut stellst. Arbeite tüchtig, leiste dir keine Fehler und bestärke ihn in seinen wirren Ansichten, dann springen besser bezahlte Aufträge für dich raus“, erklärte sie ihm langsam und geduldig, als wäre er begriffsstutzig.

„Hör auf mich zu verarschen“, polterte er zornig los. „Du bekommst Vorteile durch deinen Knackarsch und deine geilen Titten, Schätzchen, und durch nichts anderes. Es würde mich nicht wundern, wenn du auch noch mit William fickst.“

Sonderbarerweise ließ sie ihr glockenartiges, wundervolles Lachen hören, statt ihm für diese Unterstellung einen Schlag zu verpassen.

„Das sähe mir ähnlich, nicht wahr, Massey?“, gluckste sie heiter vor sich hin. „Und weißt du was? Ich habe tatsächlich versucht William zu verführen.“ Patton hörte ihr missmutig grummelnd zu, da ihre Unterhaltung in eine Richtung lief, die ihm gar nicht gefiel. Am liebsten hätte er Ophelia gestoppt, doch er wollte nicht wegen seiner Eifersucht von ihr verspottet werden, daher hielt er seinen Mund.

„Es war nach dem Mord meines Vaters; an dem Abend, als ich William das erste Mal begegnete“, erinnerte sie sich schwärmerisch. „Ich saß halbnackt auf seinem Schreibtisch und wollte ihn, doch er…“ sie unterbrach sich kichernd, „…hat ernsthaft nein gesagt, zu mir.“ Ungläubig sah sie Patton an, als erwarte sie von ihm eine entsprechende Reaktion auf Williams Ablehnung, aber er schwieg weiterhin.

„Er hat damals irgendetwas von seiner toten Frau gequatscht, als ob das ein Grund wäre mich abzuweisen.“ Ihr Gesicht nahm einen beleidigten Ausdruck an, bevor sie einen großzügigen Schluck von ihrem Martini trank. Der Ex-Soldat beobachtete sie völlig gelassen, obwohl ein Sturm in seinem Inneren tobte. Er war wütend und angeekelt von Ophelias Anmachversuche gegenüber William, der so viel älter war als sie. Die Tatsache, dass sie beide auch ganze 17 Jahre trennten, verdrängte er dabei erfolgreich, denn ihm ging es bloß ums Prinzip: sie gehörte ihm, ihm allein. Aus diesem Grund machte ihn der Gedanke rasend, dass die brünette Schönheit andere Männer anbaggerte.

„Jetzt weißt du, dass ich nicht mit William ficke, sondern einfach eine verdammt gute Killerin bin, die jeglichen Vorteil verdient hat“, rühmte sie sich stolz. Patton zog spöttisch eine Augenbraue in die Höhe, sagte aber nichts. Er verdrängte lieber gnadenlos den letzten Teil ihrer Unterhaltung, stand auf und wanderte gemächlich zu Ophelia herüber. Er belauerte sie förmlich, während sie bewegungslos auf ihrem Stuhl saß. Ihre Augen folgten ihm jedoch auf Schritt und Tritt. Letztlich blieb er hinter ihr stehen und strich über das glatte, enganliegende Haar.

„Weiß du was, meine Liebe?“

Bevor er fortfuhr, legte er sein Kinn auf ihren Kopf, während seine Hände Platz auf ihren Schultern fanden. Die Muskeln seiner Kollegin spannten sich an.

„Dir gegenüber zu sitzen, während du dieses Kostüm trägst, ist die reinste Qual“, flüsterte Patton ihr von hinten ins Ohr, zeitgleich glitt seine linke Hand über ihr Brustbein, hinab zu ihren Brüsten.

„Es ist unmöglich diesem Anblick zu widerstehen.“ Seine Finger fuhren ihre erregenden Wölbungen entlang, was ihr eine Gänsehaut bescherte.

„Mit mangelnder Selbstbeherrschung durchs Leben zu gehen, ist eben ein hartes Los, Massey“, spottete sie zwar hohnlächelnd, ließ ihn jedoch weiter gewähren.

