Kapitel 16

Kalte Septemberluft strich sanft und kühl über meine erhitzten Wangen. Der Wind lies die Äste der Bäume hinter uns sanft rascheln. Immer noch schauten Charlie und ich uns in die Augen. In seinen Pupillen konnte ich kleine Sterne aufblitzen sehen.

„Ich sehe… mein ganzes Leben in deinen Augen. Du warst immer für mich da, hast mir immer geholfen,“ setzte ich fort. „Ich habe dir immer blind vertraut, habe deine Taten und Worte nie in Frage gesetzt. Warum? Weil ich mich in dich verliebt habe.“ Charlies Augen vergrößerten sich. Er öffnete den Mund um etwas zu erwidern doch ich hob abwehrend die Hand. Nun war ich dran ihm meine Sicht der Dinge zu erklären und ich hatte viel zu klären „Ich bin verliebt in dich, Charlie, seit ich dich das erste Mal gesehen habe. Das kann und will ich nicht leugnen. Ich habe Gefühle für dich, aber dieser Vertrauensbruch macht es mir zurzeit unmöglich dir noch voll und ganz zu vertrauen. Das musst du verstehen.“

Enttäuscht wanderte sein Blick zu Boden. Ich beobachtete wie er nervös begann auf seiner Unterlippe kaute. Ich atmete tief ein denn ich würde im gleich nochmal wehtun, doch es hatte keinen Zweck ihm von der Prägung auf Riley nichts zu sagen. Er würde es früher oder später doch herausfinden.

„Da gibt es noch etwas das ich dir sagen muss: Bei den Wölfen gibt es da so eine Sache die nennt man…“ begann ich doch dieses Mal hob er wegwischend die Hand.

„Skyler du musst mir nicht von deiner Prägung auf Riley erzählen. Das weiß ich schon. Ich kenne die Magie der Wölfe besser und länger als du,“ knurrte er verärgert und stand auf. Verblüfft blieb ich sitzen.

„Bist du… sauer auf mich?“ bohrte ich vorsichtig nach.

Er seufzte und schüttelte den Kopf während er sich fahrig durch die Haare fuhr.

„Skyler ich muss dir etwas sagen,“ setzte er vorsichtig an. Mein Herz rutschte mir in die Hose.

„Oh nein,“ stöhnte ich. „Du hast eine Freundin.“

Charlie starrte mich einige Sekunden lang erstaunt an, dann begann er zu lachen. „Skyler du schaffst mich. Wie kommst du den auf diese dumme Idee?“

Verwirrt schaute ich ihn an. „Was sollte es sonst sein was du mir sagen musst?“

Sein lachen erstarb. Nervös begann er sich wieder durch die Haare zu fahren.

„Ich nehme an die Wölfe haben dir erzählt was es mit der Prägung auf sich hat?“

Ein Verdacht machte sich in mir breit: Was wenn auch diese Gefühle für Charlie von einem Zauber erweckt waren? „Ja?“

Charlie senkte seinen Blick auf seine Schuhspitzen und murmelte etwas vor sich her.

„Was?“ fragte ich verwirrt.

Er atmete tief ein. „Soistesauchmituns,“ ratterte er schnell herunter.

„Charlie, ich verstehe kein Wort was du sagst. Sag mir einfach was los ist,“ fauchte ich aufgebracht.

Seinen Blick starr auf seine Hände gerichtet begann er von neuem. „In meinem Volk gibt es das auch,“ murmelte er.

Fassungslos starrte ich zu ihm. „Was gibt es auch?“

„Die Prägung. Ich sagte doch: Wir Wächtervölker sind uns sehr ähnlich.“

Ich schluckte schwer. „Soll das heißen… wir… meine Gefühle für dich sind genauso verfälscht wie die zu Riley?“ Tränen stiegen mir in die Augen.

„Ich würde nicht sagen das sie verfälscht sind.“

„Was sind sie dann? Echt sind sie jedenfalls nicht!“ fauchte ich aufgebracht während Tränen über meine Wangen liefen und eine feuchte glitzernde Spur hinterließen.

