Kapitel 1

Das Nichts! Das kalte leere Nichts! Es erfasste mich mit seinen groben Klauen und riss mich mit sich. Lange hatte ich nichts gespürt und auch nicht erwartet jemals wieder Etwas zu spüren, doch da hatte ich mich wohl getäuscht. Ich hätte ja nicht wissen können, dass man sich so sehr um mich sorgt.

Ich hatte immer erwartet, dass die Seele nach dem Tod in den Himmel aufsteigt und sich dort ihren Frieden findet, doch als es nicht so war, war ich echt enttäuscht. Zwar konnte ich meine Enttäuschung nicht zum Ausdruck bringen, doch sie war mein ständiger Begleiter. Deshalb war ich auch so verwundert, als ich auf einmal wieder Etwas fühlte. Es war kein sonderlich angenehmes oder gewohntes Gefühl, doch als ich es wahrnahm überkam mich Freude. Nach wenigen Sekunden ändert sich das aber sofort wieder und ich würde lieber wieder Nichts mehr fühlen. Als nächstes nahm ich ein Licht hinter meinen Augenlidern war. Ein sehr helles Licht. Es stört meinen Schlaf. Wieso tut es das? Ich möchte einfach weiter schlafen. Schlafen. Für immer einfach entspannt weiter schlafen. Es tut so gut einfach nur zu schlafen.

Das ist das Einzige, woran ich mich erinnere, als ich meine Augen plötzlich aufschlage. Ich tue es nicht mit Absicht. Es geschieht einfach. Ich habe keine Kontrolle darüber.

Der Raum, indem ich mich befinde, ist von Licht durchflutet. Instinktiv blinzele und schließe die Augen wieder. Wenige Sekunden nachdem ich sie geschlossen habe, öffne ich sie interessiert wieder. Wo bin ich? Ich schaue mich um ohne meinen Kopf zu haben oder mich sonst irgendwie zu bewegen, aus Angst vor den schrecklichen Schmerzen, die mich wahrscheinlich überkommen werden. Ich liege auf einem Bett in einem hellen Raum. Es gibt nur ein Fenster, welches mit cremefarbenen Vorhängen verhängt ist. Ich liege auf hellen Bettlacken und bin sorgfältig mit einer ebenfalls cremefarbenen Decke zugedeckt. Außer einem weißen Schrank und einem Schreibtisch sammt Stuhl in derselben Farbe, ist der Raum leer. Abgesehen von mir ist kein Anderer hier. Es sind auch keine Geräusche zu vernehmen. Ich bekomme ein wenig Angst. Dieser Raum ist irgendwie unheimlich. Alles ist weiß und kein anderer Mensch ist hier. Nun fasse ich mir doch ein Herz und bewege mich langsam.

Erst bewege ich probeweise nur meinen Finger, um zu testen wie stark die Schmerzen sein werden. Sofort zucke ich zusammen. Autsch! Ich lasse meinen Finger wieder erschlaffen und bewege meinen Kopf dann vorsichtig hin und her. Es knackt einmal laut.

Auf einmal fliegt die Tür auf und ich zucke zusammen. Wer ist das? Es ist ein Junge. Er hat dunkelbraunes Haar und leuchtend grüne Augen. Sein Körper ist muskulöse und sein Blick ernst. Er kommt mir bekannt vor, doch sein Name fällt mir nicht ein. Es scheint als würde ich ihn irgendwann mal gekannt zu haben, doch diese Erinnerung ist ein wenig verblasst.