„Fehlende Selbstbeherrschung ist die Grundlage für wilden, aufregenden Sex, Schätzchen“, argumentierte Patton großspurig, ehe sich seine Zungenspitze über ihren Hals bewegte. Der blonde Killer spürte durch ihre kräftig pulsierende Halsschlagader, wie sich ihre Herzschläge beschleunigten. Sie glaubte, dass sie ihr Verlangen durch ihr unterkühltes Benehmen vor ihm verbergen konnte, aber sie konnte die unwillkürlichen Reaktionen ihres Körpers nicht unterdrücken.

„Du willst nicht die Kontrolle verlieren, Ophelia, darum versuchst du sie mit aller Macht festzuhalten. Keiner kennt dies besser, als ich.“ Seine Hand wanderte unter den weißen Stoff ihres Blazers. „Aber manchmal muss man nachgeben und sich seiner Begierde beugen.“ Pattons Hand umfasste drängend ihre rechte Brust. Seine Kollegin stöhnte beinahe qualvoll auf, als sein Daumen ihre Brustwarze umkreiste.

Ihre Finger umklammerten krampfhaft die Tischplatte, während sie sich kräftig in die Unterlippe biss. Alles in ihr schrie ganz offensichtlich nach ihm, was sie jedoch anhaltend verdrängte.

„Was willst du mir beweisen, Monroe?“, fragte er sie ernst. „Oder willst du dir eher selbst etwas beweisen?“ Von der Seite musterte er ihre kühle, versteinerte Miene, die Bände sprach. Seine Fragen passten ihr nicht und machten sie wütend.

„Hör auf laienhaften Analysen über mich anzustellen, Massey. Du weißt nicht, was ich denke oder empfinde, also bilde dir nicht ein Sigmund Freud höchstpersönlich zu sein“, vernichtete sie ihn mit zwei Sätzen. Anschließend umfasste sie grob sein linkes Handgelenk und entfernte seine Hand aus ihrem Dekolletee. Patton nahm ihren Zorn zunächst gelassen, doch als sie ihn murmelnd als Widerwärtigen Wichser beschimpfte, zog er energisch ihren Stuhl zurück und drehte ihn zu sich. Ophelias weit aufgerissene Augen waren das unverkennbare Zeichen für ihre Empörung.

Bevor die Brünette ihre Stimme wiederfand, packte er ihre dünnen Handgelenke, presste ihre Arme nach unten und ging leicht in die Hocke, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein. Stolz reckte sie ihr Kinn, um ihm zu zeigen, dass sie sich nicht vor ihm fürchtete und von ihm zähmen ließ.

„Jede Unterhaltung mit dir ist ein Kampf. Egal, um was es geht, du schlägst wie eine wild gewordene Furie um dich, um mich auf Abstand zu halten.“ Je länger er sie festhielt, desto unruhiger wurde sie und rutschte hektisch auf ihrem Stuhl herum. Patton verhärtete reflexartig seine Griffe.

„Ich habe eine schlechte Nachricht für dich, Ophelia: das funktioniert nicht, also sei jetzt ein braves Mädchen!“, raunte er befehlend und presste so aggressiv seine Lippen auf ihre, dass er gleichzeitig ihren Kopf gegen die hohe Lehne des Stuhles drückte. Er wollte sie und wenn sie sich weigerte, musste er sich nun mal gewaltsam das holen, wonach er sich sehnte.

Patton Massey zwang ihr seinen Willen auf. Sie konnte ihm nicht entkommen; sie saß in der Falle...

Ein heißer Schmerz schoss wie ein Blitz durch seine Unterlippe, was Patton seinen Kopf ruckartig zurückziehen ließ. Frisches Blut lief über sein Kinn, denn seine Kollegin hatte kräftig zugebissen.

„War das nötig, Miststück?“, spie er zügellos und sah sie entsetzt an.

„Ist es nötig mich festzuhalten?“, war ihre freche Gegenfrage, bevor sich ihre blutbenetzten Lippen zu einem maliziösen Grinsen verzogen. „Glaubst du wirklich, dass du Gewalt anwenden musst, um mich zu küssen, Patton? Wenn ja, dann hast du weniger Selbstvertrauen, als ich dachte.“ Sie beugte ihren Oberkörper nach vorne und gab ihm einen sanften Kuss. Dann sah sie ihn an, doch sein starrer Blick hing lediglich an ihren festen, verführerischen Brüsten.

