Köln gegen Düsseldorf

„Hey, du musst doch wirklich toll sein. So selbstlos wie du dich engagierst.“, meinte Rabia Fresse. Sie war ein wenig älter als Zak, genau so groß und zierlich, kletterte, war Brillenschlange und sehr intelligent, und sehr philosophisch.
„Wie komme ich daran? Ich brauche das für ein Stipendium.“, meinte sie.
„Ja, ich stehe hinter allem was ich so mache und vor allem was ich schreibe.“, antwortete Zak ernsthaft, „Ich würde es ja sonst nicht machen.“
„Aber du musst doch mal irgendwas gemacht haben, worüber du unglücklich bist.“, meinte sie. Wieder rannte ein kleiner Junge durch die beiden und sie zuckte zurück.
„Zum Beispiel, wenn du dem jetzt eine Hauen würdest.“, bohrte sie weiter.
„Ähm, da ich dem keine runterhaue, finde ich das auch nicht gut? Das wäre für mich die logische Schlussfolgerung.“, meinte Zak und merkte wie sein Telefon klingelte.
„Bitte entschuldige.“, meinte er knapp und ging nach draußen in die Kälte.

 

Brauchtumspflege oder Köln gegen Düsseldorf

 

Nach einer Minute kam er freudestrahlend zurück und berichtete: „Zugabschnittsleiter.“
Gemeinsam gingen sie in den Musikunterricht in die Aula. Zak setzte sich hinter das Keyboard auf der Bühne, einfach weil er den Drang dazu verspürte. Es war an. Er setzte sich und legte die Hände auf die Klaviatur. Das Schlagzeug war gut. Der Rhythmus perfekt. Ein einzelner Strahler strahlte ihn an. Die Bühne wurde in den verschiedensten Farben erstrahlt. Der Lehrer betrat die Aula und blieb wie angewurzelt stehen. Livia sang leise den Text.

„Ich ben Lokalpatriot

Met stolzer Bross ming Fahn schwing rud un wieß

Alle wolle noh Berlin, erus en de große Welt

Doch mich kriss de hee nit fott

Ich kann nit sage, wat mich hee häld!“

Sie strahlte Zak an und sang dann weiter.

Et jitt kei Wood, dat sage künnt,

Wat ich föhl, wenn ich an Kölle denk

Wenn ich an ming Heimat denk!

Et jitt kei Wood, dat sage künnt,

Wat ich föhl, wenn ich an Kölle denk

Wenn ich an ming Heimat denk!“

„Weißt du noch damals, die atemberaubende Stimmung im Zelt? Mit CAT BALLOU? Der Song ist mir unter die Haut gegangen.“, meinte sie strahlend, als Zak die Bühne verlassen hatte und sich zu ihr gesetzt hatte.
„Und auch was wir letztes Jahr erlebt haben.“, meinte sie leicht traurig, „In den Schwarz bunten Tagen.“
„Ja, aber dieses Mal wird es besser. Hab ich dir schon erzählt, ich bin weisungsbefugter Zugabschnittsleiter.“, meinte Zak stolz und küsste Livia auf die Wange.
„Toll. Ich freue mich für dich.“, antwortete sie und lächelte ihn an.
Gemeinsam saßen sie und folgten mehr oder weniger dem Musikunterricht und kurz vor Ende konnte Zak es nicht noch mal lassen auf die Bühne zu gehen. Die meisten waren wieder rausgegangen, als er das Keyboard anschaltete.
„Hey, hat du bock?“, fragte er und stellte das Keyboard ein. Einer der Schüler hatte wieder die Lichttechnik unter Kontrolle. Die Bühne flamme auf, einzelne Spots leuchteten auf. Livia war auch auf die Bühne gekommen.
Der Beat war schnell, und ruhig. Pause. Er setzte wieder ein. Eine Gitarre spielte das Leitmotiv. Pause, nur noch der Beat schlug. Und Zak fing an zu singen.

 

Jedämf Leech

Die Luff es klamm un wärm

Bunte Luffballons

Alles litt sich Ärm en Ärm

Loss mich vun 'ner Well drieve

Vun ner schöne Melodie

Et letzte Kölsch schmeckt zockersöß

Alles es joot un nix deiht wieh

 

Der Rhythmus wurde schneller und lauter, mehr. Zak spielte perfekt. Das Licht zuckte im Rhythmus. Es war die perfekte Show. Den Refrain nach einer Pause sang Livia auch mit.

 

Hück steiht de Welt still

För ne kleine Moment

Wenn mr öm sich röm alles verjiss

Hück steiht de Welt still

Un us nem kleine Augebleck weed Iwigkeit

Wenn mer he zesamme sin

 

Sie spielten das Lied noch zu als Cristinah die Aula betrat. Sie kam aus Köln.
„Hey, das klang gut.“, meinte sie. Sie war überrascht von der umwerfenden Musik und dann sagte sie aber: „Ey ihr kennt HÜCK STEIHT DE WELT STILL?“
„Selbstverständlich, zu mindestens wenn man Brauchtum pflegt.“, meinte Zak souverän.
„Ja das ist halt nur untypisch. Kölner Karneval ist halt nur für Köln cool und für alles was außerhalb ist halt nicht.“, meinte sie.
„I wo.“, antwortete Zak und setzte an. Die Melodie kannte jeder. Dazu sangen Livia und er den Text:

 

Tach zusammen, wunderbar,

ich freue mich wie jedes Mal,

wie ich so durch die Reihen Gucke,

alles sind se da.

 

Abrupt hörte er auf.
„Ach entschuldige, das waren ja die Höhner und die kommen auch aus Köln. Aber dennoch:“, entschuldigte er sich und griff wieder beherzt in die Tasten.
„Jetzt geht’s los. Wir sind nicht mehr auf zuhalten!“, sang er dazu und lachte nachdem er wieder abrupt endete.
„Alle guten Dinge sind drei!“, rief er und fing wieder an zu spielen und zu singen. Die Melodie war typisch und eindeutig. Und diesmal passte auch der Text.

Wat sind die Farben der schönsten Stadt am Rhein?
Rot-Weiß!
 Wat sind die Farben von unserem Verein?
 Rot-Weiß!
 Zeigt eure Hände, es wird höchste Zeit
Und dann steht auf, wenn ihr Düsseldorfer seid

Wieder hörte er abrupt auf und schrie: „Bäm, ich kann auch Düsseldoferisch. Und kölsch trink ich eh net.“, er lachte und lächelte. Er verließ die dunkle Bühne und ging zu Cristinah.
„Aber wie kann ich dir helfen?“, fragte er.
„Ich dachte ich kann dich besuchen.“, meinte sie, „Schließlich wollte ich heute mal bei eurem Training schauen wegen dem Abzeichen.“
„Ach so, aber das ist erst später.“, meinte Zak. „Du bist viel zu früh.“
„Ich weiß, aber ich dachte wir könnten dennoch was unternehmen.“, meinte sie.
„Mh.“, machte Zak und sah wie Livia ging.
„Ich gehe dann mal.“, meinte sie an der Tür und Zak rief ihr noch eine Verabschiedung zu, die sie jedoch nicht mehr hörte. Zak seufze. Und viel kurz in sich zusammen.
„Hey, du hast super gespielt.“, meinte sein Musiklehrer.

„Danke, danke.“, meinte er leicht traurig.
„Hab ich da jetzt irgendwas falsch gemacht?“, fragte Cristinah Zak.
„Nein, nein, alles gut. Alles gut.“, meinte Zak und versuchte sich nichts anmerken zu lassen.

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