Er kommt langsam auf mich zu und sieht mich forschend an. Ich betrachte ihn forschend. Mit jedem Schritt, den er auf mich zu macht, kommt er mir bekannter vor. Als er vor mir in die Knie geht und sich vor das Bett hockt, erkenne ich ihn endlich. Meine Stimme ist kratzig als ich frage:"Jackson? Bist du es?" Er legt seine Hand an meine Wange und nickt mit einem leichten Lächeln:"Hat aber ganz schön lange gebraucht, um mich zu erkennen?" Mein Bauch beginnt leicht zu kribbeln, als ich mich berührt und ich will meine Hand an seine legen, als ich meinen Arm aber zu heben versuche, beiße ich die Zähne vor Schmerz fest aufeinander. Er schaut mich überrascht an. "Mir tut alles weh!", klage ich. Er nickt:"Ja, das ist normal, wenn man bedenkt, was du durchgemacht hast." "Was habe ich denn durch gemacht?", frage ich leicht verwirrt. Jackson legt den Kopf leicht schief:"Du erinnerst dich nicht mehr?" Ich schüttele den Kopf. Er schaut mich besorgt an und setzt sich auf den Boden:"Beth! Du bist gestorben." Es fühlt sich an als würde ich in ein großes Loch fallen aus dem ich nicht mehr entkommen kann. "Ich war tot?", frage ich, obwohl ich weiß, dass er nicht lügt. Er schaut weg. Ich überlege kurz, dann bekomme ich kurz einen Schock:"Wie kann ich dann leben? Oder bist du auch tot?" Er hebt wieder den Blick:"Ich bin ein Vampir, Beth. Ich bin schon tot." "Also bin ich auch tot?", frage ich vorsichtig. Das ist vielleicht eine dumme Frage, aber ich muss es wissen. Schließlich tut mir alles weh. Kann ich dann überhaupt tot sein? Kann man selbst nach dem Tod noch Schmerzen empfinden? Der Junge nimmt meine Hand und setzt vorsichtig zu einer Erklärung an:"Du warst tot. Ich habe dich aber wiederbeleben lassen." Ich bin geschockt:"Wie?" "Ich habe eine Freundin, die eine Hexe ist", erklärt er weiter. Ich kann meinen Blick nicht von ihm lösen:"Sie konnte mich einfach so zurück ins Leben holen?" Ich bemerke sofort, dass er meinem Blick ausweicht, weshalb ich den Kopf schief lege:"Was ist?" "Technisch gesehen bist du am Leben", beginnt er. Ich ziehe eine Augenbraue hoch:"Technisch gesehen?" Er nickt bestätigend, weicht meinem Blick aber nach wie vor aus:"Ich musste eine Entscheidung für dich treffen, Beth!" "Welche?" "Okay...wie erkläre ich das? Erinnerst du dich daran, was du bist?" Ich überlege kurz:"Ich bin eigentlich eine Mischung aus einem Werwolf und einem Vampir, aber irgendwie war ich auch ein Mensch." Ich bin total verwirrt. Das ist aber wahrscheinlich auch ziemlich normal für Jemanden, der tot war. "Genau, du bist ein undeaktivierter Hybrid. Das heißt du warst ein normaler Mensch, solange du nicht stirbst oder von einem anderen Werwolf gebissen wirst." "Aber ich bin doch gestorben", sage ich leise:"Ich bin ertrunken." Langsam erinnere ich mich immer wieder an alles. Es herrscht Stille zwischen uns. Ich will unbedingt wissen, welche Entscheidung er getroffen hat:"Erzähl bitte weiter." "Wenn du also vom Werwolf gebissen wirst, wirst du selbst zu Einem und wenn du stirbst, wirst du...", er macht eine Pause. Ich weiß, was er sagen will und beende seinen Satz:"...zu einem Vampir." Er schaut mich an. Ich befreie meine Hand von Seiner und wende meinen Blick ab. Er weiß, dass ich lieber gestorben wäre als zum Vampir zu werden. Ich habe mit den Anderen darüber geredet und mich selbst dafür entschieden ein Mensch zu bleiben. Und nun hat er einfach meinen Wunsch missachtet und mich ins Leben zurück geholt. "Wie?", frage ich:"Wie hast du mich ins Leben zurück geholt." Ich sehe aus dem Augenwinkel wie er schluckt:"Ich habe dich zu meiner Freundin, einer Hexe, gebracht und sie hat mir geholfen. Sie hat ein Ritual mit dir vollzogen. Zuerst hat sie dir die Kehle aufgeschlitzt..." Ich fasse mir an den Hals. Weder eine Wunde noch eine Narbe ist zu ertasten. Er macht weiter:"...Dann hat er dir mein Blut gegeben und einen Zauber gesprochen. Durch deinen Tod, mein Blut und das Ritual war es meiner Freundin möglich dich zu einem Vampir zu machen." Eine Träne läuft mir über die Wange. Wieso hat er das getan? Ich bin dank ihm jetzt ein Monster. Ein blutsaugendes mörderisches Monster. Jackson will meine Hand nehmen. Ich ziehe sie jedoch schnell weg:"Was passiert jetzt mit mir?" Der Andere seufzt:"Du befindest dich in der Verwandlungsphase. Du musst nun Blut trinken, um deine Verwandlung zu vollenden." Ich schaue ihn an:"Und was passiert, wenn ich das nicht tue?" "Du stirbst qualvoll", verkündet er kleinlaut. Ich schlucke geschockt:"Bitte geh!" "Was?", fragt er ebenso geschockt. "Verschwinde! Sofort!", befehle ich nun etwas lauter. Er zögert erst etwas, doch dann geht er meinem Wunsch nach und erhebt sich:"Na gut. Dann gehe ich." Mit diesen Worten verlässt er das Zimmer.

Endlich bin ich allein. Wieso hat er das getan? Ich werde ihm das nie verzeihen. Dank ihm muss ich nun das Blut Anderer trinken und sie dann töten. Er hat diese Entscheidung nur für sich selbst getroffen und nicht für mich. Das werde ich ihm nie verzeihen. Meine Hände habe ich zu Fäusten geformt. Meine Nägel bohren sich in meine Handflächen. Den Schmerz ignoriere ich jedoch einfach. Er ist Nichts im Gegensatz zu den Schmerzen in meinen Knochen. Ich hasse Jackson. Er denkt immer nur an sich selbst und nie an die Anderen. Dafür wird er bezahlen. Ich bin überrascht von meiner Wut, doch das lasse ich einfach zu. Sie ist berechtigt.

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