Patton Massey vernahm ihr amüsiertes Lachen als ein flüchtiges Rauschen, das es nicht wert war aufzusehen. Erst, als sie grob sein Kinn umfasste und es anhob, war er gezwungen ihr in die Augen zu schauen.

„Musst du mich stören?“, knurrte er zähnefletschend.

„Bist du etwa so fasziniert von meinen Brüsten, Massey?“, säuselte sie und strich mit ihren filigranen Fingern sein kantiges Gesicht entlang. Unter ihren sanften Berührungen wurde sein Blick weich und die angestaute Wut verringerte sich.

„Deine Titten sind der Wahnsinn“, hauchte er anzüglich und verlor sich im Blaugrün ihrer wunderschönen Augen.

„Nicht nur die.“ Ophelia kicherte wie ein kleines Mädchen, bevor sie ihn leidenschaftlich küsste. „Alles an mir ist der Wahnsinn“, fügte sie anschließend atemlos an.

„Ich weiß, ich habe dich oft genug nackt gesehen.“ Seine frivole Anspielung auf die vielen Male, an denen sie Sex hatten, ließ ihre Augen wild aufblitzen. Sie wollte ihn, da war er sich sicher. Seinem Instinkt folgend öffnete er seine Hose, doch sie hielt umgehend seine Hände fest und stoppte ihn. Patton war irritiert.

„Nicht hier, nicht jetzt.“

„Wieso nicht hier? Wieso nicht jetzt?“

„Weil ich keine Lust verspüre mit dir zu ficken, wenn ich im Haus von William sitze und unsere Kollegen hier herumlaufen“, war ihr trockener Kommentar, bevor sie verrucht schmunzelte.

„Ich will mit dir alleine sein, Patton. Ich will es genießen“, mit ihrer rechten Hand öffnete sie langsam seinen Reißverschluss, „deinen Schwanz in mir zu spüren, ohne dabei gestört zu werden.“ Seine Kollegin schob ihre Hand in seine Hose und umfasste seinen Penis. Die Wellen der Erregung kehrten zurück und ließen ihn lustvoll stöhnen. Die Fähigkeit, ihn mit wenigen Worten und Gesten vom Zorn zerfressenen Mann zu einem liebestollen Jungen zu machen, suchte ihresgleichen.

„Deshalb schlage ich vor, dass wir uns später bei mir treffen.“ Ihr verlockendes Angebot konnte er nicht ausschlagen, vor allem, wenn sie sich gerade an seinem Schwanz zu schaffen machte. Daher nickte er eifrig und genoss ihre Berührungen. Das Blut rauschte in seinen Ohren und pulsierte heftig in seinem Unterleib. Er hatte das Gefühl innerlich zu explodieren, bis…

Ja, bis Ophelia ihm die süße Verzückung der Lust entzog, indem sie ihre Hand plötzlich aus seiner Hose zog und sich zurücklehnte. Sie spielte wieder mit ihm, was ihn rasend machte, aber auch verdammt anturnte. Es waren die Vorzeichen für die heutige Nacht, die heiß werden würde. Es würden Stunden sein, in denen sie um die Oberhand kämpften, um herauszufinden, wer willensstärker war und die Kontrolle über den jeweils anderen besaß.

 

Emilia Sophia McDermott verließ das Gästebadezimmer und ging zum Esszimmer zurück. Auf dem Weg begegnete sie Patton, der im Korridor hastig an ihr vorbeieilte und tief in Gedanken zu sein schien. Verwundert schaute sie ihm nach, bis er um die nächste Ecke bog und verschwand. Sie fragte sich, was mit ihm los war, als sie ins Esszimmer trat und prompt die Antwort erhielt: Ophelia Monroe. Die Dunkelhaarige saß noch am Tisch, genoss eine Zigarette und ließ sich einen weiteren Martini schmecken. Emilia hatte nicht mitgezählt, wie viele Drinks sie bereits intus hatte, doch es musste eine gute Menge sein, da ihr Oberkörper immer wieder leicht nach vorne und hinten wankte.  

Je näher sie ihr kam, desto deutlicher war der harte Geruch des Gins zu riechen und das Lied zu hören, das sie vor sich her sang. Es war eine ihr unbekannte Melodie, die sie gefangen nahm und sie von nun an nicht mehr vergessen würde.

