Kapitel 1

Helle Lichter flackerten durch den dunklen Raum.


Nebelschwaden krochen gespenstisch durch den Raum und tauchten alles in eine düstere Atmosphäre. Auf der Tanzfläche tobte die Menge und bewegte sich zur lauten Musik die ich nur gedämpft hinter der dicken Glasscheibe vernahm.


Samstagnacht und der Club war wie immer brechend voll.


Von meinem Aussichtspunkt auf einem der Schwarzen Ledersofas im Pub des Clubs, beobachtete ich durch die Glasscheibe die tanzende Menge unter mir. Neben mir auf dem kleinen Tisch aus dunklem Nussholz stand ein Glas 'Blue Raven'. Es war inzwischen der dritte den ich mir heute Nacht gönnte und es sollte nicht der letzte bleiben. In der dunkelblauen Flüssigkeit schimmerten die tanzenden Lichter.


Wie hypnotisiert starrte ich auf die Menge unter mir, die sich wie in Trance zur Musik bewegte. Heute machte 'Ghost Town' seinen Namen alle Ehre: es war wahrlich ein geisterhaftes Flair.


Ich ließ meinen Blick über die zum größten Teil schwarz gewandete Menge bis zur Bar schweifen. An einer der schwarz gekleideten Personen blieb mein Blick hängen.


Hinter der Bar stand Audrey, die Chefbarkeeperin, die angeregt mit einem der vier Barkeeper diskutierte. Sie schienen sich uneinig was die Getränkelieferung betraf. Wild gestikulierend erklärte sie ihm ihren Standpunkt. Seinem Gesichtsausdruck nach, war er nicht überzeugt von dem was seine Chefin ihm gerade erklärte. Nach wenigen Minuten gab er auf. Mit Audrey zu streiten hatte sowieso keinen Sinn. Eine der herausragenden Eigenschaften von Audrey Broderick war ihre Beharrlichkeit. Es war genauso Typisch für sie, wie ihr eigenwilliger Kleidungsstil mit dem sie aus der Menge herausstach wie ein bunter Hund. Schwarz war ihre bevorzugte Farbe. Heute trug sie ein silberfarbenes langes Top das mit schwarzer Spitze besetzt war, dazu Lederleggins und Mörder High-Heels. Eben typisch Audrey.


Ihre kurzen schwarzen Haare standen ihr wild verwuschelt in alle Richtungen. Es sah aus als hätte ihre Katze Ambrosia sich daran als Friseurin versucht.


Mit einem leichten Grinsen im Gesicht, ließ ich meinen Blick weiter über die Menge schweifen.


Ungefähr in der Mitte der langen Bar erkannte ich die roten Haare von Anabelle, die Cocktails mixte, servierte und das Geld kassierte. Routiniert wie sie war ließ sie die Barkeeper um sich alt aussehen.


Anabelle war bekannt für ihre Genauigkeit und ihrem Hang für elegante und doch sexy Kleidung. Das stellte sie heute wieder unter Beweis. Sie trug ein figurbetontes schwarzes Kleid, ohne Ärmel, das ihr bis zur Mitte der Oberschenkel ging und dort von einem silbernen dünnen Gürtel zusammengehalten wurde. Dazu eine schwere Perlenkette, schwarze Nylonstrümpfe und schwarze Nieten besetzte Ankleboots mit 15 cm Absatz. Ihre roten schulterlangen Haare hatte sie zu einem strengen Pferdeschwanz gebunden. So fühlte sich Anabelle Darnell wohl.


Beeindruckt von Anabelle's Schnelligkeit beim Cocktails mixen, ließ ich Gedankenverloren meinen Blick weiterwandern.


Am Ende der Bar blieb mein Blick an einer weiteren schwarz gewandten Person hängen.


Stacey Graham hielt ein Tablett mit abgeräumten Gläsern vor sich und kämpfte sich durch die Menge Richtung Bar. Normalerweise fand man Stacey im Pub im ersten Stock und selten im Club. Ihre langen braunen Haare trug sie offen. Sie trug ein schwarzes Kleid im Sixties Style mit Glockenförmigem Rock. Dazu schwarze Nylonstrümpfe und schwarze Stöckelschuhe. Stacey liebte elegante Kleidung im Stil der Sixties.


Als ich genug von der tanzenden Menge gesehen hatte, hob ich den Blick und beobachtete die lachende und flirtende Menge in den Sitzecken der Bar.


Vor drei Jahren hatte meine Mutter beschlossen die alten Clubräume neben dem Restaurant meiner Großmutter zu kaufen, umzubauen und völlig neu zu gestalten. Meine Großmutter hielt sie für verrückt und befürchtete das sich meine Mutter mit ihrem Vorhaben überschätzen könnte doch die Zahlen gaben ihr Recht: Ihr Club 'Ghost Town' war ein voller Erfolg. Jedes Wochenende standen sich hunderte von Menschen die Füße wund um in den Club zu kommen und die Nacht durch zu tanzen. Die geheimnisvolle Atmosphäre und der rustikale Stil zogen die Nachtschwärmer an wie das Licht die Motten. So wie heute.


Der Club selbst war in zwei Etagen unterteilt: Oben war ein kleiner Pub in deren Mitte man durch eine Öffnung im Boden, durch eine dicke Glaswand abgeschirmt, auf die Tanzfläche und den Nachtclub darunter sah. Angrenzend war das Restaurant meiner Großmutter, 'Eleonora's' in dem ich arbeitete.