„Natürlich sind sie echt. Was sollten sie sonst sein?“ murrte er verärgert während sein Blick immer noch auf seine Schuhe gerichtet waren. Verärgert wischte ich mir die Tränenspur mit dem Handrücken von den Wangen.

„Dann bist du also überzeugt das ich mich auch in dich verliebt hätte wenn die Prägung nicht wäre?“ wollte ich wissen.

Charlie zögerte. „Das habe ich nicht gesagt, aber es wäre möglich.“

Ich schüttelte den Kopf. „Freiheitsraub nennt man das.“

„In der magischen Welt ist es nun mal so,“ murmelte er.

Steif stand ich auf. Charlie schaute mich erschrocken an und öffnete den Mund. Als er mein verärgertes Gesicht sah schloss er ihn wieder. „Skyler…“

„Nein, Charlie. Lass es. Auf Grund Eures – ich nenne es jetzt mal so – ‚Brauches‘, habe ich das Glück mir meinen Bräutigam unter drei Männern auszusuchen. Das Bedarf gründlichen Überlegungen finde ich. Eine Frau meines ‚Kalibers‘ sollte sich nicht mit dem erst Besten zufriedengeben,“ kokett drehte ich mich von Charlie weg. „Leb wohl Charles.“ Dann stapfte ich davon ohne zu wissen wohin. Ich wusste nur eines: Ich wollte weg von hier. Einfach nur weg von diesem Ort an dem mein Leben wie eine Seifenblase zerplatzt war. Mit vom Tränenschleier verhüllten Blick stolperte ich ruhelos in das Dickicht des Waldes ohne zu wissen wo ich hinging. Ich verlies mich vollkommen auf meinen neu entdeckten Wolfsinn. Ich hörte das Rauschen des Windes der durch das Geäst fuhr, das leise summen des Grases das sich in Wellen bewegte und die Rufe von Eulen und anderen Nachtaktiven Tieren die sich unterhielten. Doch es war ein anderes Geräusch das mich stetig weiter in eine Richtung zog: ein leises stetes Klopfen das mit jedem Schritt den ich machte lauter wurde. Wie ein Magnet zog mich das Klopfen zu sich. Meine Schritte wurden schneller. Immer tiefer drang ich in den Wald. Durch die immer enger stehenden Bäume drang immer weniger Mondlicht. So ging ich einige Meter immer das Klopfen im Ohr das immer lauter wurde mit jedem Schritt den ich machte. Mit der Zeit lichtete sich der Wald wieder und Das Licht des Mondes erleuchtete spärlich den Waldboden. Schließlich stieß ich auf eine Lichtung. Mein Herz klopfte wie wild in meiner Brust als ich wie mechanisch in das hohe Gras der Lichtung trat. Das Klopfen dröhnte nun in meinen Ohren. Ich realisierte nur halb, dass sich mein Herz dem Rhythmus des Klopfens angepasst hatte. Auf der Mitte der kleinen Lichtung stand ein vollkommen zerbeulter alter Wohnwagen mit platten Reifen im Schatten eines Nussbaumes. Auf einer Seite rankte sich der Efeu nach oben und bedeckte die Hälfte des Wohnwagens. Vor der offenen zerbeulten Tür war eine Kleine Holztreppe die einen ziemlich maroden Eindruck machte. Vor dem Wohnwagen stand ein schwarzes Motorrad aufgebockt. Mein Herz machte einen kleinen Salto.

Seid sie hier ist schläft Riley im alten Wohnwagen im Wald, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf sagen. Er hat es hier nicht mehr ausgehalten.

Das Geräusch eines Motors spuckte durch meinen Kopf zusammen mit dem verschwommenen Bild eines Mannes auf einem schwarzen Motorrad.

„Riley,“ hauchte ich und schluckte schwer. Der Fluch hatte mich direkt zu der Lichtung gebracht.

„Was zum Teufel machst du hier, Skyler? Hast du mich nicht schon genug gequält?“ raunte mir sehr wohl bekannte Stimme hinter mir.