„Und schon betrunken, Monroe?“, fragte Emilia ihre Kollegin, als sie sich auf den Stuhl neben ihr niederließ.

„Noch nicht, McDermott, aber ich arbeite fleißig daran“, antwortete sie berauscht und aufgekratzt, ehe sie ihr Glas leerte.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du alleine hier herumsitzt und dich betrinkst. Ich habe erwartet, dass du dich in der Aufmerksamkeit unserer männlichen Kollegen sonnst und deinen unwiderstehlichen Charme bei ihnen spielen lässt“, meinte sie sarkastisch und dachte dabei an Patton Massey, der ihr kopflos entgegen gekommen war. Ophelia lachte unterdessen kurz und schrill auf, dann nickte sie zustimmend.

„Stimmt, Blondie, eigentlich ist das meine liebste Beschäftigung.“ Sie sah zu Emilia und lächelte kokett. „Ich verdrehe Männern gerne den Kopf und benutze sie vorzugsweise für meine Zwecke. Das ist meine Art sie für ihre Verlogenheit, Arroganz, Leichtsinnigkeit und Dummheit zu bestrafen. Zusammengefasst heißt das: Ich bestrafe sie dafür, dass sie Männer sind.“

„Wie kannst du in deinem Alter schon so verbittert und hasserfüllt gegenüber Männern sein?“

„Ich habe meine Erfahrungen gemacht und bin nicht nur liebevollen, netten und vertrauensvollen Männern begegnet. Das ist die Realität, also pass auf, Blondie, denn alle Männer haben ihre Fehler und Geheimnisse und ich wette dein Prince Charming hat ebenfalls eine Menge Dreck am Stecken“, prophezeite die Brünette blasiert und zog an ihrer Zigarette.

„Du musst jegliches Glück zerstören, oder? Nur, weil du selbst keine vernünftigen Beziehungen führen kannst, brauchst du nicht die Hoffnung anderer zu zerquetschen, wie ein lästiges Insekt“, keifte Emilia angesäuert, da sie eindeutig auf ihre Beziehung zu Marcus anspielte, die sie absolut nichts anging.

„Sei vorsichtig, Emilia, denn wenn William herausfindet, dass du mit einem seiner Geschäftspartner vögelst, dann rastet er aus.“ Sie zog kräftig an ihrer Zigarette. „Und meine Wenigkeit hofft, dass er dich mit voller Härte bestraft.“ Ihre Gesichtszüge entgleisten augenblicklich, als sie das breite, heimtückische Grinsen der Brünetten sah.

„Du wirst gegenüber William kein einziges Wort fallen lassen, Ophelia Monroe, sonst…“

„Sonst was, Blondie?“, fragte sie neugierig. Emilia beugte sich zornig zu ihrer Kollegin. In ihre Nase kroch der widerliche Geruch von Nikotin.

„Ich steche dich kaltblütig ab und dieses Mal sorge ich dafür, dass Pete dein armseliges Leben nicht rettet“, wisperte sie ihr drohend ins Ohr. „Willst du das wirklich provozieren, Miststück?“ Zufrieden lehnte sie sich zurück und kostete den Moment ihres Triumphes aus, als Ophelias Gesichtsmuskeln vor Unmut zuckten.

„Du wirst nie wieder die Chance bekommen mich zu töten“, stellte ihr Gegenüber bissig klar.

„Also kannst du dir deine lächerlichen Drohungen sparen.“ Emilias Reaktion auf ihre abgedroschenen Worte war ein gelassenes Schmunzeln, das Ophelia wutschnaubend und stumm hinnahm.

Zwischen ihnen herrschte angespanntes Schweigen, bis die Brünette ihren Oberkörper plötzlich nach vorne zu ihr herüber lehnte. Ihre vollen Lippen, die durch rosafarbenen Lipgloss fein schimmerten, waren nur noch wenige Millimeter von ihren entfernt.

„Es ist schade, dass unsere Beziehung zerbrochen ist, Süße. Die Zeiten, in denen du mich gemocht hast, fehlen mir. Ich sehne mich nach deiner zarten Haut und dem köstlichen Geschmack deiner Lippen“, schwärmte sie bedauernd, bevor sie sie sanft küsste. Im ersten Moment überfiel ein kalter Schauer Emilia McDermott, doch dieser wandelte sich zu Wogen aus Hitze und Erregung. Sie stand nicht auf Frauen, aber die unwiderstehliche Wirkung ihrer Kollegin vernebelte ihren Verstand und löste ein heftiges Pochen in ihrem Unterleib aus.