Rund um die durch Glas abgesperrte Öffnung waren schwarze Sofas und Tische gereiht. Hier war die Musik nicht so laut und man konnte miteinander sprechen. Die Wände im ganzen Gebäude waren nackter, grauer Stein. Verbunden mit dem dunklen Holz und den vielen Schwarzen Möbeln wirkte es sehr edel. Hier war mein Lieblingsplatz im ganzen Club.


Ich warf einen Blick auf die schwarze Bar aus Ebenholz am Ende des Raumes. Zwei Barkeeper kämpften sich durch die Bestellungen der Gäste die sich angeregt unterhielten. Clarissa, eine Kellnerin und gute Freundin, ging durch die Reihen und nahm mit einem freundlichen Lächeln die Bestellungen der auf den schwarzen Sofas sitzenden Gäste auf.


Weiterhinten fiel mein Blick auf einen hochgewachsenen Blondschopf: Mein bester Freund Charlie.


Er trug ein violettes Hemd, dazu ausgewaschene Jeans und Turnschuhe. Nervös fuhr er sich mit der Hand durch seine blonden verstrubbelten Haare und ließ seinen Blick durch die Menge schweben, was ihm leichtfiel. Mehr als die Hälfte der Gäste überragte er. So auch seinen Begleiter den ich nicht kannte.


Neben ihm stand ein ebenfalls Blonder Mann der mit zusammengekniffen Augen ärgerlich ebenfalls durch die Menge blickte. Ich beobachtete wie er verärgert etwas zu Charlie sagte und weiter in die Menge ging. Dieser fuhr sich ein weiteres Mal nervös durch seine verstrubbelte Frisur und drehte sich suchend in alle Richtungen während er seinem Kumpel folgte. Plötzlich verspürte ich den drang mich bemerkbar zu machen. Als würde Charlie mich rufen. Einige Minuten kämpfte ich mit mir selber. Dann war es vorbei. Zitternd sank ich in die Lederpolsterung. Verwirrt bemerkte ich, das mein Atem schneller ging und mein Herz wie verrückt klopfte. Ich legte meine zitternde Hand auf mein Brustbein und zwang mich ruhig und gleichmäßig zu atmen.


Nach kurzer Zeit bemerkte ich das mein Herz wieder gleichmäßig klopfte und ich wieder normal atmete. Nervös sah ich mich um. Hatte jemand mein seltsames Benehmen bemerkt?


Doch niemand achtete auf mich. Ich hatte mir einen Platz weit hinten gesucht von dem man einen guten Blick über alles hatte, den man aber im Dämmerlicht nicht so gut sah. Entspannt atmete ich aus und schlug die Beine übereinander.


Kurz schaute ich zurück an den Platz wo ich Charlie und seinen Begleiter das letzte Mal gesehen hatte, doch sie waren verschwunden. Zähne knirschend zog ich meinen Rock zu recht.


Ich trug mein schwarzes ärmelloses Lieblingskleid, dessen Glockenrock mir bis knapp zu den Knien reichte und meine Kurven am besten zur Geltung brachte. Dazu trug ich schwarze Nylonstrümpfe und schwarze mit Nieten besetzte High Heels. Ich mochte diesen rockigen Style. Meine schwarzen lockigen Haare, die mir bis über die Schultern reichten, umspielten mein Gesicht wie ein schwarzer Schleier.


Mein Blick wanderte gedankenverloren an das obere Ende der Bar, immer noch auf der Suche nach Charlie und seinem geheimnisvollen Begleiter.


Zwei Männer erregten meine Aufmerksamkeit: Sie hatten die Köpfe zusammengesteckt und unterhielten sich angeregt.


Einer stand seitlich zu mir und ich konnte nur sein halbes Gesicht erkennen. Er war ungefähr in meiner Größe, hatte kurz geschorene braune Haare, einen Dreitage Bart, muskulöse Arme und einen breiten Rücken. Er trug eine schwarze offene Sweatjacke mit Kapuze und Jeans.


Die beiden schienen ein schwieriges Thema zu besprechen zu haben den er redete weiter beharrlich auf sein Gegenüber ein.


Der zweite Mann war um einiges größer als sein Begleiter, hatte schwarzes kurzes Haar und schien nur aus Muskeln zu bestehen. Er war elegant angezogen, trug schwarze Jeans und ein weißes Hemd. Lässig lehnte er an der Bar und schwenkte mit nachdenklicher Miene sein Glas in der eine bräunliche Flüssigkeit, ich tippte auf Scotch, schwamm.


Ich hatte die beiden Männer schon eine Weile beobachtet, als der größere plötzlich langsam seinen Kopf hob und mir direkt ins Gesicht sah. Meine braunen Augen trafen aufleuchtend grüne Augen die mich zu durchdringen schienen.


Ich hatte das Gefühl in seinen Augen zu ertrinken, als würde alles in mir offengelegt. Sie schienen mich Gefangen zu halten wie Magnete. Wie Smaragde leuchteten sie in der Dunkelheit zu mir. Wie Sterne am Firmament schienen sie zu strahlen. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, meine Atmung beschleunigte sich. Meine Hände wurden feucht. Ich war wie betäubt.


Die Welt schien still zu stehen. Ich konnte keinen Gedanken mehr bilden, mein Kopf schien wie leergefegt. In mir herrschte Chaos. Wie Hypnotisiert starrte ich zu dem Mann mit den Grünen Augen. Und er starrte wie gebannt zu mir.


Konnte es sein, dass er in diesem Moment das gleiche fühlte wie ich?




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