Erschrocken wirbelte ich herum. „Riley,“ stammelte ich. In seiner schwarze Motorradjacke stand er nur einen Meter entfernt von mir und  betrachtete mich wütend. „Es tut mir leid. Ich wollte nicht…“

Riley stieß ein gequältes Lachen aus. „Du wolltest was nicht?“ stieß er verächtlich aus. „Hier herkommen? Mich quälen? Hast du es noch immer nicht kapiert? Das ist ein Fluch Mädchen.“

Ich trat verängstigt zurück. Augenblicklich veränderte sich Rileys Haltung: Er ließ seine Schultern sinken und betrachtete mich traurig. „Es tut mir so leid. Ich wollte das wirklich nicht,“ stammelte ich erschrocken von seiner Wut.

Riley sah mich schmerzerfüllt an und schüttelte den Kopf. „Nein, Skyler mir tut es leid. Ich wollte dich nicht erschrecken.“

„Ich hätte nicht herkommen sollen,“ stammelte ich entschuldigend und wandte mich von ihm ab. Ein Schmerzhafter Stich in der Brust durchzuckte mich.

„Du musst nicht gehen,“ hörte ich Riley murmeln.

Mein Herz machte wieder einen Sprung. Schnell drehte ich mich um. Er sah geradewegs zum Wohnwagen der vom Mondlicht beschienen wurde. Seinen Mund hatte er zusammengekniffen. Seine ganze Haltung war ablehnend.

„Du willst mich aber nicht hierhaben,“ stellte ich nüchtern fest.

Riley seufzte und ließ seine Schultern sinken.

„Ich will dich zu gerne hierhaben, Skyler. Nur das diese Gefühle nicht echt sind,“ stellte er trocken fest. „Du kennst mich nicht und ich kenne dich nicht. Das ist ein Spiel das die Götter mit uns spielen.“

Ich trat einen Schritt näher zu ihm. Erschrocken zuckte er zusammen als ich nur noch wenige Zentimeter entfernt von ihm stand.

„Dann lernen wir uns eben kennen.“

Riley blinzelte verwirrt. „Was?“

„Willst du etwa immer vor mir flüchten? Ich bin nun mal auch ein Teil dieses Rudels. Vielleicht sollten wir uns also erstmal besser kennenlernen,“ erklärte ich ihm und hielt ihm lächelnd meine Hand hin. „Hey, ich bin Skyler.“

Riley betrachtete unentschlossen meine Hand bis er seine hob. Als sich unsere Haut berührte durchzog mich ein Kribbeln wie ein Stromschlag. Ich sah auf unser Hände die fest ineinander verschränkt waren. Eine Art leuchten ging von ihnen aus. Ich hob erschrocken meinen Blick. Meine Augen trafen auf Rileys die mich ähnlich erschrocken anschaute. Dann endete das Spektakel. Atemlos starrten wir uns an, immer noch Hand in Hand.

Riley räusperte sich. „Ich bin Riley.“

„Schön dich kennen zu lernen,“ hauchte ich.

Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. „Das kann ich nur zurückgeben.“ Sein Daumen wanderte über meinen Handrücken und begann dort Kreise zu zeichnen. In meinem Bauch begann es zu flattern.

„Was machen wir jetzt?“ wollte er wissen.

„Wir lernen uns kennen,“ antwortete ich lachend.

Riley lachte. „Möchtest du ein Bier?“ fragte er plötzlich und lies meine Hand los. Langsam ging er zur Tür des Wohnwagens. Dort drehte er sich nochmal um und sah mich fragend an.

Ich nickte lachend. „Willst du mit mir ein Bier trinken und die Sterne zählen?“

Riley grinste frech bevor er im Wohnwagen verschwand. „Ich dachte wen schon denn schon: Du willst ein Kennenlernen, warum also nicht ein typisch Kitschiges erstes Date?“ erklärte er als er mit einer Picknickdecke über einem Arm und zwei Bierdosen in der anderen Hand auftauchte.

„So richtig mit karierter Picknickdecke?“ lachte ich. „Du bist echt süß.“

Riley blieb grinsend vor mir stehen. „Das täuscht.“

Grinsend trat ich näher an ihn heran so das mein Gesicht nur noch eine Handbreit von

meinem entfernt war. Ich hörte sein Herz wie wild schlagen.

„Glaub mir auch ich bin nicht so süß wie ich aussehe,“ flüsterte ich grinsend bevor ich ihn küsste.

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