Unterdessen stoppte Ophelia den Kuss und strich mit ihrer linken Hand behutsam über ihr blondes Haar. Sie ließ einzelne Strähnen durch ihre langen Finger gleiten, zwirbelte sie auf und lächelte dabei verträumt.

„Du bist wunderschön“, flüsterte sie und durchbohrte sie mit einem Blick, der bis auf den Grund ihrer Seele reichte. In Emilias Hals bildete sich ein schwerer Kloß.

„Was wäre wohl noch zwischen uns passiert, wenn wir uns nicht zerstritten hätten?“ Kurz schloss sie ihre Augen, als stelle sie sich gerade vor, was sie beide miteinander erlebten. Dann hoben sich ihre Lider und ihre blau-grünen Augen blitzten.

„Es wäre heiß hergegangen, McDermott“, versicherte Ophelia ihr euphorisch. „Aber vielleicht wird es noch dazu kommen.“ Ihre Hand löste sich von ihren Haaren, wurde auf ihren linken Oberschenkel gelegt und wanderte langsam unter ihr helles, taupefarbenes Kleid. Ihre fordernden Berührungen brachten sie zum Erzittern.

„Es gibt nichts Schärferes, als mit einer Person zu ficken, die du hasst. Über einem schwebt die stetige Gefahr von dem Anderen angegriffen oder sogar getötet zu werden“, hauchte sie gegen ihre Lippen, während ihre Fingerspitzen an ihrem Höschen ankamen. Geistesgegenwärtig und berauscht nickte die Blondine, während ihre Worte in ihrem Geiste widerhallten. Sie sah ihre Kollegin nur noch schemenhaft vor sich, als habe sich ein Schleier über ihre Augen gelegt.

Dagegen spürte Emilia deutlich die wuchtigen und rasenden Herzschläge, die schmerzhaft gegen ihre Brust pochten. Bumm. Bumm. Bumm. Sie konnte sich auf nichts anderes mehr konzentrieren.

„Du kannst dir nicht vorstellen, wie gerne ich dir in diesem Moment das Kleid hochheben würde, um deine aufregenden Oberschenkel zu sehen“, gab sie ihre Sehnsucht preis und leckte sich frivol über die Oberlippe. Ihr dazugehöriger Blick trieb Emilia die Röte ins Gesicht. Die direkte Konfrontation mit ihrem verborgenen Verlangen nach Ophelia Monroe überforderte sie völlig, denn sie war der Meinung gewesen erfolgreich dagegen angekämpft zu haben.

Dumme, naive Emilia, rügte sie sich selbst. Du bist die Meisterin der Selbsttäuschung und Verleugnung. Wie kannst du nur glauben, dass du diese Frau problemlos aus deinem Kopf bekommst! Sie hat sich dort eingenistet, unwiderruflich und penetrant…

Ein weiteres Mal küsste sie ihre Kollegin, was sie abrupt und brutal aus ihren Gedanken riss. Dies war ihr Glück, denn endlich sah die blonde Killerin wieder klar. Die Schwaden der Verwirrung lichteten sich, sodass die göttliche Verführerin verschwand und sich das wahre Gesicht ihrer Erzfeindin offenbarte. Emilia schob ruckartig und kraftvoll den Mahagonistuhl zurück, was Ophelia dazu zwang ihre Hand, die sich noch unter ihrem Kleid verbarg, hervorzuziehen. Das tat sie jedoch nicht, ohne ihr schmerzhafte Kratzer durch ihre langen Fingernägel zuzufügen.

„Du unterliegst einem gewaltigen Irrtum, wenn du glaubst, dass du mich manipulieren kannst, wie irgendeine deiner trivialen und unzähligen Männerbekanntschaften“, spuckte sie ihr entgegen und sprang auf, da Ophelia erneut im Begriff war sich ihr zu nähern.

„Fass mich nicht an, Miststück! Ich bin immun gegen deine Psychospiele und Anmachversuche.“

Ihrem zornigen Ausbruch folgte spöttisches Gelächter. Das Echo ihrer glockenartigen Stimme dröhnte in ihren Ohren und peinigte sie. Indes überschlug Ophelia elegant ihre langen Beine und amüsierte sich köstlich über sie.

„Ich weiß nicht, was so lustig ist“, giftete Emilia wutentbrannt.

„Deine bedauernswerten Lügen, Blondie“, klärte sie sie feixend auf. „Das Verlangen nach mir ist eindeutig in deinen unschuldigen, blauen Augen erkennbar. Ich sehe, dass dich meine Küsse heiß machen.“ Ihre Kollegin erhob sich, glättete den Rock ihres engen, weißen Kostüms und kam auf sie zu. „Ich sehe deinen inständigen Wunsch, dass ich meine Hand in dein Höschen stecke und…“, die Dunkelhaarige trat an sie heran und griff enthemmt in ihren Schritt.

„STOP!“ Emilia McDermott schoss blitzschnell nach hinten, um eine größere Distanz zwischen ihnen zu schaffen und sie daran zu hindern, sie weiter zu begrabschen und ihr den Verstand zu rauben.

„Hör auf, Ophelia! Ich begehre dich nicht. Ich will dich nicht. Ich will nur ihn.“ Ihre hysterische Stimme überschlug sich, als sie über Marcus sprach. Entsetzt riss sie die Augen auf und versteifte ihren Körper. Sie hatte die Kontrolle über ihre Gefühle verloren und das ausgerechnet vor Ophelia. Diese setzte ein hinterlistiges Lächeln auf, das nichts Gutes verhieß.

Er ist anscheinend etwas ganz besonderes für dich sein“, seufzte sie zuckersüß. „Kein Wunder, schließlich ist er ein charmanter, höflicher Gentleman, der dazu reich und verdammt scharf ist.“ Die bildhafte Erinnerung an Marcus brachte ihre großen Augen zum Glänzen. Emilia machte sich noch immer schwere Vorwürfe, dass sie es nicht hatte verhindern können, dass diese Schlampe hinter ihre Beziehung mit Marcus gekommen war.

Natürlich war es dumm von ihr gewesen, zu glauben, dass sie vor ihr den Mann verstecken konnte, den sie liebte. Vor allem, da er einer von Williams Kunden war und somit regelmäßig zu Veranstaltungen eingeladen wurde, an denen auch seine Killer teilnahmen. Und bei einem dieser Treffen hatte ausgerechnet Ophelia gesehen, wie Marcus und sie sich heimlich küssten. Ihr war von vornherein klar gewesen, dass es nichts brachte, sie mit schlechten Lügen und Ausflüchten abzuspeisen, also hatte sie ihr, zähneknirschend, reinen Wein eingeschenkt. Seitdem gab es keinen Moment, in dem sie diese Entscheidung bereute oder sich über ihre mangelnde Vorsicht ärgerte.

„Sprich nicht über ihn, Miststück! Es reicht schon, dass du dich an meine Schwester herangeschlichen hast, da musst du dich nicht noch an meinem Liebesleben vergreifen. Also halte dich gefälligst von Marcus fern!“, knurrte sie gefährlich und fletschte die Zähne.

„Reg dich nicht auf, McDermott. Du brauchst dich nicht von mir bedroht zu fühlen, da ich nicht vorhabe, dich deinem Liebsten zu nähern“, versuchte sie die angespannte Situation mit ihrem müden Versprechen zu entschärfen.

„Ich habe kein Interesse daran mich in dein langweiliges Privatleben, mit seinen kitschigen Liebesbezeugungen, einzumischen.“

„Soetwas sagt nur jemand, der nicht fähig ist einen anderen Menschen zu lieben“, giftete Emilia zurück, um ihre Art zu leben vor ihr zu verteidigen.

„Zumindest weiß ich, was Männer wollen und wie man sie zufriedenstellt. Du wiederum“, fing sie spöttisch an und musterte sie abwertend, „bist eine Amateurin. Du bist nicht in der Lage einen Mann zu halten, was wohl oder übel dazu führen wird, dass du ihn verlierst.“

Ihre Kollegin begann damit, sie mit großen Schritten zu umkreisen, was die Aggressionen in ihr hochkochen ließ.

„Es braucht ihm nur eine attraktive Frau auf Augenhöhe zu begegnen und schon wird er verschwinden“, behauptete sie dreist und süffisant grinsend. „Er wird dich vergessen, Blondie, und du bleibst allein zurück. Welch tragisches Schicksal.“

Emilia platzte endgültig der Kragen. Kaum war das letzte Wort über Ophelias Lippen gekommen, da schlug sie zu. Ihre Faust traf sie frontal ins Gesicht und ließ sie heftig auf ihren hohen Schuhen wanken.

„Hast du sie noch alle?!“, kreischte die Brünette, nachdem sie sich wieder gefangen hatte.

„Wenn du mich provozierst und immer weiter stichelst, dann musst du damit rechnen, dass ich dir irgendwann dein vorlautes Maul stopfe.“

„Ich will dir bloß helfen, Blondie.“

„HELFEN?!“

„Ja! Ich will dir helfen, zu erkennen, dass deine Beziehung auf diese Weise zu Ende gehen wird. Mach dir also keine großen Hoffnungen auf eine glückliche Zukunft mit diesem Mann“, erklärte sie ihr pathetisch.  

„Ich will dir Enttäuschungen und ein gebrochenes Herz ersparen.“ Als sie das hörte, verfiel die blonde Killerin in lautes, hysterisches Gelächter, sogar ein paar Tränen sammelten sich in ihren Augenwinkeln.

„Du verlangst doch nicht ernsthaft von mir, dass ich dir diesen Scheiß abkaufe, Monroe“, presste sie hervor, während sie sich vor Lachen kugelte. Ophelia kräuselte unzufrieden die vollen Lippen, bevor sie sich blitzschnell eines der verbliebenen Messer schnappte und Emilia attackierte. Trotz des Überraschungsmoments reagierte sie schnell und entging dem ersten Messerstich, den ihre Kollegin gegen ihren Hals setzte. Ihr blieb keine Zeit zum Luftholen, denn es folgte gleich der zweite Angriff, dem sie dieses Mal nicht entging. Ophelia erwischte sie am linken Oberarm, dem sie einen tiefen Schnitt zufügte. Blut quoll heraus, lief ihren Arm herunter und tropfte auf das Parkett. Die blonde Killerin zitterte am ganzen Leib, doch nicht vor Schmerz, sondern vor Zorn. Wutschnaubend stürzte sie sich auf die Brünette, die ihre kopflose und völlig von Hass geleitete Attacke erwartet hatte. Hart schlugen sie beide auf, wobei Ophelia das Messer abhanden kam und mehrere Meter über den glatten Boden schlitterte. Jetzt ging es Killerin gegen Killerin, ohne eine Vorteil verschaffende Waffe, die den Kampf beeinflusste.

Emilia verlor keine Zeit und schlug immer wieder auf sie ein. Die Brünette schützte sich, so gut es ging, konnte aber nicht verhindern, dass einige Schläge ihr Gesicht und ihren Kopf trafen. Ihr schmerzhaftes Stöhnen zauberte ihr ein fanatisches Grinsen ins Gesicht. In ihr obsiegte die Hoffnung, ihr nun endlich den Gar ausmachen zu können, daher legte sie ihre Hände um ihren Hals und drückte zu. Ihre Nägel gruben sich mit Leichtigkeit in ihr zartes Fleisch, als habe sie weiche Butter in den Händen.

„Ich habe dir gesagt, dass ich dich töten werde, Schlampe, und daran halte ich mich.“ Die Abscheu und Feindseligkeit in Ophelias Augen sprang ihr förmlich entgegen und riss sie in blutige Fetzen. Emilia ließ sich davon nicht beeindrucken, geschweige denn einschüchtern.

„Jetzt hilft dir auch kein Wimperngeklimper oder ein zuckersüßes Lächeln. Nichts und niemand kann dir helfen.“ Sie war gefangen in ihren Rachevorstellungen und sah den Kopfstoss nicht kommen, den Ophelia als letztes Mittel gegen sie einsetzte.

Schädel traf auf Schädel, was ihr für wenige Sekunden das Licht ausknipste und sie ihren Griff lockern ließ. Dies reichte aus, damit ihre Kollegin sie roh von sich herunter stieß und somit ihr Leben rettete. Emilia ärgerte sich nicht lange über ihren Misserfolg, dafür hatte sie auch gar keine Zeit, denn die Dunkelhaarige würde nicht einen Augenblick zögern sie zu töten. Sie rappelte sich auf und konnte durch eine reflexartige Ausweichbewegung zur Seite gerade noch verhindern, dass Ophelia, die das Messer aufgehoben hatte, ihr dieses in den Bauch rammte.

„Verdammtes Flittchen“, schimpfe sie und kam erneut auf sie zu. „Du entkommst mir nicht!“ Ihr Gekreische war ohrenbetäubend und lockte schließlich William an, der durch das Esszimmer preschte und sich zwischen sie stellte, um weitere Angriffe zu unterbinden. An seinem hochroten Gesicht und der sich hektisch bewegenden Brust erkannte Emilia seine Aufregung.

„Unfassbar! Einfach unfassbar“, schien das einzige zu sein, das ihm bei ihren erneuten, gegenseitigen Mordversuchen in den Sinn kam. „Man kann euch nicht mal fünf Minuten alleine lassen, ohne, dass ihr versucht euch abzustechen!“, tobte er wild geworden und strafte zunächst sie mit einem Blick, der Enttäuschung und Unverständnis vereinte.

„Denkt ihr, dass ich nichts Besseres zu tun habe, als eure kindischen Streitigkeiten zu schlichten?“ Er wartete ihre Antwort nicht ab (vermutlich hatte er diese Frage auch nicht gestellt, um eine Antwort zu bekommen) und wandte sich zu Ophelia.

„Es ist nicht mal ein halbes Jahr her, dass ich euch beide blutüberströmt in meinem Büro davon abhalten musste euch die Köpfe einzuschlagen und jetzt ist es dasselbe Spiel. Habt ihr mir damals nicht zugehört oder ist euch scheißegal, was ich gesagt habe?!“

Ophelia öffnete den Mund, da sie wie immer etwas beizutragen hatte, doch William schnitt ihr gnadenlos das Wort ab. Er gestattete es seinen Killerinnen nicht auch nur eine Silbe zu sprechen.

„Du sagst nichts, Ophelia. SEI EINFACH STILL!“ Ihr Boss verlor völlig die Kontrolle über seine Tobsucht. „Ich habe das Sagen. Ich bin hier Derjenige, der bestimmt, wie es läuft, verstanden? Darum lasse ich mir von euch nicht auf der Nase herumtanzen. Ich lasse nicht zu, dass euer Gezicke; eure bescheuerte Fehde Überhand gewinnt und meine Geschäfte beeinflusst. Ihr arbeitet für mich und ich erwarte von meinen Mitarbeitern Professionalität. Persönliche Auseinandersetzungen oder Abneigungen interessieren mich nicht und haben keinen Platz in unserem Metier. Ihr reißt euch also zusammen und behindert nicht weiter meine und eure Arbeit, ist das jetzt angekommen?!“ Wieder schaute er sie beide abwechselnd an. Keine von ihnen machte Anstalten ihm zuzustimmen, was ihn nur noch mehr in Rage versetzte.

„ICH WILL EINE ANTWORT!!!“ Emilia begnügte sich mit einem Kopfnicken. Sie fügte sich, dabei wollte sie nichts mehr, als der Brünetten die Kehle aufzuschneiden und zufrieden dabei zuzusehen, wie sie verblutete. Daraufhin hellte sich Williams Miene deutlich auf, doch Ophelia hatte bisher keine Reaktion gezeigt. Sie war für ihn die Unkontrollierbarste in der Gruppe. Aus diesem Grund war er angespannt und nervös, was verdeutlichte, dass sie mehr Einfluss auf ihn hatte, als er auf sie. Minuten verstrichen, bis sie die Arme steif verschränkte, auf dem Absatz kehrt machte und davon schritt. Zurück blieb ein fassungsloser William, der nicht wusste, wie er mit ihrer Trotzigkeit umgehen sollte. Die Blondine schmunzelte gehässig.

Ein frohes neues Jahr, William. Auf dass die nächsten Monate etwas Erholung für dich bedeuten. Bei diesem Gedanken musste sie sich zusammennehmen, um nicht laut loszulachen.

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